Bedient sich Microsoft an GPL-Code?

Noch vor Kurzem hatte Euch Caschy das Windows 7 USB/DVD Download Tool vorgestellt. Damit stellte Microsoft eine Möglichkeit zur Verfügung, die Installationsdateien von Windows 7 auf einen USB-Stick zu schreiben und anschließend davon zu booten. Somit konnten auch Netbook-Besitzer (ohne DVD-Laufwerk) unkompliziert vom Stick installieren und PC-Nutzer kamen einfach in den Genuss einer deutlich schnelleren Installation (gegenüber einem Windows-Setup von DVD). Soweit so gut. Doch nun untersuchte Rafael Rivera Jr. (Betreiber des Windows-Blogs Within Windows) den Code des Tools und erlebte eine kleine Überraschung.

example12

Im Verhältnis zu der gebotenen Funktion, kam Rafael der Umfang des Codes etwas zu üppig vor, weshalb er den Code mit dem Tool .NET Reflector analysierte. Dabei wurde schnell offensichtlich, das Microsofts Tool zu einem “erstaunlich großem Teil” mit dem Code des auf Microsofts eigener OpenSource Plattform CodePlex gehosteten Projektes ImageMaster übereinstimmte. Erst mal kein Problem, sofern sich Microsoft an die Spielregeln gehalten hat.

Aber haben sie? Aus Rafaels Sicht ist schon auffällig, das zu „ihrem“ Tool weder der Source Code zu den von ihnen vorgenommenen Modifikationen offen gelegt oder angeboten wurde, wie es die GPLv2 vorschreibt, noch ein Copyright-Vermerk enthalten war. Auch wurde der Programmierer von ImageMaster zu keinem Zeitpunkt von Microsoft kontaktiert oder über die Nutzung seines Codes informiert. Des Weiteren „klebten“ sie einfach ihre eigenen Lizenzbedingungen an „ihr“ Tool, in denen unter Anderem die Veröffentlichung zur Weitergabe an Dritte untersagt wurde. Dies wiederspricht aber wiederum der GPLv2, welche hierzu eine ganz klare Aussage trifft:

§1. Sie dürfen auf beliebigen Medien unveränderte Kopien des Quelltextes des Programms, wie sie ihn erhalten haben, anfertigen und verbreiten. Voraussetzung hierfür ist, dass Sie mit jeder Kopie einen entsprechenden Copyright-Vermerk sowie einen Haftungsausschluss veröffentlichen, alle Vermerke, die sich auf diese Lizenz und das Fehlen einer Garantie beziehen, unverändert lassen und des Weiteren allen anderen Empfängern des Programms zusammen mit dem Programm eine Kopie dieser Lizenz zukommen lassen.

§2. Absatz b. Sie müssen dafür sorgen, dass jede von Ihnen verbreitete oder veröffentlichte Arbeit, die ganz oder teilweise von dem Programm oder Teilen davon abgeleitet ist, Dritten gegenüber als Ganzes unter den Bedingungen dieser Lizenz ohne Lizenzgebühren zur Verfügung gestellt wird.

Wie auch immer, wir dürfen gespannt sein, ob und wie Microsoft sich in den nächsten Tagen dazu äußern wird. Die „feine englische Art“ war das ganz sicher nicht. Das Windows 7 USB/DVD Download Tool ist nun zumindest (kommentarlos) von jeglichen Microsoft Seiten verschwunden. Der Seite Download Squad soll aber ein kleines Vögelein gezwitschert haben, das MajorGeeks noch eine Kopie haben soll. Meine persönliche Empfehlung ist jedoch, sich evtl. doch mal mit den etwas weniger bedenklichen Alternativen (wie z.B. A Bootable USB oder WinToFlash) zu beschäftigen.

Gastartikel von big_ben191

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    26 Kommentare zu “Bedient sich Microsoft an GPL-Code?”

  1. Stardust sagt

    MS und OpenSource passt doch nicht zusammen… wie sollen die bitte zugeben dass sie ihre Idee von einem OpenSource Projekt geklaut haben?

    Kommentar am 11. November 2009 um 13:54 geschrieben.


  2. Klaus sagt

    MS hat das Tool aus den Downloads entfernt – also ist meine “alte” Anleitung plötzlich wieder aktuell…

    http://blog.klausutech.com/200.....tbook.html

    Kommentar am 11. November 2009 um 14:18 geschrieben.


