Google legt sich mit der Motion Picture Association of America an

20. Dezember 2014 Kategorie: Google, Internet, geschrieben von:

Die Motion Picture Association of America (MPAA) ist ein Verband der sechs großen Filmstudios, vertritt deren Interessen und betreibt Lobby-Arbeit. Vor knapp drei Jahren wollte die MPAA ein Gesetz verwirklichen, das den Mantel der Verhinderung von Raubkopien für eine Internet-Zensur genutzt hätte. Viele große Internetdienste protestierten gegen SOPA (Stop Online Piracy Act), vielleicht erinnert Ihr Euch noch an die schwarzen Webseiten, die an diesem Tag aus Protest angezeigt wurden.

Google Office

Fast drei Jahre später scheint es einen neuen Versuch zu geben, ein SOPA sehr ähnliches Gesetz auf den Weg zu bringen. Verschiedene Seiten werden in Googles Blog-Post zitiert, darunter auch The Verge und die New York Times. Das Budget hierfür ist großzügig, geschossen wird vor allem gegen Google. Ein 79-seitiges Schreiben des Generalstaatsanwaltes Jim Hood ging an Google, enthalten sind zahlreiche Anschuldigungen gegen Google.

Interessant wird die Geschichte, wenn man Jim Hood einmal genauer betrachtet. Der gute Mann setzte sich schon für SOPA ein. Auch lässt er sich nach eigener Aussage nicht von der MPAA in seinen Entscheidungen beeinflussen. Der Huffington Post gegenüber äußerte er dies vergangene Woche und teilte auch mit, dass er gar nicht wüsste, welche Anwälte die MPAA vertreten. Komisch nur, dass der Brief an Google von den MPAA-Anwälten Jenner & Block verfasst wurde.

Google ist – verständlicherweise – nicht erfreut über die Anschuldigungen und wird die Sache vor Gericht bringen. Die MPAA wurde 1922 gegründet, um staatlicher Zensur von Künstlern entgegenzuwirken. Heute wird hingegen versucht, das Internet zu zensieren. Passt nicht zusammen? Sieht Google auch so. Außerdem seien die Anschuldigungen nicht haltbar, verstoßen zum Teil sogar gegen geltendes Gesetz. Deshalb wendet sich Google nun an den Bundesgerichtshof, um zum einen gegen Jim Hood vorzugehen und zum anderen noch einmal zu erläutern, welche Maßnahmen Google ergreift, um Raubkopien vorzubeugen.

Gesetze wie SOPA sind meisten nicht für alle Beteiligten gut. Im Fall von SOPA hätte das Gesetz eine einfache Zensur im Internet ermöglicht, ein Zustand, den kein Nutzer wirklich will. Dass sich die MPAA hinstellt und die bösen Raubkopien – die meiner Meinung nach wesentlich weniger finanziellen Schaden verursachen als von Rechteinhabern oft hochgerechnet wird – als Mittel zum Zweck hernehmen kann, ist eigentlich schon wieder witzig, wenn es nicht so einen gefährlichen Hintergrund hätte. Dass hier gegen Google geschossen wird, ist nachvollziehbar, die Suchmaschine bietet durch ihre weite Verbreitung einfach eine riesige Angriffsfläche.

Auf jeden Fall ist dieser neue Versuch der MPAA kein gutes Zeichen für das Internet als Gesamtheit. Sicher bedarf es gewisser Regeln und Gesetze, damit Rechte der Einzelnen gewahrt werden können. Eine weltweite Vernetzung bedeutet aber auch weltweiten Informationsaustausch, den möchte man sicher aufrecht erhalten und nicht durch Lobbyisten wegzensieren lassen. Weitere Informationen zu diesem Thema findet Ihr in dem Google Blog-Post, sehr interessant, wenn man sich auch für die Hintergründe interessiert.


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Über den Autor:

Technik-Freund und App-Fan. In den späten 70ern des letzten Jahrtausends geboren und somit viele technische Fortschritte live miterlebt. Vater der weltbesten Tochter (wie wohl jeder Vater) und Immer-Noch-Nicht-Ehemann der besten Frau der Welt. Außerdem zu finden bei Twitter (privater Account mit nicht immer sinnbehafteten Inhalten) und Instagram. PayPal-Kaffeespende an den Autor.

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