Gastbeitrag: Ein Journalist „in the cloud“ Teil 1

3. Januar 2011 Kategorie: Apple, Hardware, Internet, Mobile, geschrieben von: caschy

Wie zuverlässig und wie sicher ist das Arbeiten „in the cloud“? Der Journalist Jürg Vollmer schreibt für das schweizerische Pressebüro maiak.info Hintergrundberichte über Russland, Belarus und die Ukraine. Sein Equipment — Hardware und Software — ist die Summe vieler Erfahrungen im professionellen Einsatz unter oft schwierigen Bedingungen.


On the road. Vom Redaktionsbüro in Zürich fahre ich oft mit dem superkomfortablen ICN-Neigezug in die Bundesstadt Bern und in die UNO-City Genf für Informationsgespräche und Interviews mit russischsprachigen Politikern. Dazu kommen regelmässige Flüge nach Russland, Belarus und in die Ukraine.

Innerhalb dieser drei russischsprachigen Länder bin ich unterwegs mit topmodernen Regionalflugzeugen und plüschig-nostalgischen Nachtzügen, mit der rumpelnden Elektritschka (Vorortszug) und den vollgestopften Marschrutki (Kleinbus-Sammeltaxi).

Schon im Jahre 2000 hatte ich deshalb beschlossen, als journalistischer Nomade mein ganzes „Büro“ auf dem MacBook (vor 2006 ein PowerBook) mit mir zu führen. Alles, was nicht sowieso schon in Datenform vorhanden ist, wird seither eingescannt. 2008 verlagerte ich mein „Büro“ von der Festplatte ins Internet — in the cloud.

Aber auch in dieser virtuellen Wolke braucht es handfestes Equipment, für das ich folgendes Pflichtenheft erstellt habe:

  • Die Hardware muss leicht, kompakt und robust sein.
  • Die Software inklusive Browser und browserbasierte Software muss
    schnell, sicher und zuverlässig sein.
  • Meine Daten und Dokumente müssen geschützt sein, gleichzeitig
    muss ich jederzeit und überall darauf zugreifen können.

HARDWARE

iMac

Im Redaktionsbüro und im Home Office stehen je ein iMac mit 24 Zoll-Bildschirm (und eine Nespresso-Maschine) bis zum Glühen im Dauereinsatz. Unterwegs ist mein „Büro“ eine SwissGear Signal Notebook-Tasche von Wenger.

MacBook Air

Darin steckt — 30 Tage im Standby-Modus — ein neues 13-Zoll MacBook Air mit 128 Gigabyte Flash-Speicher. Es ist klein, 1300 Gramm leicht, lautlos und mit dem Aufklappen des Displays sofort einsatzbereit, damit ich unterwegs bis sieben Stunden schreiben kann. Seine Bildschirmauflösung von 1440 × 900 Pixel hält mit jedem 15-Zoll Macbook Pro mit, so dass ich auch meine Fotos on the road bearbeite.

WLAN-Hotspot Huawei E585

Wo ich in Russland, Belarus und der Ukraine auch bin, ich errichte mir einen eigenen Internetzugang mit dem mobilen WLAN-Hotspot Huawei E585 und Prepaid SIM-Karten des jeweiligen Landes. Der 90 Gramm leichte MiFi-Router läuft mit einer Batterieladung bis sieben Stunden, exakt so lange wie der Akku des MacBook Air.

iPhone

Über den MiFi-Router sendet in Russland, Belarus und der Ukraine so oft wie möglich auch mein iPhone, sonst würde mich der Datentransfer ins Armenhaus bringen. Denn ich nutze extensiv SMS und Twitter, die Kamera mit Flickr-Upload, Scanner Pro mit Evernote– und Dropbox-Upload, miCal, die jeweilige Metro-App und den Lonely Planet City Guide, die NZZ Online und die (Schweizer) Radio DRS-App. Gelegentlich nutze ich das iPhone sogar für Telefongespräche…

Mobiltelefon mit Prepaid SIM-Karten

Für die meisten Telefongespräche in Russland, Belarus und der Ukraine verwende ich aber ein simples Siemens-Handy mit verschiedenen Prepaid SIM-Karten. Diese haben den Nebeneffekt, dass ich damit kaum zu orten bin, was bei Hinterhof-Gesprächen mit Oppositionspolitikern und Nichtregierungsorganisationen ungemein beruhigend wirkt.

USB-„Schlüssel“ und Rugged Safe-Festplatte von LaCie

Wobei ich mich nicht beklagen kann. Als Schweizer Journalist werde ich von den Behörden in Russland, Belarus und der Ukraine respektiert.
Aber man muss ja nicht sein ganzes Wissen auf dem Silbertablett präsentieren. Deshalb schlummern sensiblen Daten auf einer 300 Gramm leichten, silbernen LaCie Rugged Safe-Festplatte mit biometrischer Authentifizierung und 128-Bit-AES-Hardwareverschlüsselung.

