Huawei P8 ausprobiert: reicht das für ein Premium-Smartphone?

6. Juni 2015 Kategorie: Android, Hardware, geschrieben von: Sascha Ostermaier

Mit dem Huawei P8 möchte Huawei endgültig weg vom Billig-Image, mit den Großen in einer Liga spielen. Premium heißt das Mittel zum Zweck und so soll das Huawei P8 ein Smartphone der Superlative sein. Premium-Materialien, Premium-Ausstattung. Nur den Premium-Preis spart Huawei sich und den Käufern, das P8 ist preislich in der gehobenen Mittelklasse angesiedelt. Lauert hier ein Premium-Schnäppchen oder bekommt man doch nur ein seinem Preis entsprechendes Smartphone?

Huawei_P8_01

Ich habe das P8 mittlerweile ein paar Wochen in Benutzung gehabt, meine Meinung dazu möchte ich Euch natürlich wissen lassen. Huawei versucht auch mit seiner eigenen Oberfläche EMUI dem System einen eigenen Touch zu geben. Wer pures Android erwartet, wird vielleicht enttäuscht. Wer sich allerdings an eine komfortable Nutzung mit diversen Zusatz-Features gewöhnen kann, findet in der Oberfläche eine gute Anlaufstelle dafür.

Das Design des Huawei P8 richtet sich ganz nach dem Unibody-Gehäuse aus Aluminium. Auf der Rückseite ist dieses oben durch einen breiteren Streifen unterbrochen, hinter diesem verbirgt sich die Technik, die nach außen strahlen oder nach innen empfangen muss. Diese Unterbrechung beherbergt auch die Kamera und ist mit Gorilla Glass 3 abgedeckt. Auf der Unterseite zieht sich nur ein schmaler „Antennenunterbrechungsstreifen“ quer über das Gerät.

Die Kanten Richtung Display und Rückseite sind angeschliffen, sodass das Smartphone noch einmal dünner wirkt und auch angenehm in der Hand liegt. Auf der rechten Seite des Rahmens befindet sich die Lautstärkeregelung sowie der Power-Button. Für Screenshots sehr ungünstig gelegen, aber hierfür hat Huawei sich etwas einfallen lassen. Andere Nachteile kann ich an der Anordnung nicht erkennen. Ebenfalls auf der rechten Seite befinden sich die Slots für die SIM-Karte und für eine microSD-Karte.

HuaweiP8_02

Die obere Gerätekante beherbergt den Headset-Anschluss und ein Mikrofon zur Geräuschunterdrückung. Die Unterseite ist mit Lautsprecher, Mikrofon und microUSB-Anschluss versehen. Die linke Seite ist komplett „clean“, hier gibt es keine Anschlüsse oder Buttons. Die Vorderseite wird vom Display eingenommen, oben ist Platz für Hörmuschel, Frontkamera und den Lichtsensor sowie einer kleinen Benachrichtigungs-LED, der untere Balken hat keine Funktion.

Das Gerät liegt gut in der Hand, für ein Smartphone mit 5,2 Zoll Display ist es sehr kompakt. Die 144 Gramm, die das P8 auf die Waage bringt, fühlen sich angenehm leicht an. Rein optisch ist das P8 eine Mischung aus erfolgreichen Designs anderer Hersteller, das Resultat ist ein schickes Smartphone, das man auch gerne anfasst. Was Huawei vielen anderen jedoch voraus hat: Trotz einer Gerätedicke von gerade einmal 6,7 mm verbaut Huawei eine 13 Megapixel-Kamera mit OIS, ohne einen „Kamera-Buckel“ auf der Rückseite des Gerätes zu benötigen. Das ist durchaus beeindruckend, hier dürfen die anderen dann gerne einmal abschauen.

In Sachen Optik und Haptik liefert Huawei schon einmal ab, was den Premium-Aspekt betrifft. Materialwahl und Verarbeitung sind erstklassig, sehr viel besser kann man es nicht machen. Das Design an sich mag vielleicht schon ein paar Jahre bekannt sein, da es aber quasi zeitlos ist, kann man auch 2015 damit einen Volltreffer landen.

