Gastbeitrag: Facebook im Internet? Facebook ist Internet!

4. Oktober 2011 Kategorie: Social Network, geschrieben von:

Der Andreas unterstützt meine gerade kaum vorhandene Zeit (Umzug, viel zu tun) mit einem Gastbeitrag und nimmt Facebook einmal kritisch unter die Lupe. Wie immer gilt bei Gastbeiträgen: sie geben die Meinung des Autoren wieder. Ich bat Andreas, etwas zu seiner Person zu verraten, damit die Leser wissen, mit wem sie es zu tun haben: „zu meiner Person gibt es zu sagen, dass ich 27 Jahre alt bin, derzeit meinen Master in Physik mache und in meiner restlichen Freizeit Gitarre spiele und ein wenig über Software und die Entwicklungen des World Wide Web blogge.“

Facebook sorgt gerade für jede Menge Aufruhr in Datenschützer-Kreisen, denn der Social Network-Gigant plant eine regelrechte Invasion auf das Privatleben der User. Mit neuen Funktionen und Aktionen ist das milliardenschwere Zuckerberg-Projekt auf dem besten Weg zum Unterhaltungsmonopol im Netz zu werden. Zukünftig will Facebook nicht nur über unsere Aktivitäten in der Gegenwart informiert sein, sondern auch wichtige Ereignisse der Kindheit und Jugendzeit geschickt protokollieren, um noch mehr über unsere Angewohnheiten, Wünsche und Bedürfnisse zu erfahren. Als ob das nicht genug wäre: der Riese könnte in naher Zukunft sogar die Informationssuche revolutionieren bzw. abschaffen und somit Google einen Strich durch die Rechnung machen.


Schon jetzt zählt Facebook etwa 800 Millionen User und es werden täglich immer mehr. Doch was ist das Geheimnis hinter Zuckerbergs Erfolg und wie hat es einen so simple Idee der „Vernetzung von Menschen“ zu so viel Popularität und Abhängigkeit geschafft? Die Antwort darauf ist genauso einfach wie genial: das Bedürfnis der Menschen zur Selbstdarstellung! Genau dieses Bedürfnis stellt das Fundament des Wolkenkratzers Facebook dar und sorgt dafür, dass User leichtsinnig mit diversen Informationen über sich und andere in Form von Nachrichten, Aways und Bildern umgehen und mit diesen das Datenmonster im Minutentakt füttern.

Dabei scheint dem Social Network-Riesen jedes Mittel recht zu sein: dieser wird nämlich bald durch die neue Timeline – Funktion erweitert, mit der Benutzern ein virtuelles Album für besondere Ereignisse wie z.B. Einschulung, Konfirmation oder Hochzeit zur Verfügung gestellt wird. In diesen lassen sich dann Texte, Bilder und Videos einbetten und veröffentlichen. Auch der Ort kann auf einer Karte markiert werden. Das bedeutet zwangsläufig mehr sensible Daten, die von intelligenten Algorithmen ausgewertet oder an Dritte verkauft werden können! Ebenso erhöht sich dadurch die Abhängigkeit der Menschen, denn nichts ist einem so teuer wie die Erinnerungen an die ersten Gehversuche der Tochter oder die eigene Einschulung und das ist ganz im Sinne von Zuckerberg und Co.
Neben der Timeline wird in das Profil der sogenannte Ticker integriert, der eine Ähnlichkeit mit dem populären Dienst Twitter aufweist, jedoch diesen im Volumen deutlich übertrifft. Wer also der Facebook –Welt da draußen etwas Wichtiges oder weniger Sinnvolles mitzuteilen hat, kann sich diese „neue“ Funktion zunutze machen.

Alles was das Herz begehrt

Ob Musik im Mp3-Format oder Video-Clips, auf Facebook findet jeder, was er sucht, so zumindest die Theorie, denn Mark Zuckerberg plant umfassende Video-, Audio- und Spiele-Bibliotheken in das Soziale Netzwerk zu integrieren. Noch steckt das Konzept in Deutschland jedoch in den Kinderschuhen. Die bekannten Online-Dienste MyVideo, Wooga und Soundcloud werden allem Anschein nach den Startschuss für die globale Unterhaltungsplattform geben.

Dabei erscheinen diese Medien nach mehrmaligem Ansehen oder Anhören im Ticker und später auch in der Timeline und werden Freunden und Bekannten automatisch weiterempfohlen. So muss niemand mehr seinen Facebook-Account verlassen, um nach aktueller Musik zu suchen, das neue Video von Lady Gaga zu sehen oder die neue Folge einer TV-Serie anzuschauen, was unter Umständen sogar dazu führen kann, dass Google seine vorrangige Position hierfür auf lange Sicht einbüßen wird. Werden wir in Zukunft nicht mehr im Internet, sondern im Facebook surfen? Gewiss wird Google dabei ein Wörtchen mitreden wollen, es bleibt also abzuwarten wie sich die Situation entwickelt.

Der „gläserne Bürger“

Nach wie vor ist Facebook ein Dorn im Auge der Datenschützer. Vor allem Deutschland wehrt sich gegen die Neuerungen des Social Network-Giganten. Die Bundesverbraucherschutzministerin Ilse Aigner (CSU) hat sich der Sache angenommen und kritisiert den Dienst. Ebenso wird Facebook seit langem vorgeworfen Daten der User zu verkaufen. Die Neuerungen sind demnach nichts anderes als ein Versuch an noch mehr auswertbare Informationen über den schon ohnehin „gläsernen Bürger“ zu kommen und noch mehr Profit zu machen.

Fazit:

Der Fortschritt lässt sich nicht aufhalten. Auch Geschäftsmodelle werden sich ändern und das betrifft nicht nur das Soziale Netzwerk Facebook. Es wird nach wie vor Lücken im Rechtssystem geben. Vor allem Jugendliche haben in dieser Hinsicht eine geringe Hemmschwelle Informationen zu veröffentlichen. Um sich und seine Privatsphäre zu schützen, sollte jeder User aufgeklärt und informiert werden. Zahlreiche Blogs, Foren, Zeitschriften und andere Medien können dazu beitragen. Wer dies beachtet, kann durchaus sinnvoll solche Dienste und Funktionen nutzen. Aufklärung ist somit der beste Impfstoff gegen Datenmissbrauch bei Facebook und Co!


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Über den Autor:

Hallo, ich bin Carsten! Baujahr 1977, Dortmunder im Norden, BVB-Getaufter und Gründer dieses Blogs. Auch zu finden bei Twitter, Google+, Facebook, Instagram und YouTube. Persönliches Blog. PayPal-Kaffeespende. Mail: carsten@caschys.blog

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