Huawei Ascend P6 im Test: Dünn und elegant mit leichten Schwächen

26. August 2013 Kategorie: Android, Hardware, Mobile, geschrieben von: Gastautor

Als die chinesische Firma Huawei im Juni in London zu ihrem globalen Launch-Event das Ascend P6 vorstellte, waren nicht wenige von dem neuen Smartphone angetan. Bisher war vielen die Marke Huawei eher mit den typischen Lidl-Smartphones bekannt, die zwar günstig waren, wo man aber zu Abstrichen bezüglich Verarbeitungsqualität / Materialien und Leistung bereit sein musste.

Huawei Ascend P6

Das Ascend P6 vermarktet Huawei aber offensiv als dünnstes Smartphone zum Marktstart, welches mit hochwertigen Materialien und Verarbeitung beeindrucken soll. Dann schauen wir uns mal an wie sich das Gerät bei mir im Alltagstest geschlagen hat.

Design und Verarbeitung

Was man den Verantwortlichen bei Huawei nicht absprechen kann ist, dass sie das Design das Ascend P6 in meinen Augen wirklich attraktiv umgesetzt haben. Neben dem HTC One gibt es im Android-Bereich meines Erachtens keine Konkurrenz, die hier ein besseres Ergebnis von Design in Verbindung mit der Verarbeitung abliefert. Farblich hatte ich die schwarze Version im Test, es gibt aber auch eine weiße und demnächst auch eine pinke Ausgabe.

Huawei Ascend P6 Front und Rückseite

Kritiker bemängeln die Nähe der Designsprache zum iPhone und wenn man ehrlich ist kann man zumindest nicht abstreiten, dass beispielsweise der Metallrahmen mit den Aussparungen für die Antennen starke Ähnlichkeit zum iPhone aufweisen. Eine gewisse Ähnlichkeit zu einem bekannten Premiumprodukt muss aber nicht schaden und den meisten, denen ich das Gerät einfach mal in die Hand gab, fanden das Design gelungen. Geschmackssache ist aber in jedem Fall die abgerundete Unterseite des Geräts, die durchaus untypisch ist und nicht jedem gut gefällt.

Huawei Ascend P6 Unterseite abgerundet

Die verwendeten Materialien beim Rahmen und der Rückseite des Ascend P6 bestehen fast ausschließlich aus gebürstetem Aluminium und die Frontseite aus dem typischen kratzfesten Gorilla Glass. Lediglich die Unterseite und die Aussparung am Rahmen sind aus Kunststoff. Die erste Haptik nach dem Auspacken des Geräts war somit für mich überraschend gut.

Allerdings hat das Design in der täglichen Handhabung auch seine Schwächen. Zwar sind die 6,18 mm auch gefühlt sehr dünn und handlich, sodass einem hier die Bedienung erleichtert wird, allerdings ist die kantige Bauart kein Handschmeichler und ist an einigen Stellen zu scharfkantig. Ich bevorzuge da eher abgerundete Ecken, aber hier sollte jeder das Gerät einmal selber in die Hand nehmen, wenn er denn die Möglichkeit vor dem Kauf dazu hat.

In meinen Augen völlig deplatziert ist die Kopfhörer-Buchse. Huawei spricht hier von geschickt platziert, in der Praxis fand ich dies eher umständlich, denn sie befindet sich an der linken, unteren Seite, statt wie in den meisten Fällen oben am Gerät und wird dazu noch von einem Stift als Abdeckung verschlossen.

Huawei Ascend P6KopfhörerDer Stift dient gleichzeitig dazu die einzelnen Schächte für die Mikro-SIM und die Mikro-SD-Karte zu öffnen. Das ist zwar gut gedacht, allerdings besteht große Gefahr, dass der Stift schnell mal wegkommt, wenn er immer in der Kopfhörer-Buchse steckt. Durch die seitliche Anbringung ist der Tragekomfort in der Hose bei angesteckten Kopfhörern nur noch wenig angenehm. Zwar bringt Huawei wenigstens einen Winkelstecker bei den mitgelieferten Kopfhörern mit, aber viele nutzen ihre eigens gekauften, welche an dem Gerät unpraktisch sind.

Ansonsten ist die Verarbeitung aber durchweg gut und weiß zu überzeugen. Die Kamera auf Vorder- und Rückseite sind exakt bündig eingelassen, keine größeren Spaltmaße oder sonstige Eigenschaften, die billige Verarbeitung erkennen lassen. Die Lautsprecher hätte man aber besser wie beim HTC One auf die Vorderseite gepackt. Ansonsten überzeugt der Lieferumfang mit einer mitgelieferten Schutzhülle, die zwar die Haptik etwas verschlechtert, aber das Gerät gut vor Kratzern schützt.

