Googles „Guetzli“ senkt JPEG-Größen um bis zu 35 % bei konstanter Qualität

19. März 2017 Kategorie: Google, Internet, Mobile, geschrieben von: André Westphal

Irgendjemand bei Google hat eine Vorliebe für Schweizerdeutsch: Denn auch der neueste Bildkompressions-Encoder des Unternehmens bedient sich bei diesem speziellen Dialekt. Letztes Jahr hatte ich noch über „Brotli“ gebloggt. Jetzt legt Google wiederum mit „Guetzli“ nach. Es handelt sich dabei um einen neuen Encoder, der JPEG-Dateien bei gleichbleibender Bildqualität im Vergleich mit aktuellen Methoden deutlich stärker komprimieren kann. Dadurch sollen die Dateigrößen bei identischer Bildqualität um bis zu 35 % sinken. Alternativ kann man bei gleichbleibender Dateigröße bessere Bildqualität erreichen.

Die via Guetzli komprimierten JPEG-Dateien sind zu allen gängigen Programmen kompatibel, die auch aktuelle JPEGs nutzen – das war in der Vergangenheit bei anderen Methoden von Google (WebP, WebM) nicht immer der Fall. Der urige Name dürfte übrigens daher rühren, dass Guetzli bei Google Research in Zürich entwickelt wurde. Offenbar lässt man den Mitarbeitern bei der Namensgebung dort etwas freie Hand.

Guetzli setzt übrigens bei der Stufe der Quantisierung an, in welcher im Wesentlichen ungeordnete Daten neu geordnet werden, um die Kompression zu erleichtern. Jeder Encoder arbeitet hier etwas unterschiedlich. Google legt Guetzli ein „psychovisuelles“ Modell zugrunde, was bedeutet, dass man sich daran orientiert, wie das menschliche Auge Bilder verarbeitet.  Dadurch soll Guetzli dann auch gegenüber anderen Encodern die sichtbaren Vorteile erreichen.

Links Original, Mitte Libjpeg, Rechts Guetzli

Während Google mit der Hilfe von Guetzli primär im Auge hat die Größe von Bilddateien zu reduzieren, wäre natürlich je nach Anwendungsgebiet auch bei gleichbleibender Dateigröße bessere Bildqualität zu erreichen.

Links Original, Mitte Libjpeg, Rechts Guetzli

Im obigen Beispielbild wird z. B. Guetzli mit dem Encoder Libjpeg verglichen: Bei geringerer Dateigröße zeigt Guetzli im Vergleich dennoch weniger Kompressionsartefakte.

Wer Guetzli nutzen bzw. einbinden möchte, findet den offenen Quellcode komplett bei Github. Sicherlich interessant für all diejenigen, die viel aktiv mit Bildern arbeiten und sich nach geringeren Dateigrößen sehnen. Erwähnenswert ist allerdings, dass Guetzli aufgrund der verbesserten Quantisierung zum Encodieren von Bildern länger braucht als Libjpeg. Das überrascht natürlich nicht, denn irgendein Trade-Off war zu erwarten.

(via Ars Technica)

Über den Autor: André Westphal

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