Google kriegt den Content nicht! – Ein Erklärungsversuch

10. Juli 2012 Kategorie: Android, Internet, geschrieben von:

Der Ärger ist groß: Einerseits freuen sich viele auf das Nexus 7  und sehen, dass Google auch bei den Inhalten nachlegen will, andererseits zeichnet sich schon jetzt ab, dass deutsche Kunden wieder nur ein abgespecktes Programm in Google Play sehen werden. Keine Filme, keine Serien. Google ist daran gar nicht wirklich schuld. Aber warum schaut Deutschland hier dennoch in die Röhre?

So sollte sie eigentlich aussehen, die Zukunft im Unterhaltungssektor: Smartphone, Tablet, Streaming-Box. Alles funkt hin und her, man kauft oder leiht die Inhalte und streamt von einem Gerät aufs andere. Schön wärs. Geht aber in Deutschland nicht.

Google kommt zu spät. Apple, Microsoft, Sony und Amazon waren schneller

Es gibt Filme und Serien in iTunes, über Zune, über das PS-Network und via Lovefilm-VoD (gehört Amazon). Rechteinhaber haben also hier Lizenzen bereits vergeben. Warum nicht auch an Google? Klar haben die Studios ein Interesse daran, dass sie ihre Inhalte so oft wie möglich und so teuer wie möglich lizensieren. Aber am Ende gibt’s ja  auch noch das Free-TV…

In Deutschland ist der Free-TV-Markt größer und einflussreicher als in anderen Ländern

Werbefinanziertes Fernsehen in dem Umfang wie bei uns, gibt es in anderen Ländern nicht. Weltweit nicht. Die großen Sender/-gruppen schließen im Voraus Verträge ab und erwerben darüber Senderechte- bzw. Pakete.

Jetzt stecken aber schon immer mehr Lizenznehmer (Apple, Microsoft,…) in dieser Verwertungskette (in der vorgegeben wird,was, in welchem zeitlichen Abstand an welchen Vertrieb lizensiert wird) drin.

Die deutschen Free-TV-Sender sind dabei eine mächtige Institution: Der hiesige Markt ist der größte in Europa und zudem einer mit einer kaufkräftigen Bevölkerung, sprich Zuschauern. Das heisst, hier lässt sich viel Geld mit Werbung verdienen, entsprechend teuer können Rechteinhaber hier ihre Inhalte auch an die Fersehsender vermarkten (was sie in anderen Ländern nicht können, weil: entweder weniger Einwohner, und/oder weniger Kaufkraft der Einwohner, ergo günstigere Werbeplätze, ergo weniger Geld bei den Sendern um Filme-/Serien zu lizensieren…).

Den Sendern wird das aber mittlerweile zuviel: Wenn über das PayTV, über Streaming-Anbieter, Download-Portale,Networks, etc. irgendwelche Inhalte bereits zu oft vermarktet wurden, bevor die Sender sie erstmalig im Free-TV ausstrahlen können, dann haben diese Angst davor, dass „Content“ bereits im Vorfeld „totgesendet“ wurde, und dass die „werberelevante Zielgruppe“ bei ihnen nicht mehr reinschaut, wenn denn nach Jahren mal Filme und Serien endlich bei ihnen über den Schirm flackern: Weil diese den Kram vorher schon öfter, also über Kino und DVD/BluRay hinaus, irgendwo konsumiert hat und ihn jetzt langweilig findet. Was man schon kennt und x-mal gesehen hat, ist halt nicht mehr spannend.

Deshalb machen die Sender Druck und sagen: „Wir kaufen nur zu dem Preis, wenn vorher nicht alles und jeder bereits die Inhalte in seinem Store hatte.“

Da sich dieser Markt organisch entwickelt hat, der digitale Vertrieb von Inhalten und die Gefahr daraus für das Fernsehen, sich lange nicht so klar abzeichnete wie das heute der Fall ist, haben Apple, Microsoft, Amazon und Co ihre Lizenzen halt schon im Sack. Die „Bedrohung“, jüngere Zielgruppen als Zuschauer zu verlieren, stand schließlich vor ein paar Jahren noch nicht so im Raum,wie das heute der Fall ist.

Der letzte ist einer zuviel

Jetzt kommt Google auch noch? „Nein“, sagen die Rechteinhaber, „für Deutschland gibt’s nichts, wir wollen uns das Free-TV nicht verprellen, das ist eine sichere Bank, die zahlen gut, deshalb, Google, bleibst du mal bitteschön in dieser Verwertungskette außen vor, in anderen Ländern gern, aber für Deutschland nicht, da ist uns das TV wichtiger…“

Wenn man das „Google kriegt keinen Content“-Dilemma also auf einen Satz runterbrechen will, dann bedeutet das:

„Schuld an allem ist RTL!“ 😉

Wie gesagt, ist nur ein Erklärungsversuch. Wer etwas widerlegen, erhellen oder ergänzen kann, immer her mit den Erklärungen.

 

 

 


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