Facebook und die Gesichtserkennung: Verfahren in Deutschland wieder aufgenommen

17. August 2012 Kategorie: Social Network, geschrieben von:

Es ist wie so oft bei Facebook: Eine neue Funktion wird eingebaut und würde sogar den Beifall von vielen finden – wenn, ja wenn die Vorgehensweise des blauen Riesen eine andere wäre. Statt ein neues Feature vorzustellen und uns zu überlassen, ob wir es nutzen möchten oder nicht, wird es erst einmal pauschal aktiviert.

Wenn es dabei um so ein sensibles Thema wie die Gesichtserkennung geht, regt sich der Widerstand dann auch natürlich nicht nur in weitgehend sinnlosen Facebook-Gruppen, sondern auch unter Datenschützern wie Johannes Caspar. Er ist der Beauftragte für Datenschutz und Informationsfreiheit in Hamburg und hat in dieser Funktion hinnehmen müssen, dass das Verfahren gegen Facebook in dieser Sache auf Eis gelegt wurde.

Worum geht es überhaupt? Ihr könnt ja euch selbst oder auch andere Personen auf Bildern taggen und exakt diese biometrischen Daten fließen dann in eine Datenbank ein, die den Datenschützern einiges Kopfzerbrechen bereitet. Werden dann weitere Bilder hochgeladen, gleicht Facebook diese Daten mit der Datenbank ab und kann euch gegebenenfalls gleich die richtigen Personen zu den erkannten Gesichtern vorschlagen.

Ist eine feine Technik und mir persönlich macht es auch nichts aus, wenn ich auf Fotos automatisch erkannt werde. Hier geht es aber nun mal nicht um mich, sondern um eine Nutzerzahl, die sich stramm auf die Milliardengrenze zubewegt und unter dieser immensen Zahl Usern werden sich auch vielfach Personen befinden, die durchaus ein berechtigtes Interesse daran haben, dass ihr Gesicht eben nicht automatisch erkannt wird.

Facebook hat nun zugestanden, dass vorerst auf die Erhebung dieser biometrischen Daten verzichtet wird. Das ist dann allerdings auch alles, was man zusagt, was jede weitere Verpflichtung demnach ausschließt. Bedeutet, dass die bislang erhobenen Daten in der Datenbank weiter existent sind und auch bleiben sollen, wenn es nach Facebook geht. Also wird das Verfahren nun wieder aufgenommen, weil diese Daten ohne Zustimmung der Nutzer in der Datenbank gelandet ist. Caspar dazu:

Die bereits erhobenen Daten der Betroffenen sind zu löschen oder es ist zumindest sicherzustellen, dass die Betroffenen einer weiteren Speicherung und Verwendung ihrer Gesichtsdaten nachträglich ausdrücklich zustimmen können

Wie gesagt: ich schätze diese Technologie, denke aber auch (wie meistens), dass uns Facebook diese Möglichkeit schlicht optional anbieten sollte und von Haus aus deaktiviert – da sollte Mark Zuckerberg auch kein Zacken aus der Krone brechen. Ich bin kein Schisser, was die Erhebung meiner persönlichen Daten angeht, weil ich von Haus aus sehr frei damit umgehe, aber eine Datenbank mit den biometrischen Daten von Millionen Menschen, die dem allesamt nicht zugestimmt haben – da wird einem schon ein wenig mulmig. Seht ihr das ähnlich oder seid ihr da schmerzfreier als ich?

Quelle: Netzwelt


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