Google Now: Der herzerwärmende Stalker von nebenan

3. April 2016 Kategorie: Google, Software & Co, geschrieben von: André Westphal

artikel google logoWie fühlt ihr euch zu Google verbunden? Seht ihr Google in erster Linie als gierige Datenkrake oder eher als offenen Innovator, der euer Leben bereichert? Ich selbst liege mit meinen Ansichten insgesamt wohl zwischen den beiden Extremen. Meine Vermutung ist, dass es den meisten Usern so geht. Einiges, was Google so treibt, finde ich richtig klasse, anderes eher ein wenig erschreckend. So könnte auch der Zugriff von Google Now auf E-Mails aus Gmail und die individuelle Auswertung der Daten je nach eurer Gesinnung oder aktueller Stimmung sehr unterschiedlich aufgenommen werden, wie ein aktuelles Beispiel bestens illustriert.

So wollte ein Reddit-Nutzer namens „barney13“ einige Sprachkommandos austesten und forderte Google Now auf, ihm doch Fotos aus der Vergangenheit zu zeigen. Also ging er eigene Schnappschüsse aus San Francisco, Spanien und Co. durch. Anschließend kam die Ansage „OK Google, zeige mir meine Fotos aus Nizza in Frankreich.“ Das Ergebnis war interessant, denn neben der Anzeige der Fotos kam von Google Now die Antwort:

„Nach Betrachtung von Gmail, möchte ich erstmal mein tiefstes Mitgefühl für dich, deine Mutter und den Rest der Familie aussprechen, welche der Verlust getroffen hat. Dein Vater war ein großartiger Mansch, wie du bestimmt bereits weißt.“

So hatte Google erkannt, dass der Zeitpunkt der Fotoaufnahmen mit dem Tod des Vaters des Reddit-Nutzers korrelierte. „barney13“ empfand die Bekundung von Google Now als sehr bewegend, speziell da die Äußerung nur auf einen kleinen Absatz in einer E-Mail aus dem Dezember 2010 zurückzuführen ist. Doch während der User angetan und emotional bewegt ist, sehe ich das zwiespältiger: Zum einen finde ich es gewagt, wenn Google direkt aussagt „Dein Vater war ein großartiger Mensch.“. Was wäre, wenn der Vater sein Kind missbraucht hätte oder ein gewalttätiger Alkoholiker gewesen wäre? Klar sind das extreme Szenarien, aber durchaus realistisch möglich. Würde ein Betroffener dann eine derartige Nachricht von Google Now erhalten, könnte das wahlweise als blanker Hohn empfunden werden oder schmerzhaft alte Wunden aufreißen.

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Letzteres könnte auch gelten, wenn jemand eben gerade nicht an den Tod eines geliebten Familienmitgliedes erinnert werden möchte. Vielleicht ist man auch einfach der Meinung ein anonymes Unternehmen sollte sich aus derlei emotionalen Angelegenheiten raushalten. Wie seht ihr dieses Beispiel? Ja, im ersten Moment dachte ich natürlich auch: „Ist ja süß“, doch im zweiten Gedankengang machte sich bei mir persönlich eher Ablehnung über diese Verfahrensweise breit. Ganz neutral ist es aber natürlich beeindruckend, wie individuell Google Now mittlerweile auf die Nutzung reagiert. In einem Video hat der Reddit-Nutzer übrigens das Beispiel festgehalten:

Kleines Update:

Ihr habt mich passend korrigiert: Google Now las nur einen Auszug der ursprünglichen E-Mail vor und reimte sich die Worte nicht selbst zusammen. Dennoch bleibt meine Kritik bestehen: Denn auch die Nachricht des Freundes könnte bereits damals auf falschen Annahmen basiert habe. Ein Beispiel wäre, dass der Vater besagter Schläger / Alkoholiker gewesen wäre, einem Arbeitskollegen jenes aber unbekannt war. Dann hätte Google Now ebenfalls nur eine schmerzhafte Situation mit falscher Auslegung neu aufgewärmt und für Ärger / Wehmut gesorgt. Danke für die Hinweise und Entschuldigung für meinen Fehler!


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Über den Autor: André Westphal

Hauptberuflich hilfsbereiter Technik-, Games- und Serien-Geek. Nebenbei Doc in Medienpädagogik und Möchtegern-Schriftsteller. Hofft heimlich eines Tages als Ghostbuster sein Geld zu verdienen oder zumindest das erste Proton Pack der Welt zu testen. Mit geheimniskrämerischem Konto auch bei Facebook zu finden. PayPal-Kaffeespende an den Autor.

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