Google setzt Experten-Beirat für die Löschantrags-Problematik ein

11. Juli 2014 Kategorie: Google, Internet, geschrieben von:

Das Recht auf Vergessenwerden, eines der umstrittensten Urteile, die dieses Jahr gefällt wurden. Google wurde vom europäischen Gerichtshof auferlegt, dass Suchergebnisse unter bestimmten Voraussetzungen gelöscht werden müssen. Dies betrifft aber nur die Anzeige in den Suchergebnissen, die ursprüngliche Webseite, auf die das Suchergebnis zeigt, bleibt hiervon unberührt. Der Ansturm auf das von Google bereitgestellte Formular für einen Antrag auf Löschung erfreut sich großer Beliebtheit.

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Seit Mai wurden 70.000 Löschanträge gestellt, die insgesamt 250.000 Einzelseiten beinhalten. Wie Google mit dieser Antragsflut umgeht und was seine Meinung zu dem EuGH-Urteil ist, hat David Drummond – Chefjustiziar bei Google und Mitglied des Experten-Beirats – in einem Kommentar festgehalten. Dort erfährt man, dass Googles Löschaufgaben immens angestiegen sind, da es nicht mehr nur ein legal oder illegal aus dem Index zu löschen gibt, sondern bei jedem Antrag abgewogen werden muss, ob dieser tatsächlich einer Löschung würdig ist.

Drummond hat einen sehr schönen Vergleich für das gefällte Urteil. Es ist wie, wenn man einem Buch den verbleib in einer Bibliothek erlaubt, es aber nicht ins Bibliotheksverzeichnis aufgenommen wird. Jeder der Anträge wird von einem Team von Mitarbeitern gesichtet und bearbeitet, wie Drummond erklärt. Hier müssen dann Entscheidungen getroffen werden, z.B. ob die betroffene Person in öffentlichem Interesse steht, aber auch, ob die Veröffentlichungsquelle vertrauenswürdig ist.

Diesem Team steht neuerdings ein unabhängiges Berater-Team zur Seite. Verschiedene Vertreter aus unterschiedlichen Bereichen wie Medien, Datenschutz oder Technik. Auch Sabine Leutheusser-Schnarrenberger hat einen Platz im Beirat. Diesen Experten-Beirat kann man auf dieser Webseite einsehen. Dort kann man auch einen Kommentar zum EuGH-Urteil abgeben. Es ist sehr deutlich herauszulesen, dass Google selbst mit dem Urteil nicht einverstanden ist, sich aber bemüht, die Auflagen des Gerichts bestmöglich umzusetzen.

Es ist schon interessant, wie sich so ein Gerichtsurteil auswirken kann. Es ist durchaus eine Manipulation des Internets, wenn bestimmte Ergebnisse nicht von Google dargestellt werden dürfen. Was für uns in den Fällen von eindeutig illegalen Inhalten (Kinderpornografie, Glorifizierung von Nazitum) eigentlich selbstverständlich ist, wird im Fall von selbst gestellten Löschanträgen kritisch beäugt.


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Über den Autor:

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