Gastbeitrag: Nokia Lumia 800 im Praxistest

10. November 2011 Kategorie: Mobile, Windows, Windows Phone, geschrieben von: caschy

Während Samsung, HTC und andere Hersteller bereits die zweite Generation ihrer Windows-Phones verkaufen, kommt am 15. November endlich Nokias lang ersehntes Windows-Phone auf den Markt. Für Nokia steht einiges auf dem Spiel. Die Kooperationsvereinbarung mit Microsoft weckt hohe Erwartungen. Nur durch schnelle und überzeugende Erfolge kann die (relativ) neue Plattform populär werden.

Auf der Verpackung sucht man allerdings vergebens nach einem Killer-Feature. Ist es ein Windows-Phone wie jedes andere?

Wer sich vorab für die ausführlichen technischen Daten interessiert, ist auf der Nokia-Website gut aufgehoben.

Erst mal auspacken …

Das Unboxing hat Caschy vergangene Woche schon erledigt. Wie in seinem Video erwähnt, werden mit dem Smartphone ein USB-Kabel, ein USB-Charger, eine Schutzhülle, ein Headset und diverse Anleitungen geliefert.

 

Erstinbetriebnahme

Meine Berufsehre zwingt mich zunächst zu einem Blick in die Kurzanleitung. Die erforderlichen Schritte zur Inbetriebnahme und die Grundlagen der Bedienung werden hier übersichtlich dargestellt.

Unmittelbar nach dem ersten Einschalten und dem Start von »Windows Phone« erfolgt die Auswahl der Sprache. Danach startet das Lumia noch mal durch, bevor es mit der Erstkonfiguration losgehen kann.

Nach der Annahme der Nutzungsbedingungen und der Datenschutzbestimmungen kann sich der Anwender entscheiden, wie »Windows Phone« konfiguriert werden soll. Wie so oft, ist der Button »Empfohlen« an dieser Stelle der schnelle aber auch gläserne Weg 😉

Jetzt fehlen noch die Auswahl der Zeitzone, das Stellen der Uhrzeit und das Datum.

Abschließend werden Anmeldedaten für das »Windows Live«-Konto (u. a. für die Nutzung des Marketplaces) und für das Nokia-Konto (für den Zugriff auf die Nokia-Dienste) abgefragt. Sind keine Konten vorhanden, können diese direkt auf dem Phone erstellt oder die Abfragen übergangen werden.

Es hat keine 5 Minuten gedauert bis »Windows Phone« auf dem Nokia Lumia 800 einsatzbereit ist. Schön.

Einen Tipp aber noch für Anwender, die ihre Kontakte nicht bereits über ein »Windows Live« oder ein Google-Konto synchronisieren: Die mitgeliefert App »Kontakte übertragen« kopiert die Kontakte eures alten Handys via Bluetooth komfortabel in das Lumia 800.

Jetzt aber los!

Genug der Vorarbeit, jetzt wird es Zeit, verschiedene Features des Windows-Phones etwas näher zu betrachten.

Nokia Lumia 800 [Pressefoto]

Design und Haptik: Bereits beim Auspacken fiel das edle Design ins Auge. Das gewölbte Glas und das aus einem Stück gefertigte Gehäuse wirken sehr hochwertig. Dass das Gehäuse aus Kunststoff gefertigt ist, fällt auf den ersten Blick nicht auf. Das Phone liegt perfekt in der Hand.

Display: Das AMOLED-Display überzeugt mit einem sehr kontrastreichen Bild und einer Auflösung von 800 × 480 Punkten. Die Diagonale von 3,7 Zoll empfinde ich bei dieser Auflösung als sehr angenehm. Genau die richtige Balance zwischen guter Lesbarkeit und Displaygröße.

Dank ClearBlack-Technologie ist das Display auch bei einfallendem Sonnenlicht relativ gut abzulesen.

Anschlüsse und Tasten: Die Anschlüsse für das Headset (3,5-mm-Anschluss) und das Micro-USB-Kabel befinden sich an der Oberseite. Auch der Slot für die Micro-SIM ist hier platziert. Das Öffnen der Abdeckungen ist beim ersten Mal etwas frickelig. Dieser Ansicht war offensichtlich auch Nokia und hat daher Anweisungen auf die Abdeckungen aufgeklebt.

An der rechten Gehäuseseite befinden sich die Lautstärketasten, die Power- bzw. Sperrtaste und die Kamerataste. Die Tasten meines Testgerätes sitzen recht locker im Gehäuse. Beim Schütteln des Phones und beim Streichen über die Tasten hört man ein „billiges“ Klackern. Ärgerlich.

Die Tasten sind nicht beschriftet. Aufgrund der Anordnung der Tasten hat man die richtige Belegung aber schnell intus.

Einen Steckplatz für Speicherkarten bietet das Handy nicht. 16 GByte interner Speicher sind ja aber auch nicht ohne.

Kamera: Auf der Rückseite befindet sich neben der Optik von Carl Zeiss das Dual-LED-Blitzlicht. Die Kamerafunktion des Lumia 800 unterstützt 8 Megapixel und verfügt über einen dreifachen digitalen Zoom.

Über die Kamerataste auf der rechten Seite wird die Kamerafunktion gestartet. Drückt man die Kamerataste anschließend halb herunter und hält die Taste, wird das Bild fokussiert. Nach dem vollständigen Herunterdrücken der Taste hat man das Bild im Kasten. Alternativ kann man auch den zu fokussierenden Bildteil auf dem Display antippen. Das Lumia fokussiert daraufhin diesen Bildteil und erstellt das Foto.