Am Schlüsselbund hängt zudem ein unauffälliger 32GB USB Camouflage-„Schlüssel“ von LaCie, auf den ich im Büro einer russischen Nichtregierungsorganisation auch schon mal sensible Daten to go gespeichert habe. Wenn es doch einmal zu einer unfreundlichen Begegnung der uniformierten Art kommen sollte, ist der „Schlüssel“ auf den ersten Blick Camouflage genug und die Daten sind zusätzlich mit TrueCrypt verschlüsselt.

Livescribe Echo Smartpen

Bei freundlichen Begegnungen mit Politikern aus Russland, Belarus und der Ukraine sind leider oft keine Audio-Aufnahmen erlaubt. Dann hilft mir ein zweites unauffälliges Camouflage-Tool, der Livescribe Echo Smartpen. Dieser Kugelschreiber nimmt das Gespräch mit einem integrierten Mikrofon auf und zeichnet gleichzeitig die Schreibbewegungen auf dem speziellen Notizblock mit einer Infrarotkamera in der Spitze auf.

Nach dem Interview lege ich den Stift in die Dockingstation, welche die Daten über USB auf mein MacBook Air lädt. In den Audioaufnahmen kann ich navigieren, indem ich auf ein Wort im Notizblock klicke. Meine schriftlichen Notizen sind so fix mit dem Audio-Protokoll verknüpft. Und es hat sich nachträglich noch kein Politiker beschwert, dass ich seine besten Zitate wortgetreu wiedergegeben habe.

Teil 2 erscheint morgen hier im Blog…



Über den Autor: caschy

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58 Kommentare

Florian 3. Januar 2011 um 15:48 Uhr

Danke für diesen tollen Bericht, ich hätte zwar eigl. für meine Klausuren lernen sollen, aber dieser Artikel ist einfach nur wunderschön zum Lesen gewesen.

Bitte Bitte mehr davon an euch da draußen. Schreibt einfach mal, ich fände auch mal Tipps für die gute Dateiordnung etc. recht sinnvoll. Nicht jeder kann seine Daten gut sortieren, verwalten. Es gibt natürlich nicht das Allheilmittel, aber das sollte jedem bewusst sein denke ich.

Markus 3. Januar 2011 um 15:51 Uhr

Hmm…Alltag von vielen Geschäftsreisenden oder? Vielleicht nicht gerade die geheimnisvollen Dinge, aber Prepaid Karten usw. nutze ich auch. Aber halt, ich hab ja integriertes UMTS da ich kein Apple NB habe…;)
Biometrisch und sicher? Naja…kann man sehen wie man will.

DonHæberle 3. Januar 2011 um 15:53 Uhr

Sehr interessant. Danke!

Feldversuch 3. Januar 2011 um 16:03 Uhr

Krass.
Hoffentlich liest man den Artikel nicht in Russland, Belarus und der Ukraine …

bierbauch 3. Januar 2011 um 16:28 Uhr

es erstaunt mich, dass sie ein biometrisches sicherheitssystem verwenden. es schützt sie sicherlich, wenn sie die platte verlieren und auch macht es das merken eines master passwortes einfacher, aber sollten sie einer (flughafen-) kontrolle nach amerikanischen vorbild (tsa) zum opfer fallen ist dieser sicherheitsschirm der verschlüsselung doch sicherlich schnell umgangen?!
eine weiterreise wird nur mit dem ‚daumen‘ erreicht der einmal über den biometrie-sensor streicht …
wäre es nicht sinniger, wenn sie ihre daten mit dem rubber-hose-prinzip (http://de.wikipedia.org/wiki/R.....ptanalysis) via truecrypt o.ä. verschlüsseln würden?

ansonsten, vielen dank für den interessanten einblick in ihren ‚usecase‘ und auf die einzelnen tools die sie nutzen 🙂

weissertiger2 3. Januar 2011 um 16:31 Uhr

Bist du ein Reporter oder ein Spion?
Sehr eindrücklicher Artikel.

