Firefly Cube: Smarter Dekowürfel für Kaffeeliebhaber

6. August 2017 Kategorie: Hardware, Software & Co, geschrieben von: André Westphal

Man kann die Vor- und Nachteile von Kaffeekapseln ellenlang debattieren: So streitet man sich um die Umweltverträglichkeit der Aluminium- und Plastikkapseln, welche daheim für Cappuccino, Espresso und Latte Macchiato sorgen. Der deutsche Hersteller FireflyBase hatte nun die Idee die Aufbewahrung der Kapseln etwas smarter zu gestalten: Via Crowdfunding möchte man den Firefly Cube finanzieren, der mit dekorativem Äußeren euren Kapselbestand verwalten kann.

Dazu muss ich sagen: Die Smart-Home-Fans hier im Blog sind Benni, Caschy und Sascha. Ich selbst bin da ziemlich oldschool, denn bei den meisten Smart-Home-Gerätschaften beschleicht mich allzu schnell das Gefühl, dass das Hantieren damit mein Leben eher verkompliziert als vereinfacht. Nun mag das aber auch daran liegen, dass ich in einer Mietwohnung lebe, wo man nicht allzu schnell den Überblick verliert. Trotzdem haben sich bei mir natürlich allerlei andere Technikprodukte angesammelt – von der Nvidia Shield Android TV über die PlayStation 4 Pro bis hin zu einer Nespresso-Machine.

Das letztere mal am Rande Gegenstand eines Blog-Beitrags werden würde, hätte ich wiederum weniger vermutet. Bevor ihr mich übrigens als Umwelt-Lümmel brandmarken wollt: Ich trinke auch stinknormalen Filterkaffee, den ich sogar meistens beim Kleinröster kaufe. Manchmal nehme ich aber auch Kaffee im Angebot bei Amazon oder im Supermarkt um die Ecke mit – mal ganze Bohnen, mal gemahlen. Auch was Kaffeekapseln betrifft, quillt bei mir der Schrank beinahe über, so dass ich für den Firefly Cube, trotz Deko-Nachlässigkeiten in meiner Bude, vermutlich kein so schlechter Tester bin.

Doch was macht das Ding denn nun genau? Auf den ersten Blick zunächst nicht so viel: Man zimmert die Basis an die Steckdose und dann erstrahlt der Cube mit einer dekorativen Beleuchtung. Oben könnt ihr den abnehmbaren Würfel aus Plexiglas aufklappen, Kapseln reinfüllen, schließen und fertig. Doch es steckt natürlich etwas mehr dahinter, als dass man mit der Hilfe des beleuchteten Würfels in der Morgendämmerung leichter seine Kaffeekapseln grabschen kann.

Für die weitere Einrichtung benötigt man nun die Firefly-App, welche ich fürs Antesten direkt vom Hersteller in einer Beta-Version erhalten habe. So kann der Firefly Cube ein eigenes Wi-Fi-Netzwerk erstellen, mit dem man dann wiederum sein Smartphone oder Tablet verbindet.  Nun möchte der Würfel ja gerne bei euch ins Netz: App starten, Würfel mit dem Router verbinden, Passwort eingeben und er ist drin. Ihr dürft dem Würfel in der App dann auch einen eigenen Namen verpassen – z. B. „Meine Kaffeebar“.

Hätte man auch über Bluetooth lösen können? Stimmt, war auch mein erster Gedanken. Allerdings hat diese Methode den Vorteil, dass man auch von unterwegs aus sehen kann, was sich im Würfel so tummelt. Doch dazu gleich mehr. Bevor die Verbindung komplett ist, muss allerdings noch ein letzter Schritt vollzogen werden: An der Unterseite des Firefly Cube sitzt ein QR-Code, welchen man über die App scannt. Anschließend ist die Vernetzung dann komplett.

Da durch Wi-Fi statt Bluetooth nun keine Grenzen gesetzt werden, kann man auch unterwegs sehen, wie viele Kaffeekapseln im Firefly Cube liegen. Kann natürlich hilfreich sein, wenn man Nachschub einkauft, vielleicht mehrere von den Cubes besitzt und nicht mehr weiß, welche Kapselsorte man noch wie oft auf Lager hat. Apropos Lager: Neben der Füllmenge im Würfel selbst, ist es auch möglich Kapseln als Lagerbestand zu vermerken, die anderweitig zuhause aufbewahrt werden. Beispiel: Der Würfel ist proppenvoll mit Lavazza Lungo Avvolgente, ihr habt aber trotzdem noch drei Packungen mit insgesamt 30 Kapseln anderweitig rumstehen – das gebt ihr dann eben als Reserve an.

Wozu? Weil der Firefly Cube euch an Nachbestellungen per Push-Nachricht erinnern kann, wenn euch die Kapseln ausgehen. Ergibt aber natürlich nur dann Sinn, wenn ihr nicht im Schrank eh noch 1.000 Kapseln stehen habt. Übrigens verrechnet der Cube automatisch: Ist im Würfel wieder Platz und ihr füllt meinetwegen aus der Reserve 15 Kapseln nach, dann zieht der Firefly Cube diese 15 Kapseln vom externen Lager ab. Da müsst ihr also manuell nur etwas eintragen, wenn ihr nachgekauft habt. Passenderweise könnt ihr euch in der App auch gleich eine Einkaufsliste anlegen. Ihr könnt sogar in einer Grafik den Verlauf eures Kapselverbrauchs betrachten.

