iFixit zerlegt Surface Pro 4: Besser, aber immer noch eine klebrige Angelegenheit

28. Oktober 2015 Kategorie: Hardware, Windows, geschrieben von:

Surface_Pro_4Kaum sind neue Geräte auf dem Markt, legen die Teardown-Spezialisten von iFixit Hand an und zerlegen sie in ihre Einzelteile. Dazu gibt es immer wieder eine Punktzahl, wie gut das Device denn zu reparieren ist bzw. ob es bei einem Defekt quasi einem Wegwerfartikel gleichkommt. So nun auch geschehen mit Microsofts neuen Surface 4 Pro-Tablet, welches die ein oder andere Überraschung parat hielt und vor allem mit deutlich weniger verklebten Komponenten als die alten Surface-Modelle aufwarten konnte, aber – um es vorweg zu nehmen – offenbar immer noch auf zu viel Kleber zu setzen scheint.

Während die Vorgänger als K.O.-Kriterium immer mit einer gefühlten Wagenladung an Kleber zusammengehalten wurden und so eine Reparatur schier unmöglich machten, scheint Microsoft beim Surface Pro 4 eine andere Strategie verfolgt zu haben, wie Kay Kay Clapp auf dem offiziellen Teardown-Blogeintrag vermeldet:

Das Gerät ist deutlich leichter zu zerlegen, da man deutlich weniger Gebrauch vom unbeliebten Kleber gemacht hat, wenngleich er auch immer noch zu omnipräsent zu sein scheint – wirtschaftlich ein No-Go bei einer Gerätekategorie, die in der Maximalausstattung immerhin 2449 Euro kosten soll und somit im Falle eines Defekts quasi einem Wegwerfartikel gleichkäme.

Warum das so ist, kann man nur mutmaßen – die Kollegen von iFixit vermuten, dass Microsoft hier endlich einmal seine Hausaufgaben gemacht und sich in Sachen Reparaturfähigkeit ein wenig geöffnet, aber noch viel Luft nach oben hat.

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Die weiteren Überraschungen des neuen Tablet-Arbeitstiers aus Redmond sind unter anderem die Batterie, die mit 5087 mAh um ca. neun Prozent kleiner als die des direkten Vorgängers, dem Surface Pro 3, ist. Diese kam seinerzeit noch 5547 mAh daher, wird aber ersten Tests zufolge durch das Nachfolgermodell in Sachen Laufzeit geschlagen – dies ist wohl auf eine gesteigerte Effizienz seitens des Prozessors zurückzuführen. In der Sensorleiste des Gerätes wurde zudem ein IR-Sensor gefunden, der wohl schon einmal die hardwareseitigen Grundvoraussetzungen für Windows Hello bereitstellen soll und auch das Konzept der Heatpipes scheint im neuen Modell entsprechend optimiert worden zu sein.

Des Weiteren stellten die Menschen bei iFixit fest, dass es über dem Prozessor im vorliegenden M3-Basismodell nur eine passive Kühlung gibt und ein aktiver Lüfter fehlt – dieser sollte sich indes in den grösseren Varianten des Tablets wie gewohnt an dem in diesem Modell freien Platz befinden und so nur das kleinste Pferd im Stall lüfterlos halten.

Microsoft hat also augenscheinlich einiges im Inneren des Surface Pro verändert – anscheinend aber nicht genug, springt am Ende doch nur eine Punktzahl von 2 von 10 möglichen Punkten heraus: Das ist zwar immer noch ein Punkt mehr als Teardown-Desaster beim Surface Pro 3, aber für ein Gerät dieser Preisklasse bzw. ein Arbeitsgerät eigentlich nicht tragbar. Hauptkritikpunkte sind immer noch das Display und der Faktor Kleber – letzterer ist zwar weniger geworden, aber leider immer noch ein tragendes bzw. klebendes Element. Auch der AHCI-Controller des Einstiegs-Surface Pro sorgt für Kopfschütteln, scheint Microsoft hier doch auf die bereits aus Reviews bekannte NVMe SSD verzichtet zu haben.

Am Ende der Fahnenstange stellt sich also die Frage, wie Pro ein Gerät sein kann, das zwar technisch wirklich klasse daherkommt, aber weder modular erweiterbar noch im Schadensfall einfach zu reparieren ist  – auch wenn sich der Kunde beim Kauf bewusst darauf einlässt. Auch wenn Microsoft hier einen Schritt in die richtige Richtung zu machen scheint, machen der Form-Faktor und die Bauweise es doch schwer, das Gerät Kunden zu vermitteln, die täglich darauf angewiesen sind und im Falle eines Defekts eine schnelle Reparatur verlangen. Das scheint aber der Preis zu sein, den der ein oder andere für das Design der heutigen Zeit zu zahlen bereit ist und übrigens auch kein reines Microsoft-Problem, denn schlank und schick können andere – mit ähnlichen Problemen bei der Reparaturfähigkeit – auch.


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Über den Autor:

Digital Native, der trotzdem gerne das Mittelalter erlebt hätte und chronischer Device-Switcher. Multimediafreak. England-Fan. Freier Autor & Tech Blogger. Hobbyphilosoph. Musik-Enthusiast. Querdenker. Zyniker. Hoffnungsvoller Idealist. Gladbacher Borusse und hauptberuflicher IT-Consultant.

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