Frohe Weihnachtstage

24. Dezember 2016 Kategorie: Privates, geschrieben von: caschy

Nun ist er also da, der Heilige Abend. Und damit steht das Jahr auch kurz vor dem Abschluss. 2016. Von vielen als Horror-Jahr bezeichnet. Ohne Frage ist eine Menge passiert, was uns zum Nachdenken brachte oder in uns einen Moment der Trauer auslöste. Viele große Namen sind von uns gegangen. Namen, die wir kannten – weil wir sie immer wieder mal hörten, vielleicht sogar eine Bindung hatten. Musiker, Schauspieler, Politiker  oder einfach „Menschen“. Und dann war da noch der feige Anschlag von Berlin, der wohl die meisten von uns schockierte, sprachlos machte. Ich möchte ehrlich sein: Ich kann viel von dem verstehen, was ich in den sozialen Netzwerken las.

Wobei „Verstehen“ wahrscheinlich das falsche Wort ist. Menschen müssen sich nicht nur in Trauer und Verzweiflung an etwas festhalten, sondern auch bei nicht verstehen und Hass. Da ist es an uns, mit diesen Menschen zu reden, zu zeigen, dass es wohl anders ist. Das funktioniert allerdings selten mit klugscheißerischer Tipperei von der Couch aus, mit Besserwisser-Kommentaren von oben herab bei Facebook. Ich kann mir kaum vorstellen, dass das jemanden zum Nachdenken bringt, ihn vielleicht sogar in eine „Jetzt erst recht“-Stellung bringt.

Nicht verstehen kann ich allerdings jene Menschen, die es sich nicht haben nehmen lassen, direkt nach dem Anschlag diesen, die Toten und Verletzten zu instrumentalisieren. Terror hat keine Religion, so sagt man. Terror will Menschen auseinander bringen, Hass schüren, Angst machen. Das passt nicht zu Religion.

Wobei ich auch ehrlich sagen muss, dass ich mit dem Gebilde „Religion und Götter“ nicht viel anfangen kann. Letzten Endes ist es für mich in Hinblick auf die Menschheitsgeschichte mit ihren vielen Göttern so, dass sich für viele Menschen in unserer Nähe der Standard „Christentum“ durchgesetzt hat. Wie VHS damals im Videobereich quasi.

Denke ich an das Christentum, dann muss ich an Werte denken. Werte, die aber auch in jeder anderen Religion vorkommen dürften. Werte, die man weitergeben sollte. Einfach mal Gutes tun, wenn man kann – und damit nicht hausieren gehen. „Wenn jeder an sich denkt, so ist an alle gedacht.“. Größter Blödsinn.

Da sehe ich in der eigenen Filterblase Menschen, die einfach was tun, irgendwo helfen – und die müssen sich dann auch noch für das erklären, gar rechtfertigen für das, was sie da tun. „Wie, du hilfst Flüchtlingen? Hilf lieber den Deutschen!“. „Wie, du hilfst Obdachlosen? Hier muss doch in Deutschland keiner auf der Straße leben!“. „Wie, du hilfst Tieren? Hilf Obdachlosen!“. Und so weiter. Ihr kennt das vielleicht auch und es bringt mich echt in Rage. Selber was machen, selber helfen – egal wo. Aber sich bitte nicht einmischen, wenn andere helfen. Wenn jeder mal nur nicht an sich denkt, dann hilft das viel.

Wir Menschen müssen uns oft sortieren, um Dinge begreifen zu können. Es in Schubladen stecken. Das machen wir auch mit der Zeit, dem Jahr 2016. Ja, es ist viel passiert. Aber ist dieses genannte Jahr nicht nur ein Teil dessen, was wir Leben nennen? Es wird in den vielen Jahren, die hinter uns liegen, sicherlich nicht das schlechteste Jahr gewesen sein. Und in zig Jahren erinnern wir uns vielleicht gar nicht mehr an die vielen Namen und Dinge, die geschehen sind – außer, sie betrafen uns schwer.

Aber vielleicht erinnern wir uns an das Gute in 2016. An die Kleinigkeiten. Dinge, die wir einfach besser gemacht haben. Dass Menschen sterben, dagegen werden wir nichts machen können. Das ist in den meisten Fällen der Lauf der Dinge. Aber wir können anderen ein Lächeln ins Gesicht zaubern. Ihnen etwas Gutes tun, vielleicht mit kleinen Dingen, oft reicht eine kleine Geste, selbst ein Lächeln. Und man munkelt, dass es dafür nicht mal eine Religion braucht. Oder einen deutschen Ausweis.

„2016 ist das schlimmste Jahr überhaupt“. Nein, ist es nicht. Es ist schlimm, wenn man das Schicksal der Welt zu seinem eigenen macht und in dem Jahr vielleicht nichts gerissen hat, an das es zu denken lohnt. Trotz schlimmer Dinge und der Tatsache, dass ich mit Religion nur wenig anfangen kann: Ich glaube – und das riss ich eben ja bereits an – dass jede kleine Tat und Geste hilft. Weil so eine kleine Tat etwas auslöst. Nicht nur bei dem der gibt, sondern auch bei dem, der bekommt. Sollte man Vorsätze für das neue Jahr brauchen, so wäre es vielleicht ein guter, dass man auf Menschen zugeht. Dass man zuhört. Versucht, den Standpunkt eines anderen Menschen zu verstehen. Auch wenn er mit dem eigenen nicht übereinstimmt.

Und damit will ich auch hier meine Gedanken zu den Feiertagen beenden. Auf mich persönlich wartet heute ein kleiner Mensch, der mittlerweile fast drei Jahre alt ist. Ich habe nie wirklich etwas großartig mit Weihnachten anfangen können, doch der kleine Max sorgt generell dafür, dass ich gewisse Dinge, die Welt, das Leben, mit anderen Augen sehe. Dass Ganze garniere ich dann mit meiner Familie und bin damit ziemlich glücklich.

Wie auch immer ihr diese Tage verbringt –  ob ihr bei der Familie seid, auf der Couch liegt, trinkt, feiert oder einfach nur TV schaut – ich wünsche euch von Herzen alles Gute. Das natürlich auch im Namen des ganzen Teams, die hier in den Tagen des Jahres immer täglich für Geschriebenes gesorgt haben. Wir lesen uns.


Anzeige: Der neue Karriereservice von Caschys Blog in Kooperation mit Instaffo. Lass dich von Unternehmen finden. Jetzt kostenfrei anmelden!

Über den Autor: caschy

Hallo, ich bin Carsten! Baujahr 1977, Dortmunder im Norden, BVB-Getaufter und Gründer dieses Blogs. Auch zu finden bei Twitter, Google+, Facebook, XING, Linkedin, Instagram und YouTube. Persönliches Blog. PayPal-Kaffeespende. Mail: carsten@caschys.blog

Carsten hat bereits 24356 Artikel geschrieben.