Christoph 3. Januar 2011 um 16:42 Uhr

Sie sind aber auch nur dann schwer zu Orten, wenn ihr iPhone gerade nicht im Betrieb ist. Ist nämlich die Mobiltelefonnummer oder die IMEI(können die doch bestimmt auch lokalisieren oder?) ihres iPhones bekannt wie ein bunter Hund, wird sie garantiert auch überwacht, wenn Sie in den Fokus von Sicherheitsbehörden rücken.
Sie sollten eventuell auch in Betracht ziehen in Zukunft VPN Zugänge zu nutzen, um zu verhindern, dass jemand mitliest, wenn Sie im Internet arbeiten 😉
Man weiß ja nie

Baschtl 3. Januar 2011 um 16:54 Uhr

Also den Kugelschreiber finde ich geil,… so was kann ich durchaus gebrauchen 😉

Robert Schlachta 3. Januar 2011 um 16:54 Uhr

Vielen Dank für den Beitrag.
Bitte mehr Details zu den Cloud-Anbietern und deren Verhalten bzgl. Verfügbarkeit, Kosten und Integration

Tim 3. Januar 2011 um 16:57 Uhr

Sehr interessanter Einblick. Vielen Dank! Welches Mikrofon verwendest du denn im ersten Bild?!

Baschtl 3. Januar 2011 um 16:59 Uhr

Und vor allem wie verwalte ich ohne großen Aufwand alle Dokumente aus Papier in elektronischer Form?

Jürg 3. Januar 2011 um 17:04 Uhr

Herzlichen Dank für die ersten Kommentare!

Eines vorweg: Auch wenn es offenbar besonders beeindruckt, die Verwendung einer Festplatte mit biometrischer Authentifizierung und 128-Bit-AES-Hardwareverschlüsselung sowie verschiedenen SIM-Karten (natürlich bei ausgeschaltetem iPhone) ist für Geschäftsreisende und Journalisten nicht aussergewöhnlich.

Ich machte bis jetzt als ausländischer Journalist auch keine schlechten Erfahrungen mit den Sicherheitsbehörden in den russischsprachigen Ländern! Aber wie ich im ersten Teil dieses Beitrages schreibe: Ich schütze damit vor allem meine Gesprächspartner – und man muss ja nicht sein ganzes Wissen auf dem Silbertablett präsentieren.

Ich verwende diese Tools deshalb auch hier (und würde sie erst Recht in den USA verwenden).

Der Einwand einer möglichen Umgehung der biometrischer Authentifizierung ist wohl berechtigt, da werde ich bei der nächsten Reise vielleicht doch wieder auf meine alte Festplatte mitnehmen.

Hans-Jürgen 3. Januar 2011 um 17:09 Uhr

Sehr guter Artikel! Ich freue mich schon auf die Fortsetzung. Den Kugelschreiber benutze ich seit einem halben Jahr und bin sehr zufrieden damit. Warum veröffentlichen Sie meine gesamte Hardware (zu 99%)? 😉

Jan 3. Januar 2011 um 17:31 Uhr

Die LaCie-Festplatte hörte sich echt interessant an, bis ich bei Amazon die Bewertungen der Modelle ohne Sensor gelesen habe (extrem viele Totalausfälle). Gibt dort leider noch keine Bewertungen für aktuelle Modelle mit Sensor, deswegen würde mich interessieren, wie lange das Modell schon im Einsatz ist?

Klaus die Maus 3. Januar 2011 um 17:43 Uhr

Liest sich wie ein Werbeprospekt…

Jürg 3. Januar 2011 um 18:01 Uhr

@derRuhrPottler

Hallo Tim! Das Mikrofon (und das MacBook) auf dem Foto sind anno 2008. Das war ein Mic von http://www.bluemic.com, welches es heute wohl nicht mehr gibt.

Olli 3. Januar 2011 um 18:22 Uhr

„Bei freundlichen Begegnungen mit Politikern aus Russland, Belarus und der Ukraine sind leider oft keine Audio-Aufnahmen erlaubt.“

…und heimliche Aufnahmen sind dann erlaubt? Ist zumindest in Deutschland sowas nicht strafbar?

Dani 3. Januar 2011 um 18:23 Uhr

Sehr interessanter Artikel! In Belarus sollte man wirklich keine Fotos machen, jedenfalls dort wo es nicht erlaubt ist.
Denn es entsteht dann schnell eine leicht gereizte Stimmung. 😉

Ich glaube aber nicht, das dieser Livescribe Echo Smartpen so unauffällig ist, das sie ihn nicht entdecken würden. Hinterm Mond leben die ja nicht, und werden wohl schon wissen worauf sie zu achten haben.

Das Foto mit den Scharfschützen finde ich gelungen, es bringt sehr gut die bedrückende Stimmung rüber.
Schonmal versucht das Verteidigungsministerium in Belarus zu fotografieren.

Ich bin auf deinen zweiten Teil jedenfalls sehr gespannt!

Tim 3. Januar 2011 um 18:26 Uhr

@ Jürg: Danke für die schnelle Antwort. 🙂

Jürg 3. Januar 2011 um 18:39 Uhr

@Dani

Man sollte grundsätzlich keine Fotos machen, wo es nicht erlaubt ist. Ausser man ist ein guter Sprinter oder hat einen guten Anwalt.

