Huawei Mate 10 Pro Test: Ein erster Blick auf das neue Smartphone

24. Oktober 2017 Kategorie: Android, Hardware, Mobile, geschrieben von: caschy

Ich laufe seit ein paar Tagen mit dem neuen Huawei Mate 10 Pro herum. Zeit für ein paar erste Worte. Das Huawei Mate 10 Pro wurde Mitte Oktober in München vorgestellt, neben dem Mate 10 und dem Mate 10 Lite. Das normale Mate 10 gibt es hier in Deutschland nicht und das Mate 10 Lite folgt noch. Huawei hat es ordentlich rappeln lassen, denn die Erwartungen sind sicherlich hoch, nachdem das Mate 9 schon ein tolles Gerät war.

Ich verrate vorab: Wer das Mate 9 von Huawei sein Eigen nennt, der kann damit locker noch ein Jahr fahren. Das ist ja mittlerweile bei fast allen Herstellern so. Den großen Sprung merkt man meistens erst nach mindestens zwei Jahren der Nutzung – wenn man sich denn eines der großen Flaggschiffe gekauft hat – oder man halt immer noch merkt, dass man noch Luft hat, man mit seinem alten Gerät zufrieden ist.

Spezifikationen des Huawei Mate 10 Pro

Technische Daten des Huawei Mate 10 Pro
Display: 6 Zoll (OLED) mit 2.160 x 1.080 Pixeln (FHD+) im Format 18:9
Abmessungen und Gewicht: 74,5 x 154,2 x 7,9 mm;  ca. 178 g
RAM und Speicher: 6 GByte RAM; 128 GByte Speicherplatz
Prozessor: Huawei Kirin 970 mit acht Kernen (4 x 2,36 GHz ARM Cortex A73 und 4 x 1,8 GHz ARM Cortex A53)
Kamera: 20 MP + 12 MP Leica Dual-Kamera Summilux-H 1:1.6/27 ASPH, LED-Blitz
Videoaufnahme: 4K
Front-Kamera: 8 MP; Blende f/2.0
Akku: 4.000 mAh Akku (fest verbaut)
Betriebssystem: Android 8.0 Oreo (mit Überzug EMUI 8.)
Schnittstellen: Wi-Fi 802.11 ac, 4G LTE, Bluetooth 4.2, USB Typ-C (3.1), GPS, NFC, Dual-SIM
Weiteres: Schnellaufladung, Fingerabdruckscanner, Gyroskop, Kompass, Sensor für Umgebungslicht und Näherung, Barometer, Infrarot, nach Schutzklasse IP67 resistent gegen Staub und Wasser, PC-Modus

 

Die Optik und Haptik des Huawei Mate 10 Pro

Man schaut auf das Huawei Mate 10 Pro und wird vorne gleich vom Display erschlagen. In positiver Hinsicht. Schon beim Mate 9 gab es wenig Rahmen, das 10 Pro setzt noch einen drauf. Wobei ich für mich persönlich sage, dass ein schmaler Rahmen eben doch nicht alles ist. Außerhalb der Techblase ist es meinen Freunden und Bekannten meistens relativ egal, ob da nun 2 mm mehr oder weniger Rahmen sind. Aber: Durch den Rahmen schafft es Huawei eben, 6 Zoll Display in ein noch handliches Gehäuse zu pressen. Dies bedeutet aber nicht, dass es jedem gefällt, kommt auch ein bisschen auf Handgröße und eigene Vorlieben an.

Unten befindet sich der USB-C-Anschluss und der Lautsprecher, ein Anschluss für die Klinke fehlt hier, die gibt es nicht mehr. Links in der Draufsicht haben wir den SIM-Slot, er nimmt zwei Karten auf, sogar mit Dual-4G, etwas sehr seltenes meines Wissens. Einen Slot für die microSD-Karte gibt es nicht mehr, 128 GB müssen euch reichen.

Rechts haben wie den Power-Button sowie die Lautstärkewippe aus einem Guss. Oben bekommt man noch den Infrarot-Sensor etwas zu sehen. Rückseitig auf der Glasrückseite haben wir den Fingerabdruckleser unter der vertikal angeordneten Dual-Kamera, wovon eine monochrom ist, links davon der Blitz.

