Europäisches Parlament will geplante Obsoleszenz bekämpfen

6. Juli 2017 Kategorie: Hardware, geschrieben von: André Westphal

Geplante Obsoleszenz ist immer wieder ein gern diskutiertes Thema – auch bei uns in den Kommentaren. Gestern hat sich nun auch das Europäische Parlament über die geplante Obsoleszenz in einer Plenartagung unterhalten. Wenig überraschend wünscht man sich, dass Hardware leichter zu reparieren sein soll und die Software wiederum für Kunden einfacher aktualisierbar sein müsste. Reparaturdiensten und Werkstätten sollen zudem nach Wunsch des Parlaments Ersatzteile leichter zugänglich gemacht werden.

Wünschen kann man sich allerdings viel und die Pressemitteilung des Europäischen Parlaments enthält dann auch aktuell nicht mehr als Wünsche: „Die EU-Kommission, die Mitgliedstaaten und die Hersteller sollten Maßnahmen ergreifen, um Verbraucherprodukte langlebig, hochwertig, reparierfähig und nachrüstbar zu machen„, heißt es. Außerdem wolle das Parlament längere Produktlebensdauern fördern und geplanter Obsoleszenz entgegenwirken. Wie das genau geschehen könnte, lässt man jedoch noch relativ offen.

Ziemlich vage wird der Wunsch laut „Mindestkriterien für die Beständigkeit, die für jede Produktkategorie von der Phase der Produktgestaltung an eingeführt werden sollen„, ins Leben zu rufen. Außerdem sollten die Mitgliedsstaaten laut dem Europäischen Parlament Anreize für die Hersteller schaffen, um Produkte sowohl langlebiger als auch besser reparierbar zu gestalten. Auch Reparaturen und Verkäufe aus zweiter Hand würde man gerne gefördert sehen.

Komponenten wie Akkus oder LEDs sollten laut dem Europäischen Parlament im Idealfall austauschbar sein. Ersatzteile sollten die Hersteller, das Thema ist nicht neu, auch Werkstätten von Drittanbietern zu erschwinglichen Preisen zu Verfügung stellen. Das Europäische Parlament fordert zudem die Einführung einer EU-weiten Definition von „geplanter Obsoleszenz“ und einem System, um Produkte im Hinblick auf jene zu testen. Auch „abschreckende Maßnahmen“ sind im Gespräch sowie EU-Gütezeichen für Produkte, welche die potentiellen Kriterien für die Langlebigkeit erfüllen.

Das Parlament fordert die Kommission entsprechend auf, die Einführung eines „freiwilligen europäischen Gütezeichens“ in Erwägung zu ziehen. Wir alle wissen aber, dass da besonders Smartphone-Hersteller größtenteils ächzen dürften. Schließlich sind etwa austauschbare Akkus heute eher die Ausnahme und die Anbieter würden es am liebsten sehen, wenn die Kunden jährlich ein Upgrade ihres Geräts machen. Wie es mit der Auslieferung von Android-Updates aussieht, wissen wir ja ebenfalls alle.

Dabei beruft sich das Europäische Parlament auch auf eine Eurobarometer-Erhebung von 2014: Jene besagt, dass 77% der Verbraucher in der EU ihre Produkte lieber reparieren lassen würden,  als neue zu kaufen. In der Regel sind die Reparaturkosten aber so unverhältnismäßig hoch, dass sich das nicht lohnt und stattdessen zu einem neuen Produkt gegriffen wird.


Über den Autor: André Westphal

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