Google Reader-Alternative Feedbin im Test

30. März 2013 Kategorie: Google, Internet, iOS, Mobile, geschrieben von: caschy

Vorwort: der Google Reader macht zu. Schlimm? Google zwingt uns zu Alternativen und zeigt, dass wir vielleicht doch nicht so abhängig sind. Meine persönliche Alternative ist derzeit Feedly. Bastian Gruber, von dem die gleich folgenden Zeilen sind, hat für euch einmal Feedbin unter die Lupe genommen. Einen Dienst, der seine Schnittstelle auch für Apps von Drittanbietern öffnet. Fröhliches Lesen und weiterhin ein schönes Wochenende!

Feedbin

Eine neue Episode in der Serie „Wir suchen einen Google Reader Ersatz“. In der Hauptrolle: Feedbin. Ein junger Dienst der mit hübschen Aussehen bei den verlorenen RSS-Seelen punkten will. Ich habe mir den Dienst etwas genauer angesehen, und wie so oft gibt es etwas Licht und noch viel Schatten. Einen Dienst zu ersetzen, welcher schon seit mehr als 8 Jahre existiert und von einem Konzern betreut wurde der in Webservices sein Kernprodukt sieht, ist nicht leicht. Daher vorneweg: Gebt all den Diensten erstmal eine Chance sich zu entwickeln.

Mit diesem Anspruch muss auch Feedbin betrachtet werden. Anstatt von einem Konzern wird es von einer einzigen Person entwickelt. Löblich ist aber hierbei: Alle Entwicklungen fließen in dieses Open Source Projekt ein und werden via GitHub zur Verfügung gestellt. Auch ist die API OpenSource und soll stetig erweitert werden. Soll heißen: App-Entwickler können den Dienst ansprechen und all eure RSS-Abos in Empfang nehmen. Dies könnte für einen hoffentlich weiter belebenden RSS-App-Markt sorgen. Nach Aufruf der Webseite wird man von einem modernen Design in Empfang genommen. Alles sieht nett aus, kein Text zu viel und kein Button zu wenig. Im Gegensatz zu anderen Varianten sticht aber ein Dollar-Betrag in‘s Auge der nicht optional ist: 2 Dollar im Monat will der Entwickler für den Dienst haben (umgerechnet 1,56 €). Auf den ersten Blick gibt es keinen Testzeitraum.

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Ein weiterer Nachteil: Es kann nur via Kreditkarte bezahlt werden. Das übliche „Google Play Store“ Problem also. In Deutschland besitzen nicht alle eine Kreditkarte, das gängige Zahlungsmittel ist immer noch Bargeld oder EC-Karte. Selbst eine PayPal-Zahlung nimmt der Entwickler von Feedbin nicht an. Wer im Voraus zahlen will spart sich 4 Dollar, denn für 12 Monate kostet der RSS-Dienst umgerechnet 15,60 Euro im Jahr (also 20 Dollar). Bei meinem Test habe ich aber erfreulicherweise gemerkt: Die ersten 3 Tage sind kostenlos. Meine Kreditkarte wurde mit 0,00 Dollar belastet und erst am 01.April kommt die „richtige“ Rechnung. Zeit also den Service zu testen und gegebenenfalls zu kündigen. Nach dem Anmelden erwartet einen das typische 3-Spalten-Layout von E-Mail-Programmen. In der ersten Spalten finden sich alle abonnierten Seiten, daneben die jeweiligen Artikel in einer Listen-Ansicht und ganz rechts ist Platz für einen ausgewählten Artikel im Volltext.

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Alleine dieser Punkt ist genial gelöst. Ich weiß nicht warum es alle Dienste so kompliziert machen. Ich persönlich brauche kein Magazin-Layout oder bunte Kacheln. Genau diese Ansicht ist perfekt, und schlägt meiner Meinung nach auch den Google Reader. Hinzu kommt dass via Tasten (-kombinationen) navigiert werden kann.

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Angefangen von simplen Pfeiltasten bis hin zu Kombinationen mit „g danach a“ um alle Artikel anzeigen wird das nötigste geboten um keine Maus mehr verwenden zu müssen. Feedbin – Google Reader 1:0. Das war ein schöner Spielzug. Leider muss ich euch sagen dass es ab diesem Zeitpunkt bergab geht. Klar, das Finden von RSS-Quellen ist einfach: Es gibt eine Suchleiste wo ihr eine Web-Adresse eingeben könnt. Es wird sogar erkannt welche RSS-Dienste vorhanden sind und euch die Auswahl gelassen für welchen ihr euch entscheiden möchtet:

