Devolo Home Control: der holprige Weg zur automatischen Heizungssteuerung

7. Februar 2016 Kategorie: Smart Home, geschrieben von: Sascha Ostermaier

artikel_devolo_heizungSmart Home, es klingt in der Theorie so wunderbar, den Alltag zu vernetzen und dadurch nicht nur einen Komfortgewinn, sondern im Idealfall sogar noch Energieeinsparungen zu erreichen. Als ich letztes Jahr durch das Danalock zum Thema Smart Home angefixt war, ging die Suche los. Mein Zuhause soll smart werden. Im eigenen Haus ist dies sicher leichter zu bewerkstelligen als in einer Immobilie, die man mietet, also suchte ich nach einem System, das auch erweiterbar und wenigstens halbwegs zukunftssicher ist. Zigbee und Z-Wave sind die beiden verbreitetsten Standards, auf meiner Suche bekam ich den Eindruck, als wäre Z-Wave ein ganzes Stück weiter.

Z-Wave erfordert eine Zentrale, dies ist eine einmalige Sache, da sich dann alle Z-Wave-Geräte darin einbinden lassen. Auf meiner Suche bin ich dann auf Devolo gestoßen, Anbieter recht umfangreicher Smart Home-Lösungen, die auch in verschiedenen Starter-Kits etwas günstiger angeboten werden. Ich entschied mich für das Energiesparpaket. Zentrale, zwei Thermostate für die Heizung, ein Raumthermostat, zwei Tür- / Fenster-Kontakte, eine Messsteckdose und die Zentrale. Devolo Smart Home-Produkte arbeiten alle mit dem Z-Wave-Standard, das passte also.

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Was allerdings nicht passte, waren die baulichen Begebenheiten hier im Haus. Ich schloss die Zentrale an – die Einrichtung sollte über den Webbrowser erfolgen, es ist einfacher und bequemer als sich durch die unterirdische App zu fummeln – und staunte nicht schlecht. Es funktionierte nichts. Und noch viel schlimmer, sobald die Zentrale im Netzwerk war, gab es für die restlichen Geräte im Haushalt kein Internet mehr. Irgendetwas störte.

Ich bin nicht der Geduldigste, wenn es um das Finden eines Fehlers geht. Und so lag mein Smart Home erst einmal ein paar Tage brach. Als ich einen neuen Versuch starten wollte, ich bildete mir ein, der Router der Telekom wäre schuld, also schaffte ich mit eine Fritz!Box an, war ich kurz davor, den ganzen Kram einfach in die Ecke zu feuern. Die gleichen Probleme wieder. Nun ist es so, dass ich neben der Telefondose, also meinem Tor ins Internet, nur eine Steckdose zur Verfügung habe. Da ich allerdings Fritz!Box, WLAN-Bridge für Entertain und DECT-Telefon an dieser Stelle mit Strom versorgen muss, führt der Weg logischerweise über einen Mehrfachstecker.

DLAN an Mehrfachsteckern ist ein No-Go. Die Devolo Smart Home-Zentrale kann DLAN und ich vermute, dass es genau daran lag. Es kam zu Störungen, die WLAN im Haus crashen ließen. So meine Theorie, einen Beweis habe ich dafür nicht. Aber eine Lösung: Umbaumaßnahmen. Es mussten mehr Steckdosen her. Also jemanden kommen lassen, der mir zwei weitere Steckdosen in die Wand zimmert, da wo ich sie benötige. Achtet man beim Hausbau gar nicht so drauf irgendwie.

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Auf jeden Fall unternahm ich einen letzten Versuch, Smart Home auch bei mir zum Laufen zu bringen. Zentrale an eine der neuen Steckdosen, die Geräte wie gewohnt über den Mehrfachstecker – es funktionierte. Keine Störungen mehr, die Zentrale blieb im Netzwerk und ich habe nun sogar noch eine Steckdose in der Wand frei. So viel zur Vorgeschichte, denn jetzt geht es ja erst richtig los.

