Im Test: Coqon – smartes Wohnen aus Bremen

7. August 2016 Kategorie: Android, Hardware, iOS, Smart Home, geschrieben von: Benjamin Mamerow

coqon_logoVon Smart Home-Produkten liest man bei uns ja des Öfteren. Der Großteil der Bevölkerung ist von dem vernetzten Heim allerdings immer noch ein wenig abgeschreckt. Auch ich gehörte bis vor Kurzem noch zu denjenigen, denen so eine Einrichtung und die dauerhafte Konnektivität meines Heims ein Gräuel waren. Nicht weil ich Aluhut-Träger wäre und alles fortschrittliche Gedöns verteufle, sondern vielmehr weil ich schlichtweg zu faul war, mich mit dem Thema großartig beschäftigen zu müssen. Doch ich sollte mich eines besseren belehren lassen, denn ein Bremer Unternehmen ließ uns ein Paket mit ein paar seiner eigenen Smart Home-Lösungen zukommen, die mich dann schlussendlich doch interessierten.

Wie bereits erwähnt, bin ich der klassische Neuling im Bereich des smarten Zuhauses. Wir sind im Netz, alle WLAN-fähigen Geräte sind dementsprechend miteinander verbunden, DLAN sichert mir störungsfreies Daddeln im Wohnzimmer ob der dort nämlich fehlenden Netzwerkanschlüsse und auch so sind wir generell keineswegs der Technik abgeneigt. Allerdings gab es für uns/mich bisher keinen schlüssigen Grund, smarte Geräte im Haus zu installieren, die mir das Leben möglicherweise ein wenig einfacher machen würden. Ein mir sehr wichtiger Aspekt im Heim ist vor allem die Sicherheit. Soll heißen, dass ich mir in Sachen Alarmbereitschaft des Hauses durchaus Gedanken gemacht habe und nicht alles der bereits beim Hauskauf vorinstallierten Alarmanlage überlassen wollte.

Als Caschy mich dann informierte, dass ein Bremer Unternehmen namens neusta next (neusta next ist Tochterunternehmen von team neusta) ein Paket auf den Weg gebracht hat, welches neben der Basisstation einen Zwischenstecker, ein Heizkörperthermostat und einen Fenster/-Türkontakt beinhaltete, konnte ich nicht „Nein“ sagen, denn nun war es an der Zeit, endlich den Schritt zu wagen und das Heim ein wenig mehr und vor allem der Sicherheit beitragend zu vernetzen.

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COQON, so heißt die Serie der angebotenen Smart Home-Gerätschaften, die das Unternehmen über seinen Shop vertreibt und angeblich auch offen ist, mit Geräten anderer Hersteller zusammen zu arbeiten. Im gelieferten Paket fand ich dann die Basisstation „COQON qbox Basic“ und eben die oben genannten drei Erweiterungen. Da wir aktuell Sommer haben und unsere daheim befindliche Heizanlage auf „Warmwasser only“ eingestellt haben, kann ich leider die hundertprozentige Funktion des Thermostats nicht austesten. Es sei mir hier dennoch verziehen, dass ich nicht bis Winter verharren wollte, bis ich endlich mal ein paar Zeilen zum Gerät verbloggen kann 😉

Das Equipment von Coqon lässt sich in sieben Kategorien einordnen, die miteinander kombiniert hervorragende Szenarien schaffen. Es gibt QCam, QHeat, QSense, QLight, QSecure, QWeather und QMedia – die Namen verdeutlichen schon, welche Aspekte die einzelnen Kategorien abdecken sollen.

Die einzelnen Geräte sind schlicht in dünnem Karton verpackt und beinhalten neben dem entsprechenden Produkt alle notwendigen Kabel, Montageschrauben, etc und dazugehörige Papiere wie der Installationsanleitung. Und damit kommen wir schon zum ersten größeren Thema:

Die Installation

Als technisch versiertem Persönchen leuchtete es mir bereits vorm Öffnen des Kartons ein, dass derartige Produkte via Basisstation miteinander kommunizieren, diese also als Installationsmittelpunkt agieren wird und ich später alles Nötige über eine zugehörige App steuern und einstellen kann. Ich hoffte, mit meiner Theorie richtig zu liegen und tat etwas mir sonst sehr untypisches: Ich las die Bedienungsanleitung! Und siehe da, richtig vermutet – die Basis muss eingerichtet werden.

Coqon_App_2

Diese wird lediglich mit dem Stromnetz verkabelt und kann dann mit der bis dahin bereits auf dem Smartphone (Android und iOS) installierten App / alternativ mit der Desktop-App angesteuert werden, um sie zur Installation vorzubereiten. Dazu wird erst das heimische WLAN und im Anschluss die entsprechende qbox ausgewählt. Nach einem kurzem Moment startet diese noch ein zusätzliches Update, startet sich neu und ist danach direkt einsatzbereit.

