Das ist Facebook Graph Search und vielleicht solltet ihr euer Profil einmal überprüfen

9. April 2013 Kategorie: Social Network, geschrieben von: caschy

Im Januar 2013 stellte Facebook die Graph Search der Öffentlichkeit vor. Facebooks Idee, alle öffentlichen Informationen von Menschen, Musik, Fotos und Videos zu verknüpfen. Eine bessere Suche für Facebook: Wer sind meine Freunde in Dortmund, die gerne Depeche Mode hören? Oder: “Freunde von Carsten, die Andi heissen und ebenfalls aus Dortmund kommen”.

Italy nearby

Ebenfalls kann der Graph Orte finden, so könnte ich nach einem Italiener in Bremen suchen und Facebook würde mir unter Umständen Bewertungen und Benutzermeinungen an einem Ort präsentieren. Dies bietet Chancen für den Benutzer, appelliert aber auch an unseren Umgang mit dem sozialen Netzwerk.

Ich schrieb es heute schon spaßeshalber bei Facebook. Wie würden Männer wohl die Facebook Graph Search nutzen? Der Suchterm “Single women who live nearby” oder “Photos of single women who live nearby” bringt unter Umständen nette Ergebnisse und machen Facebook so zum digitalen Ball der einsamen Herzen.

Facebook_Singles

Wir sehen: die Suche kann man natürlich eingrenzen. Wann wurden die Fotos geschossen? Wer hat diese Fotos geliked? Wir können viel finden, aber auch gefunden werden. Mit der Graph Search ist es zum Beispiel möglich, dass ich schaue, welcher von meinen Freunden die Fotos der Single-Mädels geliked hat.

Ich habe hier natürlich erst einmal nur Offensichtliches demonstriert, doch die Graph Search hat natürlich Vorzüge. Ich kann Restaurants suchen, die von Freunden besucht und bewertet worden, als neu Zugezogener in einer Stadt kann ich vielleicht Anschluss finden, indem ich bestimmte Bars oder Clubs aufsuche, die von Menschen besucht werden, die gerne Depeche Mode oder Pet Shop Boys hören. Die Möglichkeiten sind vielfältig.

Die Chancen sind groß – die Diskussion um die Privatsphäre sicherlich auch. Doch was will man sagen? Die Suchergebnisse spiegeln das wieder, was der Benutzer für alle freigegeben hat. Also ich heute morgen den Screenshot postete, der die Möglichkeit zeigte, nach Singles zu suchen, kam gleich die Anfrage einer alten Freundin. Was dies denn wohl sei und wie der Spaß funktioniert. Ich erklärte es ihr.

In der Welt von Facebook herrscht viel Unwissen und Panikmache. Während der hier mitlesende Benutzer sicherlich weiss, wie er seine Bilder und Mitteilungen nur Freunden zeigt, sieht es bei einer großen Masse von Menschen sicherlich ganz anders aus. Bilder und Co durchsuchbar – auch für Nicht-Freunde.

Ich sehe Menschen, die in meiner Nähe wohnen und die DVU und die NPD gut finden – aber gleichzeitig Fan der Dönerbude am Eck sind – denn Suchen lassen sich natürlich verknüpfen.

Graph Search

Mit dem Graph Search kommt eine umfassende Suche und die Verpflichtung an den Benutzer, seine Daten – sofern er dies will – nicht für die Öffentlichkeit freizugeben. Dies gilt  nicht nur für private Angaben, sondern auch für Apps. Ihr nutzt Let’s date oder Bang with friends? Ich kann es sehen, denn standardmäßig fragen viele Apps Berechtigungen ab, die sie öffentlich auffindbar machen. Ich verfahre meistens so, dass ich die Aktivitäten auf “nur ich” eingrenze, womit andere Benutzer nicht sehen können, was ich so nutze.

Ja, die Graph Search ist eine tolle Funktion mit massig Potential. Taugt sogar als Singlebörse. Mitglieder suchen, die in Gruppen namens “Singles in $Stadtname” sind. Auf der anderen Seite birgt so etwas natürlich Diskussions-Potential. Was darf man durchsuchen, was nicht? Ist der Nutzer immer seines eigenen Glückes Schmied? Ein Eldorado für Stalker und andere geisteskranke Spinner scheint die Graph Search unter Umständen auch zu sein.