Ein paar Worte zur Hardware selbst, hier sollte man nämlich im Voraus gut schauen, ob es zum eigenen Haushalt passt. Die Heizungsthermostate sind an der Stirnseite mit einem Display und drei Buttons zur manuellen Bedienung und Einrichtung ausgestattet. Für mich eher schlecht, da ich weder im Bad, noch im Wohnzimmer so eine freie Sicht auf das Display habe. Das hätte man eleganter lösen können. Es gibt auch Heizkörper, die die Stirnseite des Reglers Richtung Raum haben, bei mir ist es aber nicht der Fall.

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Die Verarbeitung der Heizkörperthermostate macht insgesamt einen guten Eindruck. Reinweißes Hochglanzplastik passt optisch vielleicht nicht zu jedem Heizkörper, aber es stört auch nicht. Die Druckpunkte der drei Buttons sind leider so gut wie nicht vorhanden, ohne Blick auf das Display fällt es schwer zu erkennen, ob ein Druck etwas bewirkt hat. Das Display möchte sich hingegen am liebsten nur aus perfektem Winkel betrachten lassen. So ein Heizungsthermostat kostet im Einzelkauf rund 70 Euro, da erwarte ich etwas mehr Qualität.

Wenn das Heizungsthermostat korrekt angebracht und festgezogen ist (es liegen verschiedene Adapterringe bei), macht es keinen allzu stabilen Eindruck, das merkt man auch, wenn man die Buttons betätigen will. Aber im Normalfall kommt man mit dem Gerät selbst ja gar nicht mehr in Berührung, insofern ist das durchaus etwas, das ich verschmerzen kann. Die Hauptsache ist in diesem Fall, dass es funktioniert.

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Alle verbundenen Geräte benötigen natürlich Strom. Im Fall der Heizungsthermostate sind dies 2 AA-Batterien. Diese verlieren während der Einrichtung ein paar Prozent, scheinen dann aber wesentlich weniger Strom im Dauerbetrieb abgeben zu müssen. Die Batteriestände der einzelnen Geräte sieht man in der Geräteübersicht in der App oder im Web-Interface. Wenn ich die Batterien alle paar Monate tauschen muss, ist das für mich kein Problem. Mal abwarten, wie lange sie durchhalten werden.

Das Raumthermostat wirkt wie ein günstiges Thermometer. Das LC-Display ist nichts besonderes, aber wenigstens weisen die Buttons einen Druckpunkt auf. Über diese lässt sich zum Beispiel die Temperatur gruppierter Heizungen manuell anpassen. Ebenfalls ein im Einzelkauf recht teures Gerät, es werden satte 99,99 Euro fällig. Diesen Eindruck vermittelt das Gerät aber nicht. Vielleicht soll die billige Optik auch eine Art Diebstahlschutz darstellen, ich weiß es nicht.

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Aber so ist es mit vielen Z-Wave-Produkten aktuell noch. Wenig Technik für viel Geld, das sollte sich aber in der nächsten Zeit ändern. Smart Home ist einer der Hoffnungsträger bei Herstellern, die Kunden so immer tiefer in ihr eigenes Ökosystem einbinden möchten.

Am interessantesten waren für mich von Anfang an die Heizungsthermostate. Wir heizen nicht viel und leben generell eher kühl. Das Wohnzimmer ist bei uns der wohl am wenigsten genutzte Ort, dennoch hätte man dort gerne eine angenehme Temperatur, umso cooler, wenn diese automatisch erreicht wird. Im Bad mögen wir es hingegen mollig warm, auch zu relativ festen Uhrzeiten, eine Automatisierung wäre hier also ebenfalls erstrebenswert. Die Räume für die Heizungsthermostate waren also schnell ausgemacht.

Die Heizungsthermostate selbst ließen sich überraschend einfach anbringen. Alten Drehknopf ab, Smart Thermostat ran, festziehen lassen – das macht das Gerät selbst – und schon kann es losgehen. Ist auch tatsächlich so. Man wird durch die Einrichtung geführt (auch hier empfehle ich das Webinterface auf einem Desktop-System). Hält man sich daran, findet sich das frisch verbundene Gerät auch in der Steuerungsoberfläche wieder und es kann angesprochen werden.