Display

Als ich das Gerät zum ersten Mal eingeschaltet habe und einen ersten guten Eindruck durch die Haptik bekommen habe, fiel mir als nächstes das gute Display des P6 auf. Zwar springt Huawei nicht auf den Zug der 1080p Displayauflösung auf, sondern verbaut „nur“ eine Auflösung von 1280 x 720 Pixel, welches 312 PPI auf dem 4,7 Zoll großen Display entspricht. Im Alltag haben aber sicher schon viele von euch bemerkt, dass alles über 300 PPI für das menschliche Auge so scharf ist, dass keine sichtbaren Pixel mehr erkannt werden, von daher sollte dies für die meisten völlig ausreichend sein.

Ascend P6 Display

Ansonsten verbaut Huawei hier ein gutes IPS+ LCD-Panel, welches natürliche Farben, gute Helligkeit und stabile Blickwinkel ermöglicht. Bei direkter Sonneneinstrahlung hat aber auch das Ascend P6 zu kämpfen und ist nur noch schwer ablesbar, aber das teilt es sich mit der Konkurrenz. Das Display hat mich aber vollkommen überzeugt und ist sehenswert und macht Spaß jeden Tag anzuschauen.

Manchmal reagierte das Display allerdings etwas langsam auf Touch-Eingaben, welches sich aber spürbar verbesserte, nachdem man den „Glove-Modus“ (hätte man in meinen Augen übersetzen müssen) in den Einstellungen aktivierte. Mit Handschuhen ließ sich das Display damit relativ gut bedienen, aber auch die Reaktionszeit ohne Handschuh verbesserte sich in meinem Test dadurch. Die Farbtemperatur lässt sich in den Einstellungen an die persönlichen Wünsche anpassen.

Ascend P6 Handschuhe Glove Modus

Leistung und generelle Ausstattung

In Sachen Leistung muss man kleinere Abstriche machen. Zwar vermarktet Huawei das Gerät als Vierkern-Prozessor, welche fast ausschließlich in der Oberklasse eingeordnet sind, jedoch setzt Huawei hier komplett auf die eigens produzierten Hi-SiliconK3V2 mit 1,5 GHz und 2 GB RAM. Man hat im Alltag damit zwar bei den meisten Anwendungen keine wirklichen Probleme, an die Leistung von Qualcomm- oder Samsung-Prozessoren kommt Huawei aber nicht heran, was sich auch in Benchmarkergebnissen gezeigt hat.

Wirkliche Ruckler konnte ich zwar nicht feststellen, allerdings merkte man eine gewisse Trägheit beim scrollen in großen Webseiten. Auch Apps öffneten sich etwas langsamer, als man das von den aktuellen Topmodellen gewohnt ist. Wer mit dem Gerät allerdings die neuesten Spiele nutzen möchte wird hier an seine Grenzen stoßen. Das vorinstallierte Riptide GP lief zwar ohne Probleme, beim Nachfolger Riptide GP2 fing es dann aber an zu ruckeln. Mich persönlich stört das weniger, da ich fast gar nicht auf dem Smartphone spiele, anspruchsvolle Gamer sollten aber zu einem leistungsstärkeren Gerät greifen, wenn sie die neuesten Spiele ausprobieren wollen.

Leider hat Huawei am intern verbauten Speicher gespart und nur 8 GB in das Ascend P6 integriert, von denen etwa 4,7 GB bei der Ersteinrichtung verfügbar sind. Zumindest kann man diesen aber über eine Mikro-SD erweitern. Huawei gibt lediglich eine Unterstützung von Karten mit bis zu 32 GB Speicher an, bei mir funktionierte aber zumindest auch eine FAT32-formatierte 64 GB Karte ohne Probleme.

Da man das Gerät preislich attraktiv gestalten will müssen wir leider auch auf weitere Funktionen verzichten, bei denen jeder selbst entscheiden muss, wie wichtig ihm diese sind. Zum einen fehlt LTE und es sind nur Geschwindigkeiten bis zu 21,6 Mbit/s  möglich. Mir hat dies im Alltag gereicht, wer aber bereits einen LTE-Vertrag hat wird mit dem P6 nicht glücklich.

Ebenfalls ist kein NFC an Bord. Wer einmal ein NFC-Gerät hatte und die vielen kleinen und nützlichen Anwendungsgebiete zur automatischen Steuerung kennt und bereits benutzt hat, vermisst diese Funktion sicher schmerzlich. Allerdings ist NFC für viele immer noch ein Randgruppen-Thema, ich würde mir aber wünschen das mehr Hersteller diese Technologie in ihre Geräte einbauen.

