Google äußert sich zu Android-Beanstandungen der Europäischen Kommission

10. November 2016 Kategorie: Android, Google, geschrieben von: Sascha Ostermaier

artikel_android_nDie Europäische Kommission hat Google immer mal wieder im Visier. Seit April auch Android, es geht um vorinstallierte Apps und die Ausnutzung einer marktbeherrschenden Stellung. Google kündigte schon vor ein paar Tagen an, sich bald dazu äußern zu wollen und macht dies nun auch ausführlich im hauseigenen Blog. Google möchte durch die Ausführungen klarstellen, dass Android nicht für weniger, sondern für mehr Wettbewerb sorgt und die Europäische Kommission offensichtlich nicht so ganz versteht, um was es eigentlich geht. Schon die Basis, nämlich dass Android und Apple (iOS) keinen Wettbewerb führen, sei eine falsche Annahme.

Sogar die Europäische Kommission selbst habe in einer Umfrage von 89 Prozent der Befragten die Antwort erhalten, dass Android und Apple konkurrierende Systeme sind. Das könne man nach Meinung von Google nicht einfach ignorieren und Google als alleinstehend auf dem Smartphone-Markt behandeln. Der zweite Punkt richtet sich an die Fragmentierung, die eine Gefahr für ein System darstellt, von Google aber so gut wie möglich unter Kontrolle gebracht wird. Zum Beispiel durch die Zusammenarbeit mit Herstellern.

So soll gewährleistet bleiben, dass Entwickler – ein wichtiger Teil des kompletten Ökosystems – eine gleiche Basis haben, ihre Apps automatisch auf tausenden unterschiedlichen Geräten laufen, obwohl Hersteller Android eben relativ flexibel abändern können. Hersteller können oberhalb dieser Basis letztendlich machen, was sie wollen, nur darunter dürfen sie nicht gehen, eben damit die generelle Funktionalität erhalten bleibt.

Der dritte Punkt sind die vorinstallierten Apps. Google liefert diese zwar aus, allerdings sei kein Hersteller gezwungen, diese App-Suite auch zu nutzen. Sie bietet den Herstellern aber die Möglichkeit, Nutzern ein vertrautes App-Angebot zu liefern. Google erklärt auch, dass Hersteller sogar direkt neben den Google-Apps, gleichartige Konkurrenz-Apps installieren dürfen, etwas das weder bei Windows Phone, noch bei Apple der Fall ist.

Außerdem sei es für den Nutzer sehr einfach, vorinstallierte Apps zu ersetzen. Europäische Nutzer laden während der Nutzung eines Gerätes im Schnitt 50 Apps herunter. 2015 wurden 65 Milliarden Apps heruntergeladen, das entspricht 175 Millionen Downloads am Tag. Und seit 2011 gab es 15 Milliarden App-Downloads von Apps, die denen der Google App Suite ähnlich sind, kein Nutzer muss also die Google Apps verwenden.

Die vorinstallierte Suche und der Google Play Store sind wiederum Googles Methode, um Android zu finanzieren. Google bietet Android den Herstellern kostenlos an, sie müssen keine Gebühren dafür bezahlen, bekommen aber alles an die Hand, um ihre Hardware mit einem Betriebssystem zu versehen. Das sorgt für niedrigere Gerätepreise, sowohl beim Hersteller als auch beim Verbraucher.

Zu guter Letzt stellt Google noch heraus, dass das Vorgehen der Europäischen Kommission ein falsches Signal senden könnte. Nämlich eines, das geschlossene Systeme bevorzugt. Open Source funktioniert durch eine Balance der Bedürfnisse aller Beteiligten. So würde ein Eingreifen oder gar eine Bestrafung nur dafür sorgen, dass nicht nur Google geschädigt wird, sondern auch Hersteller, Entwickler und letztendlich der Kunde, der dann eventuell teurere Geräte kaufen muss.

Insgesamt ist das schon eine sehr deutliche Ansage von Google, die man sich ruhig auch einmal im Original durchlesen kann. Wird spannend sein, wie die Europäische Kommission darauf reagiert, im Klartext hat Google der Kommission ja einfach nur Unfähigkeit vorgeworfen. Nicht unbedingt ungerechtfertigt, wie ich meine.



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Über den Autor: Sascha Ostermaier

Technik-Freund und App-Fan. In den späten 70ern des letzten Jahrtausends geboren und somit viele technische Fortschritte live miterlebt. Vater der weltbesten Tochter (wie wohl jeder Vater) und Immer-Noch-Nicht-Ehemann der besten Frau der Welt. Außerdem zu finden bei Twitter (privater Account mit nicht immer sinnbehafteten Inhalten) und Instagram. PayPal-Kaffeespende an den Autor.

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