Beim Scharfschützen-Foto setzte ich auf das erste Argument. Die Scharfschützen sind übrigens Schweizer Elitepolizisten beim Staatsbesuch von Präsident Medwedew in der Schweiz.

Der zweite Teil meines Beitrages endet nicht zufällig mit dem Satz: „Als Russland-Journalist weiss ich: Nichts ist so, wie es aussieht.“

Domingos 3. Januar 2011 um 18:51 Uhr

War echt interessant, wenn auch ein wenig zu apple-lastig. Mich würde mal interessieren, wie es tatsächlich mit der Sicherheit von Macs steht, die sind ja nun nicht dafür bekannt, von Sicherheitsexperten eingesetzt zu werden.

Alex 3. Januar 2011 um 19:00 Uhr

Hallo Jürg!
Ein durchaus interessanter Artikel wurde da von ihnen verfasst!
Der zweite Teil wird sehnsüchtig erwartet 😀

Mich würde die LaCie-Festplatte interessieren, da ich mir auch solch etwas biometrisch-verschlüsseltes zulegen möchten.
Könnten sie vielleicht ein paar Worte zu ihrer Zufriedenheit bezüglich Gewicht, Lautstärke, Datenübertragung usw… verlieren?

Merci vielmals!

Dani 3. Januar 2011 um 19:17 Uhr

@Jürg

„Man sollte grundsätzlich keine Fotos machen, wo es nicht erlaubt ist. Ausser man ist ein guter Sprinter oder hat einen guten Anwalt.“

😉 Da haben Sie Recht.Allerdings sehen das manche Journalist anders.
Sprinten hilft bei Scharfschützen wohl auch nicht mehr.

„…Der zweite Teil meines Beitrages endet nicht zufällig mit dem Satz: “Als Russland-Journalist weiss ich: Nichts ist so, wie es aussieht.”…“

So ist es!

maomarc 3. Januar 2011 um 19:18 Uhr

Sehr guter, genauer Beitrag mit vielen Praxisbeispielen.

Freue mich schon sehr auf den nächsten Beitrag!

Nathan 3. Januar 2011 um 19:43 Uhr

James Bond 2.0?

friddes 3. Januar 2011 um 20:28 Uhr

Sehr schöner Beitrag. Danke. Kaum zu toppen. Bin mal auf den zweiten Teil gespannt.

Jürg 3. Januar 2011 um 20:41 Uhr

Ich würde an dieser Stelle vorschlagen, dass wir uns duzen. Ich halte dies auch in meinem Weblog so. Einverstanden?

@AlexW_Climbr

Die LaCie-Festplatte ist 300 Gramm leicht und mit USB 2.0 für meine Bedürfnisse schnell genug. Und bis jetzt konnte ich mir in Moskau noch kein Hotelzimmer leisten, in dem die Festplatte lauter gewesen wäre, als der Autoverkehr vor dem Hotel. 🙂

@domingos2

Die Sicherheit von Macs im Vergleich zu PC kann ich nicht beurteilen. Die 128-Bit-AES-Hardwareverschlüsselung der externen LaCie-Festplatte und TrueCrypt auf dem MacBook Air oder in der Dropbox sind für meine Bedürfnisse jedenfalls Sicherheit genug.

@Alle

Ich denke, dass meine Sicherheitsvorkehrungen in Etwa dem Standard von Geschäftsreisenden und Journalisten entsprechen. Alles andere halte ich für leichtsinnig. Ich würde auch in der Schweiz oder in Deutschland die Notizen eines vertraulichen Gespräches mit einem Politiker oder Wirtschaftsführer verschlüsseln.

Matze_B 3. Januar 2011 um 20:49 Uhr

Sehr interessant! Mehr davon, passt hier sicher sehr gut her. Danke Jürg für den Einblick, danke Caschy.

Götz 3. Januar 2011 um 21:12 Uhr

[MacBook Air 13″] »Seine Bildschirmauflösung von 1440 × 900 Pixel hält mit jedem 15-Zoll Macbook Pro mit« – hält es nicht, nur das kleinste 15″ MBP hat 1440 × 900, die zwei größeren haben 1680 × 1050. Nur nebenbei, für die Korrektheit im Archiv.