Die Box selbst eignet sich für die horizontale-, aber auch für die Wandmontage. Eine hellgrüne LED im Logo der Box visualisiert die Betriebsbereitschaft, das allerdings recht grell und wer sich die qbox auf dem Telefontischchen im Flur platzieren möchte, dem sei versichert, dass er keinerlei weitere Nachtbeleuchtung für den mitternächtlichen Toilettengang benötigen wird. Ist Geschmacksache, stört mich allerdings schon ein wenig.

Nichtsdestotrotz ist die Box schlicht aber schick. Als Rechenknecht werkelt hier ein ARM Cortex-A9 Dual Core. Funken kann die schmale Box natürlich auch und zwar via Z-Wave, Q-Wave (eine Eigenentwicklung des Unternehmens) und – wie bereits angesprochen – WLAN. Auch beim Thema Datenschutz lässt man sich hier nicht lumpen. Das Unternehmen verspricht, dass der Nutzer über die App auf seine qbox nach Bankenstandard abgesichert und mit 256-Bit verschlüsselt zugreifen kann. Das Ganze erfolgt über UMTS auf eine M2M-Schnittstelle. So soll auch das Argument ausgehebelt werden, dass der Verbraucher sein Heim einfach ungesichert einem Cloudservice überlässt, auf den er aus der Ferne zugreifen kann.

Coqon_qbox

Heizkörperthermostat

Wie bereits erwähnt befinden wir uns zum Zeitpunkt des Tests mitten im Sommer. Der mag zwar dieses Jahr nicht sonderlich voll von heißen Sonnentagen sein, allerdings habe ich wie jedes Jahr unsere Heizanlage so umgestellt, dass sie nur noch Warmwasser bereitstellt, nicht aber unsere Heizkörper befeuert. Ergo wäre die Installation eines anfunkbaren Heizkörperthermostats recht unsinnig, wäre da nicht auch der schiere Wille des Tests. Mir ist es wichtig, dass das Gerät tut, was es soll. Nicht, ob die Mechanik meiner Heizung dann auch schlussendlich darauf reagieren mag, denn das Ventil des Heizkörpers kann durchaus auch mal klemmen.

Coqon_Thermostat_2

Im Lieferumfang befinden sich neben dem Thermostat noch die für das Gerät benötigten Batterien, sowie ein zusätzlicher Adapter, falls der Standardanschluss des Thermostats nicht an den Heizkörper passen sollte. Bei mir war der Standard ausreichend. Das Gerät ersetzt das übliche Thermostat und ist sehr schlicht gehalten. Der Batterieschacht zeigt der Optik halber nach unten und ein Display in der Front zeigt die Temperatur, etc an. Alles recht überschaubar, aber eben funktional.

Was mir allerdings wirklich gut gefallen hat, war die Installation und anschließende Einrichtung. Dem Gerät liegt ein weiterer Adapter für die Anbringung am Gewinde des Thermostats-Anschlusses bei, je nachdem welchen Anschluss man an seiner Heizung vorfindet. Bei mir war es das freie Gewinde und so konnte ich ohne Adapter fortfahren und alles befestigen. Eine Mechanik im Inneren sorgt dafür, dass beim Justieren der Temperatur via App der kleine Stift des Ventils an der Heizung vor oder zurück geschoben wird und so die gewünschte Temperatur einstellt.

Coqon_Thermostat_1

Die Einrichtung des Ganzen im Anschluss könnte einfacher nicht sein. Man startet die App, wählt die entsprechende Option zum Einrichten eines neuen Gerätes aus und anschließend, dass man den Gerätecode (ein QR-Code) einlesen möchte. Dies startet eine Kamera, mit Hilfe derer man den Code einliest und somit alle notwendigen Geräteinformationen in die App überträgt. Zur Bestätigung wird am Thermostat noch ein Taster betätigt und schon ist das Gerät mit meiner qbox verbunden.

In der App kann ich nun von überall auf diesem Planeten jenes Thermostat ansteuern und dessen Temperatureinstellung regeln. Anhand eines leisen „Surrens“ war zu hören, dass die Mechanik für das Heizungsventil tatsächlich reagiert und dieses einstellt. Zum Hören musste ich allerdings wirklich dicht mit dem Ohr ans Thermostat – keine Angst also, dass später wirklich irgendwas davon zu hören sein wird. Bisheriger Eindruck – positiv (vor allem die Einrichtung), aber ein abschließendes Statement kann ich erst zu kälteren Jahreszeiten abgeben.