Wie unterscheidet der Würfel aber nun die verschiedenen Kapselsorten? Schließlich gibt es für Nespresso-Maschinen nicht nur eine ganze Bandbreite an Originalkapseln, sondern auch etliche Produkte von Drittanbietern von Dallmayr über Mövenpick bis hin zu Discounter-Eigenmarken wie von Aldi und Lidl. Ab Werk sind schon etliche Anbieter und Kapselsorten vorangelegt – insgesamt 10 Anbieter – auch andere Systeme als Nespresso wie Tassimo, Nescafé Dolce Gusto und Cafissimo. Jene erkennt der Firefly Cube dann korrekt.

Falls ihr eine Sorte nutzt, die bei den vorgespeicherten fehlt, könnt ihr sie als Artikel selbst anlegen. So verfuhr ich mit meiner Stammsorte Lavazza Lungo Avvolgente – auch eigene Bilder kann man hinzufügen. Beim ersten Mal müsst ihr dann die Anzahl an Kapseln manuell angeben, damit die Waage sich darauf einstellen kann. Anschließend wird eure neu angelegte Sorte genau so behandelt wie die vorgespeicherten.

Kapseln mischen dürft ihr aber nicht: Dann erkennt der Firefly Cube die Stückzahl nämlich aufgrund des jeweils unterschiedlichen Gewichts nicht korrekt. Sprich: Ihr könnt nicht in einem einzelnen Firefly Cube den bereits erwähnten Lavazza Lungo Avvolgente mit Nespresso Lungo Envivo vermischen. Dann bräuchtet ihr zur Verwaltung also zwei separate Firefly Cubes. Das könnte wiederum ins Geld gehen: Laut Hersteller soll es bei Kickstarter zum Start der Kampagne für Early Birds einen Preis von 49 Euro pro Würfel geben. Danach werden 59 Euro anfallen. Dafür könnte man schon eine Menge Kaffeekapseln und unsmarte Aufbewahrungsbehälter kaufen – etwa Glasbehältnisse.

Was fiel mir beim Ausprobieren auf? Anfangs zählte der Firefly Cube bei mir verkehrt: Etwa war der Würfel ratzekahl leer, angeblich sollte sich aber eine einsame Kapsel im Inneren befinden. Da traute ich lieber meinen Augen als der App und tarierte die integrierte Waage neu. Das geschieht, indem man neben dem Stecker einen kleinen Schalter mit einer Nadel hereindrückt. Zunächst rechnete der Cube immer noch zu viele Kapseln ein, eine zweite Austarierung behob das Problem aber restlos.

Ich habe dann natürlich ziemlich eifrig bzw. wie ein Neurotiker Kapseln hin- und hergeschaufelt, verschiedene Sorten eingelegt, um nach dem ersten Fehler zu checken, ob nun wirklich immer die korrekte Kapselanzahl erfasst wird. Und siehe da: Die Anzahl stimmte stets. Dabei entschied ich mich aus Spaß mal für eine Beleuchtung in Knallrosa. Falls euch das Gefunzel nervt, könnt ihr die Beleuchtung aber auch ausschalten. Am Strom muss der Cube natürlich trotzdem hängen, da sonst die Wi-Fi-Verbindung flöten geht. Und dann hätte es sich damit, über die App den Kapselstand zu kontrollieren.

Das ist dann eben auch ein Nachteil bei der Aufstellung: Es muss immer eine Steckdose in der Nähe sein und das Kabel des beiliegenden Netzteiles ist mit einem Meter auch nicht übermäßig lang. Da aber ein Standard-Micro-USB-Port an der Basis sitzt, kann man sich natürlich selbst behelfen und andere Netzteile / Kabel verwenden. Zweiter Kritikpunkt meinerseits: Die matte Plastikbasis geht von Optik und Verarbeitung in Ordnung, der Würfel aus Plexiglas zerkratzt aber leicht. Sehr ihr auch auf meinen Fotos, obwohl ich sehr vorsichtig herumgewienert habe. Man kann den Plexiglaswürfel aber laut FireflyBase auch durch ein anderes Behältnis ersetzen – muss einfach neu tarieren. Zu schwer darf der Ersatz jedoch nicht sein, denn die maximale Belastung der Base beträgt 500 Gramm.

Insgesamt empfinde ich den Firefly Cube als coole Idee: Die App sieht zwar schnörkellos aus, funktioniert aber bereits in der Beta fehlerfrei und der Würfel ist ein dezenter Dekoartikel, den man sicher gut in seine eigene Kaffeebar einbinden kann. Dass man die Beleuchtung selbst konfigurieren oder komplett abschalten kann, ist super. Günstig ist der Firefly Cube aber auch wieder nicht, da muss man als Käufer jedenfalls wirklich viel Gebrauch von den smarten Funktionen machen, um von der Investition etwas zu haben. Und eigentlich wäre es optimal für Kaffee-Vieltrinker gleich mehrer Cubes über die App zu verwalten und so einen Überblick über sein Kapsel-Sammelsurium zu behalten. Das ist über die App problemlos möglich, geht dann direkt ins Geld bei den Preisen der Cubes.

Die Auslieferung der ersten Firefly Cube soll übrigens noch vor Weihnachten 2017 geschehen, wenn bei Kickstarter alles glattgeht. Starten soll die offizielle Kampagne im September 2017. Was haltet ihr denn von dem Konzept?


Über den Autor: André Westphal

Hauptberuflich hilfsbereiter Technik-, Games- und Serien-Geek. Nebenbei Doc in Medienpädagogik und Möchtegern-Schriftsteller. Hofft heimlich eines Tages als Ghostbuster sein Geld zu verdienen oder zumindest das erste Proton Pack der Welt zu testen. Mit geheimniskrämerischem Konto auch bei Facebook zu finden. PayPal-Kaffeespende an den Autor.

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