Deshalb ist es wichtig zu wissen, wie man sich schützen kann, sofern man dies will. Facebook Graph Search besitzt Potential und bald werden viele Menschen merken, dass sie in der Vergangenheit vergessen haben, ihre digitalen Spuren zu verwischen, beziehungsweise zu tölpelhaft durch das digitale Feld gelaufen sind. Die Graph Search offenbart nicht nur die Aussagen, die öffentlich auf der Pinnwand stattfanden, sie zeigt auch Likes und Co, die ein umfassendes, unter Umständen nicht gerade schmeichelhaftes Bild vom Benutzer zeichnen.

Hier in Deutschland ist Graph Search ja (noch) ganz anders zu bewerten, als vielleicht im Ausland. Überlegt vielleicht einmal, was weniger liberale Länder mit Menschen machen könnte, die via Facebook etwas gutheißen, was in dem Land verboten oder verächtet ist? Free Speech in Nordkorea, Homosexualität in arabischen Ländern und und und…

Ob ich Tipps für euch habe?

Einfach mal eure Aktivitäten (Activity Log) überprüfen. Dieses Log zeigt an, was ihr so treibt. Hier vielleicht die euch peinlichen Likes entfernen. Wo man das Activity Log findet? Hier: https://www.facebook.com/Euer_FB_Kurzname/allactivity

In der linken Sidebar findet ihr eure Postings, Postings von anderen, die euch markieren, Bilder, Likes, Fotos und Co.

Auch ein Blick in die Privatsphäre-Einstellungen soll lohnen. Hier kann man zurückliegende Postings eingrenzen, ebenfalls die Durchsuchbarkeit nach Mail-Adresse einschränken.

SichtbarkeitAuch wichtig: schmeißt Apps raus die ihr nicht braucht oder beschränkt deren Sichtbarkeit. Hier findet ihr die Einstellungen. Denkt auch bei neuen Apps an die Sichtbarkeit und schaut, was die App so an Daten absaugen will.

Only meExterne Tools? Simple Wash kann unangemessene Wörter in euren Status-Mitteilungen finden und diese reinwaschen. Ebenfalls versucht Privacy Fix eine Idee zu vermitteln, was ihr so teilt und versucht, euch Tipps zu geben.

Simple Wahs

Was sagte Ben Parker seinerzeit? Mit großer Macht kommt große Verantwortung. Facebook ist für uns eine Macht. Ich bin dankbar, mit Menschen in Kontakt bleiben zu können, zentral an einem Ort – ja, ich als reiner Onliner (ich arbeite ja online) ist Facebook das Kontakt-Tool Nummer 1 um Dinge virtuell als auch reell zu erledigen. Doch die Verantwortung muss auch vom Benutzer getragen werden, Verantwortung für das Geteilte, Gepostete und Gesagte. Hier im Blog muss ich das niemanden erzählen, doch es gibt genügend Menschen, die etwas unvorsichtig mit dem öffentlich Geteilten umgehen.

Ich bin unwahrscheinlich großer Facebook-Fan und möchte vielleicht noch einen etwas unbequemen Gruß an die richten, die sich durch das inhaltslose Bashen gegen einige Dienste auszeichnen: Schön, dass ihr Facebook nicht nutzt – aber erzählt uns doch bitte nichts in leeren Worthülsen davon. Bedenken, Chancen und Erfahrungen kann man gerne austauschen, alles andere ist verlorene Zeit.


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35 Kommentare

Chriz 9. April 2013 um 09:55 Uhr

Oh ich gebe dir so recht. Auf der einen Seite warne ich auch davor, aber wenn ich mein Profil ansehe, dann wird mir ein wenig schlecht. Bereinigen würde wahrscheinlich Wochen dauern.. ein neuer Account ist mir allerdings auch zu schade. Hoffentlich gibts da auch bald Tools, die Abhilfe verschaffen. :-)

caschy 9. April 2013 um 09:57 Uhr

@Chriz: bei dir als Blogger, der etwas öffentlicher agiert als andere, sehe ich das etwas differenzierter.

Dominik 9. April 2013 um 10:02 Uhr

Gibt es keine App, die alles was älter ist als X Tage bereinigt?