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Nachdem das Feedbin-Konto also mit Abos gefüttert wurde geht es an die Verwaltung. Die schmale Leiste ganz links ist nett: Nur gelesene Artikel anzeigen oder alle vorhandenen. Weiter unten der typische „Alle als gelesen markieren“ – Button, einer zum Tags vergeben und ein Papierkorb-Symbol zum Löschen der abonnierten Seiten. Soweit so gut. Zuerst: Mehr ist nicht. Für alle die sich die meiste Zeit in den sozialen Medien aufhalten um Informationen zu erhaschen und verteilen: Kein twitter-Button, kein Like-Button und nirgends kann man den Artikel auf Google+ teilen. Auch ein E-Mail-Versand von Artikeln ist (noch) nicht vorgesehen. Doch dazu später mehr.

Denn die zwei negativsten Punkte kommen jetzt: Tags können vergeben werden, allerdings werde diese anschließend separat angezeigt. Also zwischen dem „Starred“ und den abonnierten Seiten schieben sich die Tag-Kategorien rein. Keine Ordner-Ansicht, also Auf- und Einklappen von Artikelgruppen, möglich. Dies ist für mich als Ordnungsfanatiker ein großer Minuspunkt. Bei vielleicht im Schnitt 40-50 Seiten die ich so täglich verfolge will ich mich erstmal nur durch meine Kategorien klicken, und vielleicht anschließend spezifischer die einzelnen Seiten ansehen. Hat man sich daran gewöhnt kommt der nächste Schlag: Feeds löschen ist nicht möglich. Ihr habt richtig gelesen. Der Button ist zwar da (die schöne Mülltonne ganz links unten) aber Feedbin scheint wohl zur Zeit so seine Probleme zu haben.Es wird eine Fehlerseite angezeigt und nach dem Zurückkehren zur Liste ist der Eintrag immer noch da:

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Bevor ich aber einen Ausblick gebe, will ich dem Dienst noch helfen: Es gibt eine Import/Export Funktion. Ihr seit mit dem Dienst also nicht verheiratet und könnt einfach weiter ziehen wenn er euch zu langweilig wird. Auch kann so der gesamte Google Reader Inhalt mit ein paar Klicks hinzugefügt werden. Mein bisheriges Fazit also: Finger weg. Ihr werdet auf keinen Fall glücklich damit. Keine Apps, keine Teilen-Funktion, Feeds können nicht gelöscht werden und es kostet erst einmal Geld. Für Funktionen die nicht richtig funktionieren und nicht wirklich reichhaltig vorhanden sind. Und jetzt kommt das große Aber: Bleibt am Ball. Heute Morgen kam ein Blog-Eintrag welcher mein Gesicht etwas erhellt hat. Der Entwickler hat das große Interesse erkannt und will eine schönere „Ordnerübersicht“ bieten.

Außerdem wird der soziale Aspekt nicht vergessen und schon bald soll es möglich seine Artikel via Facebook und Co zu teilen. Laut dem Beitrag sollen in der nächsten Version auch „A few suprises“ enthalten sein. Über ein paar Überraschungen würde ich mich bei diesem Preis auch wirklich freuen. Beachtet bei dem Dienst auch: Er bietet eine offene API für jeden Entwickler. Da viele von euch wohl die meiste Zeit via Smartphone oder Tablet Nachrichten konsumieren kann die Web-Variante erst einmal links liegen gelassen werden (sobald es dementsprechende Apps gibt).

Und für die iOS / OS X Fraktion: Die wohl beliebteste App „Reeder“ bietet in der nächsten Version eine Feedbin-Unterstützung an. Somit fallen die negativen Punkten größtenteils weg, denn via App lässt sich vieles nachholen was Feedbin Online bisher verpasst hat. Mein endgültiges Fazit also: Ich werde bei diesem Dienst auf jeden Fall bleiben. Kein unnötiger Schnickschnack in der Aufmachung, perfekt um News pur zu genießen.

Sobald die App-Landschaft nachzieht gebe ich gerne ca. 16 – 20 Euro (je nach Umrechnungskurs und Auslandsgebühren bei der Zahlung) aus um wieder auf lange Sicht via RSS mit Informationen versorgt zu werden. Auch habe ich als Mac und iPhone/iPad Nutzer meine Google Reader Abos nur mit der Reeder App konsumiert. Ich war keine 5 Mal auf der Website selbst. Ich brauche also nur einen Dienst welcher meine Reeder App füllt, und optional eine funktionale Webansicht bietet. Und genau das bietet Feedbin (bald). Wartet also das nächste Update ab, und schaut euch den Dienst, sobald die Fehler behoben und die sozialen Netze angebunden sind, mal etwas genauer an.


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