Zwischenstecker Ein/Aus Q-Wave

Der Zwischenstecker arbeitet mit der COQON-Eigenentwicklung „Q-Wave“ als Funkverbindung, welche im 868 Mhz-Frequenzbereich funkt. Der mitgelieferte Stecker hat als einzige Funktion eine Ein-/Aus-Option, sprich: kann auf Wunsch Strom zum angeschlossenen Gerät fließen lassen oder eben nicht. Vielleicht nicht unbedingt eindrucksvoll, für mich aber eine Gelegenheit zu testen, ob tatsächlich verschiedene Produkte der Serie wirklich so gut zusammenarbeiten. Meine Idee: Der Kontakt an der Terrassentür (da kommen wir gleich zu) gibt ein Signal, dass diese geöffnet wurde, informiert mich auf dem Smartphone und schaltet aber parallel über den Zwischenstecker im Wohnzimmer eine grelle Lampe an, damit der ungebetene Besucher sich nicht durch ein dunkles Zimmer quälen muss. Hilfsbereit, oder?

Coqon_Zwischenstecker

Die Installation beschränkt sich auf das Einstecken des Steckers in eine freie Steckdose, was zu erwarten war. Und auch die Einrichtung ist wieder gewohnt simpel: App starten, Produktcode scannen, Knopf am Gerät drücken zur Bestätigung – fertig! Ich liebe es 😉 Nun muss nur noch die entsprechende Lampe verbunden werden (insofern ein separater On-/Off-Schalter angebracht ist, sollte dieser selbstverständlich auf „On“ stehen) und schon kann ich via App entscheiden, ob die Lampe an- oder ausgehen soll. Die Reaktionszeit zwischen Fingertipp auf „On“ und dem wirklichen Einschalten der Lampe variiert je nach Verbindungsqualität des Smartphones, jedoch bei mir bisher nicht länger als 1-2 Sekunden, was ich dann durchaus verkraften kann. Im WLAN geht das natürlich deutlich flotter.

Fenster-/Türkontakt Q-Wave

Auch der Fenster-/Türkontakt arbeitet mit Q-Wave als Funkstandard. Hier reagiert das Gerät auf das Vorhandensein (oder eben Nicht-Vorhandensein) eines kleinen Magneten, der maximal 5 Millimeter vom Gerät entfernt angebracht werden darf. Der Kontakt selbst wird mit einer mitgelieferten  CR-2032 Batterie betrieben. Im Übrigen kann hier, wie auch beim Thermostat, der Batteriestand innerhalb der App abgefragt werden, damit man rechtzeitig neue Batterien besorgen kann und der Saft nicht mitten im Urlaub ausgeht, während man sich auf vermeintliche Sicherheitslösungen daheim verlässt.

Coqon_Tuer_Fensterkontakt

Hier musste ich auch das erste Mal mechanisch an unserer Einrichtung einwirken, denn der Kontakt ließe sich sicherlich klebend anbringen, da wir aber über eine Holztür verfügen und der Kontakt dort wie erwähnt den Verschlusszustand kontrollieren und melden soll, war ich gezwungen, die mitgelieferten Schrauben zu verwenden. Kleben hätte hier nicht lange Erfolg gehabt. Der kleine Plastikwinkel mit dem integrierten Magneten kann indes problemfrei mit dem rückseitig angebrachten Klebestreifen montiert werden. Am Kontakt ist eine kleine Fläche markiert, die man direkt gegenüber dem Magneten anbringen muss und dabei nicht vergessen darf, dass ein Abstand 5 Millimetern nicht überschritten werden sollte.

Ist alles angebracht, geht es an die Verbindung zur App. Auch hier wird der Scanner benutzt, zur Bestätigung drückt man hier jedoch keinen Knopf, sondern öffnet einmal kurz die Tür / das Fenster und schließt diese / dieses wieder. Eine am Kontakt angebrachte LED signalisiert mit Rot, dass der Kontakt nicht geschlossen wurde, Grün, wenn die Tür wieder zu ist. Innerhalb der App wird mir nur der Verschlusszustand dargestellt, was mich zuerst irritierte, da ich davon ausging, dass man hier bereits einen Alarm oder Ähnliches bekommt, sobald jemand die Tür öffnet. Wie dämlich diese Annahme dann schlussendlich war, schoss mir dann noch rechtzeitig in den Kopf, wenn man bedenkt, wie oft gerade im Sommer und mit Frau und Kind eine Terrassentür zum Garten geöffnet wird… Nicht auszudenken, wenn es dabei jedesmal eine Warnmeldung gegeben hätte.