Mathias (@DrGimpfen) 9. April 2013 um 10:34 Uhr

Am besten ist sich vorher schon bewusst sein was man postet und was man anklickt. Dann braucht man nicht im nachhinein solche Tools die das wieder löschen. Aber scheinbar sind einige überfordert damit :)

Yu 9. April 2013 um 10:37 Uhr

Wenn es um Panik auf Facebook geht… Viele meiner Bekannten/Freunde konnte ich auf Facebook nicht ohne Empfehlung von Facebook-Freunden finden, da sie entweder ein Synonym, eine nur für Facebook registrierte Emailaddresse oder sogar beides verwenden. Per direkter Eingabe des vollen Namens war bisher keiner davon zu finden, aber das ließ sich zum Teil durch Google-Ergebnisse umgehen.

Ich empfand das immer als übertrieben — aber macht es überhaupt Sinn?

David 9. April 2013 um 10:40 Uhr

Seit Wochen auf der Wishlist, Sprache meines Facebooks auf Englisch – trotzdem keine Freischaltung. Ein Witz!

oliver 9. April 2013 um 10:51 Uhr

Sehr schöner, differenzierter Beitrag zu Facebook, Privatsphäre und den ganzen Rest. Hebt sich wohltuend von dem üblichen Facebook-Bashing anderenorts ab :). Ich weiß schon, warum ich eigentlich nur noch hier lese.

Stichwort ‘Selbstverantwortung’ – gilt ja inzwischen als extrem uncool … warum eigentlich? Im ‘richtigen’ Leben ist einem ja auch klar, dass alles Folgen hat.

Tchooe 9. April 2013 um 10:51 Uhr

Die Frage ist doch die: Wie mündig hinsichtlich ihrer freigegebenen Daten sind die Facebook-Benutzer tatsächlich? Insbesondere für Kinder und Jugendliche gilt diese Frage.
Ich denke, es ist keine unzulässige Verallgemeinerung zu sagen, dass sie es nur unzureichend sind. Ausgehend von dieser Annahme sollte eine Plattform wie FB in der Grundeinstellung maximalen Schutz für seine Nutzer bieten, was sie aber AFAIK nicht tut. (Dass diese Forderung dem Ansinnen von FB diametral gegenübersteht, ist mir klar.)

Tchooe 9. April 2013 um 10:54 Uhr

Korrektur: „… maximalen Schutz für *ihre* Nutzer …“

Anna 9. April 2013 um 11:15 Uhr

OK ich wusste nicht das auch Facebook sowas Veröffentlicht hat, da sieht man mal wie oft ich auf Facebook bin :).
Den Google hat auch Anfang Januar das Knowledge Graph veröffentlicht.
An sich finde ich das eine gute Sache denn es macht die Bilder Sucher, zum einen einfacher, zum zweiten ist es übersichtlicher. Wenn ich ehrlich bin kann ich über das Facebook Graph Search nicht viel sagen, ich habe davon das erste Mal gehört.
Bei Google hat das schon guten Anlauf genommen, denn es sind jetzt schon 57 Prozent der Bilder die in Knowledge Graph in Deutschland angezeigt werden, in den USA sind es auch schon 75 Prozent.

Matze_B 9. April 2013 um 12:05 Uhr

Ich finde diese Funktion doch insgesamt beängstigend. Nutzt nur Hardcore-Usern die viel privates preisgeben. Sonst macht das Ganze nicht viel Sinn – so wie man es eigentlich aus denen Beschreibungen recht gut raus lesen kann. Und FB ist inzw. doch recht kompliziert und aufwändig geworden was die Privatsphäre-Einstellerei angeht. Ich denke wir sind hier nur eine Minderheit, die wissen oder sich die Mühe machen alle Optionen v. FB zu durchforsten. Die große Mehrheit wird das nicht tun. Darauf baut FB, falls du diese Unwissenheit meinst. ;) Denn diese wunderbare Möglichkeit des Graph-Search Filterns hat ja auch FB selber – Stichwort auf dich zugeschnittene Werbung. Ich nutze Facebook daher vorrangig als Informationsquelle, da ich als User für meinen Geschmack zu wenig Kontrolle habe – das fängt eben leider schon bei dem von FB gestaltetem Feed (Inhalt) an ..