Sicher, dass die LaCie-Platte die Verschlüsselung _ordentlich_ vornimmt? „AES“ und viele Bits alleine sagen gar nichts, wie zahllose Heise-c’t-Tests von externen Speichermedien mit Verschlüsselung zeigen. Bisher reichte jedenfalls immer ein Tesafilm mit einem Abdruck, den man am Wasserglas des echten Nutzers abnehmen konnte. Da ist dann ein vierstelliger Code noch sicherer …

Outlets 3. Januar 2011 um 21:13 Uhr

Toller Artikel, äusserst interessantes Thema! Denke, in den nächsten Jahren wird das clouding noch wilder…

borgdrone 3. Januar 2011 um 21:18 Uhr

Hallo Jürg

liest sich wirklich in erster Linie wie Reklame für Produkte.
Was mich beim zappen auf deiner Seite interessierte, sind Artikel die diese Vorsicht benötigen.
Vielleicht sind mir gewisse Zusammenhänge nicht klar, aber in welcher deiner Arbeiten kann ich diese Notwendigkeit wiederfinden?

JottHa aka Hackintoshi 3. Januar 2011 um 22:21 Uhr

Grüzi Jürg, eine feine hardwaresammlung hast du dir für deinen broterwerb zugelegt. Fehlt nur noch ein unsichtbarer SNG für liveübertragung 😉 Am meisten hat mich der LaCie-Schlüsselanhänger beeindruckt; sieht aus wie ein schlüssel und ist extrem praktisch. Alle anderen gadgets kannte ich bereits.
Ich freue mich auf deine fortsetzung. Dein alltag ist sicher noch spannender als die ausrüstung.
Ciao….

Don 3. Januar 2011 um 22:49 Uhr

„Sprinten hilft bei Scharfschützen wohl auch nicht mehr.“
=> Stimmt, man sollte gleichzeitig auch ein Meister im Hakenschlagen sein!

„Marschrutki“ ist ja geil! 🙂

Phil 4. Januar 2011 um 02:22 Uhr

Bitte mehr davon!

Oliver Lippert 4. Januar 2011 um 07:56 Uhr

Äußerst Interessanter Beitrag, freue mich schon auf den heutigen 🙂 Danke!

Jan 4. Januar 2011 um 09:22 Uhr

Toller, interessanter Artikel! Ich bin häufig dienstlich bei Firmen der Hochtechnologie-Branche unterwegs. Dort muß man z.T. sein Handy sowie Kameras beim Pförtner abgeben, und WLAN-Zugänge sucht man vergebens. Da kann man Twitter, flickr und DropBox in die Tonne treten, deren dienstliche Verwendung mir jedoch ohnehin verboten sind. In der Regel werden nach Meetings die Informationen (Protokolle & Präsentationen) ganz „old-fashion“ per E-Mail verteilt.

Electronic Research 4. Januar 2011 um 09:55 Uhr

Interessanter Artikel, ist er James Bond.?

Bruno Dobler 4. Januar 2011 um 10:41 Uhr

Bei freundlichen Begegnungen mit Politikern aus Russland, Belarus und der Ukraine sind leider oft keine Audio-Aufnahmen erlaubt. Dann hilft mir ein zweites unauffälliges Camouflage-Tool, der Livescribe Echo Smartpen. Dieser Kugelschreiber nimmt das Gespräch mit einem integrierten Mikrofon auf und zeichnet gleichzeitig die Schreibbewegungen auf dem speziellen Notizblock mit einer Infrarotkamera in der Spitze auf.

Ich fühle mich in meinem Misstrauen gegen Journalisten bestätigt. Heimliche Aufnahmen!?

In der Schweiz eindeutig strafbar und ein Verstoss gegen journalistische Sorgfaltspflichten. In anderen Ländern vermutlich genauso.

Bei Maiak und Jürg Vollmer weiss ich leider nie, was Wahrheit und was Legende oder wenigstens optimistische Selbstdarstellung ist. So oder so bewundernswert ist aber, wie es Jürg Vollmer schafft, sich sein geliebtes Berichten über Russland von einem Mäzen finanzieren zu lassen. Ich glaube, viele Journalisten wünschten sich das, doch den meisten gelingt es nie. Umso trauriger, dass es immer noch kaum Medien gibt, die Maiak-Berichte übernehmen.

Eduard Seifert 4. Januar 2011 um 12:37 Uhr

Vielen Dank für diesen Beitrag. Sehr interessant. Wie sieht es mit deinen Daten in der Dropbox aus? Liegen diese auch in einem TrueCrypt Archiv? USA, Server, Land, Recht …

Jürg 4. Januar 2011 um 13:07 Uhr

@Eduard Seifert:

Über die von mir verwendete Software, Browser etc. berichte ich im zweiten Teil meines Beitrages.

Um Deine Frage aber hier schnell zu beantworten:

Die meisten Inhalte meiner Dropbox sind unverfängliche Zeitschriftenartikel, Vereins-Korrespondenz, Scans von Lieferscheinen etc. Wirklich sensible Daten kommen natürlich mit TrueCrypt in die Dropbox.

