Blink: Googles neue Browser-Engine für Chrome – und was das überhaupt bedeutet

4. April 2013 Kategorie: Google, Internet, Mobile, geschrieben von:

Interessante Nachrichten aus dem Hause Google: in Zukunft wird man seine eigene Browser-Engine namens Blink realisieren. Doch wie war es bisher und was wird in Zukunft sein? Bislang arbeitete Chrome mit WebKit, welches eine Open Source-Engine ist. Die Entwicklung von WebKit wurde maßgeblich von Apple beeinflusst, nachdem man es als eigenständiges Projekt aus der HTML-Engine KHTML und der JavaScript-EngineKJS erschuf. Mitglieder wie Apple und Google, die an WebKit schrauben, arbeiteten in der Vergangenheit gemeinsam an den Standards.

Chromium

Die gestrige Nachricht ist natürlich überraschend, doch was bedeutet es eigentlich? Das Chromium-Team teilte mit, dass Blink ein Fork von WebKit werde. Ein Fork beschreibt in der Softwareentwicklung eine Abspaltung. Dabei trennt sich ein Produkt irgendwann in ein anderes oder mehrere Projekte auf. Beispiel? LibreOffice ist ein Fork von OpenOffice. OpenOffice wiederum spaltete sich aus StarOffice ab. Und nun wird Blink also etwas eigenes, auf Basis der Open Source-Engine WebKit.

In der Vergangenheit setzt Chrome schon nicht auf alle Teile von WebKit, sondern bediente sich nur an einzelnen Komponenten. So nutzt Chrome zwar WebCore für HTML und CSS, aber nicht JavaScriptCore, sondern die eigene V8-Engine.

Warum Google nun einen eigenen Fork mit Blink startet? Laut Google wird es auf Basis von WebKit immer komplexer und schwieriger, alle Architekturen zu unterstützen. Dies würde das Innovationstempo ausbremsen, sodass man sich zu diesem Schritt entschlossen habe. Keine leichte Entscheidung, wie man mitteilte. Eine eigene Rendering-Engine wird sicherlich Einfluss auf das gesamte Internet haben, gerade, wenn Google so etwas in der Hand hat. Eine Firma, die für ihre eigenen Ziele sicherlich über Leichen gehen wird.

Wenn man sich alles düster ausmalt, dann sehen wir später etwas, was in den 90ern als Browserkrieg bekannt war. Mitte der 90er bekämpften sich Netscape und Microsoft. Beide Hersteller wollten den Markt für sich haben und erfanden eigene, neue Standards. Aber wir werden es ja sehen, keine Vorverurteilung – Google will ja das eigene Motto „Don’t be evil“ sicherlich weiter vor sich her tragen, außerdem dürfen ja auch andere Gruppen an Blink mitarbeiten, ist ja ebenfalls Open Source.

Der normale Benutzer, der bekommt erst einmal nichts mit, da sich die Engine unter dem befindet, was wir so sehen. Macher des Chromium-Projektes gaben an, dass sich auf kurze Sicht auch nichts für Entwickler ändert, erst einmal wird der Code ausgedünnt, entschlackt – sodass die Engine schlanker, stabiler und weniger anfällig für Bugs ist. Während einer Übergangsphase wolle man mit anderen Anbietern von Browsern an der Erhaltung der Kompatibilität arbeiten. Geschwindigkeit in der Entwicklung ist das Ziel. Um die Plattform schneller zu machen, müssen Entscheidungen und Entwicklungen schneller einfließen – und hier soll es bei WebKit hakeln, wie Alex Russel, Entwickler von Chrome bei Google, mitteilt.

Interessant wird es für Apple. Alle Browser auf iOS müssen WebKit nutzen. Alle Browser, die auf iOS derzeit zu haben sind, sind nichts anderes, als ein grafischer Aufsatz für die enthaltene WebKit-Engine. Und laut Apple wird auch nichts anderes als WebKit auf iOS laufen. Dies könnte bedeuten, dass Chrome in Zukunft weiterhin nur mit der alten Engine auf iOS läuft. Und Apple? Die verlieren mit Google einen großen Mitstreiter am WebKit-Projekt. Pikant: während Apple auf das schnelle Nitro für Safari setzen kann, dürfen andere Browser diese schnellere JavaScript-Engine nicht nutzen.

Was gibt es dazu noch zu sagen? Der Anwender wird optisch nichts sehen. Andere Anbieter haben sich auch schon auf Blink eingeschossen. Erinnert ihr euch noch an den Wechsel von Opera auf die Engine WebKit? Opera wird nicht das ursprüngliche WebKit nutzen, sondern ebenfalls an Blink mitarbeiten.

Der mobile Markt ist unfassbar groß, täglich wird der Traffic auf die Seiten größer. Safari nutzt WebKit, Chrome und Opera machen gemeinsame Sache und die Firma Samsung schraubt mit Mozilla an der Engine Servo – spannende Zeiten.


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