Gastbeitrag: Erfahrungsbericht Amazon Kindle

1. Februar 2012 Kategorie: Hardware, Mobile, geschrieben von: caschy

Mein Namensvetter Carsten, Student an der TU Dresden (Verkehrsingenieurwesen) bot mir letztens an, doch einmal etwas über den Alltag und seine Nutzung mit dem Kindle von Amazon zu schreiben. Kam mir ganz recht, freue mich hier immer über Erfahrungsberichte, gerade bei Geräten, die ich niemals in die Hand bekam, bin bekanntlich kein Buchleser mehr. Trotzdem finde ich, dürfen solche Themen hier nicht fehlen. Hier also der dritte Nutzerbericht über den eBook-Reader aus dem Hause Amazon.

Seit ziemlich genau einem Jahr besitze ich den Amazon-E-Book-Reader. Im Jahr davor habe ich das Gerät mal in Natura gesehen und dachte, was wahrscheinlich viele denken, wenn sie das erste mal einen E-Ink-Bildschirm sehen: “Soll das ein Bildschirm sein?”. Für Weihnachten fiel mir dann erstmal kein besserer Wunsch als auch ein Kindle haben zu wollen ein. Nach dem Amazon ca. 1 Monat (aber nur 2 Tage davon für den Transport aus Nevada nach Deutschland) gebraucht hat, bis die Kiste bei mir ist, weiß ich jetzt: der Wunsch war goldrichtig, mir hätte nichts besseres einfallen können.

Ich möchte hier auch nur wenig über die technischen Möglichkeiten berichten, das haben genügend andere schon übernommen. Stattdessen geht es einfach mal um ein Review, wie man den Kindle wirklich einsetzt.

Das Erste, was auffiel, nachdem man das Gerät aus der Pappkiste genommen hat: die “Folie”, auf der steht, wie man den Reader das erste Mal einschalten soll, geht nicht ab. Aber es hat ziemlich schnell klick gemacht: Das war gar keine Folie. Amazon hat diese Anleitung direkt auf den Bildschirm gebracht. Einschalten und weg war sie.

Die Einrichtung ging auch recht gut und schnell, an Details kann ich mich nicht mehr erinnern. Das wichtigste dabei war die W-LAN Einrichtung, denn der Kindle kann (nicht nur) Bücher auch über Funk empfangen.

Jetzt war die Frage: wo bekommt man Bücher her? Seit es den Kindle-Shop auch in Deutschland gibt, kein Problem. Einfach mit dem Computer auf der Amazon-Seite kaufen, als “Lieferadresse” den Kindle angeben und dort kommt es automatisch an, sobald das Gerät sich das nächste Mal mit dem Internet verbinden kann. Ich habe bisher vor allem viele der kostenlosen Bücher in deutscher und teilweise auch englischer Sprach gelesen (Danke nochmal an Caschy fürs Berichten über die Gratis-Aktion).

Aber auch Bücher von anderen Portalen funktionieren. Der Kindle versteht Bücher neben dem Amazon-eigenem Format nur im .mobi-Format, Umwandeln aus dem weit verbreiteten epub ist aber mit calibre kein Problem, außerdem kann man damit die eigene Bibliothek recht hübsch verwalten. Für die meisten, die hier mitlesen, dürfte calibre selbsterklärend sein, von daher spare ich mir die Erläuterungen. Die (fertig umgewandelten) Bücher vom Computer kommen dann einfach über das mitgelieferte USB-Kabel auf den Kindle, der wie ein USB-Stick erkannt wird.

Beim lesen von Unterhaltungslektüre sehe ich gegenüber klassischen Papier-Büchern keinerlei Nachteile. Der Kindle liegt gut in der Hand, umblättern geht auch recht gut, denn die entsprechende Taste ist sehr groß und sowohl am rechten als auch am linken Rand vorhanden. Außerdem kann man die Schriftgröße und -Art an die eigenen Gewohnheiten (und Augen) anpassen, bei einem normalen Buch ist man auf Gedeih und Verderb der vorhandenen Schriftgröße ausgesetzt. Mal ganz davon abgesehen, das normale Bücher oft größer und schwerer sind.