Die technische Ausstattung ist ebenfalls ziemlich kompromisslos. Hier der Überblick, bevor ich auf die technischen Highlights eingehe, die sich in Display, Kamera und Performance aufteilen werden.

Display: 5,2 Zoll FullHD IPS (1.920 x 1.080)
Prozessor: HiSilicon Kirin 930 Octa-Core (4x 2,0 GHz, 4x 1,5 GHz), Mali T628 GPU
Arbeitsspeicher: 3 GB RAM
Speicher: 16 GB intern, um bis zu 128 GB per microSD erweiterbar
Kamera: 13 Megapixel Hauptkamera, RBGW, OIS, Autofokus, 8 Megapixel Frontkamera
Akku: 2.680 mAh Li-Polymer, nicht austauschbar
Betriebssystem: Android 5.0 mit EMUI 3.1
Konnektivität: LTE Cat4, WLAN b/g/n, Bluetooth 4.1, NFC, GPS, Beschleunigungs-, Näherungs- und Umgebungslichtsensoren, Kompass

Das 5,2 Zoll IPS-Display löst 1.920 x 1.080 Pixeln auf. Das ist auf die Größe völlig ausreichend, bei normaler Nutzung sind weder Pixel auszumachen, noch gibt es sonstige Schwächen, die durch die Auflösung kommen. Die Farbdarstellung ist für meine Augen angenehm, allerdings bin ich auch kein AMOLED-Fan, sodass das Display für Menschen mit AMOLED-Vorliebe vielleicht zu blass ist. Die Farben werden dennoch kräftig dargestellt. Die Ablesbarkeit in direkter Sonne ist nicht ganz so gut wie man es von anderen Geräten kennt, aber durchaus noch brauchbar. Es ist also nicht so, dass man gar nichts mehr erkennt.

Der Touchscreen reagiert flott auf Eingaben, etwas anderes erwartet man heutzutage aber auch nicht. Mit dem Touchscreen kommt auch eine Besonderheit, Huawei hat hier eine neue Geste ermöglicht. Mit den Fingerknöcheln kann man Screenhsots erstellen. Zieht man mit einem Fingerknöchel einen Kreis oder ein Viereck auf das Display, bekommt man ein Auswahlrechteck angezeigt. Dieses kann dann in der Größe noch angepasst werden, bevor man den Screenshot speichert. Interessanterweise funktioniert die Geste tatsächlich nur mit den Knöcheln. Hat man sich einmal daran gewöhnt, eine sehr nützliche Sache, da sie überall – auch innerhalb von Apps – funktioniert und man die Screenshots im Anschluss auch direkt noch bearbeiten kann.

Die Leistung des HiSilicon Kirin 930 Octa-Core-Prozessors gefällt. Man hat zu keinem Zeitpunkt das Gefühl, dass sich das P8 durch die Aufgaben quälen müsste, alles läuft rund und geschmeidig. Für Freunde von Benchmark-Ergebnissen habe ich hier noch ein paar Screenshots mit den Ergebnissen (AnTuTu 64-Bit). Mir ist es immer wichtiger, dass sich das Gerät flüssig bedienen lässt, was da nun an Prozessor drin steckt, ist mir doch völlig wumpe. Arbeiten soll er und das macht Huaweis Eigenproduktion sehr ordentlich.

HuaweiP8_Antutu

Einen Teil zur Leistung tragen sicher auch die 3 GB Arbeitsspeicher bei, die Huawei dem P8 spendiert. Sei es schneller Wechsel zwischen Apps oder auch das Starten und die Nutzung dieser, das P8 gibt sich hier keine Blöße und performt gefühlt sehr gut. So macht die Nutzung auch Spaß, das war beim Vorgänger nicht immer der Fall.

