Internet: Eltern setzen auf Überwachung, Kinder versuchen sie zu umgehen

20. Juni 2015 Kategorie: Internet, geschrieben von:

Für Kinder und Jugendliche lauern im Netz viele Gefahren. Diese müssen nicht einmal von fremden ausgehen, das Thema Cybermobbing kann auch ganz aus der Nähe gesteuert werden – das Netz bietet hier perfekte Plattformen. Damit Kinder den richtigen Umgang mit dem Internet und allem was dazu gehört lernen, sind die Erwachsenen gefragt. Das Problem ist jedoch, dass viele Erwachsene selbst nicht sicher sind, was den Umgang mit sozialen Netzwerken und die Gefahren des Netzes angeht.

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Eine im Auftrag von Intel Security durchgeführte Umfrage brachte nun hervor, dass die Sorgen und Ängste der Eltern auch die Sorgen und Ängste der Kinder sind. Und sie zeigt, dass Eltern heute gar nicht mehr so hilflos sind, wenn es um die Netzerziehung der Kinder geht. Diese sind allerdings schon dabei, sich den Überwachungsmaßnahmen der Eltern zu entziehen.

Für die befragten Eltern ist das schlimmste Ereignis im Netz Cybermobbing. 58 Prozent der Eltern sehen dies so. Dicht dahinter kommt bereits die Weitergabe von persönlichen Daten, davor fürchten sich 57 Prozent der Eltern. Auf Platz 3 liegt der Reputationsverlust mit den entsprechenden Konsequenzen, 51 Prozent der Eltern fürchten sich davor. Das sehen die Kinder ähnlich. Unter ihnen sind Opfer und Täter. 7 Prozent gaben an, schon einmal Opfer von Cybermobbing gewesen zu sein, 22 Prozent waren sogar schon einmal Täter, ausgeführt über soziale Netzwerke.

Interessant ist auch der Grund, warum Jugendliche ein Pseudonym in sozialen Netzen nutzen. 64 Prozent treten nicht mit ihrem Realnamen auf, um sich so vor Mobbing zu schützen. 79 Prozent der Befragten gaben allerdings an, dass sie sich auf diese Weise vor Kriminellen (Cyberkriminelle oder Pädophile) Kontakten schützen wollen. Viel zu bringen scheint dies aber nicht, denn 47 Prozent geben auch an, schon einmal eine Person geblockt zu haben, weil sie ihnen unsympathisch waren oder zu viele Nachrichten kamen.

Je älter die Kinder sind, desto aktiver werden sie im Netz, logisch. Im Schnitt sind es 58 Prozent der 8 – 16-jährigen, die in sozialen Netzwerken aktiv sind. Allerdings sollte man sich von der Zahl nicht täuschen lassen. Im Alter zwischen 13 und 16 Jahren sind es nämlich 75 Prozent, die soziale Netzwerke nutzen. WhatsApp ist hier Spitzenreiter, von 57 Prozent der Jugendlichen wird der Messenger genutzt. Facebook und YouTube sind mit je 38 Prozent gleich auf.

Etwas überrascht hat mich die Nutzungsdauer von Smartphones. Gerade einmal 36 Prozent der Befragten nutzen ihr Gerät mehr als 2 Stunden am Tag. Ob das an der Überwachung durch die Eltern liegt? 58 Prozent gaben nämlich an, dass sie die Internetaktivitäten ihrer Kinder überwachen, sei es durch Software (41 Prozent) oder durch das Folgen in sozialen Netzen (30 Prozent). Immerhin 29 Prozent der Eltern durchsuchen auch die Geräte der Kinder. Diese wissen sich natürlich zu wehren. 38 Prozent der Jugendlichen gaben an, dass sie Online-Aktivitäten zumindest teilweise vor ihren Eltern verbergen, sei es durch das Löschen von Nachrichten / des Browserverlaufs oder durch geschickten Einsatz der Privacy-Einstellungen direkt auf den Geräten.

