Eternify nutzt Spotify API zur Unterstützung armer Künstler

25. Juni 2015 Kategorie: Internet, Streaming, geschrieben von: Sascha Ostermaier

Musikstreaming, die nicht mehr ganz so neue, aber auch noch nicht allzu verbreitete Art des Musikkonsums, wird nicht erst seit der Ankündigung von Apple Music heißt diskutiert, wenn es um die faire Bezahlung der Künstler geht. Gerade kleine Künstler fühlen sich benachteiligt, da sie nicht ausreichend entlohnt werden. Logisch, der Kunde zahlt im besten Fall 10 Euro pro Monat, da bleibt pro Stream nicht viel übrig, da ist es egal, ob der Anbieter Spotify, Deezer, Google oder sonstwie heißt.

Eternify

Folglich erhalten weniger populäre Künstler auch weniger Geld, ist ja bei CD-Verkäufen nicht anders. Eine Band, die ebenfalls behauptet, dass Streaming für Künstler nichts wert sei, hat zusammen mit ihrem neuen Album auch eine Web-App hervorgebracht, mit der man Künstler unterstützen kann – oder Spotify in den Ruin treibt. Die Web-App „Eternify“ lässt einen beliebigen Künstler auswählen, von diesem werden dann 30 Sekunden eines Titels abgespielt, in Dauerschleife.

Alle 30 Sekunden – so lange muss gehört werden, um bei Spotify als gestreamter Titel entlohnt zu werden – wandern dann ca. 0,05 Cent auf das Konto des Künstlers. Möglich ist diese Vorgehensweise über eine Spotify-Schnittstelle, ob der Dienst allerdings mit den Spotify Nutzungsbedingungen für die Nutzung der API vereinbar ist, will Spotify laut BBC prüfen.

Auf der Webseite, die ich bewusst nicht verlinke (Google ist da Euer Freund), wird während des Abspielens auch der geschätzte Betrag gezeigt, den man dem Künstler via Spotify zukommen lässt. In meinem Fall haben Robin Schulz & Alligatoah nun also 14 Cent verdient. 14 Cent, die Spotify bezahlen muss, egal, ob ich den Dienst nutze oder nicht, egal ob ich Premium-Nutzer bin oder das erste Mal von Spotify gehört habe. Spotify verdient an mir in diesem Moment gar nichts, weder durch Werbung, noch durch ein Premium-Abo.

Mag sein, dass mit Eternify dem ein oder anderen Künstler geholfen werden kann. Wird so ein Tool aber im großen Stil genutzt, muss Spotify im Zweifelsfall Geld an den Künstler zahlen, das nie verdient wird. Viel schlimmer noch, Spotify muss für das Abspielen von Songs bezahlen, die der Nutzer vielleicht nicht einmal hört. Das geht dann so lange gut, bis ein Streamingdienst dann pleite ist. Ich glaube zwar nicht, dass dies durch Eternify passieren wird, theoretisch möglich ist es aber.

Vielleicht sollten sich die kleinen Künstler, die sich durch Streaming benachteiligt fühlen, auch einfach einmal überlegen, ob ihre Musik nicht mehr wert ist (im kommerziellen Sinn). Auf so eine Weise einen Streaming-Anbieter auszunutzen ist jedenfalls ein ziemlich arschiger Zug und sorgt garantiert nicht dafür, dass sich etwas bessert. Es ist ja nicht so, dass dadurch die großen Künstler weniger bekommen, oder die vorhandenen Mittel anders aufgeteilt werden.

Wer einen „Nischenmusiker“ mag, kann ihn auch auf andere Weise unterstützen, zum Beispiel durch Kauf von Konzerttickets oder Merchandise. Oder man kauft eben ganz oldschool eine CD, auch das ist heute noch möglich. Den Streamingdiensten allerdings die Schuld zu geben, dass man von ihnen nicht leben kann, ist ein äußerst bescheuerter Ansatz. Letztendlich hat sich ein Künstler oder sein Label ja dafür entschieden, seine Werke auch auf dieser Plattform anzubieten.


Über den Autor: Sascha Ostermaier

Technik-Freund und App-Fan. In den späten 70ern des letzten Jahrtausends geboren und somit viele technische Fortschritte live miterlebt. Vater der weltbesten Tochter (wie wohl jeder Vater) und Immer-Noch-Nicht-Ehemann der besten Frau der Welt. Außerdem zu finden bei Twitter (privater Account mit nicht immer sinnbehafteten Inhalten) und Instagram. PayPal-Kaffeespende an den Autor.

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