Wobei ich bis heute noch keine abschliessende Antwort darauf gefunden habe, wie die Rechtslage mit US-amerikanischen Cloud-Dienstleistern für uns Europäer ist.

Ob das US-amerikanische Rechtssystem und deren Hegemonie (eigene Interessen als gesellschaftliche Allgemeininteressen zu definieren und durchzusetzen) wirklich so viel besser ist, als die nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion 1991 immer noch herrschenden Rechtsunsicherheit der russischsprachigen Transformationsländer, wage ich jetzt einmal zu bezweifeln…

Christian 4. Januar 2011 um 17:45 Uhr

Einfach nett zu lesen. Es müssen ja nicht immer Dinge in solch einem Bericht stehen, die etwas vollkommen neues zeigen.
Ich habe ihn gerne gelesen und freue mich auf den zweiten Teil.

Martin Steiger 4. Januar 2011 um 20:18 Uhr

@Jürg:

Vielen Dank für Deine Erläuterungen, ich freue mich auf den zweiten Teil!

Wobei ich bis heute noch keine abschliessende Antwort darauf gefunden habe, wie die Rechtslage mit US-amerikanischen Cloud-Dienstleistern für uns Europäer ist.

Du musst davon ausgehen, dass amerikanisches Recht zur Anwendung gelangt und man deshalb bei etwaigen Streitigkeiten am kürzeren Hebel sitzt – es sei denn, man kann und möchte sich eine Rechtsvertretung in den USA leisten. Insofern ist Selbstschutz, sofern möglich, bei amerikanischen Cloud-Anbietern die effizienteste und kostengünstigste Methode, so wie Du ja auch die Verwendung von TrueCrypt beschreibst. Ähnliches gilt letztlich auch für europäische oder in Deinem Fall schweizerische Anbieter, denn was heute allenfalls noch wirksam durch entsprechendes Recht geschützt, kann morgen völlig anders beurteilt werden.

Das Aufnehmen von Gesprächen ohne die ausdrückliche und dokumentierte Zustimmung der jeweiligen Gesprächspartner kann ich wie schon getweetet aus rechtlicher Sicht selbstverständlich nicht empfehlen – unabhängig von der relevanten Rechtsordnung.

Mikael 4. Januar 2011 um 20:31 Uhr

Sorry, aber ich finde den Artikel eigentlich nur peinlich. Ziemliche Hochstapelei wenn ihr mich fragt. Er ist Journalist und macht auf James Bond. Als ob die Daten die er da bekommt so suuuper gehein wären. Und als ob die von Gestern wären und nicht genau wüssten was es für Kugelschreiber gibt…

Jürg 4. Januar 2011 um 22:47 Uhr

@Martin Steiger:

Danke für Deinen rechtlichen Hinweis in Bezug auf die Audioaufnahmen mit dem Smartpen.

Ich mache diese Aufnahmen nicht, um meine Gesprächspartner reinzulegen – sondern um sie bei korrekt zu zitieren. Das ist schon bei einem Gespräch in einer gemeinsamen Sprache schwierig genug, weil die Zeit immer drängt („Sie haben exakt 15 Minuten!“, oft zwischen Tür und Angel) und die Welt immer komplexer wird.

Wenn man aber zwischen zwei oder sogar drei Sprachen wechselt (Russisch-Deutsch, dazu viele Wirtschaftsausdrücke in Englisch), sind gerade bei komplexen Wirtschaftsthemen Missverständnisse programmiert. Die Folge ist ein Politiker oder Wirtschaftsboss, der zu recht sauer auf den Journalisten ist.

Mit dem Smartpen kann ich missverständliche Passagen nachhören und Fakten korrekt zitieren. Das ist für mich der einzige Grund für seinen Einsatz.

Martin Steiger 5. Januar 2011 um 18:54 Uhr

@Jürg: Völlig verständlich … ich wäre damit auch gut bedient, fürchte aber, die Akzeptanz wäre nach vorherigem Nachfragen gering.

Nebenbei: Ich empfehle jedes längere Gespräch mit Journalisten selbst aufzeichnen. In der Schweiz zeichnen Journalisten Interviews sowieso meistens auf und stören sich deshalb nicht daran, wenn es ihr Gegenüber gleich hält. Und manchmal ist man froh um eine zweite Aufnahme, wenn sich mit der ersten ein Problem ergibt … 😉

Tim 6. Januar 2011 um 08:05 Uhr

„Mit dem Smartpen kann ich missverständliche Passagen nachhören und Fakten korrekt zitieren. Das ist für mich der einzige Grund für seinen Einsatz.“

Wie das in Russland ist, kann ich nicht beurteilen, aber in Deutschland wäre das eindeutig ein Rechtsverstoß. Da gibt es auch keine Ausreden. Sicher gibt es Gründe, es kann die Arbeit erleichtern und man hegt keine bösen Absichten, aber es bleibt unerlaubt, solange der Gesprächspartner, auch bei Telefongesprächen, nicht einwilligt. Das verstärkt mal wieder mein Misstrauen gegenüber Journalisten.