Nichts knarzt, nichts wackelt, der Preis von 799 Euro bedeutet bei Huawei eben auch, dass man beim Body des Mate 10 Pro keine Kompromisse eingeht und vor allem darf. Vom Gefühl her ist das für mich eine Verbesserung zum Mate 9, wobei vielleicht einigen nicht die glatte Oberfläche gefallen dürfte. Huawei wird noch Hüllen auf den Markt bringen, gerade die Lederhülle des Mate 9 machte mein Gerät damals noch eine Ecke besser im „In-der-Hand-liegen-Gefühl“. Positive Randbemerkung: Das Display ist ab Werk mit einer Schutzfolie bedeckt, die taugt sogar. Mich nerven die meistens.

Die Software des Huawei Mate 10 Pro

Huawei setzt auf Android 8.0 Oreo und EMUI in Version 8. Eigentlich bekommt man davon nicht so viel mit. Ich zumindest nicht, denn ich nutze grundsätzlich einen anderen Launcher, gerade bei Huawei. So sehr ich die Hardware mag, so wenig mag ich den Launcher ab Werk. Die Einstellungen von EMUI sind wie immer sehr vielfältig, fast nichts, was man nicht regeln kann. Und ab und an mal vielleicht sollte. Huawei erlaubt das sehr explizite Regeln von Berechtigungen und Laufzeiten von Apps, sodass jeder Nutzer da Apps den Hahn abdrehen kann in Sachen Laufzeit. Ansonsten merkt man, dass ordentlich Dampf unter der Haube ist, nicht nur bei Spielen und anderen Anwendungen. Alles flutscht ruckelfrei.

Kleiner Einwurf am Rande: Achtet unbedingt bei Einsatz eines Dritt-Launchers darauf, dass dieser einwandfrei läuft. Ich hatte mal ein Setting, bei dem sich die ganze Oberfläche merkbar verlangsamte. Man kommt dann leicht auf den Gedanken, dies dem Gerät zuzuschieben. Manchmal sind es leider eben Dritt-Apps unter Android, die das Gesamt-Feeling stören können. In den Einstellungen sind neben den erwähnten Dingen noch 100 andere zu finden, beispielsweise App-Cloning, Screenshot per Knöchel und viele mehr.

Übrigens auch, wenn auch sehr versteckt, ein Ambient Display. Eines welches immer an ist also. Zeigt dann Uhrzeit, Akku und Datum und Benachrichtigungen. Leider nicht alle, sondern Anrufe und SMS, vielleicht legt Huawei hier noch nach und baut da andere Apps rein. Wäre wünschenswert. Zu finden ist das unter Sicherheit und Datenschutz > Bildschirmsperre & Passwörter > Immer Informationen anzeigen. Kann man auch mit Zeitplan aktivieren, quasi nachts aus. Ist zwar OLED und kostet nicht so viel Akku – aber es kostet.

Das Display des Huawei Mate 10 Pro

2.160 x 1080 Pixel bietet es, für mich absolut ausreichend bei 6 Zoll. OLED, kein LCD mehr. Anscheinend greift man hier nicht auf LG zurück, denn im direkten Vergleich mit LG pOLEDs würde ich dem Huawei Mate 10 Pro hier einen besseren Auftritt bescheinigen. Besser als das Pixel 2 XL auf jeden Fall. Sehr stabil im Blickwinkel, wobei ich mich frage, wer komplett schräg auf das Display schaut und der Meinung ist, dass in Flaggschiffen heute noch komplette Gurken-Displays verbaut sind.

Die Farben wirken auf mich sehr natürlich, nicht überdreht. Fall doch zu grell für euch: Kann man einstellen, es gibt die Modi Lebhaft und Normal, dazu kann man die Farbtemperatur von Hand justieren. Mein Auge sagt zumindest: Standardmodus Lebhaft – taugt. Normal finde ich schon zu blass. Übrigens: Trotz der Auflösung kann es sein, dass man App-Darstellungen als zu groß empfindet.

Habe ich beispielsweise in Google Inbox und so. Man kann die Darstellung verkleinern, die Auflösung ist identisch dabei, Apps werden aber anders skaliert. Zu finden unter Anzeige > Ansichtsmodus. Und falls ihr mögt, könnt ihr auch die Auflösung regeln – auf 1440 x 720 Pixel. Aber warum sollte man das wollen? Nicht so schön: Eigentlich soll das Display HDR unterstützen, im Falle von YouTube HDR gelang mir das nicht. Hier muss Huawei wohl noch mal nachsteuern.

