Google Spaces und Pocket im Vergleich – Welcher Dienst kann was (besser)?

11. Juni 2016 Kategorie: Android, Google, Internet, iOS, geschrieben von: Pascal Wuttke

SpacesSeit Jahren bin ich auf der konstanten Suche nach den perfekten Tools, die mir den beruflichen und privaten Alltag erleichtern. Klar kann man immer noch das meiste mit Stift und Papier regeln, aber ich bin Fan der Idee eines papierlosen Büros. Meine Frau hingegen muss immer ein großes Stück weit überzeugt werden von Apps, Diensten und Tools, die ich gerne ausprobieren möchte. Sei es die gemeinsame Wunderlist für Erinnerungen vor dem Urlaub oder der Einkaufszettel, damit ich ja nicht die Lieblingschips vergesse. In besagtem Berufs- und Privatalltag haben sich bislang drei Tools fest bei mir verankert: Wunderlist, Evernote und der Read-it-later-Dienst Pocket.

Alle drei haben ausreichende kostenlose Funktionen, die den meisten genügen dürften. Alle drei haben aber auch einen Premium-Plan, der für ein paar Euro im Monat mehr Speicherplatz für Inhalte oder die Möglichkeit zum Teilen dieser Dinge mit Freunden und Kollegen anbietet.

Pocket war im Jahr 2014 der letzte Dienst dieser Drei, der Bezahlfunktionen einführte. Für 39,99 Euro im Jahr (nach Adam Ries sind das etwa 3,33 Euro im Monat) bekommt man seit jeher Features wie eine bessere Volltextsuche, eine permanente Bibliothek, vorgeschlagene Tags und eine werbefreie Nutzererfahrung geboten. Reichte für mich bislang nicht, um die Kröten zu investieren. Mir hat es bislang immer gereicht, die Artikel zu speichern und händisch mit Tags zu versehen. Die Hauptfunktion von Pocket war für mich eigentlich stets der Reader Mode für Webartikel. Dieser entfernt Werbung und sonstige ablenkende Elemente vom gespeicherten Artikel und zeigt das an, worauf es ankommt: Nur den Text.

Pocket

Pocket und ich sind immer noch dicke Freunde, doch ich bin ein Fan von systematischen Ablagen. Soll heißen, ich mag es nicht, wenn berufliche Artikel im gleichen Stream erscheinen, wie private Artikel. Das Tagging-System ist zwar ganz nett, hilft aber auch nichts, wenn alles wild durcheinandergewirbelt in der Timeline angezeigt wird. Wer hat schon Lust jedes Mal wild durch die App zu klicken, um die Tag-Sektion anzusteuern und nach dem passenden Schlagwort zu suchen. Ich jedenfalls nicht.

Trotzdem nutzte ich Pocket immer um Netzfundstücke aller Art zu speichern. Auch, wenn mich der „Haben-will-Virus“ mal wieder packt und ich einfach diesen geilen Artikel aus Shop XY nicht aus den Augen verlieren will. Der innere Monk in mir möchte solche Dinge nicht im overpowered Tool Evernote speichern, um den Überblick meiner Notizen nicht zu verlieren. Ergo: Pocket musste herhalten für all den Schrott, den ich so im Netz finde. An diesem Punkt könnt ihr den Absatz zur systematischen Ablage erneut lesen, um zu verstehen, was mich an Pocket nervt.

Nun kam Google um die Ecke und präsentierte kürzlich Spaces. Spaces ist ein kooperativer Hub, in dem man eben solche Netzfundstücke aller Art reinwerfen kann. Der große Vorteil hier gegenüber Pocket ist, dass man für jede Art von Fundstück einen neuen Space kreieren kann oder den Inhalt einfach in einen bestehenden Space werfen kann. Es ist vom Prinzip her ähnlich wie Pinterest mit seinen Pinnwänden. Die größten Vorteile liegen jedoch schnell auf der Hand: Spaces ist kooperativ mit Freunden und Verwandten nutzbar und man kann eine schier endlose Anzahl an Spaces kreieren – und das alles kostenlos.

Google Spaces_Hauptmenü

Dass Google die Oberfläche intuitiv und schick gestaltet hat, muss ich an dieser Stelle nicht erwähnen. Spaces ist halt eines der weiteren Material Design-Referenzprodukte von Google und die Designsprache wird hier konsequent durchgezogen. Viel wichtiger ist, es ist sehr intuitiv und hat ein paar sehr coole Features an Bord. Beispielsweise die Kommentarfunktion, die zum jeweiligen gesicherten Inhalt eine Konversation zwischen allen ermöglicht, die Zugriff auf den Space haben. Finde ich ein Bild toll, das ich mir gerne an die Wand nageln würde, die Herzensdame findet es…sagen wir mal „nicht gut“, dann diskutiert man das halt direkt unter dem gespeicherten Inhalt im jeweiligen Space aus.