Etwas überrascht hat mich, dass EMUI 3.1 das System nicht merklich ausbremst. Bedenkt man, welche Schwierigkeiten Samsung mit TouchWiz und einer flüssigen Oberfläche hatte, hat Huawei hier ganze Arbeit geleistet. Die Oberfläche erinnert an iOS, einen App Drawer gibt es nicht, alles wird auf Homescreens verteilt. Für den einen (wie mich als iOS-Nutzer) mag das von Vorteil, anderen gefällt es aber eventuell nicht. Ein Problem sollte das allerdings nicht darstellen, einfach einen anderen Launcher installieren und Android so nutzen wie man möchte.

Speicher gibt es in der günstigen Variante 16 GB, diesen kann man per microSD-Karte um bis zu 128 GB erweitern. Das Huawei P8 gibt es auch in einer Premium-Variante mit 64 GB Onboard-Speicher, ob diese allerdings in Deutschland erhältlich ist, kann ich nicht sagen. Dank microSD-Slot sollte der Speicher aber eine untergeordnete Rolle spielen.

HuaweiP8_03

Ein Highlight des P8 ist auf jeden Fall die Kamera. 13 Megapixel löst diese auf, keine Besonderheit an dieser Stelle. Softwareseitig hat Huawei aber jede Menge Tricks in die Kamera-App gepackt, sodass kreativere Nutzer diese auch voll ausnutzen können. Aber selbst im stinknormalen Automatikmodus macht die Kamera für meinen Geschmack sehr gute Bilder, egal ob das Licht nun perfekt ist oder nicht. Ein paar „unbehandelte“ Beispielbilder habe ich Euch in dieses Google Fotos-Album gepackt. Die hier im Beitrag zu sehenden sind „weboptimiert“, spiegeln nicht die Originale wider.

Was mir bei Aufnahmen in der Dunkelheit sehr gut gefällt: Die Bilder werden nicht so extrem aufgehellt. Man sieht einem Bild also noch an, dass es bei Nacht geschossen wurde, das typische Bildrauschen hält sich aber in Grenzen. Das lässt die Bilder natürlicher wirken, auch wenn dadurch dann vielleicht nicht so viele Details erkennbar sind. Hier ist es aber meiner Meinung nach besser, im Nachhinein einen Aufhellversuch mit entsprechenden Programmen zu unternehmen anstatt ein völlig überbelichtetes Bild als Ausgangsmaterial zu haben.

Huawei_Sample_nacht

Ebenfalls hervorragend ist die Qualität von Nahaufnahmen. Man kann sehr nah an Objekte herangehen und bekommt diese immer noch fokussiert, die Aufnahmen sind dank OIS auch vor Verwacklungen geschützt. Im Bereich Video gibt es ebenfalls verschiedene Modi, unter anderem sind Zeitrafferaufnahmen möglich. Wer gerne kreativ mit der Smartphonekamera umgeht, wird mit der Software des Huawei P8 nicht enttäuscht, diese scheint perfekt auf die verbaute Hardware abgestimmt. Ebenfalls etwas, das nicht jeder Hersteller von sich behaupten kann.

Huawei_Sample_nah

Der Akku ist mit einer Kapazität von 2.680 mAh nicht gerade der stärkste, angesichts der kompakten Größe des Gerätes war aber wohl einfach nicht mehr drin. Während der normalen Nutzung bringt er mich gut durch den Tag, der Verbrauch steigt aber sprunghaft an, wenn rechenintensive Anwendungen genutzt werden, da reicht auch schon die Kamera. Je nach Nutzung sollte also eventuell ein Akkupack mitgeführt werden, ist ja auch doof, wenn man abends im Urlaub noch Bilder machen will und der Akku ist plötzlich leer.

