Drosselkom: Deutsche Telekom nutzt Verspottung für Aufklärung

20. Mai 2013 Kategorie: Internet, geschrieben von: caschy

Der Kunstbegriff Drosselkom dürfte den Internet-Nutzern in Deutschland im Gedächtnis sein. Mit diesem Wort verspotten Kritiker den Bonner Konzern, der seit langer Zeit nicht mehr aus den Medien kommt, da er mit Flatrate-Kappungen und seltsamen Volumen-Angeboten von sich reden macht.

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So gibt es zum Beispiel den Satire-Account Drosselkom auf Twitter, der mittlerweile über 10.000 Follower gesammelt hat. Seine Aufgabe? Satirisch in Telekom-Sprech die aktuelle Lage kommentieren. Drosselkom – davon ist die Rede, wenn man die Telekom despektierlich erwähnen will.

Den Suchbegriff Drosselkom nutzt die Deutsche Telekom allerdings auch, um Aufklärung zu betreiben. So wird der Google-Nutzer bei der Suche nach Drosselkom nicht nur die Seiten der Kritiker finden, sondern ganz oben – prominent an erster Stelle, auch die Werbung der Deutschen Telekom. Diese hat sich anscheinend bei Google Adwords den Kunstbegriff Drosselkom geschnappt und lässt bei Klick den Benutzer auf eine Infoseite finden, über die man Aufklärung betreiben will.

Drosselkom

Die Deutsche Telekom nennt diese Seite Netz der Zukunft und zu finden ist sie hier. Zu finden sind zum Beispiel „Fakten“. So zum Beispiel auch die Aussage, dass für die meisten Kunden das Volumen-Modell passen wird, lediglich „wenige“ Vielnutzer müssen derzeit mit Aufpreisen von 10 – 20 Euro rechnen. So heißt es:  „Zusätzlich werden wir auch Vielnutzern attraktive ‚Unlimited‘-Tarife anbieten. Die Preise hierfür stehen noch nicht im Detail fest. Wir gehen aber davon aus, dass diese Tarife 10 bis 20 Euro mehr kosten werden als Tarife mit Volumengrenze. Heute Preise für das Jahr 2016 festzulegen ist sehr schwierig.“

Wie ich bereits in einem älteren Beitrag erwähnte:

Was die Telekom oder andere machen – wie die Bevorzugung von Diensten wie Spotify, Entertain und Co ist ein Untergraben der Netzneutralität. Bits dürfen nicht bevorzugt behandelt werden, dies müsste verboten werden. Gerade im Falle der Telekom wird man doch nun gezwungen, deren Dienste zu bevorzugen und vielleicht andere Anbieter nicht mehr zu nutzen, da deren Angebote in den angebotenen Traffic fallen.

Ich will faire Tarife, wer mehr will, der darf gerne mehr zahlen. Aber sagt mir doch bitte nicht, wofür ich mein Volumen verballern soll. Die Menschen wollen Auswahl, keinen Provider, der bestimmte Angebote vorrangig behandelt, nur weil ich diese über ihn beziehe. Ich will weiterhin schnell und unkompliziert Anbieter von Filmen, Musik und Co wechseln können.

Ich habe keine Probleme, als Kunde mehr für unlimitierten Traffic zu zahlen. Weder bei der Telekom, noch bei anderen Anbietern. Schäbig finde ich Bevorzugung von Diensten, die sich mit dem Telekommunikations-Anbieter in Bett legen müssen, damit ihre Bits vielleicht ohne Anrechnung auf das Volumen durch die Leitung kommen. Hier haben es etablierte Dienste unter Umständen wesentlich einfacher, als das innovative Startup, welches mit neuen Ideen um die Ecke kommt. Hier muss die Regierung eingreifen, denn auch wenn die Deutsche Telekom mittlerweile eine Aktiengesellschaft ist, hält unser Staat direkt 15 Prozent der Aktien und weitere 17 Prozent über die Kreditanstalt für Wiederaufbau.

Übrigens: Die Deutsche Telekom ist nicht die einzige Firma, die vom Kunstbegriff Drosselkom profitieren will. Auch Kabel BW lässt Suchergebnisse anzeigen, die auf das eigene – natürlich ungedrosselte Angebot hinweisen.



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Über den Autor: caschy

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