Aber auch reine Notizen und eigene Fotos können erstellt, bzw. von der eigenen Festplatte hochgeladen werden. Im Desktop-Browser und unter Android kann man zudem Fotos aus dem Cloudspeicher von Google Fotos auswählen, unter iOS kann man leider nur aus den eigenen Bildern und der iCloud Mediathek posten. Etwas inkonsequent ist das nächste Feature. Google hat nämlich sinnigerweise in Google Spaces auch die Google Suche integriert. Heißt, man kann direkt aus Google Spaces heraus die Google Suche anwerfen und Inhalte direkt speichern – leider nur mobil. Im Browser benötigt man die zugehörige Chrome-Erweiterung. Auf dem Smartphone ist die Suche eben in der Google Spaces App direkt integriert. Finde ich besser gelöst, aber kann ja noch bald auch für den Desktop folgen.

Google_Spaces_iOS_Sharing_Menu

Die mobile Integration habe ich bislang nur unter iOS getestet und muss sagen, sie läuft fantastisch. Über das Sharing-Menü von iOS kann ich Inhalte aus dem Browser oder anderen Apps wie Tweetbot in einen Space kloppen und somit für später speichern. Die App selbst ist schnell und gut aufgeräumt. Mag ich. Ach der Part des kooperativen Space-beackerns ist reibungslos. Space erstellen oder vorhandenen öffnen, auf die Einladen-Schaltfläche klicken und eine spezielle Space-URL per App seiner Wahl versenden. Euer Gegenüber benötigt für Spaces natürlich ein Google-Konto, was die Kiste Google-typisch leider etwas einschränkt und einen Nachteil gegenüber Pocket birgt.

Auch die Aussagen zur Privatsphäre der Spaces ist, genauso wie bei Google Fotos, etwas schwammig. Denn eure Spaces sind nicht privat. Jeder, der über die URL zum Space verfügt, kann die Inhalte natürlich sehen. Eine komplette Privatschaltung des Ganzen gibt es aktuell nicht. Aber falls jemand eurem Space beitritt, bekommt ihr sofort eine Benachrichtigung und könnt die Person gegebenenfalls wieder entfernen. Trotzdem nicht die optimalste Lösung.

Google Spaces_Space

Spaces ist unterm Strich nichts anderes als ein Dump für Inhalte aus dem Netz, die zu unwichtig sind, um sie in einem Dienst wie Pocket oder ähnliches zu speichern. Nicht mehr und nicht weniger. Aber ist Google Spaces nun mit Pocket vergleichbar oder sogar besser? Schwer zu sagen. Beide Apps speichern Webinhalte und das sehr gut. Pocket ist auf das Lesen von Artikeln ausgerichtet, Spaces nur zum speichern von Webinhalten. Klar, hier kann man sich auch seine interessanten Webartikel sichern, doch Pocket hat nach wie vor den immensen Vorteil des Reader Modes. Dies besitzt Google Spaces nicht.

In punkto Übersicht gewinnt für mich Google Spaces. Das Tagging-System im Einzelstream erklärte ich bereits und auch die Kopfschmerzen, die es mir bereitet. Die Spaces sind farblich anpassbar und jeder Space kann ein eigenes Titelbild haben, was die Übersicht noch weiter verbessert. Eine gute Suchfunktion besitzen beide Tools, ein Vorteil liegt hier für mich jedoch auch bei Spaces, da ein kleines Vorschaubild in den Suchergebnissen angezeigt wird zur besseren Unterscheidung. Vorteil von Pocket ist dort jedoch, dass Artikel auch noch im Archiv liegen, wenn der Ursprungsartikel bereits offline ist – allerdings auch nur, wenn ihr Premium-Nutzer seid. Und wo wir gerade beim Thema Offline sind: Pocket bietet den weiteren Vorteil, dass man Artikel im WLAN-Netz offline im Reader-Modus speichern kann, um sie nachher in der Bahn oder sonstwo lesen zu können, ohne Daten zu verbrauchen oder auf eine stabile Verbindung setzen muss. Diese Funktion steht wiederum auch Free-Usern zur Verfügung.

In Sachen Plattform-Verfügbarkeit und Integration hat Pocket allerdings ganz klar die Nase vorn. Während Google Spaces aktuell nur für iOS, Android und das Web zur Verfügung steht, ist Pocket in den letzten Jahren überall hingewandert. Wer möchte, kann sich beispielsweise einen offiziellen Mac-Client laden (für Windows sind Third-Party-Apps verfügbar) oder Apps zur Aufbereitung von Inhalten für den Kindle holen.

Ich persönlich bin schon jetzt sehr angetan von Google Spaces und hoffe, dass der Dienst keine Karteileiche von Google wird. Für das „mal eben irgendwo abspeichern“-Szenario ist der Dienst super und er bietet eine intuitive, aufgeräumte Nutzeroberfläche. Wer einen Dienst braucht, der wirklich nur interessante Artikel zum Lesen speichert und diese schick und ablenkungsfrei aufbereitet, der wird sicherlich mit Pocket besser fahren. Ein klares X ist besser als Y kann man hier also nicht zwingend anwenden.

Google Spaces gibt’s für Android, iOS und das Web.

Pocket gibt’s für offiziell für Android, iOS, Mac OS und viele weitere Plattformen.


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Über den Autor: Pascal Wuttke

Nerdlicht in einer dieser hippen Startup-Städte vor Anker. Macht was mit Medien... Auch bei den üblichen Kandidaten des sozialen Interwebs auffindbar: Google+, Twitter, Xing, LinkedIn und Instagram. PayPal-Kaffeespende an den Autor.

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