Jürg 7. Januar 2011 um 13:48 Uhr

Ich hoffe, dass ich die Fragen zum verwendeten Equipment hier in den Kommentaren beantworten konnte und danke für den guten Input, insbesondere für den Hinweis auf die zweifelhafte Sicherheit einer Festplatte mit biometrischer Authentifizierung. Ich werde diese durch eine „normale“ mobile Festplatte in Kombination mit TrueCrypt ersetzen.

Abschliessend noch ein paar Worte zu meinen Sicherheitsvorkehrungen, die bei einigen Lesern zu wilden Spekulationen führten.

Meine Sicherheitsvorkehrungen entsprechen dem internationalen Standard von Geschäftsreisenden und Journalisten. Ich wäre deshalb nie auf die Idee gekommen, mich als „James Bond“ zu fühlen, nur weil ich einzelne Dateien mit TrueCrypt schütze, im Ausland eine Prepaid SIM-Karte nutze oder Gesprächsnotizen mit dem Smartpen aufzeichne.

Aber offenbar herrscht ein grosses Missverständnis über die Aufgaben und Pflichten eines Journalisten, welches durch die Unkenntnis über Medien und Politik in den russischsprachigen Ländern noch verstärkt wird. Deshalb möchte ich gerne drei Punkte erklären, und zwar anhand konkreter Beispiele mit direkten Links:

Kulturunterschied

Es ist in Russland eher ungewöhnlich, gleichentags mit dem Ersten Stellvertretenden Ministerpräsidenten und mit einem prominenten Oppositionsführer ein Hintergrundgespräch zu führen. Geschweige denn, die Zitate des (direkt hinter Putin) „zweiten Mann“ der russischen Regierung von einem Oppositionspolitiker pointiert hinterfragen zu lassen.

Deshalb nutzte ich meine (aus Kostengründen sowieso verwendete) Prepaid SIM-Karte, als ich nach dem Hintergrundgespräch mit dem Ersten Stellvertretenden Ministerpräsidenten Igor Schuwalow einen Termin mit dem Oppositionspolitiker Wladimir Ryschkow vereinbarte. Der Treffpunkt war übrigens im wörtlichen Sinne ein Kellerbüro, das nur über einen Moskauer Hinterhof und verwinkelte Treppen zugänglich ist.

Im konkreten Fall zitierte der Erste Stellvertretende Ministerpräsident den Dichter Gogol: “Russland hat zwei Probleme, Dummköpfe und Strassen!” Der Oppositionspolitiker erklärte mir danach: “Das Problem sind diese Ganoven, die von oben bis unten unser Land regieren. Was bei Gogol vor 170 Jahren aktuell war, ist immer noch das grösste Problem von Russland.”

Quellenschutz

Ich führe jährlich weit über hundert Hintergrundgespräche mit Politikern und Businessleuten. Ein vertrauliches Hintergrundgespräch ist kein „Staatsgeheimnis“ — aber auch kein Interview, das 1:1 zitiert werden kann. Ein gutes Beispiel dafür ist das Hintergrundgespräch mit dem Vize-Ministerpräsidenten von Belarus über Reformen in dem von Präsident Lukaschenko autokratisch regierten Land.

Vize-Ministerpräsident Andrej Kobjakow sprach dabei auch über inoffizielle Regierungspläne und nicht für die Öffentlichkeit bestimmte Vorgänge — im Vertrauen, dass die von ihm als „off the record“ bezeichneten Zitate auch solche bleiben. Dieses Hintergrundwissen behalte ich grundsätzlich für mich, es hilft mir aber, komplexe Vorgänge zu verstehen.

„Off the record“ bedeutet, dass ich den Quellenschutz beachten muss. Ich würde deshalb auch in der Schweiz oder in Deutschland die Notizen eines vertraulichen Hintergrundgespräches mit TrueCrypt verschlüsseln. Nicht, weil ich mich als „James Bond“ fühle, sondern weil diese Gesprächspartner mir ihr unbedingtes Vertrauen schenken. Und mein Quellenschutz gilt erst recht heute, nachdem Kobjakow über Nacht aus der Regierung entfernt wurde.