Die Einrichtung klappte leider nicht bei allen Geräten sofort. Aber selbst wenn die Einrichtung mit dem Assistenten nicht komplett abgeschlossen ist, kann es sein, dass man die Geräte in der mydevolo-Oberfläche findet. Man muss diese dann nur noch benennen und kann sie dann normal verwenden. Eine gescheiterte Einrichtung ist also nicht zwangsläufig eine gescheiterte Einrichtung.

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Wenn sich die gewünschten Geräte dann im Netzwerk befinden, beginnt der spannende Teil, das Festlegen der Regeln und Zeitpläne. Hier kann man sehr detailliert das Verhalten der Smart Home-Produkte regeln. Allerdings sollte man auch aufpassen, was man genau tut. Denn es ist durchaus möglich, dass eine Regel einen Zeitplan überschreibt. Mein Tipp: Geht es langsam an. Erstellt eine Regel, lasst diese laufen. Funktioniert sie, fügt weitere regeln hinzu. Das hilft Euch beim Erkennen von Fehlern. Stellt Ihr alles auf einmal ein, wird dies schwieriger.

Ich erstellte also meinen ersten Zeitplan für die Heizung im Wohnzimmer und einen weiteren für die Heizung im Bad. Wunschtemperatur zur Wunschzeit, es funktionierte am ersten Tag. Also war es für mich an der Zeit, mal ein bisschen mehr zu verbinden. Das Raumthermostat etwas entfernt von der Heizung im Wohnzimmer angebracht. Ziel war es die Temperatur des Raumthermostats als Messung zu nehmen. Die auf dem Thermostat eingestellte Temperatur sollte erreicht werden, die Synchronisierung der von Raumthermostat und Heizungsthermostat wurde aktiviert. Hat auch gleich den Vorteil, dass man die Temperatur manuell am Raumthermostat regeln kann.

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Der Nachteil war allerdings, dass es die nächsten Tage im Wohnzimmer recht frisch blieb. Für mich nicht begreiflich, denn ich hatte ja an den Temperaturen und Zeitplänen nichts verändert. Das Bad heizte hingegen so wie es sollte. Beobachtete ich die Heizung im Wohnzimmer, konnte ich feststellen, dass diese zwar zur gewünschten Zeit aktiviert wird, aber nicht so heiß wird, dass die Wunschtemperatur erreicht wird. Es war knapp 2 Grad kälter als gewünscht.

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Ich habe daraufhin das Heizungsthermostat noch einmal neu angebracht, die Temperatur im Zeitplan erhöht. Nichts, das Wohnzimmer blieb kalt. Es half alles nichts, Devolo wurde kontaktiert (großartiger Twitter-Support übrigens!). Vom Support erfuhr ich dann, dass sich die Heizungsthermostate einlaufen müssten. Jeden Donnerstag würden sie sich außerdem kalibrieren, also einmal ganz öffnen und schließen, so soll eine genauere Temperatur gewährleistet werden. Klang für mich erst einmal logisch.

Dann aber wieder auch nicht, schließlich heizt die Heizung im Bad nun schon mehrere Tage ohne Probleme und so wie sie soll. Dann kam der Geistesblitz, denn auch das Wohnzimmer heizte am Anfang ja bereits normal. Es musste also an etwas anderem liegen. Back to the Basics hieß es dann. Die Synchronisierung von Raumthermostat und Heizungsthermostat wurde über mydevolo aufgehoben und sofort erreichte die Heizung im Wohnzimmer eine Temperatur, die auch zum Heizen ausreicht.

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Seit der Trennung von Raumthermostat und Heizungsthermostat läuft das nun alles so nach Zeitplan wie es soll. Aber das ist natürlich wenig smart, das ließe sich auch mit elektrischen Heizkörperthermostaten lösen. Schlau wird es dann, wenn andere Sensoren eingebunden werden, die dann wiederum Einfluss auf weitere Komponenten nehmen.

