Gericht entscheidet: Apple muss FBI beim Knacken eines Täter-iPhones unterstützen

17. Februar 2016 Kategorie: Apple, geschrieben von: Sascha Ostermaier

artikel_appleSeit 2014, genauer gesagt seit iOS 8, speichert Apple keine Schlüssel mehr, die für die Entschlüsselung von iPhones verwendet werden können. Das Unternehmen verkauft dieses Feature gerne als Privatsphäre-Funktion und teilt auch öffentlich mit, dass es selbst keine Möglichkeit hat, die Inhalte der Nutzer einzusehen. Das gilt sowohl für Inhalte auf dem iPhone als auch für die Kommunikation via iMessage. Den Behörden ist das seit langer Zeit ein Dorn im Auge, sie fordern eine „Backdoor“ für Ermittlungen. Jetzt hat ein Gericht entschieden, dass Apple dem FBI zur Seite stehen muss, um das iPhone eines der San Bernadino-Schützen im Dezember in Kalifornien zu entschlüsseln.

Das Ganze spielt sich in Amerika ab, einem Land, dem man hinsichtlich 9/11 alles durchgehen lässt, wenn es nur einen Hauch von Terrorismusbekämpfung mit einfließen lässt. Und so scheut sich auch in diesem Fall von behördlicher Seite keiner, die Terrorismuskeule zu schwingen. Man darf nichts unversucht lassen, um den Fall aufzuklären, den Angehörigen der Opfer ist man dies schuldig.

Apple

Leider hat das FBI offenbar nicht die technischen Möglichkeiten, ein iPhone 5c – das besagte iPhone aus diesem Fall . zu entsperren. Apple hat diese Möglichkeiten nach eigenen Aussagen auch nicht, soll diese aber bereitstellen. Das heißt nun allerdings nicht, dass Apple doch in irgendeiner Kiste die Passcodes des Nutzers speichert, aber Apple könnte in einem solchen Fall zum Beispiel die Anzahl der möglichen Fehlversuche vor Löschung des Inhalts erhöhen.

Freiwillig hat Apple in diesem Fall bisher nicht geholfen, auch etwas, das dem FBI missfällt. Apple selbst hat nun 5 Tage Zeit, um dem Gericht mitzuteilen, ob geholfen wird oder die Hilfe eine unverhältnismäßige Belastung wäre. Dieses Urteil kann wegweisend sein, sowohl für Unternehmen wie Apple als auch für staatliche Behörden.

Besonders interessant ist in diesem konkreten Fall, dass die Behörden tatsächlich eine Erlaubnis haben, die Inhalte des iPhones zu durchsuchen, aber schlichtweg an der verwendeten Absicherung scheitern. Spricht erst einmal für Apple und die eingesetzte Technik. Und selbst wenn Apple nun beim „Bruteforcen“ behilflich ist, indem zum Beispiel die Anzahl der möglichen Eingaben erhöht wird, kann man eigentlich auch keinen Vorwurf machen.

Update: Apple entsperrt das iPhone nicht, stößt aber nun eine öffentliche Diskussion über Backdoors an.

(Quelle: NBCnews)

Über den Autor: Sascha Ostermaier

Technik-Freund und App-Fan. In den späten 70ern des letzten Jahrtausends geboren und somit viele technische Fortschritte live miterlebt. Vater der weltbesten Tochter (wie wohl jeder Vater) und Immer-Noch-Nicht-Ehemann der besten Frau der Welt. Außerdem zu finden bei Twitter (privater Account mit nicht immer sinnbehafteten Inhalten) und Instagram. PayPal-Kaffeespende an den Autor.

Sascha hat bereits 7199 Artikel geschrieben.