Der Akku des Huawei Mate 10 Pro

Verlässliche Aussagen werdet ihr nicht bekommen, ich kann euch nur meine Erkenntnis anhand meines Nutzungsszenarios erklären. Ihr könnt so einen Akku in ein paar Stunden kleinbekommen, ihr könnt aber auch zwei Tage mit 4.000 mAh hinkommen. Das Akkuerlebnis anhand meines normalen Berufslebens zu bewerten wäre fatal – denn ich kann ja in meinem Büro jederzeit an die Steckdose gehen. Entscheidend ist auf dem Platz, das bedeutet: wenn ich meine Bude verlasse, dann möchte ich möglichst lange mit dem Akku haushalten können, ohne irgendwelchen Zusatz-Akkus anzuschließen.

Eine genaue Angabe meiner Nutzungszeit ist schier unmöglich, da so unfassbar viele Szenarien wie WLAN oder mobiler Netzzugang, Signalstärke, automatische Displayhelligkeit, Außenbedingungen, Art der Anwendung und ähnliches mit in die Laufzeit des Akkus fallen. Ich kann euch einfach nicht sagen: „Ich habe das Smartphone aufgedreht und x Stunden Video geschaut“. Das hilft keinem wirklich. Ich habe in der ersten Zeit natürlich extrem viel mit dem Gerät gemacht, da komme ich aber auch einen Tag hin. Normale Nutzer kommen gut damit durch den Tag und die Nacht, wer noch spielt und extrem viel am Handy sitzt, der lädt lieber nach und hat einen Akkupack. Im direkten Vergleich zu meiner Nutzung am iPhone 8 Plus hat das Mate 10 gewonnen.

Dennoch, falls es euch hilft: Ich habe einen synthetischen Benchmark durchlaufen lassen. Zwei SIM-Karten drin, Display fest auf 50%, alle Benachrichtigungen an und den PC Mark durchrappeln lassen. Der testet diverse Anwendungsszenarien, bis der Akku von 100% auf 20% runter ist. Hat beim Mate 10 Pro 9 Stunden und 10 Minuten gedauert. Das sind Top-Werte. Ihr müsst euch mit der Kiste einfach recht wenig Gedanken machen, wenn ihr unterwegs seid. Der Akku hält ordentlich und wenn ihr Saft braucht, reicht manchmal schon ein halbes Stündchen an der Steckdose, um wieder Saft für etliche Nutzungsstunden zu bekommen.

Huawei Mate 10 Pro Künstliche Intelligenz

Huawei verbaut im Mate 10 Pro einen separaten Prozessor für die KI. Dieser soll auch die Nutzung des Anwenders analysieren um so die Leistung zu optimieren. Auch Entwicklern steht die Nutzung offen. In Sachen Kamera bedeutet dies, dass das Bild offline analysiert wird und so versucht wird zu erkennen, was man eigentlich fotografieren will. Viele Dinge werden so automatisch erkannt, das Bild wird dann – je nach Motiv – durch die KI verbessert. So werden Pflanzen erkannt, Essen und sogar Hunde.

Man sieht die Unterschiede auf jeden Fall. Ob man es lieber natürlich mag oder angepasst, ist natürlich Geschmacksache. Ebenfalls hat das Mate 10 Pro den Microsoft-Übersetzer an Bord. Die angepasste App reagiert schneller und lieferte so mit weniger Wartezeit die Ergebnisse. Kann man als Anwender direkt vergleichen, denn die App gibt es auch für andere Smartphones. Inwiefern das nun der große Mehrwert ist, muss jeder für sich selber entscheiden. Letzten Endes muss ich aber – Stand heute – für mich festhalten: was nun der große, fühlbare Mehrwert für mich ist, weiss ich derzeit nicht. Hier sollte Huawei noch mehr Aufklärungsarbeit betreiben, damit der Nutzer auch einen wirklichen Mehrwert erfährt.

Huawei Mate 10 Pro Kamera

Das Wetter hat dieser Tage nicht wirklich zum Fotografieren outdoor eingeladen, dennoch habe ich mich mal auf den Weg gemacht, denn draußen wird man sicherlich viel fotografieren. Gerne hätte ich schönes Wetter gehabt, aber so musste das Mate 10 Pro von Huawei eben bei regnerischem Wetter sein Können in Sachen Kamera zeigen. Das Mate 10 Pro hat zwei Kameras auf der Rückseite, einmal die bekannte Monochrom-Optik mit 20 Megapixeln und die 12 Megapixel starke „normale“ Optik.

Das 20-MP-Modul sorgt für schöne Monochrom-Fotos, wenn man diese denn mag. Ferner wird es zur Verbesserung der Belichtung und der Schärfe herangezogen. Ich habe mehrere 100 Schnappschüsse gemacht, von denen viele gut bis sehr gut waren.