Wenn man aber etwas aus einem (wissenschaftlichen) Buch lernen will, dann wird es z.B. schwierig etwas anzustreichen oder zu markieren, die entsprechenden Funktionen sind aber vorhanden. Ergänzungen in einer Skizze zu machen ist mit Bleistift in Papierbüchern kein Problem, auf dem Bildschirm dagegen unmöglich. Auch das Buch mal schnell durchblättern, um anderen die schönsten Stellen vorzulesen, geht nur schwierig. Ist also wirklich nur für die eigene Unterhaltung geeignet.

Eine richtig tolle Funktion ist das Wörterbuch, bei mir war das englisch-englische vorinstalliert, bei den jetzt ausgelieferten ist es der deutsche Duden. Aber es gibt auch mehrsprachige Wörterbücher zum herunterladen. Die sind zwar vom Umfang und von der Darstellung her nicht ganz so toll, aber für mich haben sie bisher immer gereicht. Beim Lesen – vor allem bei fremdsprachigen Büchern – einfach mit dem Cursor zum unbekannten Wort navigieren und am oberen oder unteren Bildschirmrand wird die Übersetzung angezeigt.

Wenn das nicht ausreicht, kommt man mit einem Tastendruck sofort zur entsprechenden Stelle im Wörterbuch und findet dort den kompletten Eintrag. Mit der Taste “zurück” geht es zurück und man kann weiterlesen. Wenn ich früher (gedruckte) englische Bücher gelesen habe, hatte ich nie Lust, aufzustehen, mir ein Wörterbuch zu holen und der eine unbekannte Wort nachzuschlagen. Und wenn ich dann das Buch weggelegt habe, habe ich natürlich nicht mehr daran gedacht, denn die meisten Wörter sind für das Textverständnis ja nicht so wichtig. Jetzt habe ich die Übersetzung mit ein paar Tastendrücken sofort da, manchmal versteht man dadurch die Handlung auch besser, aber vor allem lernt man noch ein paar Vokabeln dazu.

Unter den Experimentellen Features findet man den Webbrowser, der auch nicht zu Unrecht unter Experimentell eingeordnet ist. Manchmal funktionieren die tollsten Seiten, aber viel geht auch nicht. Aus diesem Grund: Man kann den Browser nutzen, wenn man keinen Computer zur Verfügung hat. Mit Umstellen auf Querformat sieht man schon recht viel, aber Spaß macht das Surfen aufgrund fehlender Farben und Rechenleistung sowie einem vergleichsweise langsamen Bildaufbau nicht. Auch die Unterstützung von Scripten und ähnlichem ist ein Glücksspiel. Der einzige Anwendungsbereich – abseits vom herumspielen und W-LAN natürlich vorausgesetzt – liegt für mich darin, im Urlaub mal schnell zu gucken, ob jemand eine E-Mail geschrieben hat.

Die Tastatur lässt sich sehr gut nutzen, nur bei Sonderzeichen wirds kompliziert. Also bei Passwörtern und E-Mail-Adressen. Texte lassen sich fast so schnell wie am PC schreiben, nur der Buchstabe y und z sollte nicht so oft vorkommen. Die deutschen Umlaute findet man auch nicht. Aber für eine Mail á la “Ich bin gut angekommen” reicht es allemal.

Wer über den Browser doch Internetseiten lesen möchte, dem kann ich nur den Articel-Mode empfehlen: Der Browser sucht die relevanten Teile heraus und zeigt diese wie ein Buch an. Funktioniert natürlich nur dort, wo auch ein Artikel erkannt wird und längst nicht auf allen Seiten, wo ein Artikel vorhanden ist. Außerdem muss die Seite erstmal komplett geladen sein, damit das Umschalten möglich ist.

Des weiteren findet man unter experimentell einen Musikplayer, der allerdings außer Play/Pause und zum nächstem Titel weiterspringen, jeweils über Tastenkombinationen, keine weiteren Bedienungsmöglichkeiten bietet. Da bevorzuge ich doch den mp3-Player, aber meine wenigen Tests haben gezeigt, das die Lautsprecher für diese Gerätegröße doch recht gut klingen. Kopfhörer kann man auch anstecken. Außerdem kann man sich den Text vorlesen lassen. Bei englischen Texten klingt das Ergebnis fast so gut wie ein Audiobook, deutsch kann man vergessen. Nutzen tue ich auch das nicht.

