Glosse am Sonntag: Das Dilemma mit Android

22. August 2010 Kategorie: Android, Google, Hardware, Privates, geschrieben von: caschy

Vorab sei gesagt: ich bin großer Android-Fan, ich selber habe noch nie ein iPhone besessen. Ich habe ein iPhone maximal 5 Minuten in der Hand gehalten. Vor Android gab es bei mir normale Handys, bevorzugt Nokia und Sony-Ericsson. Mobil ging es mit dem Netbook ins Netz. Nun hat sich in der letzten Zeit allerdings viel geändert. Der mobile Traffic ist explodiert. Jeder ist immer und überall online.

Problem Betriebssystem

Mittlerweile gibt es Tausende von Handys, die auf Android-Basis laufen. Telekom, o2, Vodafone & Co drücken diesen Geräten aber leider oftmals den eigenen Stempel auf. Branding nennt man dies. Oftmals werden unter dem Deckmantel der Qualitätsprüfung nützliche Dinge aus der Ur-Version von Android entfernt oder angepasst. Des Weiteren versucht der Anbieter natürlich dem Gerät seinen Stempel aufzudrücken und den Kunden an sich zu binden. Der Branding-Anbieter ist natürlich in der Bredouille: er muss checken ob er seinen Kunden ein Update überhaupt anbieten kann. Alles mit Kosten verbunden.

Hier sehe ich die Gefahr. Mittlerweile langweilt es mich in den Blogs immer folgendes zu lesen: Update für Hersteller XYZ auf Android Version 2.x. Kennt ihr das? Nervig. So hat zum Beispiel der Kollege mit einem baugleichen HTC Desire (dieses Beispiel bringe ich an weil ich es besitze) seine Android 2.2 Version später als ich. Warum? Weil er vielleicht bei der Telekom ist und ich bei o2. Wahrhaft schrottig meiner Meinung nach.

Ich zitiere mal (gekürzt) meinen Kollegen Frank von m4gic (den ganzen Artikel geht ihr einfach bei ihm lesen):

Die Ursache für dieses Chaos ist die Distribution von Google Android zum jeweiligen Smartphone. Ähnlich wie Windows (natürlich im Bereich PC) muss Google Android auf höchst unterschiedlichen Smartphones verschiedener Hersteller funktionieren und dafür eigens von diesen angepasst werden.

Daraus ergibt sich, dass zunächst Google ein Update, momentan auf Google Android 2.2 Froyo, freigeben muss. Im zweiten Schritt muss sich dann ein Hersteller wie HTC oder Motorola überlegen, ob es überhaupt noch ein Update für das jeweilige Smartphone (Hero oder Milestone) geben soll und Google Android dann entsprechend anpassen. In einem dritten Schritt muss dann zum Teil das Update noch vom jeweiligen Provider freigegeben werden, der zuvor in der Regel aber auch noch einiges verändern will/muss.

Jetzt werden sicherlich Argumente kommen wie: „Besorge dir das Android 2.2 ROM und aktualisiere dein Gerät selber“. Klasse Totschlag-Argumentation. Rechnet einmal die Benutzerzahl von Leuten, die Bock darauf haben bzw. das Wissen besitzen, gegen die, die normale Anwender sind. Und auch der normale Anwender möchte vielleicht ein aktuelles System.

Problem Apps

Es ist ein Horror. Oftmals habe ich das Gefühl dass die Hersteller schnell, schnell ihre Geräte verkaufen wollen – diese im Nachhinein aber nicht mit Updates pflegen sollen. So habe ich vielleicht nach einem knappen Jahr ein technisch zwar halbwegs aktuelles Gerät – aber keine Möglichkeit das aktuelle Betriebssystem zu nutzen. Und eben ohne jenes aktuelle Betriebssystem kann ich unter Umständen auch nicht neue und interessante Apps nutzen.

Der Google Android Market ist ein furchtbar unübersichtliches Konstrukt. Ich zahle gerne für gute Apps (mache ich beim iPad ja auch) – aber im Android Market fällt es mir immer schwer, Perlen zu finden. Warum gibt es die besseren Apps eigentlich nur für das iPhone? Weil die Entwickler wissen, dass iPhone-Besitzer mehr Kohle haben, zu doof zum jailbreaken sind und somit einfache Beute? Oder weil man vielleicht weiss, dass man eine einheitliche Plattform (das iPhone) hat welches eben nicht in 1000 Versionen daher kommt?