Außergewöhnlich warm wird das Gerät nach größerer Belastung. Man merkt deutlich, dass das Gerät bei solch kompakten Ausmaßen kräftig Wärme über die Oberfläche abgeben muss, damit die Leistung nicht abfällt. Dies ist zwar keineswegs heiß, dennoch ist die hohe Wärmeableitung nicht immer angenehm.

Dafür ist die Sprachqualität bei Telefonaten durchgehend gut, wie man das auch heutzutage erwarten muss. Aktive Rauschunterdrückung ist mit an Bord. Sowohl ich verstand den Gesprächspartner sehr gut, als auch die Gegenseite vernahm alles klar und deutlich. Lediglich die Freisprechfunktion empfand ich ein wenig leise.

Den Akku fand ich vorab etwas knapp bemessen mit seinen 2.000 mAh und für mich war er das auch. Ich kam zwar meist gerade so über den Tag mit 3h aktiver Displayzeit, dann war der Akku aber nach ungefähr 15-20h auch so gut wie leer. Ist natürlich bei dem stark vom Nutzungsverhalten abhängig, aber da der Akku auch nicht auswechselbar ist und man diesen einfach durch einen größeren ersetzen kann ist er mir etwas zu knapp bemessen.

Software

Huawei will sich wie die anderen großen Hersteller mit der Software natürlich entsprechend im Markt positionieren und wird für alle Freunde des reinen Vanilla Android von Google eher gemischte Gefühle hinterlassen. Immerhin ist man aber mit der Android-Version relativ aktuell mit Android 4.2.2 zur Auslieferung – über ein Update auf 4.3 gibt es leider aktuell noch keine Aussagen, kommen wird es aber mit Sicherheit.

Die mitgelieferte Oberfläche, Huawei nennt sie Emotion UI 1.6, ist wie so oft Geschmackssache. Für den normalen Nutzer finde ich sie nicht verkehrt. Sie ist relativ schlicht und sieht ganz passabel aus. Der größte Unterschied zu den anderen Herstellern ist, dass kein expliziter Launcher integriert ist, sondern man zu den Apps einfach weiter nach rechts auf den 9 Homescreens wischt. Ein Konzept was man von iOS kennt, mir aber von Huawei nicht gut genug umgesetzt ist, da die Apps einfach immer hintereinander platziert werden. Ich wechselte nach kurzer Zeit zum Nova Launcher, da er einfach anpassbarer ist und das gewohnte Konzept zurückbringt.

Huawei Emotion UI 1.6

Ebenfalls wechselte ich schnell die Tastatur von Huawei zu SwiftKey, da die Autokorrektur meines Erachtens eher schlecht war. Zumindest überzeugen einige mitgelieferte Softwarefunktionen dann doch und bieten einen Mehrwert. Beispielsweise gibt es einen Berechtigungsmanager für die installierten Apps, wo ihr dann nach der Installation direkt gefragt werdet, ob diese auf Kontakte zugreifen darf, Push-Nachrichten versendet uvm. (ähnlich was ab Android 4.3 von Google mitgeliefert wird)

Huawei Emotion UI 1.6

Sinnvoll und schick umgesetzt sind die einzelnen Profile, die man definieren kann, wodurch sich verschiedene Einstellungen alle mit einmal anpassen lassen. Nichts besonderes und schon mehrfach bei anderen Herstellern gesehen, dennoch für viele praktisch und leicht einzurichten.

Profilauswahl

Was sehr gut ankam sind die vielfältigen Anpassungsmöglichkeiten, die Huawei durch unterschiedliche Themes zur Verfügung stellt. Damit mehr Individualisierungsmöglichkeiten für den Nutzer vorhanden sind, gibt es einen extra Bereich der die generellen Farben, Schriftarten, Sperrbildschirm oder auch der Icons nach dem persönlichen Geschmack einrichten lässt. Dies lässt sich zwar auch über Apps nachrüsten, aber von Haus aus ist diese Funktion für viele gut durchdacht.

Insgesamt bin ich zwar nicht von der Emotion UI 1.6 überzeugt, da sie mir zuviel von Android verdeckt und mir Vanilla Android auch einfach mehr zusagt. Dennoch schafft Huawei zumindest einige sinnvolle Zusatzfunktionen zu integrieren und das meiste, wie beispielsweise der Launcher, kann zum Glück eh von jedem geändert werden. Wichtig ist, dass die Oberfläche zu keiner Zeit geruckelt hat, was bei der Hardware aber auch der Anspruch sein muss.

Merkwürdig war, dass die Google+ App ständig auf dem P6 abgestürzt ist. Zwar funktionierte der automatische Upload der Fotos, aber direkt nach dem Öffnen der App kam nur eine Absturzmeldung, welches nach meinen Recherchen auch das P2 und andere Huawei Geräte in der aktuellen Software betrifft.