Die beste Zahl der Umfrage ist jedoch die Kommunikation der Eltern mit den Kindern. 91 Prozent der Eltern sprechen mit ihren Kindern offen sowohl über die Gefahren, als auch über die Schutzmaßnahmen, die man als Eltern ergreift. Nur durch eine offene Kommunikation kann sichergestellt werden, dass Kinder auch offen über Probleme im Netz reden, sei es weil sie gemobbt werden oder weil jemand Fremdes Dinge wissen will, die die Person nichts angehen. Durch Gespräche schwindet die Hemmschwelle für die Kinder, mit Problemen zu den Eltern zu kommen.

Wichtig ist natürlich auch, dass Eltern am Ball bleiben. Es bringt relativ wenig, wenn diese irgendwo einmal aufgeschnappt haben, Facebook sei böse und dem Kind daraufhin die Nutzung verbieten. Aktuelle Trends dürfen ruhig auch von Eltern verfolgt werden. Das schlägt zwei Fliegen mit einer Klappe. Zum einen kann man „mitreden“, wenn solche Themen angeschnitten werden, zum anderen verlieren solche Trends dann auch schnell den Reiz, wenn die Eltern auch am Start sind.

Ein interessantes Thema, mit dem ich mich als Vater einer 13-jährigen Tochter, zwangsläufig auch auseinandersetzen muss. Bei uns lief das so, dass wir unserer Tochter sehr früh (vielleicht sogar zu früh?) den Einstieg ins Netz ermöglicht haben. Viele Gespräche, viele Verbote und noch mehr Nichteinhaltungen später können wir uns nun aber relativ sicher sein, dass unsere Tochter sich „vernünftiger“ im Netz bewegt als mancher Erwachsener. Kontrolle gibt es noch immer, bei Weitem aber nicht mehr so umfangreich und häufig wie noch vor ein paar Jahren.

Und ja, auch wir merken, dass unsere Tochter versucht, ihre Spuren vor uns zu verwischen. Sie weiß nicht, dass wir es wissen (sorry, falls Du das jetzt liest), es zeigt uns aber, dass sie sich an die Regeln hält. Die vermeintlich verwischten Spuren sind auch nie etwas Schlimmes oder so, aber halt Dinge von denen Kinder nicht unbedingt wollen, dass ihre Eltern darüber Bescheid wissen.

Man kann nur an alle Eltern appellieren, es mit den Kindern zu versuchen, anstatt mit Verboten und Strafen um sich zu schmeißen. Gemeinsam Netznutzungspläne erstellen, Regeln aufstellen mit denen Kinder und Eltern leben können, je früher, desto besser. Das Internet wird weder heute noch morgen wieder verschwinden, die Kinder zu einem verantwortungsvollen Umgang mit diesen zu erziehen, liegt aktuell auch noch rein bei den Eltern, von schulischer Seite ist hier nicht allzu viel zu erwarten (ja, hier gibt es sicher Ausnahmen, wie überall).

Und nun zu Euch. Wie handhabt Ihr das mit Kindern und dem Internet? Volle Kontrolle, eingreifende Maßnahmen oder überlasst Ihr Euren Kindern selbst, die nötigen Erfahrungen zu sammeln?

An der Online-Umfrage zum Online-Verhalten und den Social Media-Aktivitäten von Kindern und Jugendlichen und deren Eltern nahmen in Deutschland insgesamt 2.000 Personen teil: 1.000 Eltern (Mütter und Väter) von Kindern im Alter zwischen acht und 16 Jahren sowie 1.000 Kinder und Jugendliche zwischen acht und 16 Jahren. Die Umfrage wurde im April und Mai 2015 durchgeführt.

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Über den Autor:

Technik-Freund und App-Fan. In den späten 70ern des letzten Jahrtausends geboren und somit viele technische Fortschritte live miterlebt. Vater der weltbesten Tochter (wie wohl jeder Vater) und Immer-Noch-Nicht-Ehemann der besten Frau der Welt. Außerdem zu finden bei Twitter (privater Account mit nicht immer sinnbehafteten Inhalten) und Instagram. PayPal-Kaffeespende an den Autor.

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