Marius 9. April 2013 um 12:10 Uhr

Was mach ich falsch das fb mich weder für graph search noch für den neuen newsfeed freischaltet? Bin bei beiden seit Veröffentlichung auf der waiting list und nutze Facebook auf englisch (us) ..

hurikhan77 9. April 2013 um 12:26 Uhr

@Dominik das geht mit Facebook-Hausmitteln. Einfach in den Privatsphäre-Einstellungen auf “Vergangene Beiträge einschränken klicken”. Ich hab’s noch nicht ausprobiert, weil es sich nicht rückgängig machen lässt (ein entsprechender Hinweis kommt).
https://www.facebook.com/settings/?tab=privacy&privacy_source=settings_menu

Jan 9. April 2013 um 13:04 Uhr

Danke für den Artikel. Ich nehme ihn zum Anlass mal richtig mein verstaubtes Profil auszumisten…
Gruß, Jan

Heiko Bernhörster 9. April 2013 um 14:20 Uhr

Guter Artikel! Müsste so aber mal in einem Massenmedium zur Sprache kommen. D.h. ohne Panikmache, ohne Einschaltquotendruck, sondern wie du es machst: Einfach mal Information und Möglichkeiten!

Daumen hoch!

Heiko

Luca 9. April 2013 um 15:21 Uhr

genial war der Satz mit NPD, DVU und der Dönerbude :D
Ich grinse immer noch…

caschy 9. April 2013 um 15:25 Uhr

@Luca: aber leider kein Scheiss, sondern Tatsache.

Albert 9. April 2013 um 17:10 Uhr

Super Artikel. Ich habe gleich mal mein Profil gecheckt und war doch sehr über die folgende Arbeit erschrocken. Danke für die Informationen.

Chriz 10. April 2013 um 11:21 Uhr

@caschy – klar, als Blogger ist das immer in der eigenen Sicht ein wenig anders. Ich habe nun mal viele Kontakte, viele Seiten geliked und bin deutlich über den Durchschnitt. Ist bei dir ja auch nicht anders.

Aber der Unterschied ist dann eben doch, was die anderen Personen von mir denken. Ich kann durch falsche Likes oder anderen Dingen ja auch ziemlich schnell Missverstanden werden.

Ein gutes Beispiel fällt mir da sogar aus meiner Stadt ein. Ich bin sehr aktiv und helfe gerne, wenn es um Projekte geht, bei denen Jugendliche etwas gemeinsam erreichen. So gibt es aktuell einen Art “Fanclub”, der sehr aktiv ist, aber auch stark polarisiert. Andere Fans von anderen Fanclubs akzeptieren diese Fanclub nicht so. Ich bin da eher neutral und habe auch schon öfter diesen Jugendfanclub kritisiert, damit die sich verbessern und vielleicht nicht immer so stark polarisieren. Dennoch halte ich Abstand und sehe das ganze neutral.

Aber: Nur weil ich in der Facebook Gruppe dieses Jugendfanclubs bin, werde ich von heute auf morgen von manchen Personen auf Facebook gelöscht. Das ist nicht schlimm, ich finde es nur schade, weil ich mit diesen Personen eigentlich immer gut auskam. Noch schlimmer finde ich allerdings die Reaktionen.. wenn man sich über den Weg läuft, wird man ignoriert und nicht mal mehr ein “Hallo” bekommt man zurück.

Ein Like oder auch ein Gruppenbeitritt kann sehr schnell die Meinung von anderen Personen beinflussen, ganz egal ob Blogger oder nicht.

caschy 10. April 2013 um 11:23 Uhr

@Chriz: andere löschen dich? Musste drüber stehen, die sind es dann nicht wert :)

Chriz 10. April 2013 um 11:57 Uhr

Ich steh da drüber, aber ich finde es trotzdem krass, dass man sich auf der Straße einfach nicht mehr kennt. Wegen sowas. Soll ja nur zeigen, dass sowas schon Auswirkungen haben kann :-)

coriandreas 12. April 2013 um 14:02 Uhr

Der Search Graph macht vor allem dann Sinn, wenn man an eine bestimmte Zielgruppe posten will, die mit einem speziellen Stichwort garantiert nie in Berührung kommt. So kann man seine News noch viel präziser verteilen – und man muss nicht ständig checken: Wer hat denn welche Ansicht und wer hat diese etwa gerade eben geändert! Ich führe zwar eigene Listen, aber das ist alles frickelige Handarbeit!

Josef 15. April 2013 um 11:01 Uhr

Ergänzend zu diesem Artikel vielleicht noch ganz interessant: Auf Blog IT-Solutions findet sich eine zweiteilige Artikelserie zum Thema “Facebook: Privatsphäre richtig einstellen”: http://www.blog-it-solutions.de/2013/facebook-privatsphaere-1


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