Emotion UI 1.6

Kamera

Die 8 Megapixel Kamera schießt im Alltag brauchbare Bilder. Besonders bei guten Lichtverhältnissen war die Qualität recht ansprechend, sobald es aber dunkler war, kam deutlich sichtbares Bildrauschen ins Spiel. Zu Beginn war der Autofokus durchaus nervig, da er ständig versuchte das Bild scharf zu stellen, obwohl es bereits scharf war. Nach Installation eines Updates hat sich dieses Problem aber erledigt. Für Schnappschüsse fand ich die Kamera durchaus geeignet, besonders den Makro-Modus (Beispiele hier) fand ich erstaunlich gut für eine Smartphone-Kamera, auch wenn die Qualität nicht an die aktuellen Topmodelle heranreichen.

Bemerkenswert ist noch die fünf Megapixel Frontkamera zu nennen, die in dieser Auflösung durchaus einzigartig ist. Besonders gute Qualität lieferte sie allerdings nicht. Huawei möchte mit dem integrierten Beauty-Modus (im Endeffekt nichts anderes als ein Weichzeichner) glänzen, aber gelungene Ergebnisse kommen damit nach meinem Gefühl nicht heraus.  Die Videofunktion war ebenfalls in Ordnung, mehr aber auch nicht.

Fazit

Kurz zusammengefasst fand ich das Huawei Ascend P6 im Test überraschend stark, was ich vorab nicht erwartet hatte. Technisch liegt das Gerät aktuell in der guten oberen Mittelklasse und hinterlässt durch die hochwertige Verarbeitung einen guten Eindruck. Zwar muss man kleinere Einschränkungen hinnehmen (kein NFC und LTE, knapper interner Speicher, nur mittelmäßiger Akku), insgesamt bekommt man aber ein durchweg solides Gerät.

Gerade für den preisbewussten Käufer ist das Preis-Leistungsverhältnis wirklich gut, denn es liegt aktuell bei verschiedenen Online-Händlern um die 360€ (bei Amazon UK sogar bei nur 285€). Für diesen Preis kann ich das Gerät in jedem Fall empfehlen, wenn man mit den erwähnten Schwächen leben kann.

Falls ihr noch Fragen zum Gerät habt werde ich euch die natürlich gerne beantworten.

Zum Abschluss noch die technischen Daten im Überblick:

  • Betriebssystem: Android™ 4.2 Jelly Bean + Emotion UI 1.6
  • Prozessor: 1,5 GHz Quad-Core Hi-SiliconK3V2
  • Grafikprozessor: 16 Core on board
  • 2G: Quadband 850/900/1800/1900 MHz
  • 3G: Pentaband 850/900/1700/1900/2100 MHz
  • SAR: 0.638 W/kg
  • Abmessungen: 132,6 x 65,5 x 6,18 mm
  • Gewicht: 120 g

Display:

  • Technologie: HD IPS+ LCD with Corning® Gorilla® Glass
  • Größe:11,9 cm (4,7 Zoll)
  • Auflösung:1280 x 720 px

Speicher:

  • Intern: 2 GB RAM, 8 GB ROM (ca. 4,7 GB verfügbar)
  • Extern: microSD™ erweiterbar bis zu 32 GB

Datendienste:

  • UMTS/HSPA+: HSDPA: 21,6 MBit/s, HSUPA: 5,76 MBit/s
  • WLAN: 802.11 b/g/n (2,4 GHz)
  • Bluetooth®:3.0 + EDR, AVDTP, AVCTP, A2DP, AVRCP, PAN, GAP,
  • GAVDP, HFP, HSP, OPP, PBAP, HID profile
  • DLNA: Ja

Kamera:

  • Hauptkamera: 8 Megapixel mit Autofokus
  • Frontkamera: 5 Megapixel HD
  • Blitz: LED-Blitz, Videolicht

Akku & Betriebszeiten:

  • Akku: Li-Polymer 2000 mAh
  • Standby: 416 h (2G) / 315 h (3G)
  • Sprechdauer: 28,2 h (2G) / 14,5 h (3G)

Anschlüsse:

  • 3,5 mm Stereo-Buchse: Ja, mit Schutzkappe (inkl. Kartenauswurf-Werkzeug)
  • micro USB: Ja, mit OTG Funktion (über optionalen Adapter)
  • SIM-Karte: Micro SIM (3FF)

GPS:

  • GPS / A-GPS / SUPL 1.0 / GLONASS

Sensoren:

  • Näherung, Umgebungslicht, Digital Kompass, Beschleunigung, Lage, Temperatur


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Über den Autor: Gastautor

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