Google musste E-Mails von Wikileaks-Mitarbeitern aushändigen, informiert diese 2 Jahre später

26. Januar 2015 Kategorie: Internet, geschrieben von:

Google als Wikileaks-Verräter? Schenkt man manche Überschriften in der Medienlandschaft heute Glauben, liest es sich zumindest so. Es geht darum, dass Google entsprechenden Behörden die E-Mails von drei Wikileaks-Mitarbeitern gegeben hat, ohne die Betroffenen zu informieren. Die übergebenen Daten beinhalten gesendete, empfangene und gelöschte E-Mails, sowie die Kontaktinformationen der Konversationsbeteiligten.

Gmail

Google musste allerdings so reagieren, das geht aus dem vom 22. März 2012 stammenden Durchsuchungsbeschluss hervor, der bis spätestens 5. April 2012 Auskunft forderte. Google wurde mit Erhalt des Durchsuchungsbeschlusses auch jegliche Kommunikation darüber untersagt. Dies änderte sich erst 23.12.2014 mit einem zweiten Gerichtsbeschluss, zu diesem Zeitpunkt wurden die Wikileaks-Mitarbeiter auch über die Aushändigung von Daten informiert.

An zwei Punkten stört sich Wikileaks bei dieser Nummer. Zum einen, dass Google offenbar nichts gegen die Schweigepflicht unternommen hat, zum anderen ist der Umfang der übergebenen Daten unklar. Es sei nicht geklärt, ob nur Daten weitergegeben wurden, die von vor dem Zeitpunkt des Durchsuchungsbeschlusses stammen, oder ob den Behörden ein dauerhafter Zugang zu den E-Mail-Konten eingerichtet hat.

Von einer Kooperation zwischen Google und den US-Behörden zu sprechen, ist gewagt. Immerhin gab es eine richterliche Anordnung, es ist nicht so, dass Google hier ohne Grund Daten weitergegeben hat. Auch kann man es Google wohl nicht vorwerfen, dass man sich an die Schweigepflicht hält. Schließlich unterliegt auch Google Gesetzen, egal wie sinnig diese sind.

Vielleicht sollten sich die Wikileaks-Mitarbeiter auch einfach einmal überlegen, ob Gmail in ihrer Position die beste E-Mail-Lösung ist. Wer täglich mit sensiblen Daten arbeitet, sollte dies vielleicht nicht bei einem der größten Mail-Provider machen und Mails ohne weitere verschlüsselte Absicherung verschicken. Hier Google an den Pranger zu stellen, ist zwar ein einfacher, aber nicht gerade fairer Weg. Just my two cents.

(Quelle: NDR)


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