Das ist für mich persönlich immer ein Kriterium, denn meistens schießt man ja Bilder recht flott, um einen Moment einzufangen. Im direkten Vergleich würde ich behaupten, dass man zum Vorgänger noch eine Schippe Qualität drauflegen konnte. Hier im Blog einmal ein paar direkte Samples, unbearbeitet ohne irgendwelche Filter oder sonstige Verbesserungen. Bedenkt bitte, dass die Bilder hier im Blog kleiner eingebunden sind.

Huawei bringt wieder zahlreiche Optionen mit, das eigene Gesicht glattzuziehen, das funktioniert wie früher. Eine Funktion, die ich immer deaktiviere. Dennoch mal noch ein kurzer Anriss zum Porträtmodus, der mit der Haupt- als auch mit der Kamera auf der Vorderseite funktioniert. Das ist in meinen Augen eine Verbesserung zu P10, allerdings ist er – wie bei allen Smartphones – noch nicht perfekt, eine DSLR hat da dann doch seine Vorteile. Was mir aber auffällt: Die Front-Kamera macht im Standardmodus eine recht blasse Haut – denn so blass bin ich tatsächlich nicht. Hier einmal im Vergleich zum iPhone 8 Plus:

Dennoch Bilder, mit denen ich sehr gut leben kann, wie gut die Qualität ist, kommt auch immer auf die Beleuchtung und den Hintergrund an. Und auf den Menschen, der das Foto macht. Daumen hoch also für den Porträtmodus, das, was ich hier jammere, ist schon auf hohem Niveau und Problem aller Smartphone-Hersteller.

Huawei Mate 10 Pro Leistung

Das Mate 10 Pro regierte bei allen getesteten Spielen wie gewünscht, ich hatte keine rapiden Lags oder andere Schwierigkeiten. Sicherlich muss ich nicht erwähnen, dass klassische Apps wie Instagram, Twitter, Facebook und Co ebenfalls keine Probleme machten. Das ist Pflichtprogramm, Spiele und andere leistungshungrige Apps sind die Kür. Und eben jene meistert das Huawei Mate 10 Pro. Alles andere wäre auch traurig.

Huawei Mate 10 Pro Sonstiges

Das Mate 10 Pro kann auch zum Telefonieren benutzt werden. Das funktionierte in meinem Test fehlerfrei. Ich konnte gut hören und wurde auch gut gehört. Das Mate 10 Pro arbeitete stabil in Sachen WLAN und Bluetooth. Der Fingerabdruckleser arbeitet genau und sehr schnell. Der Lautsprecher: Gefühlt besser als im Vorgänger, voluminöser. Kann man mit passenden Klängen gefahrlos bis ca. 85% hochregeln. Im direkten Vergleich mit einem iPhone 8 Plus allerdings weniger warm, weniger satter. Das Smartphone ist geschützt: IP67 sorgt dafür, dass ihr das Smartphone bis zu 30 Minuten in einem Meter tiefen Wasser „vergessen“ könnt. Bluetooth: „Nur“ Version 4.2, nicht 5.0. Das ist traurig, hier hätte man drauf- und vorlegen können.

Huawei Mate 10 Pro: Der erste Eindruck

Muss man nicht viel sagen: Als Android-Gerät ein wirklich schönes, leistungsstarkes Smartphone. Mit 799 Euro natürlich nicht ganz günstig, wohl aber unter dem Startpreis ander Flaggschiffe und diesen muss man in keiner Weise scheuen. Die Kamera gefällt besonders, gerade auf dem letzten Meter. Viele günstige Smartphone-Kameras leisten heute schon viel, das Mate 10 Pro macht dann aber doch sehr gute Fotos, hier geht man wenige Kompromisse ein. Die Haptik und Optik ist stark, aber natürlich auch Voraussetzung.

Nach der ersten Woche ein gelungenes Gerät, auf welches man ruhig einen Blick werfen darf, wenn man denn auf der Suche ist. Was ich bisher nicht getestet habe, das ist der Desktop-Modus. Hier muss ich mir noch ein entsprechendes Kabel besorgen. Ähnlich wie bei Samsungs DeX-Station für die Galaxy S8 / S8+ und das Note8 lässt sich auch das Huawei Mate 10 Pro an einem Monitor als PC-Ersatz verwenden. Nur dass hier eben gar kein Dock notwendig ist. Klar, dadurch fällt die Möglichkeit weg via USB Tastaturen oder Mäuse anzuschließen, via Bluetooth geht jenes aber. Oder ihr hantiert eben direkt am Smartphone und nutzt die Onscreen-Tastatur zur Bedienung.


Über den Autor: caschy

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