E-Books an Schulen: knapp die Hälfte der Lehrer würden sie im Unterricht verwenden

5. Februar 2016 Kategorie: Internet, geschrieben von: Sascha Ostermaier

artikel_ebookDie Digitalisierung des Bildungsbereiches, in Deutschland nach wie vor ein Trauerspiel. Erlebe ich selbst tagtäglich an der rückständigen Schule meiner Tochter. Allerdings lässt es sich auch leicht über den Zustand motzen, denn was zu so einer Digitalisierung alles dazu gehört, lässt man gerne – auch ich – außer Acht. Der Branchenverband Bitkom hat nun eine Umfrage in Auftrag gegeben, die sich mit E-Books im Unterricht beschäftigt. Die Ergebnisse sind meiner Meinung nach sehr durchwachsen. Denn zwar können sich vier von zehn Lehrern vorstellen, elektronische Bücher im Unterricht einzusetzen, allerdings bevorzugt jeder siebte Lehrer „die sinnliche Wahrnehmung von Papier“.

Für Schüler klingt es ähnlich verlockend wie für die Eltern. Einen E-Book-Reader in den Schulranzen und schon ist man kiloweise Totholz los. Seit Jahren wird davor gewarnt, dass gerade die jüngsten Schüler viel zu schwere Schultaschen herumtragen müssen. Die leichteste Lösung wäre ein E-Book-Reader oder ein Tablet. Das würde nicht nur jede Menge Gewicht einsparen, sondern auch dafür sorgen, dass immer das passende Lehrmaterial mitgebracht wird.

Das ist aber alles gar nicht so einfach. Es müssten Geräte angeschafft werden, was erst einmal mit einem enormen finanziellen Aufwand für die Schulen verbunden ist. Und es müssten Inhalte her. So lange die Systeme in Schulen nicht eingesetzt werden, gibt es entsprechende Materialien auch nicht als E-Book, wobei dies sicher noch die geringste Hürde darstellt.

Lehrer sind E-Book-Readern generell nicht unbedingt abgeneigt, wie die von Bitkom Research durchgeführte Umfrage ergeben hat. Immerhin 43 Prozent der Befragten würden gerne E-Book als Lehrmaterial verwenden. Sie können dies auch begründen, besonders vorteilhaft sehen sie die Möglichkeit für Anmerkungen und Notizen sowie die Übersetzung fremdsprachlicher Wörter. Auch die Update-Möglichkeit der Inhalte wird von den meisten begrüßt, ebenso wie der einfache Bezug der Inhalte.

Während die Vorteile nur von den befragten Lehrern genannt wurden, die E-Books gegenüber positiv eingestellt sind, wurde die Frage nach Hemmnissen am Einsatz von allen Lehrern beantwortet. 73 Prozent dieser sind der Ansicht, dass die Lesegeräte leichter zu zerstören sind als gedruckte Bücher. Auch der Preis, sowohl für Geräte als auch für E-Books ist mehr als jedem zweiten Lehrer (51 und 53 Prozent) zu hoch. 44 Prozent der Befragten stören sich an den vielen verschiedenen E-Book-Formaten.

Ein Drittel der Lehrer bemängelt, dass nicht alle Lehrmaterialien als E-Book zur Verfügung stehe, während sich 29 Prozent nicht damit abfinden wollen, dass man ein E-Book nicht wie ein Buch aus Papier verleihen kann. Immerhin halten nur 19 Prozent der Befragten die Bedienung für zu kompliziert. Und dann waren da noch die eingangs erwähnten 13 Prozent, die der Meinung sind, dass Schüler und Lehrer die sinnliche Wahrnehmung von Papier schätzen.

Es sieht eigentlich gar nicht so schlecht aus für E-Books im Klassenzimmer. Ein wichtiger Punkt ist ja, dass die Lehrer mitspielen. Diese kennen die Vorteile und würden auch E-Books einsetzen, befinden sich aber noch in der Minderheit. Das wird aber nicht mehr lange so sein, dann gilt es nur noch die anderen Hürden – wie die Finanzierung – zu überspringen und schon sind die Schulen bereit für ein zeitgemäßeres Auftreten.

(Quelle: Bitkom)

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Über den Autor: Sascha Ostermaier

Technik-Freund und App-Fan. In den späten 70ern des letzten Jahrtausends geboren und somit viele technische Fortschritte live miterlebt. Vater der weltbesten Tochter (wie wohl jeder Vater) und Immer-Noch-Nicht-Ehemann der besten Frau der Welt. Außerdem zu finden bei Twitter (privater Account mit nicht immer sinnbehafteten Inhalten) und Instagram. PayPal-Kaffeespende an den Autor.

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