Weitere Gedanken:

Auch bei prallem Sonnenlicht kann man noch gut lesen, der Blickwinkel ist egal. Solange sich die Lichtquelle nicht direkt auf der nicht ganz matten Oberfläche spiegelt, sieht man alles. Und wenn es zu dunkel wird, um die Buchstaben zu erkennen, stellt man einfach die Schrift größer…

Vorteil: wenn man ein Buch mit hat, hat man gleich alle (elektronischen) Bücher mit. Extra auswählen oder aufs Gewicht achten entfällt.

Der Reader merkt sich die Position, nach dem Einschalten ist man an genau der gleichen Stelle wie vorm Ausschalten. Auch wenn man ein Buch, nachdem man zwischendurch etwas anderes gelesen hat, wieder öffnet, präsentiert der Kindle die richtige Stelle.

Es gibt keine Seitenzahlen mehr, bzw. die, die angezeigt werden sind nur berechnet. Stört mich aber nicht, denn ich gucke sowieso entweder auf die Prozentanzeige oder gar nicht, wie weit ich bin. Das Merken, wo ich bin, übernimmt ja das Gerät für mich.

pdf-Dateien können angezeigt werden, allerdings nicht besonders toll. Ich würde das in eine ähnliche Kategorie wie den Browser einordnen: Um ein pdf-Dokument sicherheitshalber mitzuhaben, bei der man überlegt, ob man es braucht, ist es OK.

Etwas Angst habe ich, das Gerät einfach mit viel Ramsch in den Rucksack zu werfen, da die mechanische Belastung zu groß werden könnte. In der Badewanne oder so würde ich auch ein Papier-Buch bevorzugen. Dazu ich die Technik doch noch etwas zu teuer.

Dokumente kann man auch per E-Mail übertragen. Amazon wandelt diese dann in das eigene Format um und der Kindle lädt sich die neuen Inhalte runter, sobald er Internet hat.

Noch ein paar Worte zum Nachfolger-Modell ohne Hardware-Tastatur:

Die in Deutschland angebotene Variante ist die ohne Touch-Screen, die Hardware-Tastatur entfällt aber. Dafür gibt es die Navigationstasten + 4 Bedientasten. Trotzdem lässt sich diese Version genauso gut bedienen wie die mit Tastatur. Wenn man etwas längeres schreiben muss, merkt man allerdings den Unterschied: Über eine Hardware-Taste kann man die Tastatur einblenden, danach muss man die Buchstaben mit den Cursor-Tasten auswählen. Ist aber eigentlich kein wirklicher Nachteil, denn man will ja lesen und nicht schreiben.

Nebeneinander die Version mit Tastatur und ohne. Beide sind ausgeschaltet. Da der Bildschirm nur Strom verbraucht, um seinen Inhalt zu ändern, werden im ausgeschalteten Zustand verschiedene Bilder angezeigt. Bei der 3. Generation sind das bekannte Autoren, bei der 4. Arbeitsmittel von Autoren und Buchdruckern

Weitere Unterschiede: Der Lautsprecher fehlt, Musik- und Sprachausgabe also auch. Größter Unterschied ist die einstellbare Menüsprache, neben englisch ist auch deutsch dabei. Ansonsten gleichen sich die Generationen fast komplett, da muss jeder für sich selbst wissen, ob er die deutsche Menüführung oder die Tastatur dringender benötigt. Der kleinere Speicherplatz wird bei reiner Nutzung für Bücher nicht stören, auch ein langes E-Book ist nicht größer als wenige MB.

Die Version mit Touchscreen (nur in den USA erhältlich) ist zwar vielleicht technisch weitergedacht, ich hätte aber keine Lust auf die Fettpfoten beim Lesen. Und nach einmal umblättern wären die ja auch nicht weg.

Zum Abschluss noch ein Zitat von meinem Deutschlehrer aus Schulzeiten, worin ein weiterer Grund genannt wird, aus dem gedruckte Bücher nicht aussterben werden: “Aber wenn mal der Tisch wackelt, hilft das mehr als ein Laptop”

Für Fragen stehe ich gerne zur Verfügung.



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Über den Autor: caschy

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