Großbritannien: Smartphones in Schulen erst ab 16 Jahren?

13. September 2015 Kategorie: Hardware, Mobile, geschrieben von:

artikel_iPhone6S_PlusBei unseren Nachbarn im Vereinigten Königreich fordert der Lehrer und selbsternannte Experte für Verhalten in Schulen, Tom Bennett, dass Smartphones erst für Kinder und Jugendliche ab 16 Jahren erlaubt sein sollten. Allerdings scheint sich Bennet dabei trotz bewusst vager Zitate des The Independent vor allem auf den Gebrauch in Schulen zu beziehen und nicht in der Freizeit. Bennett ist in Großbritannien jedoch vor allem für seine Blogs zu pädagogischen Themen bekannt und kann als eine Art Praxis-Ratgeber eingestuft werden. In akademischen Kreisen hat er sich nicht nennenswert verdient gemacht.

Daher ist seine Empfehlung auch vielmehr als die subjektive Meinung eines reflektierten Praktikers einzustufen und eben nicht als wissenschaftliche Expertise. Immerhin führt Bennett aber für die britische Regierung auch eine Evaluation an Schulen durch, um zu ermitteln, inwiefern neue Technologien das Schüler- und Lehrerverhalten beeinflussen.

Bereits geäußert hat Bennett, dass seiner Ansicht nach Kinder und Jugendliche Smartphones in Schulen erst ab 16 Jahren nutzen sollten. Und auch dann sollten die mobilen Endgeräte nur erlaubt sein, wenn es dem Unterricht diene bzw. absolut notwendig sei. Seine Kritik lautet vor allem, dass die Smartphones den Unterricht oft stören würden bzw. vom Lernen ablenkten. Viele Schulen in Großbritannien haben ohnehin bereits eigene Regeln für den Gebrauch mobiler Endgeräte. Allerdings stecken hier vielmehr Bedenken bezüglich Cyberbullying und Online-Pornographie dahinter.

Dabei ergänzt Tom Bennett, dass er kein vollkommenes Verbot von Smartphones in Schulen fordere – nur notwendige Einschränkungen und den sehr gemäßigten Einsatz in passenden Situationen. Allerdings übertreibt Bennett zugleich: „Wenn Menschen mich fragen ‚Wann sollte ich meinem Kind ein Smartphone erlauben?‘, antworte ich stets: ‚Ab dem Zeitpunkt, ab dem das Kind Pornos ansehen darf – denn die Neugierde wird es genau dahin führen.“ Dabei vergisst Bennett, dass es genau für solche Fälle Eltern-Funktionen und Apps gibt, um die abrufbaren Inhalte einzuschränken. Zumal nicht jedes sechsjährige Kind automatisch nach „Hot Milfs with Big Boobs“ suchen dürfte, da auch die Erziehung durch die Eltern sowie die Peergroup eine enorme Rolle spielen.

tom bennett

Bennett nimmt eine sehr rigide und konservative Position ein: „Ich möchte nicht, dass Kinder auf dem Spielplatz pornografische oder brutale Fotos austauschen, rassistische Websites besuchen oder dergleichen. Ich möchte wissen, was die Kinder da treiben und das gilt auch für den Gebrauch in der Schule.“ Da fragt man sich doch, mit was für Kindern Bennett so Umgang pflegt, bei diesem extremen Menschenbild. Sicherlich probieren Kinder und Jugendliche viel aus, doch geht Bennett hier von Extrembeispielen aus.

Entsprechend relativiert auch Christine Blower, General Secretary der National Union of Teachers: „Es ist wichtig auch daran zu denken, dass moderne Technik – und damit sind auch Smartphones gemeint – wichtig für erfolgreiche Lern- und Lehrmethoden sein können.“ Auch Brian Lightman, General Secretary der Association of School and College Leaders, mahnt: „Wir denken, es ist nicht die Aufgabe der Behörden, Mikromanagement in den Schulen zu betreiben. In diesem Bezug sollten die Direktoren frei entscheiden.“

Ich selbst sehe Bennetts Panikmache aus meiner Position als Wissenschaftler heraus eher kritisch, da er vor allem als Praktiker sehr subjektiv und ideologisch geprägte Aussagen tätigt, bei denen er versagt sie mit wissenschaftlichen Studien zu untermauern. Natürlich besteht die Gefahr, dass Kinder und Jugendliche im Internet auf Inhalte stoßen, die nicht für sie geeignet sind. Und natürlich sollte man die Nutzung moderner Informationstechnologien bei Kindern nicht übertreiben. Allerdings sollte man eher aufklären als rigide einschränken, damit es möglich wird, dass Kinder und Jugendliche selbst reflektieren und z. B. rassistische oder anderweitig bedenkliche Inhalte als solche erkennen. Hier erscheint mir Bennetts autoritäre Denkweise mit engen Grenzen eher veraltet und wenig zielführend.

(via The Independent)

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