Des Weiteren haben Provider und Hersteller schon lange andere Pläne in der Schublade: eigene App-Stores. Warum dürfte klar sein: Kontrolle, Kundenbindung und natürlich: Geld. Apps machen ein Gerät erst schön. Was nützt mir das tollste Gerät, wenn ich nichts zum Benutzen habe? Und hier komme ich zum nächsten Punkt.

Thema Tablets

Auch hier wird es nicht anders sein. Tausend Geräte. 1000 Anbieter. 1000 Android Versionen. Ihr dürft mir glauben: währen China-Tablets soooo geil, dann würde ich eines besitzen. Stattdessen werden kuriose Geräte ohne Market-Anbindung angeboten die teilweise noch auf Android 1.6 laufen – natürlich ohne Möglichkeit auf das begehrte Android 2.2 zu kommen.

Ja, der gesamte Beitrag ist Meckerei. Ähnliches könnte ich wahrscheinlich über Microsoft oder Apple schreiben. Aber dort habe ich wenigstens die Möglichkeit, neue System zu kaufen. Die Nutzzeit von Hardware ist bei normalen Kisten logischerweise anders zu bewerten – oftmals kann ich aufrüsten, was bei Handys oder Tablets logischerweise aber schlecht geht.

Weihnachten wird uns eine Welle von Tablets überfluten. China Tablets werden dann nicht mehr so das Thema sein, dicke Fische wie Samsung, LG & Co werden versuchen unsere Aufmerksamkeit zu erhaschen. Doch auch deren Preise sind im Bereich eines Net- / Notebooks zu suchen. Wer der Meinung ist, von einem großen Hersteller ein 7″ – 10″-Gerät für unter 200 Euro erhalten zu können wird sicherlich enttäuscht.

Auch diese Geräte werden in höheren Preisklassen zu finden sein. 399,-, 499,- sicherlich. Es sei denn, sie sind subventioniert. Dann gibt es Tablets mit Mobilfunkvertrag. Schon einmal Preise von aktuellen Android-Handys angeschaut? Die interessanten gehen auch erst ab 300 Euro los – nach oben bis locker 500 Euro.


(Bildquelle: TechCrunch. Fanboyism: When Expression meets Desperation)

Die Lösung

Nein, eine Lösung habe ich leider nicht. Ich bin kein Marktstratege, Entwickler oder sonst etwas – noch kenne ich die Beweggründe von Google oder den Herstellern. Ich bin ein einfacher Anwender – wie die meisten hier. Ich gebe gerne gutes Geld für gute Hardware und Apps aus – möchte aber logischerweise lange Freude an den Geräten habe. Zeit ist Geld und sowohl erstes und zweites habe ich nicht. Ich möchte nicht stundenlang lesen und inoffizielle Wege gehen müssen.

Wünsche

Wer keine Lösung kennt der wird schwer Wünsche äußern können.

Wünsche an Provider: gängelt eure Kunden bitte nicht. Bei guten Angeboten und fairen Tarifen werden wir euch sicherlich treu bleiben. Wir erhalten im Gegenzug zeitnah aktuelle Betriebssysteme und haben keinerlei Schwierigkeiten euch weiterhin ruhigen Gewissens zu empfehlen.

Wünsche an die Hersteller: Seid offen. Zwingt uns nicht, eure eigenen Basteleien nutzen zu müssen. Denkt an Bestandskunden. Versucht bitte, auch ältere Geräte zu supporten und weiter zu entwickeln. Nehmt euch die Berliner von AVM als Beispiel. Die Router (bzw. die Firmware) wird oft weiter entwickelt – die Jungs tun was.

Wünsche an Google: Macht aus dem Android Market ein Erlebnis. Die Trennung Tablet / Smartphone App wird logischerweise eh kommen müssen. Smartphone-Displays sind ja ein wenig anders als Tablets, die HD-Inhalt darstellen können. Obwohl Apple sehr restriktiv ist, halte ich deren AppStore für den momentan besten am Markt.

Ist dieser Beitrag eine wissenschaftliche Abhandlung? Nein, 100% Meinung ohne großes Hintergrundwissen in marktwirtschaftliche Prozessen usw.) nach wenigen Kaffee – von jemanden, der viel Geld für technisches Spielzeug (gerne) ausgibt. Ich habe mir keine Stichpunkte gemacht sondern einfach drauf los geschrieben. Ich könnte sagen: mir doch egal, ich kaufe mir eh alle 6 Monate ein neues Handy und bin so auf aktuellem Stand – aber die Masse handelt sicherlich anders.


Über den Autor: caschy

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