Die normale Anwendung wird auch durch den Akkubenchmark von PC Mark simuliert, hier erreicht das Huawei P8 mit 7 Stunden und 22 Minuten einen sehr guten Wert. Gemessen wurde mit 50 Prozent Displayhelligkeit, wobei man hier dazu sagen muss, dass 50 Prozent Displayhelligkeit beim Huawei P8 recht dunkel ist. Eine für mich normale Nutzung (wenn nicht die automatische Helligkeit eingestellt ist) liegt bei ca. 70 Prozent Helligkeit. Alles in allem aber eine respektable Laufzeit, wenn man die Abmessungen des Gerätes mit einbezieht.

HuaweiP8_battery

Hilfreich für eine längere Akkulaufzeit sind auch die Huawei-eigenen Tools, die Euch darüber informieren, wenn eine App im Hintergrund zu sehr am Akku zerrt, sei es durch den Abruf von Daten oder der Hintergrundnutzung von GPS. Das Ganze kann dann auch direkt aus der Benachrichtigungszentrale abgestellt werden. Und so ziehen sich die kleinen Anpassungen durch das ganze System, das gefällt einem entweder oder eben nicht, am besten ist hier, sich das System wenigstens einmal kurz vor dem Kauf anzuschauen. iOS-Wechsler würden sich sehr einfach tun, Nexus-Nutzer wohl sicher die größeren Probleme haben. Eigentlich paradox, da man sich ja im gleichen System bewegt.

In Sachen Gesprächsqualität bei Telefonaten kann man nur Positives berichten. Das Gegenüber versteht einen sehr gut, man selbst versteht auch alles. Ausprobiert habe ich dies im Vodafone-Netz. Etwas dünn klingt hingegen der Lautsprecher. Bei hoher Lautstärke wird der Sound schnell blechern, generell macht er keinen so guten Eindruck. Wer mit dem Smartphone laut Musik hören möchte, sollte besser gleich zu einem Bluetooth-Lautsprecher greifen.

Kommen wir zu einem Fazit oder besser gesagt zur Klärung der Frage, inwiefern das Huawei P8 nun Premium ist. Für die UVP von 499 Euro bekommt man in der Tat ein Premium-Smartphone, das steht außer Frage. Verarbeitung, Haptik, Funktionen, all das ist auf Premium-Niveau, aber – so leid mir das auch tut – auf einem Premium-Niveau, das wir vor 2 Jahren schon bei anderen gesehen haben. Das wird freilich durch den relativ niedrigen Preis wieder ausgeglichen.

Dennoch, das Huawei P8 ist ein klasse Smartphone, vor allem die Kamera weiß zu überzeugen. Huawei beweist mit dem Gerät, dass es nicht immer die neueste Smartphone-Generation von Samsung, LG oder HTC sein muss, wenn man ein starkes Smartphone haben möchte. Der Sprung vom Ascend P7 ist gewaltig, in allen Bereichen. Wer für ein gutes Smartphone weniger ausgeben möchte, ist auch mit dem P8 gut beraten, gerade als Normalnutzer, aber nicht nur als solcher. Das P8 hat jedenfalls schon die Vorfreude auf ein P9 aufkommen lassen, wenn Huawei hier noch einmal so gut nachlegt, braucht man sich vor der Konkurrenz überhaupt nicht mehr scheuen. Braucht man nach den diesjährigen Vorstellungen von Samsung, HTC und Co aber auch jetzt schon nicht mehr.


Anzeige: Der neue Karriereservice von Caschys Blog in Kooperation mit Instaffo. Lass dich von Unternehmen finden. Jetzt kostenfrei anmelden!

Über den Autor: Sascha Ostermaier

Technik-Freund und App-Fan. In den späten 70ern des letzten Jahrtausends geboren und somit viele technische Fortschritte live miterlebt. Vater der weltbesten Tochter (wie wohl jeder Vater) und Immer-Noch-Nicht-Ehemann der besten Frau der Welt. Außerdem zu finden bei Twitter (privater Account mit nicht immer sinnbehafteten Inhalten) und Instagram. PayPal-Kaffeespende an den Autor.

Sascha hat bereits 8885 Artikel geschrieben.