DriveClub im Test – solide Rennsimulation mit Schwächen

7. November 2014 Kategorie: Games, geschrieben von:

Ich durfte mir bei den Evolution Studios in Runcorn (England) das Spiel DriveClub für die Playstation 4 anschauen, seit einiger Zeit habe ich auch die Möglichkeit das Spiel zuhause, in seiner finalen Version, zu testen. Wie sich das Spiel geschlagen hat und welche Schwächen es gab, lest ihr im nachfolgenden Testbericht.

driveclub

Vorwort:

DriveClub war als Launchtitel für die Playstation 4 geplant, sollte also bereits vor gut einem Jahr auf den Markt kommen. Leider ist bei der Entwicklung nicht alles ganz rund gelaufen und so kamen die Entwickler der Evolution Studios ein wenig in Verzug. Ein Jahr später, also am 08.10.2014, stand das Spiel dann endlich in den Regalen.

Die Evolution Studios sind bekannt für ihre World Rally Championship-Serie und Motor Storm, einem der Launchtitel der Playstation 3. Während man es bei der PlayStation 3 also noch geschafft hat, pünktlich zum Release der Konsole einen Titel beizusteuern, gab es bei der Entwicklung von DriveClub zu viele Hindernisse.

So hatte man beispielsweise in einem frühen Stadium der Entwicklung lediglich Zugriff auf eine japanische Dokumentation der PS4. Ein weiteres Hindernis waren die Social Funktionen, welche wohl sehr viele Entwickler-Ressourcen gefressen haben und auch zum jetzigen Zeitpunkt (Stand: 02.11.2014) gibt es mit dem aktuellen Update von DriveClub noch die einen oder anderen Fehler in der Social-Komponente zu entdecken.

Grafik:

Die Grafik in DriveClub wirkt auf mich zwar recht gut, aber ich hatte immer wieder das Gefühl, dass man aus einer Next-Gen Konsole im Jahre 2014 mehr rausholen kann. Im Gespräch mit einem der Grafiker hat man mir gesagt, dass DriveClub schon das höchste Maß der Gefühle sei, 1080p mit 60 FPS oder Sony Morpheus Unterstützung ist mit all den Witterungseffekten zumindest auf der Playstation 4 angeblich nicht realisierbar. Die Frage, die sich mir direkt gestellt hat, wieso ist eine Konsole bereits ein Jahr nach ihrem Release schon am Ende ihre Kräfte? Wenn man bedenkt, die letzte Generation hat nahezu sieben Jahre durchgehalten und gegen Ende wurden die Spiele optisch immer besser.

DriveClub_Berg

Die Personen, welche sich um die Programmierung des Handlings kümmerten, sind auch im echten Leben sehr Rennsportbegeistert und gehen mit ihren Autos gerne mal auf die Rennstrecke. Dies spiegelt sich auch im Spiel wieder, Motorengeräusche wurden von echten Autos aufgenommen, Testfahrten wurden aufgezeichnet und analysiert um dem Fahrverhalten der einzelnen Autos im Spiel sehr nahe zu kommen.

Es wurden Entwicklerteams in verschiedenste Länder der Welt geschickt um die Strecken aus dem Spiel abzufahren und aufzunehmen, hier hat man unter anderem eine spezielle Kamera verwendet, welche den Himmel und die Sterne im Himmel aufnimmt, um einen möglichst detailgetreuen Himmel abbilden zu können. Im finalen Spiel bislang noch nicht enthalten sind die Wettereffekte, welche ich mir bei den Entwicklern bereits anschauen durfte. Egal ob Regen, Schnee, Sturm oder Sonne, je nach Witterung ändert sich auch das Fahrverhalten und ganz nebenbei sieht dies auch noch ziemlich beeindruckend aus. Daher hoffe ich doch sehr, dass man diese Funktion mit einem späteren Patch nachreichen wird.

Dank der Umgebung und dem Ambiente von DriveClub konnte ich über viele meiner Kritikpunkte hinwegsehen, denn es hat mir immer und immer wieder Spaß gemacht, in die Cockpit-Ansicht zu gehen und jedes Detail im Cockpit zu bewundern. Gleiches gilt übrigens auch für die Rennstrecken, besonders gut gefielen mir hier die Vegetation und die Lichteffekte, welche das Spielerlebnis gleich um ein Vielfaches gesteigert haben.

DriveClub_Vegetation

Gameplay (Singleplayer):

Getestet habe ich hauptsächlich die Einzelspieler-Modi, da ich im Multiplayer Test Schwierigkeiten mit den DriveClub-Servern hatte.

DriveClub_Tour

Ihr habt die Auswahl aus einer Tour, einer Einzelveranstaltung und dem Mehrspieler-Modus. Zu Beginn habe ich einige einzelne Rennen gefahren um mich mit dem Spiel vertraut zu machen, schnell sind mir Ungereimtheiten im Handling aufgefallen, welche mit dem Strafsystem kollidieren.

Ziel der Evolution Studios war ein Rennspiel, welches allen Spielern zugänglich sein soll, leider ist davon nicht viel übrig geblieben. Wer in der Kurve nicht genau bremst oder durch einen seiner Konkurrenten gerammt wird, fliegt gnadenlos raus und wir dann auch noch bestraft, weil man ja schließlich von der Straße abgekommen ist. Fans von Rennsimulationen dürften damit zwar weniger Probleme haben, aber für die bietet das Spiel wiederum wenig Realismus.

Was DriveClub zur ausgereiften Rennsimulation fehlt, ist ein Schadensmodell, welches auch Auswirkungen auf die Leistung eures Boliden hat. Wird man also von einem Gegenspieler gerammt oder überschlägt sich mit seinem Wagen, ist das einzige wovor man sich fürchten muss das Strafsystem und die verstrichene Zeit.

