Eric Schmidt: Implementierung von künstlicher Intelligenz im wahren Leben

20. September 2015 Kategorie: Google, Internet, geschrieben von:

BBC_AIDie künstliche Intelligenz ist ein Thema, welches seit Jahren in aller Munde ist, zumindest in der Öffentlichkeit aktuell aber nicht wirklich Fortschritte zu machen scheint. Wo sie anfängt (digitaler Sprachassistent?) und wo sie – in Hollywood – aufhören kann (Skynet), lässt viel Interpretationsspielraum. Doch wie sieht das Szenario aktuell aus, welche Fortschritte gibt es heutzutage und wie sieht die Einbindung der künstlichen Intelligenz in unserem heutigen Leben aus? Ein Artikel von Ex-Google, jetzt Alphabet-Chairman Eric Schmidt in der englischen BBC, gibt einen groben Ausblick auf eine Technologie, die uns vielleicht eher erreicht als wir zu glauben scheinen.

Im Rahmen der englischen BBC-Serie „Intelligent Machines – a BBC News series looking at AI and robotics“ hat sich Eric Schmidt relativ ausgiebig zu dem Thema „Artificial Intelligence“ geäußert und aus seiner Sicht verdeutlicht, wie er die Entwicklungsmöglichkeiten im Rahmen der aktuellen Renaissance sieht und was das für uns alle in der nahen Zukunft bedeutet. Stammt der Begriff AI eigentlich aus den 1950er Jahren, so scheint er laut Schmidt erst jetzt in den Bereich zu wechseln, wo ein Fortschritt erkennbar sei.

Gab es erste Ansätze für Spracherkennung bereits um 1980 herum, so war man – bedingt durch beschränkte technische Möglichkeiten – erst um 2009 soweit, das Ganze als „State of the Art“ zu bezeichnen. Resultat: Forscher Geoff Hinton und sein Team wurden, nachdem Google diese Methode adaptiert habe, direkt angestellt und sorgten am Ende dafür, dass Fehler in der Spracherkennung von Google um 25% gesenkt wurden. Aktuell sei, so Eric Schmidt, der Trend aber von „das könnte funktionieren“ hin zu „das funktioniert besser, als alles andere, was wir bisher gemacht haben“ gewechselt und sieht dies eindeutig als ein Signal von Aufbruchsstimmung.

Die Technik hat sich verbessert, aber neue Fragestellungen des richtigen Lebens sind hinzugekommen: Wie schafft man es, einer Spracherkennung 58 erkennbare Sprachen einzuschärfen? Wie kann eine Software erkennen, dass der Hund auf dem Foto ein Golden Retriever ist?

Aktuell sind zumindest diese Fragestellungen durch die Google App bzw. Photos schon sehr gut gelöst, doch neue Fragen kämen auf: Wo wir uns früher darüber Gedanken gemacht haben, ein Programm durch einen simplen Irrgarten navigieren zu lassen, gibt es in der heutigen Welt wichtigere Fragen und Ansätze. Diese legten zeitgleich eine höhere Messlatte an und den früheren Projekten würde nach heutigen Maßstäben eher eine Art von Spielzeugcharakter verliehen werden, meint Eric Schmidt.

BBC_AI

Auch der Bereich der Musik sei ein Beispiel für den Fortschritt und die Präsenz der künstlichen Intelligenz in unserem heutigen Leben: Wurde vor zehn Jahren beim Start eines Musikdienstes die Auswahl der beliebten Tracks noch manuell vollzogen, so sehen wir es heute als völlig selbstverständlich an, Empfehlungen auf Basis unserer Musikkäufe zu bekommen. Auch die Erkennung von einzelnen Songs, die man hört und via App erkennen lassen kann, ist eine Spur von künstlicher Intelligenz, die vor einigen Jahren noch nicht möglich war. Denkt man da in einer ruhigen Minute einmal drüber nach, merkt man, dass Eric Schmidt uns eigentlich Sachen vor Augen führt, die wir heute nicht anders kennen – im Ansatz sind aber auch diese Teile von AI.

Schmidt schließt seine Ausführungen, indem er noch einen Brückenschlag in das „moderne“ Leben wagt und noch einmal den Anspruch betont, den man heutzutage im Hinblick auf Probleme der modernen Welt habe: Wie plant man eine Reise auf dem sprichwörtlichen „letzten Drücker“, wenn man noch ein begrenztes Budget und zwei Kinder habe und das Ganze noch irgendwie und irgendwo zwischenschieben muss? Wie schafft man es, das tägliche Mailleben zu „entrauschen“, indem man Mails bereits vorher kategorisiert und dem User weniger Spam und mehr Ordnung im Postfach anbietet? OK, Google – das habt Ihr bereits geschafft!

Der Punkt ist aber klar: Die Technik ist weiter, die Innovationssprünge rascher – und unsere Anforderungen an die künstliche Intelligenz nehmen zu, unter anderem durch die Teile der AI, die wir bereits heute als alltäglichen Standard gar nicht mehr missen wollen. Nicht die Technik steht primär im Vordergrund, sondern die Bedürfnisse der Menschen und die der realen Welt, in der wir alle leben. Die Technik ist nur das Werkzeug und so hoffen wir einmal, dass sich – wie in den Terminator-Filmen – diese Technik nicht einmal gegen uns wendet. Platz für Innovation ist noch genug, von daher dürfen wir an dieser Stelle einmal gespannt sein, was nicht nur Eric Schmidt samt Konsorten von Alphabet/Google, sondern auch der Rest von Silicon Valley & Co. uns in den nächsten Jahren präsentiert.

via BBC


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Über den Autor:

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