  3. big_ben191 sagt

    …also ist meine “alte” Anleitung plötzlich wieder aktuell…

    Oder man nutzt einfach eines der (im Artikel) verlinkten Tools ;-) .

    Kommentar am 11. November 2009 um 14:24 geschrieben.


  4. Felix Nagel (twitter @felixnagel) sagt

    @Stardust
    Es gab schon unter OS Lizenz veröffentlichte MS Tools. Mal googlen…

    Leider ist es doch immer wieder Fakt das große Firmen ständig Lizenzen missbrauchen und sich gleichzeitig darüber aufregen wenn es kleine Leute machen. Egal ob M$, Apple, Nokia, BILD oder Sonstwer.

    Ich finde wir sollten den MIT und GPLs dieser Welt einen Zusatz alla “nur für nicht andere ausbeutende oder abmahnende Firmen” geben ;-)

    Kommentar am 11. November 2009 um 14:37 geschrieben.


  5. ich sagt

    “etwas weniger bedenklichen Alternativen”

    Cachy, du verwechselst was. Nicht das Tool ist bedenklich, sondern eventuell Microsofts Umgang mit der GPL. Also: Ruhigen Gewissens das Tool weiterverwenden.

    Kommentar am 11. November 2009 um 14:48 geschrieben.


  6. winlogon.exe sagt

    So etwas nennt man Beweismaterialvernichtung ;-)

    Hier das Beweismaterial: http://zeta-uploader.com/851647785

    Kommentar am 11. November 2009 um 14:49 geschrieben.


  7. Klaus sagt

    @bigben
    > Oder man nutzt einfach eines der (im Artikel) verlinkten Tools

    Schande, du hast auffallend Recht…

    Kommentar am 11. November 2009 um 14:55 geschrieben.


  8. big_ben191 sagt

    @”ich”

    Zu Caschys Verteidigung:
    Wenn, dann hab ich da was verwechselt ;-) .

    Natürlich kann man das Tool weiter verwenden. Die Funktion ist von dem Umgang mit dem Code oder der Lizenz ja nicht beeinträchtigt. Aber ich persönlich mag es nicht so besonders, wenn man sich mit fremden Federn schmückt, denn Ehre, wem Ehre gebührt. Insofern war es mir ein Anliegen auf Alternativen hinzuweisen, deren Programmcode (nach meinem Kenntnisstand) auch von deren Entwicklern stammt und somit (aus meiner Sicht) auch die höhere öffentliche Aufmerksamkeit verdient. Ich denke diese Intention konnte man aus dem Kontext heraus lesen.

    Kommentar am 11. November 2009 um 14:57 geschrieben.


  9. Dave sagt

    Ich verstehe einfach nicht wie man so blöd sein kann…
    Glaubt man bei MS wirklicht dass es niemand merkt? Und vor allem, wieso tut man sich so ein Risiko (Imageverlust) überhaupt an? Ich kann mir nicht vorstellen dass das in irgendeiner Relation steht zu dem was man aus dieser Aktion gewinnen kann.

    Kommentar am 11. November 2009 um 15:42 geschrieben.


  10. big_ben191 sagt

    Erinnere Dich bitte an die Vorverkaufsaktion von Windows 7 und wie groß die Enttäuschung der unzähligen, potentiellen Käufer war, nachdem sie merkten, wie unverhältnismäßig stark (zur riesigen Werbetrommel) das Angebot tatsächlich limitiert wurde.

    Hat es Microsoft geschadet? Verkauft sich Windows 7 deshalb schlechter? Hat sich ihr (temporärer) Imageverlust spürbar in ihrer Kasse bemerkbar gemacht? Nein! Im Gegenteil!

    Ich denke nicht das Microsoft blöd ist. Erst Recht nicht ihre Marketing-Abteilung. Die Wörter borniert und kurzsichtig treffen es wohl eher, bei all dem was man da billigend in Kauf nimmt.

    Kommentar am 11. November 2009 um 15:55 geschrieben.


  11. Rolf sagt

    Hm, also ich finde die Situation nicht so tragisch. Wenn ich meine Software als Open Source ins Netz stelle, gehe ich doch davon aus, dass sie von anderen genutzt wird. Ich wäre sogar stolz darauf, wenn MS Code aus meinem Programm für eigene Sachen nutzt.

