Facebook Demetricator: Befreit aus der Sklaverei der Zahlen

18. November 2015 Kategorie: Internet, Social Network, geschrieben von: André Westphal

artikel_facebookDas soziale Netzwerk Facebook ist nicht nur eine schöne Kommunikationsplattform, um mit alten und neuen Freunden sowie der Familie in Kontakt zu bleiben, Urlaubsfotos auszutauschen oder in Gruppen über Themen zu quatschen, sondern auch prädestiniert für den virtuellen Schwanzvergleich. Facebook bombardiert die Nutzer mit so vielen Zahlen und Vergleichsmöglichkeiten, das einem geradezu der Kopf schwirrt: Wenn Anton Protzerich 1023 Freunde hat und 21 Likes für seinen neuesten Post verbucht, es bei Karina Angebaria aber nur 1021 und 19 Likes sind, beginnt der digitale Wetteifer. An dieser Stelle setzt der Facebook Demetricator an: Er entfernt sämtliche Nummern und Statistiken aus dem sozialen Netzwerk.

Seien wir ehrlich: Die Tendenz Zahlen fortwährend Bedeutungen zuzuschreiben haben wir alle. Und wir alle irren dabei oft. Wenn jemand beispielsweise bei Facebook 2000 „Freunde“ hat, bedeutet das etwa nicht zwangsweise, dass derjenige ein umgänglicher und sozialer, ja nicht einmal ein besonders beliebter Mensch ist. Umgekehrt ist jemand mit zehn Freunden nicht automatisch ein Einsiedler. Auch ich erwische mich zudem immer wieder dabei, wie ich mich wundere, wenn die Mitternachts-Snacks-Postings mit Teenie-Einschlag einer Bekannten von mir stets Likes im zweistelligen Bereich erhaschen. Dagegen gehen vielseitige, politische Beiträge anderer Freunde sofort unter. Inhaltliche Qualität drückt die Anzahl der Likes also sicherlich nicht aus. Spiegelt die Quantität der Likes aber anderweitige Relevanz wider?

Darüber kann man lange sinnieren. Benjamin Grosser ist zu dem Ergebnis gekommen, dass man Facebook auch mal ausprobieren kann, ohne die Anzahl der Freunde aufzuwiegen, ohne gierig auf Likes zu schielen und ohne für sich auszuwerten, wie oft ein Beitrag geteilt wurde. Statt auf jene Nummern zu blicken, sollte man vielleicht die inhaltliche Qualität und Relevanz für sich sprechen lassen. So entfernt Grossers Facebook Demetricator alle Zahlenangaben aus Facebook. Das Ergebnis sieht beispielsweise so aus:

amazon-ad-100Es handelt sich bei dem Facebook Demetricator um ein Browser-Addon, das es aktuell für Google Chrome, Mozilla Firefox und Apple Safari auf dieser Website kostenlos zum Download gibt. Gross erklärt, sein Ziel sei es, die reine Quantifizierung, das Pressen von Menschen und Bewertungen in Zahlen, zumindest kurzfristig im sozialen Netzwerk zu unterbrechen. Daher lädt er alle User ein den Facebook Demetricator zumindest einmal auszutesten. Schon kurz nach dem Test könne man feststellen, wie sehr sich die Erfahrungen im sozialen Netzwerk mit und ohne Zahlen voneinander unterscheiden.

Ich kann das aus eigener Erfahrung bestätigen. Auch ich kenne es aus der Vergangenheit, als ich viel bei Facebook gepostet habe: Manchmal schielte auch ich eben doch mehr auf die Anzahl der „Gefällt mir“ für einen neuen Beitrag von mir, als auf sinnvolle Kommentare oder Antworten. Dabei kann eine aufmerksame Äußerung eines Freundes unendlich viel mehr wert sein, als 100 Likes. Daran möchte Gross erinnern und die Idee finde ich klasse.

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Zumal man sich selbst kritisch hinterfragen sollte: Hätte man wirklich dem neuen Foto einer Bekannten ein Like gegeben, wenn es nicht schon alle zwanzig anderen aus der Clique zuvor getan hätten? Hätte man wirklich einen bestimmten Artikel eher gelesen als einen anderen, wenn man eben nicht gesehen hätte, dass der eine 1000 und der andere nur 100 Likes hat? Gerade um das herauszufinden, könnte man den Facebook Demetricator einmal ausprobieren.

Der Source Code des Add-Ons steht übrigens völlig offen bei Github zur Verfügung. Grosser freut sich dabei auf persönliche Rückmeldungen von denjenigen, die seinen Facebook Demetricator einmal ausprobiert haben. Hinweis: Übrigens bleiben Zahlen in User-Beiträgen natürlich erhalten. Auch Daten von Veranstaltungen werden natürlich nicht entfernt. Das Browser-Addon entfernt also nur die vielen Quantifizierungs-Angaben.

Vielen Dank für den Hinweis an Sven Wiesner!


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Über den Autor: André Westphal

Hauptberuflich hilfsbereiter Technik-, Games- und Serien-Geek. Nebenbei Doc in Medienpädagogik und Möchtegern-Schriftsteller. Hofft heimlich eines Tages als Ghostbuster sein Geld zu verdienen oder zumindest das erste Proton Pack der Welt zu testen. Mit geheimniskrämerischem Konto auch bei Facebook zu finden. PayPal-Kaffeespende an den Autor.

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