Deutsche Telekom: Echte Flatrates bleiben

2. Dezember 2013 Kategorie: Internet, geschrieben von: caschy

Die Deutsche Telekom und die Drosselung. Das Thema geht in eine neue Runde. Wer es vielleicht schon vergessen hat: am 22. April 2013 gab die Deutsche Telekom eine Änderung der Tarifstruktur bekannt. Verbraucht ein Kunde mehr als ein bestimmtes Volumen, dann wird ab 2016 gedrosselt – und zwar auf 384 Kilobit für den Rest des Abrechnungsmonats. Die im April 2013 kommunizierte Untergrenze lag bei 75 Gigabyte Volumen, Nutzer einer schnelleren Leitung bekommen auch mehr Volumen zur Verfügung gestellt.

Telekom-Logo-Dach-schraeger-Blickwinkel

Die genauen Volumengrenzen hielten wir in diesem Beitrag fest. Schon im Juni 2013 ruderte man nach mehr als heftigen Protesten seitens Nutzer und Politik zurück – die 384 Kilobit-Drosselung wurde auf 2 MBit erhöht. Nicht nur die Drosselung wurde heftig kommentiert, auch die Tatsache, dass die Deutsche Telekom mit Diensten verhandelt, die auch nach Drosselung beim Kunden störungs- und drosselfrei ankommen.

Bereits im Mai 2013 mahnte die Verbraucherzentrale NRW die Deutsche Telekom ab, jüngst erst wurde der Deutschen Telekom die Drosselung im Festnetz vom Landgericht Köln untersagt. Die Begründung? “Mit dem Begriff Flatrate verbinde der Kunde bei Internetzugängen über das Festnetz einen Festpreis für eine bestimmte Surfgeschwindigkeit und rechne nicht mit Einschränkungen”. Die Deutsche Telekom brauchte einen knappen Monat um sich weitere Schritte zu überlegen, bereits im Vorfeld wurde bekannt, dass man angeblich nicht mehr an der Bezeichnung „Flatrate“ festhalten wolle.

Das Thema „Flatrate“ ist mir persönlich eh ein Dorn im Auge. Mit Flatrate verbinde ich eine Ware oder eine Leistung, die ich für die Zahlung eines gewissen Entgelts in unlimitierter Form in einem bestimmten Zeitraum zur Verfügung gestellt bekommen.

Nun aber zu den offiziellen Aussagen der Deutschen Telekom, die heute in einem Conference Call bekanntgegeben wurden.

Man wolle das verloren gegangene Vertrauen der Kunden wiedergewinnen. Deshalb will man keine Rechtsmittel gegen das Urteil einlegen, man akzeptiert das Urteil. Neben der reinen Flatrate wird man Volumentarife anbieten. Volumentarife werden günstiger sein als die Flatrate. Die ganzen Tarife und die generelle Kommunikation will man transparenter machen. Dies soll auch im Bereich Mobilfunk gelten – im Moment spricht man aber mit der Terminologie Flatrate aber erst einmal nur über das Festnetz, im Bereich Mobile wird man aber auch arbeiten müssen. Ein Onlineportal soll dabei helfen, sämtliche Anbieter zu vergleichen, hier will man mit der Bundesnetzagentur zusammenarbeiten.

Kunden, die jetzt und im nächsten Jahr (beziehungsweise bis zur Ankündigung der neuen Tarife) einen Flatrate-Vertrag abschließen, haben eine echte, ungedrosselte Flatrate. Wer Flatrates abschließt, der bekommt auch in Zukunft eine Flatrate. Die alte Volumenklausel wird nicht angewendet.

Ab 5. Dezember 2013 wird die Klausel gestrichen, Kunden, die diesen Vertrag abgeschlossen haben, werden informiert. Was bedeutet Volumentarif? Wenn man einen Volumentarif nutzt, dann ist am Ende des Verbrauchs nicht einfach Feierabend, dann wird gedrosselt – auf die bekannten 2 MBit. Die neuen Tarife werden nicht in den nächsten 12 Monaten erwartet. Wenn vor 2016 Volumentarife machbar sind, dann wird man diese anbieten.

