iOS AdBlocker: auch Crystal setzt gegen Bezahlung auf Whitelist der AdBlock Plus-Macher

25. September 2015 Kategorie: Internet, iOS, geschrieben von:

artikel_iPhone6S_PlusMit iOS 9 kamen die Content-Blocker auf Apples iOS-Geräte. Da iOS-Geräte einen erheblichen Anteil des mobilen Webtraffics ausmachen, ist dies ein durchaus beachtlicher Schritt, der Betreibern von werbefinanzierten Webseiten ebenso schadet wie den Werbenetzwerken selbst. Die Nutzer kaufen Content-Blocker wie verrückt, nachdem Marco Armant seinen Blocker Peace aus dem App Store entfernt hatte, rutschte mit Crystal einfach der nächste an die Top-Position der Verkaufscharts. Damit nicht jeder Content geblockt wird, gibt es zum Glück die Retter der Werbeanzeigen, die Eyeo GmbH, welche für AdBlock Plus und das mafiöse Whitelisting (Schutzgeld zahlen, um Werbeanzeigen auch bei geblockten Inhalten anzuzeigen) bekannt sind.

Die Eyeo GmbH nutzt bei ihren eigenen Produkten (AdBlock Plus, AdBlock Browser) eine sogenannte Whitelist, die Werbeanzeigen durchlässt, welche den Nutzer nicht stören sollen. Tatsächlich ist es aber so, dass Werbeanzeigen dann angezeigt werden, wenn der Werbende dafür bezahlt. Google ist ein prominentes Beispiel eines solchen Zahlers, es gibt aber weitaus mehr, die auf diese Weise ihre Werbung dennoch anzeigen lassen.

IMG_3587

Die Eyeo GmbH bietet den Anbietern von Content-Blockern nun Geld, damit diese ebenfalls auf die Whitelist der Eyeo GmbH setzen. So wird es auch Dean Murphy, Entwickler von Crystal, machen. Die Eyeo GmbH bezahlt dem Entwickler Geld, dieser lässt Werbung durch. Die Nutzer, die für einen AdBlocker bezahlt haben, bekommen trotzdem Werbung angezeigt, der Entwickler verdient doppelt. An denen, die Werbung blockieren wollen und an denen, die Werbung dennoch anzeigen lassen wollen.

Am besten liest sich jedoch die Begründung des Entwicklers:

“Given how popular Crystal has become, it doesn’t provide any way for users to support publishers. I decided that’s a good feature to provide, and from what I’ve seen the ‘acceptable ads’ policy doesn’t let through what I’d classify as bad ads.”

Die Whitelist-Funktion in Crystal wird nach Aussage des Entwicklers zwar optional sein, allerdings standardmäßig aktiviert sein. Im Gegenzug erhält er monatliche Zahlungen der Eyeo GmbH. Diese sollen nach eigener Aussage unter dem liegen, was der Entwickler durch Verkäufe des Blockers einnimmt (bisher rund 100.000 Downloads, also ca. 70.000 Euro).

Und so geht das Katz- und Maus-Spiel weiter. Nutzer versuchen Werbung zu blockieren, Advertiser versuchen AdBlocker auszutricksen, AdBlocker versuchen selbst Werbung durchzuschleusen. Und das alles anstatt sich nach einer anderen Finanzierungs- und/oder Werbeform umzuschauen.

Solltet Ihr von Werbung auf Webseiten genervt sein, nutzt die Webseiten nicht oder setzt einen Werbeblocker ein, so einfach ist das. Bei der Wahl des Werbeblockers solltet Ihr jedoch darauf achten, wie sich dieser finanziert. Werbung blocken ist das eine, mysteriöse Ad-Netzwerke unterstützen das andere. Dass ihnen der Seitenbetreiber egal ist, beweisen Nutzer ja schon durch den Einsatz eines AdBlockers, auf diesen muss demnach nicht so sehr geachtet werden. Ich halte es ja so, dass ich komplett ohne Adblocker unterwegs bin. Seiten mit für mich zu viel Werbung? Ein Tab ist schneller geschlossen als geöffnet, lese ich eben woanders. Für alle Seiten gleichermaßen fair und es verdient keiner daran, dem ich es nicht gönnen würde.

(Quelle: WSJ)

Du entscheidest mit! Wir suchen das Smartphone des Jahres 2017! Jetzt abstimmen!

 

Über den Autor:

Technik-Freund und App-Fan. In den späten 70ern des letzten Jahrtausends geboren und somit viele technische Fortschritte live miterlebt. Vater der weltbesten Tochter (wie wohl jeder Vater) und Immer-Noch-Nicht-Ehemann der besten Frau der Welt. Außerdem zu finden bei Twitter (privater Account mit nicht immer sinnbehafteten Inhalten) und Instagram. PayPal-Kaffeespende an den Autor.

Sascha hat bereits 9380 Artikel geschrieben.