Sorgfaltspflicht

Weil ich den Kulturunterschied beachte und den Quellenschutz garantiere, komme ich manchmal unverhofft zu spontanen Treffen. So wurde ich nach den Hintergrundgesprächen mit dem Ersten Stellvertretenden Ministerpräsidenten Schuwalow und dem (im Stillen besuchten) Oppositionspolitiker Ryschkow am späten Nachmittag vom Präsidentenberater Arkadi Dworkowitsch eingeladen. Auch hier führte ich ein Hintergrundgespräch, dessen Informationen in viele Beiträge einflossen und im konkreten Fall nicht einmal zu einem eigenen Artikel führten.

Bei allen drei Gesprächen durfte ich offiziell keine Audioaufnahmen machen — konnte aber in der Zwischenzeit auch meine hastigen handschriftlichen Notizen nicht ergänzen. In dieser Informationsfülle konnte ich nicht alle Daten und Fakten exakt notieren, auch Zitate hätte ich im Nachhinein nicht korrekt wiedergeben können.

Mit dem Smartpen konnte ich hingegen missverständliche Passagen nachhören und Zitate korrekt wiedergeben. „Off the record“ blieben selbstverständlich die als solche bezeichneten Gesprächsteile, weil mir die Gesprächspartner ihr Vertrauen schenken. Und wie ich im Artikel erklärte: Es hat sich nachträglich noch kein Politiker beschwert, dass ich seine Zitate wortgetreu wiedergegeben habe.

Ich bemühe mich, als Russland-Journalist den Kulturunterschied zu beachten und meinen Gesprächspartnern den Quellenschutz sowie die Sorgfaltspflicht zu garantieren. Mit „James Bond“ hat das nichts zu tun. Es ist einfach nur der Alltag eines sorgfältig arbeitenden Journalisten — der mit Cloud Computing seine Recherchen- und Schreibarbeit „on the road“ schneller und besser bewältigen kann.

Marc Balziger 7. Januar 2011 um 18:13 Uhr

Die Erklärung von Herrn Vollmer wirft mehr Fragen auf als sie beantwortet.

Warum ist es z.B. gerade in Russland so ungewöhnlich am selben Tag mit einem Regierungsvertreter und danach mit einem Oppositionspolitiker zu reden?! Und was hat eine Prepaid SIM-Karte und das „Kellerbüro, das nur über einen Moskauer Hinterhof und verwinkelte Treppen zugänglich ist“ damit zu tun?
Quellenschutz ist doch für jeden Journalisten selbstverständlich- dass man aus vertraulichen Hintergrundgesprächen nicht 1:1 zitiert, ist ebenfalls nicht nur in Russland der Fall, mit „Kulturunterschieden“ hat dies jedenfalls nichts zu tun.
Es bleibt auch unklar, warum Herr Vollmer hier hervorhebt, dass ein Regierungsmitglied mit ihm vertraulich gesprochen hat, auch dies ist Alltag für einen politischen Journalisten.
Es ist hingegen sehr befremdlich, wenn Herr Vollmer hier einerseits angibt „offiziell keine Audioaufnahmen“ durchführen zu dürfen- und dann aber darauf verweist, dass er mit seinem Smartpen „missverständliche Passagen“ nachgehört hat. Da muss man also davon ausgehen, dass er das von ihm geführte Gespräch heimlich mitgeschnitten hat…sieht so etwa „der Alltag eines sorgfältig arbeitenden Journalisten“ aus?!

Novo 8. Januar 2011 um 05:02 Uhr

Dass ein Journalist mehr als eine SIM Karte benutzt und seine Aufzeichnungen etc. in Truecrypt Container legt ist doch völlig normal und sollte bei weit mehr Leuten eigentlich Standart sein. Mit James Bond 2.0 hat das ja mal garnichts zu tun.

@Jürg:
Die Biometrische HDD bietet in der Tat relativ schwachen Schutz, zusätzlich Verschlüsseln ist Pflicht.

@All:
Geschäftsdaten zu verschlüsseln und ein extra Geschäftshandy zu besitzen ist definitiv Pflicht.
Wer seine Kundendaten auf einem 10€ USB Stick am Schlüsselbund mit sich trägt, macht definitiv was falsch.

UkraineLera 9. Januar 2012 um 18:22 Uhr

Ja ich denke auch, das jeder der in welcher Art und Weise auch immer, professionell arbeitet, früher oder später auf solch modernes Equipment zugreift. Ich persönlich hätte jedoch die Sorge, dass meine Daten in einer „Cloud“ nicht optimal geschützt werden können.

Sag mal Jürg, bist du nur noch bei maiak.info? Was ist aus deinem anderen Projekt geworden?

Lg

Joe Doe 12. Januar 2014 um 21:21 Uhr

Heimlich Gespräche aufnehmen – das geht gar nicht; ganz schlechter Stil.




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