    An der Situation hier ist halt nur komisch, dass MS nicht zugibt / zugegeben hat, sich an “fremden Code vergangen zu haben”…

    Kommentar am 11. November 2009 um 16:42 geschrieben.


  12. big_ben191 sagt

    Und wenn Du nun eine Novelle schreiben würdest und Siglinde Schnulzenhuber (der neue Stern am Krimiroman-Himmel) würde diese dann kostenlos und werbewirksam als GiveAway zu ihrem neuen kostenpflichtigen Bestseller beilegen, würdest Du es dann auch “nicht so tragisch” finden? Selbst wenn sie es später zugeben würde?

    Kommentar am 11. November 2009 um 16:50 geschrieben.


  13. 3lektrolurch sagt

    Ich habe vollstes Verständnis für Microsoft, den “besten Arbeitgeber 2009″. Die Mitarbeiter können sich angeblich über die lockere Betriebsatmosphäre freuen. Das Verhältnis Arbeit zu Freizeit sei sehr gut und immer wieder mal zwischendurch sei Zeit, eine Runde auf der xBox zu spielen.
    So so. Das ist wohl besonders immer dann der Fall, wenn durch pfiffigen Einsatz von Open Source viel Zeit gespart wurde.

    Kommentar am 11. November 2009 um 17:40 geschrieben.


  14. kkanzler (twitter @hirngulasch) sagt

    @Rolf: auch für open source-software gibts “lizenzen”. in diesem fall die gpl. diese darf tatsächlich frei kopiert werden, ALLERDINGS NUR unter der voraussetzung, dass die veränderungen im code EBENFALLS wieder offen gelegt werden. ein bisschen informieren, _bevor_ man postet schadet übrigens niemandem…
    http://de.wikipedia.org/wiki/Gpl#Freiheiten

    momentan is die situation eher problematisch, allerdings kann man (mit viel gutem willen) microsoft auch mal ein versehen zubilligen, die beschäftigen schliesslich ne ganze horde programmierer und da hats dann vllt auch mal ein schwarzes schaf dabei, das sich arbeit sparen möchte und deshalb was kopiert.
    IST ABER GANZ EINFACH ZU LÖSEN: microsoft legt einfach den quellcode offen und das problem ist keins mehr. ob sie das wohl tun werden? man darf gespannt sein…

    €dith: Typo
    €dith2: link eingefügt

    Kommentar am 11. November 2009 um 18:18 geschrieben.


  15. SmurFy sagt

    *rofl!

    Ist und bleibt doch nicht das Erste mal.Lustig ist vor allem, wenn man sich in der Scene bewegt und weiß, das sogar Scripte von Milworm seitens der “MS” Entwickler benutzt und umgeschrieben werden …! Das nennen die dann “grösseres Sicherheitsupdate” *gg.

    Kommentar am 11. November 2009 um 18:34 geschrieben.


  16. Praefix sagt

    Also das ist dann der Hammer!

    Im Prinzip aber auch ein Eingeständnis an die Open Source Scene, das sie gute Arbeit geleistet haben und MS dies nicht leisten kann, will etc.

    Also wird OpenSource doch in Zukunft eine sehr große Rolle spielen.

    Kommentar am 11. November 2009 um 18:51 geschrieben.


  17. San sagt

    was man so lesen konnte, war dieses Tool eigentlich nur dafür gedacht, Netbookbesitzern ein wenig zu helfen. In einer Beschreibung stand, daß man es verwenden könne, wenn man sein Windows 7 als ISO vom Microsoft-Store bezogen hat. Erstellen einer Kopie von einer DVD ist ja nicht erlaubt, auch wenn es massenhaft gemacht wird… eine gute Idee war es auf jeden Fall so ein Tool… schade, daß es so enden muss….

    Kommentar am 11. November 2009 um 19:47 geschrieben.


  18. Alex sagt

    Ich finde daran vor allem bedenklich, dass hier alle Microsoft vorverurteilen, bevor irgendwo eine Stellungsnahme von einer der Seiten aufgetaucht ist.
    Vielleicht hat auch der Programmierer des ImageMasters sich bei Microsoft bedient. Oder dass die Quelle des Codes einen ganz anderen Ursprung hat. Ich finde es sehr bedenklich, sich vorschnell hier festzulegen. Auch wenn es irgendwie zu Microsoft passen würde. Dass das Tool von den Websites verschwunden ist, kann ja wohl nicht als Beweis ausreichen.