Die App

Kommen wir zur App von Coqon. Diese existiert für die mobilen Betriebssysteme iOS und Android, sowie als Desktop-App. Ich habe mich dazu entschieden, bei den mobilen Varianten zu bleiben. Die App ist ausgesprochen übersichtlich und selbst ich als Laie habe mich schnell zurecht gefunden. Bereits bei der Einrichtung ist mir ja bereits aufgefallen, dass anscheinend viel Mühe eingeflossen ist, auch wirklich Jedermann begreifbar zu machen, wie man das System aufsetzt und miteinander kombiniert.

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Die Oberfläche erinnert an viele der anderen bekannten Apps von Smart Home-Systemen. Die von Coqon ist Mehrbenutzer-tauglich und kann jedem User separate Geräte und Regeln zuweisen, je nachdem, wer sich gerade anmeldet. Was mir sofort aufgefallen ist, dass sie ausgesprochen schnell reagiert und lädt. Dass das auch anders geht, hat Devolo beispielsweise mit seiner gewrappten App gut bewiesen. Bei Coqon kann ich durch alle Geräte einzeln durchscrollen oder sie in einer Liste anzeigen lassen.

Coqon_App_5_1

Um mein vorher überlegtes Szenario mit der geöffneten Terrassentür und der daraufhin aktivierten Lampe umzusetzen, gehe ich in den Menüpunkt „Automatisierung“ > „Programme“. Hier werden alle bereits erstellten Programme gelistet und es lassen sich logischerweise neue hinzufügen. Also habe ich nach dem oben ersichtlichen Schema einen Automatismus erstellt. Wie man erkennen kann, lassen sich Szenarien nach dem WENN, DANN- und WENN, UND, DANN-Prinzip generieren. Benachrichtigungen lassen sich als E-Mail oder auch als Push-Nachricht versenden. Die E-Mails konnte ich binnen weniger Sekunden nach Auslösung des Programms erhalten, die Push-Benachrichtigungen funktionierten bei mir lediglich unter iOS. Android verweigerte mir diese – auch das Nexus 5 daheim konnte keine Mitteilungen davon empfangen. Somit war ein Benachrichtigungsfehler, den man der Huawei-Software des P9 unterschieben kann, ausgeschlossen.

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Der Preis

Kommen wir zur finanziellen Frage. Wenn man sich mit Smart Home auseinandersetzt, dann kommt zwangsläufig auch die Frage auf, was mich das Produkt für meinen Nutzen später denn so kosten wird. Hier reicht ein Blick in den Online-Shop von Coqon, um zu erkennen: Ganz billig wird das hier nicht. Allein die Basisstation liegt bei knapp 400 €. Dann hat man allerdings noch keine Zusatzprodukte im Warenkorb. Mit dem Fenster-/Türkontakt kommen noch einmal 53,49 € hinzu, der Zwischenstecker in der hier getesteten Version schlägt noch einmal mit 64,49 € zu Buche. Leider konnte ich keinen Preis zum Heizkörperthermostat finden, da im Shop nur noch eine neuere Version für 65,99 €gelistet wird. So kommt man für die recht schmal gehaltene Lösung schnell auf 518 – 584 €. Nicht gerade die günstigste Alternative. Andere Hersteller warten bei den Summen schon mit deutlich mehr Produkten auf.

Als abschließendes Fazit möchte ich sagen, dass mir die Produkte der Coqon-Serie ausgesprochen gut gefallen. Die App rundet das wirklich erstaunlich simple Konzept der Einrichtung sauber ab und gern würde ich mir mal eine vorinstallierte Lösung anschauen, wo IP-Kameras, Beleuchtungssysteme und so weiter in Kombination auf unterschiedliche Szenarien reagieren, gern auch in Kombination mit Geräten anderer Anbieter – soll ja schließlich alles möglich sein 😉 Das Video vom Beginn gibt zumindest einen recht guten Eindruck davon.

Allerdings muss ich gestehen, dass ich beim Blick in den Shop und die gelisteten Preise der Produkte schon ein wenig ins Schlucken kam. Ob die Geräte und die verwendete Hardware solche Summen dann wirklich rechtfertigen, darüber möchte ich mich nicht auslassen, denn das kann sicher nur ein Fachmann richtig beurteilen. Ich habe mich letzten Endes sehr gut mit den Geräten anfreunden können und überlege, vielleicht Richtung Weihnachten *auffälliges Zwinkern in Richtung Ehefrau* doch noch ein wenig nachzurüsten. Das Portfolio des Shops ist zumindest schon recht groß aufgestellt.



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Über den Autor: Benjamin Mamerow

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