DriveClub_Menue

Bei der Tour handelt es sich um mehrere Rennen auf den verschiedensten Strecken, verteilt auf der ganzen Welt. Egal ob Indien, Norwegen oder Irland –  hier ist sicherlich für jeden eine Lieblingsstrecke dabei. Auf diesen Strecken gilt es unterschiedliche Ziele zu erreichen, meist sollt ihr es unter die ersten drei schaffen und eine bestimmte Marke knacken, wie beispielsweise eine Höchstgeschwindigkeit von 201 km/h oder eine Rundenzeit von mindestens 3:00:15.

Daneben gibt es noch Zeitrennen, bei denen ihr innerhalb einer bestimmten Zeit im Ziel sein müsst, diese Zeiten sind nochmals gestaffelt in mehre Zeiten 3:00:15 – 3:00:20 – 3:00:25. Je schneller ich ins Ziel komme, desto höher natürlich auch die Anzahl der verdienten Sterne und Punkte. Auch hier hat man sich die Integration von Social-Komponenten nicht nehmen lassen und so seht ihr nach einem Zeitrennen die Zeiten andere Spieler. Aber auch bei DriveClub es leider Cheater, welche sich mit unrealistischen Zeiten wie beispielsweise 0:00:46 an die erste Stelle der Tabelle befördern.

Für jedes erreichte Ziel bekommt man Sterne, ab einer bestimmten Gesamtzahl an Sternen kann man weitere Rennen freischalten und kommt weiter im Spiel. Daneben gibt es noch das Fahrer- und das Club-Level, steigt euer Level, schaltet ihr weitere Elemente frei, hat man Anfangs noch eine bescheide Auswahl aus Fahrzeugen, steigt diese mit der Zeit natürlich.

Besonders für Clubs ist der Club-Level natürlich besonders ausschlaggebend, denn anhand dessen wird der Erfolg des Clubs gemessen. Ein guter Club mit hohem Level genießt in der Community natürlich auch entsprechend hohes Ansehen.

Neben all der Detailverliebtheit hat man scheinbar versucht, einen Kompromiss einzugehen und die Rennsimulation mit einem Arcade-Racer zu kreuzen. Auf der einen Seite fordert mich das Spiel in kleineren Challenges zu wilden Driftings und einem allgemein wilderen Fahrstil auf, drifte ich jedoch in einer Kurve nur minimal ab bestraft mich das Spiel, indem es mich ausbremst und einen Countdown von drei herunter zählt. Fahre ich falsch in eine Kurve, wird mein ohnehin schon schlechter Fahrstil durch Ausbremsen und Strafpunkte bestraft.

Ein Kernelement von DriveClub ist der eigene Club und die Social-Komponente, welche es erlauben, während eines Rennens bisherige Rekorde auf dieser Strecke zu übertrumpfen. So gibt es Drift-Duelle, Duelle um die höchste durchschnittliche Geschwindigkeit in einem Abschnitt und um die sauberste Kurvenfahrt. Leider ist es mir mehrmals passiert, dass diese Duelle nicht geladen wurden und stattdessen eine Fehlermeldung am unteren Bildschirmrand erschien.

Durch die Fehler in der Social-Komponente kommt auch noch ein weiterer Aspekt hinzu, die ersten Cheater manipulieren, wie bereits erwähnt, ihre Werte und es ist mit fairen Mitteln leider unmöglich Geschwindigkeiten von durchschnittlich 8607.6 km/h, zu schlagen. Laut Playstation Frankreich gesteht man ein, wohl einige grundlegende Fehler bei der Entwicklung gemacht haben, weswegen man mal eben das komplette Spiel Stück für Stück neu programmiert – Es handle sich um Fehler, welche man nicht mal eben so mit einem kleinen Patch beheben könne.

cheater

10-Minuten-Gameplay (Video):

Damit ihr euch selbst ein Bild von DriveClub machen könnt, habe ich ein knapp zehn Minuten langes Video einer Tour aufgenommen. Hier habe ich das Strafsystem besonders oft provoziert.

Fazit:

Neben all der harten Kritik schlummert in DriveClub echtes Potenzial zu einem guten Multiplayer Racer, zum derzeitigen Zeitpunkt liefert das Spiel aber einfach zu wenig Inhalt, um dauerhaft im Multi- oder Singleplayer punkten zu können.

Grafisch kann DriveClub mit seiner Detailverliebtheit und seiner Vegetation punkten, hätte aber wesentlich mehr aus der Konsole holen müssen.

DriveClub_Wald

Das Gameplay von DriveClub wirkt, als hätten sich zwei Entwickler darum gestritten, ob es eine Rennsimulation oder ein Arcade-Racer wird, so wird man ständig zu wilden Drifts angestiftet und anschließend dafür bestraft.

Der Soundtrack des Spiels ist übrigens durchaus gelungen, wer möchte kann direkt bei einem der DJs auf Sound Cloud vorbeischauen.

Ja, ich hatte Spaß beim Test von DriveClub, aber es ist wohl definitiv kein Spiel, welches ich über längere Zeit spielen würde. Da konnten mich andere Spiele, wie zum Beispiel Gran Turismo oder Need for Speed: Most Wanted (der erste Teil) deutlich länger am Gamepad fesseln und dies sogar ganz ohne Multiplayer-Modus.


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Über den Autor:

Der Gastautor ist ein toller Autor. Denn er ist das Alter Ego derjenigen, die hier ab und zu für frischen Wind sorgen. Unregelmäßig, oftmals nur 1x. Der Gastautor eben.

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