    Kommentar am 12. November 2009 um 00:19 geschrieben.


  19. HackMan sagt

    Irgendwier erinnert das mich an den Film Startup ( http://de.wikipedia.org/wiki/Startup_(Film) ).
    Wem geht es da noch so?

    Aber alles in Allem will ich sagen, wenn das wirklich Stimmt dass der Code “geklaut” ist finde ich es schon eine Sauerei sich mit fremden Federn zu schmücken. Ein kleiner Hinweis im About-Dialog und eine Nachricht an den Originalautor ist doch wohl nicht zu viel verlangt…

    Kommentar am 12. November 2009 um 08:41 geschrieben.


  20. friddes sagt

    Danke für den Beitrag (der meine Vorurteile mal wieder bestätigt hat) und besonders für die Links zu den Alternativen!

    Kommentar am 12. November 2009 um 08:57 geschrieben.


  21. big_ben191 sagt

    @Alex

    Der Source Code von ImageMaster ist (dem OpenSource-Lizenzmodel entsprechend) seit dem ersten Release durchgängig dokumentiert und uneingeschränkt einsehbar, also quelloffen. Dies schafft Transparenz und Vertrauen, ermöglicht anderen Entwicklern den Code aufzugreifen, daran weiter zu programmieren, den Code auf evtl. Schwachstellen oder Sicherheitsrisiken zu prüfen oder auch nachzuvollziehen ob ein Code zu Unrecht verwendet wurde. Das der Programmierer des ImageMasters sich bei Microsoft bedient hat, ist somit äußerst unwahrscheinlich, da er sich durch die Offenlegung seines Codes ja sonst quasi öffentlich selbst anzeigen würde und mit einer Klage von Microsoft rechnen müsste.

    Dem Gegenüber steht ein sehr potentes Unternehmen, welches (in diesem konkreten Falle) seinen Code weder dokumentiert noch offen legt. Es wurde nachweislich eine Übereinstimmung mit OpenSource-Code festgestellt. Das veröffentlichte Lizenzmodell entspricht dem aber nicht. Statt einer zeitnahen Stellungnahme, steht das Tool plötzlich nicht mehr zum Download zur Verfügung und wird aktuell laut Ars Technica von Microsoft “geprüft”. Wollen wir mal Wetten abschließen, ob oder wann wir von Microsoft dazu noch einmal etwas hören?

    Sorry, ich bin auch kein Freund von Vorverurteilungen, aber bei diesem deutlichen Ungleichgewicht an Indizien und vertrauensbildenden Maßnahmen drängen sich bestimmte Verdachtsmomente nun mal geradezu auf. Diese öffentlich zu machen, scheint leider nötig zu sein, um den Goliath dazu zu bewegen, sich zu einer Stellungnahme herab zu lassen. Diese Chance besteht für ihn doch jederzeit. Nutzt er diese Gelegenheit (und sei es mit einer Entschuldigung), so wird er an Glaubhaftigkeit gewinnen und wir können unsere Bedenken revidieren. Andernfalls denke ich, würde der Annäherungsversuch zur OpenSource-Szene einen deutlichen Rückschlag erfahren.

    Oder wie wir Berliner sagen:

    „Nachtigall, ick hör’ Dir trapsen“ ;-)

    Kommentar am 12. November 2009 um 10:35 geschrieben.


  22. Defender sagt

    Ist wohl kein Artikel von dir!

    Kommentar am 13. November 2009 um 22:12 geschrieben.


  23. LokiBartleby sagt

    Nun ist es offiziell: http://port25.technet.com/arch.....-tool.aspx
    http://www.heise.de/newsticker.....59858.html

    Kommentar am 14. November 2009 um 17:14 geschrieben.


  24. big_ben191 sagt

    @Defender

    Was meinst Du?

    @LokiBartleby

    THX für die Info!

    Wow, Respekt, so gehört sich das. So viel Rückrad für eine Entschuldigung und Anpassung ihrer Lizenz an die GPLv2 hätte ich Microsoft fast nicht zugetraut. Aber ich denke sie sind damit den einzig richtigen Weg gegangen und verprellen somit nicht die OpenSource-Szene.

    Bravo Microsoft :-) !

    Kommentar am 14. November 2009 um 21:08 geschrieben.



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