Ich persönlich kann mit diesen Aussagen leben, sofern die echte Flatrate zu fairen Preisen angeboten wird. Die neuen Preise stehen noch nicht fest. Eure Meinung?

Update: die Pressemitteilung ist raus, Auszüge:

Für alle Kunden, die bereits Festnetz-Verträge mit einer Volumeneinschränkung gebucht haben, gilt: Sie können das Internet auch weiterhin ohne Beschränkung nutzen. Die entsprechende Volumen-Klausel in den Tarifen wird nicht angewendet. Die Kunden müssen dafür nicht aktiv werden. Ab 5. Dezember 2013 ist diese Klausel dann aus allen Festnetztarifen ersatzlos gestrichen. Das werden wir den Kunden auch schriftlich geben.

Wir möchten, dass unsere Kunden verstehen, was sie von unseren Tarifen erwarten können. Und wird die Transparenz, die wir so stark betonen, nur für das Festnetz gelten? Sicher nicht. Wir wollen auch unser Mobilfunkportfolio in Zukunft einfacher und besser verständlich machen. Wie das im Detail aussieht, werden wir noch ausarbeiten.

Zusätzlich arbeiten wir mit der gesamten Branche intensiv an der Verbesserung der Transparenz zu den Geschwindigkeiten in Festnetz und Mobilfunk. Dafür haben wir der Bundesnetzagentur Anfang September konkrete Vorschläge unterbreitet:

  • So wollen wir branchenweit ein Online-Portal bereitstellen, in dem die Kunden die unterschiedlichen Qualitäten der Anbieter vergleichen können.
  • Für das Festnetz soll ein Messtool entwickelt werden, mit dem die Kunden ihre Geschwindigkeit erfahren können.
  • Im Mobilfunk wollen die Anbieter für die Geschwindigkeitsmessung Apps entwickeln.

Die Telekom wird darüber hinaus die Bandbreitenkorridore im Festnetz enger fassen und Kunden bei Vertragsabschluss ein Produktinformationsblatt zur Verfügung stellen, aus dem die verfügbaren Geschwindigkeiten hervorgehen. Aus technischen Gründen können wir aber nicht auf ‚bis zu-Angaben‘ verzichten: Die Bandbreite ist bei jedem Anschluss unterschiedlich, und hängt maßgeblich von der individuellen Länge des Kupferkabels ab. Kupfer dämpft, das heißt mit jedem Meter sinkt die maximal erreichbare Geschwindigkeit. Mit unserem Breitbandausbau sorgen wir aber dafür, dass für viele Kunden große Teile der Kupferstrecken durch Glasfaser ersetzt werden, was deutlich höhere Geschwindigkeiten ermöglicht.

In unseren Tarifen werden wir zukünftig noch stärker auf die unterschiedlichen Anforderungen und Wünsche unserer Kunden eingehen. Für uns bedeutet das auch, dass wir neben den heutigen Flatrates im Festnetz in Zukunft Volumentarife anbieten wollen, die günstiger sind. Wer eine echte Flatrate will, bekommt mehr Leistung und wird dafür auch bereit sein, mehr zu bezahlen. Warum brauchen wir diese Tarifdifferenzierung? Das weltweite Datenvolumen hat sich in den vergangenen fünf Jahren vervierfacht und wird sich nach einer Prognose von Cisco bis 2017 noch einmal verdreifachen: Auf dann 1,4 Zettabyte – das ist eine Zahl mit 21 Nullen. Wir müssen unsere Netze deshalb ausbauen und tun das auch: Allein in den nächsten Jahren investieren wir sechs Milliarden Euro in den Infrastrukturausbau. Als Unternehmen brauchen wir eine Chance, diese Investitionen zurückverdienen zu können. Auch das gehört zur Fairness.


Über den Autor: caschy

Hallo, ich bin Carsten! Daddy von Max, Dortmunder im Norden, BVB-Getaufter, Gerne-Griller und Gründer dieses Blogs. Auch zu finden bei Twitter, Google+, Facebook, XING, Linkedin, Instagram und YouTube. Persönliches Blog. PayPal-Kaffeespende.

Carsten hat bereits 22109 Artikel geschrieben.