Aber ein Anfang ist auf diese Weise nun gemacht. Das Erstellen der Zeitpläne und das Austüfteln der Regeln ist mit viel Denkarbeit verbunden. Mein nächstes Ziel heißt nun, die Badheizung während eines Zeitplans auszuschalten, wenn das Badfenster geöffnet wird und sie beim Schließen des Fensters wieder im Zeitplan zu aktivieren, falls eine bestimmte Temperatur unterschritten wurde. Ja, dieses Szenario probierte ich bereits mit mehreren Regeln und Zeitsteuerungen aus, leider bisher erfolglos.

Aktuell heize ich stur nach Zeitplan und es funktioniert. Früh prüfe ich erst einmal unter mydevolo, ob es irgendwelche Vorkommnisse gab und ob die Temperaturen so weit passen, was sie nun auch tun. Fällt dieses tägliche Überprüfen dann mal noch weg, habe ich tatsächlich an Komfort hinzugewonnen. Ganz automatisch quasi.

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Die verfügbare Software ist keinesfalls so modern wie die Geräte selbst. Die mobile App bietet eine mobile und eine Vollansicht. Mit der Vollansicht wird das komplette mydevolo Web-Portal in die App gebracht, entsprechend fummelig ist die Bedienung. In der mobilen Ansicht stehen hingegen nicht alle Funktionen zur Verfügung, es reicht aber für die grundsätzliche Bedienung der Geräte aus.

Das mydevolo Web-Portal wirkt auf den ersten Blick aufgeräumt, trotzdem fällt es nicht nur mir schwer, sich darin zurechtzufinden. Es gibt sehr viele Einstellungsmöglichkeiten, man kann Regeln festlegen, Zeitpläne anlegen, Gruppen erstellen, Räume verwalten. Man wird förmlich erschlagen von den Optionen. Außerdem fehlt meiner Meinung nach eine Plausibilitätsprüfung bei der Erstellung von Regeln und Zeitplänen. Ein solches System muss den Nutzer warnen, wenn er Mist eingibt oder es gar nicht erst zulassen.

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Fazit

Ein holpriger Einstieg in die Smart Home Geschichte war das Ganze für mich. Mal eben ein paar Smart Home-Bestandteile besorgen und loslegen – so stellte ich es mir vor. War es nicht, es war mit einem unglaublichen Zeitaufwand verbunden. Hinzu kommt die echt schwache App und auch das doch eher unübersichtliche Web-Interface von mydevolo. Das eigentlich traurige an der Sache ist aber, dass Devolo noch eine der anwenderfreundlichsten Lösungen auf dem Markt hat. Smart Home ist eine feine Sache, gar keine Frage und ich werde das künftig auch ausbauen. Mehr Heizungen regeln, mehr Verknüpfungen, mehr Automation.

Aber Smart Home ist aktuell auch noch eine sehr teure Angelegenheit. Gut 300 Euro muss man für den Start mit 2 Heizungen einplanen. Weitere Z-Wave-Produkte, seien es Steckdosen, Lampenadapter oder Sensoren, kosten im Schnitt zwischen 50 und 100 Euro. So viel Heizkosten kann ich gar nicht sparen, dass sich das in irgendeiner Weise rechtfertigen würde (vielleicht ist das in anderen Haushalten anders). Aber es kann Bequemlichkeit schaffen. Die Heizung von der Couch höher stellen anstatt aufstehen zu müssen. Früh direkt in ein warmes Bad kommen. Abends nicht dran denken zu müssen, alle Heizungen abzudrehen. Das kann schon einen Unterschied machen. Und das hat nicht einmal etwas mit Faulheit zu tun.


Über den Autor: Sascha Ostermaier

Technik-Freund und App-Fan. In den späten 70ern des letzten Jahrtausends geboren und somit viele technische Fortschritte live miterlebt. Vater der weltbesten Tochter (wie wohl jeder Vater) und Immer-Noch-Nicht-Ehemann der besten Frau der Welt. Außerdem zu finden bei Twitter (privater Account mit nicht immer sinnbehafteten Inhalten) und Instagram. PayPal-Kaffeespende an den Autor.

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