Ich bin kein Kamera-Profi, sondern erstelle nur gelegentliche Schnappschüsse. Mit dem automatischen Weißabgleich bin ich aber absolut unzufrieden: Mit LED-Blitz erstellte Bilder haben prinzipiell einen Rot- oder Blaustich. Problematisch sind vorrangig Innenaufnahmen (auch Skripte, Dokumente, etc.). Außenaufnahmen sind für mein Empfinden von guter Qualität.

Videos können in einer Auflösung von 1280 × 720 Punkten bei 30 Frames pro Sekunde aufgenommen werden. Eine zweite Kamera an der Frontseite sucht man vergebens.

Audio: Musikdateien kommen wahlweise über den Marketplace oder »Nokia Music« kostenpflichtig auf das Lumia. Vom PC aus können MP3-Files via »Microsoft Zune« übertragen werden.

Über die Kopfhörer ist mir die Wiedergabelautstärke schon auf niedrigster Stufe (1) zu laut. Hier hätte ich mir etwas mehr Finetuning gewünscht.

Die Wiedergabe über den eingebauten Lautsprecher ist durchschnittlich.

Connectivity: Zum Heimnetzwerk kann das Nokia Lumia via WLAN (802.11b/g/n) Kontakt aufnehmen. Tethering wird derzeit noch nicht unterstützt, ist aber angeblich in Planung.

Die Übertragung von Fotos und Musik zwischen einem PC und dem Phone ist nur mit der Software »Microsoft Zune« möglich. Daten aus der »Nokia Suite« (ehemals: Ovi Suite) können übrigens nicht mit dem Lumia synchronisiert werden.

Dokumente und Anwendungsdaten – beispielweise eine KeePass-Datenbank – können nur über die Cloud auf das Phone übertragen werden. Verschiedene Dropbox-Clients sind im Marketplace verfügbar. Für Office-Dokumente (die auf dem Phone betrachtet und bearbeitet werden können) bietet sich auch SkyDrive von Microsoft an.

Nokia Apps: Die Nokia Apps sind es, von denen ich mir einen deutlichen Mehrwert zu anderen Windows-Phones erwartet habe. Folgende Nokia Apps werden mitgeliefert:

  • Nokia Navigation: Die sprachgesteuerte Navigation verfügt bisher nur über Basisfunktionen. Bezüglich der Navigation bin ich von Nokia Besseres gewohnt. Die Kartendaten können via WLAN aus dem Internet übertragen und auf dem Phone gespeichert werden. Eine Online-Verbindung ist zum Berechnen der Route dennoch erforderlich.
  • Nokia Maps: Wenn ich es richtig verstanden habe, werden über diese separate App »Points Of Interest« im Kartenmaterial angezeigt. Auch die Fußgängernavigation soll hiermit möglich sein. Diese App funktionierte auf meinem Lumia 800 (noch?) nicht.
  • Nokia Music: Nokias „Marktplatz“ zum Kaufen von Musiktiteln. Der zusätzliche Dienst »Mix Radio« wird in Deutschland zurzeit nicht angeboten.
  • Nokia App Highlight: Die App präsentiert „die besten und interessantesten Apps“ für das Lumia 800. Nach einem Klick auf »Überrasch.« kann durch das Schütteln des Phones eine „Überraschungs-App“ angezeigt werden.

Tja, von den Nokia-Apps habe ich mehr erwartet. Vor allem »Nokia Navigation« muss schnell erweitert werden.

Telefonie: Es gab mal Zeiten, da waren die Telefonie-Funktionen das wichtigste Feature eines Handys. Heute ist das etwas anders.

Dennoch sollte nicht unerwähnt bleiben, dass ich jederzeit eine gute Empfangsqualität feststellen konnte. Die Gesprächsqualität war im Allgemeinen auch einwandfrei. Bei voller Lautstärke aber klingt der Gesprächspartner blechern.

Folgende Netze werden unterstützt: GSM 850, GSM 900, GSM 1800, GSM 1900 sowie WCDMA 850, WCDMA 900, WCDMA 1900 und WCDMA 2100.

Die Sprachsteuerung über ein Bluetooth-Headset funktioniert einwandfrei.

Akku: Der Akku ist fest im Lumia 800 verbaut und kann nicht getauscht werden. Zur Akkulaufzeit kann ich keine seriöse Aussage machen, da ich das Gerät fast ununterbrochen gequält habe. 😉

Fazit

Die Qualcomm-CPU (MSM8255) mit 1,4 GHz erlaubt eine flüssige Bedienung und ruckelfreie Wiedergabe. Die Steuerung per Touchscreen ist perfekt. Das Handy reagiert schnell und zuverlässig.

Die virtuellen Tasten sind angenehm groß. Die Bildschirmtastatur lässt sich auch im Hochformat sehr gut bedienen. Das Drehen des Bildschirms dauert mir etwas zu lange. Eine Einstellungsmöglichkeit für die Verzögerung habe ich bisher aber nicht gefunden.

Abgesehen von den klapprigen Tasten ist das Nokia Lumia 800 sehr gut verarbeitet. Die Größe ist nahezu perfekt.

Meine Kritikpunkte sind die Bildqualität der Kamerafunktion, die schlechte Gesprächsqualität bei voller Lautstärke des Lautsprechers und die eher enttäuschenden »Nokia Apps«. Zumindest die Nokia Apps werden aber hoffentlich im Laufe der nächsten Monate nach und nach verbessert.

Happig ist auch der angekündigte Preis von 500 €. Für mich liegt der Preis deutlich oberhalb der Schmerzgrenze. Aber der Markt wird diesen Preis in den nächsten Wochen schon „regulieren“.



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Über den Autor: caschy

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