Beats Studio3 Wireless im Test

5. November 2017 Kategorie: Hardware, Streaming, geschrieben von: caschy

Neue Hardware hatte man bei Beats im September vorgestellt. Die neuen Beats Studio3 Wireless, die unter der Haube einen W1-Chip und Pure ANC mitbringen. Das ist natürlich eine interessante Sache für Menschen, die ab und an mal unterwegs sind und möglichst wenig Störung von außen mitbekommen wollen. Der Beats Studio3 Wireless kommt nicht nur mit adaptiver Noise-Cancelling-Technologie daher, der Kopfhörer bietet Audio-Kalibirierung in Echtzeit, mit der der Nutzer immer das beste Sounderlebnis haben soll.

Bei mir sind Kopfhörer immer so eine Sache. Und bei Kopfhörern dieser Preisklasse (349 Euro kostet der neue Beats) muss man eben schauen, dass man sich nicht mit sich selber irgendwie arrangiert, sondern dass man zufrieden ist. Ich persönlich habe noch recht gute Ohren, kann Klang also recht gut wahrnehmen. Aber: Ich kann nicht einfach jeden Kopfhörer nutzen. In Sachen In-Ear ist fast alles für mich nicht tragbar.

Ich habe bisher nur wenig In-Ears getestet, die ab Werk passten, sodass ich schon welche nehmen muss, die Wingtipps und Silikon-Sets mit im Lieferumfang haben. Kurios: Die AirPods von Apple halten aber ohne Zusätze bei mir. Des Weiteren kann ich keine On-Ear tragen, beziehungsweise will ich dies nicht. Ich trage Kopfhörer meistens auf Reisen und wenn ich On-Ear länger auf den Ohren habe, drücken die meine Ohrmuscheln irgendwann und das geht von unangenehm bis schmerzhaft nach ein paar Stunden. Wenn große Kopfhörer, dann Over-Ear. Aber bitte auch nicht zu große.

Der Beats Studio3 Wireless ist ein Over-Ear. Das sprach schon einmal dafür, dass ich ihn mir einmal anhöre. Noise-Cancelling-Technologie? Auch das ist gerne genommen, denn jeder, der länger in der Bahn oder im Flieger sitzt, will wahrscheinlich seine Klänge oder Geschichten möglichst störungsfrei wahrnehmen. Die Apple AirPods finde ich schon ohne Noise Cancelling gelungen, allerdings bekommt man halt doch viel von der Außenwelt mit, was ermüdend sein kann.

Das Problem bei Tests dieser Art ist natürlich das subjektive Empfinden und die Tatsache, dass jeder anders hört. Das kann am Ohr liegen, aber auch am Alter – manche Frequenzen nimmt man in jungen Jahren anders wahr als im höheren Alter. Als direkten Vergleich nehme ich hier mal die Bose QC35 mit rein, die für viele Menschen als Referenz gelten und auch Sonys MDR 1000X. Getestet habe ich in der Bahn sowie auf ein paar längeren Flügen, die ich in der letzten Zeit absolvieren konnte.

Der Beats Studio3 Wireless wiegt etwas mehr als der beliebte QC35 von Bose. Der wiegt 236 Gramm, das Beats-Modell liegt bei 260 Gramm. Hier kann man wohl sagen: Das fällt kaum ins Gewicht. Der Beats-Kopfhörer passt sehr gut auf meinen Kopf und umschließt meine Ohren. Auch nach vielen Stunden des Tragens hatte ich nicht das Gefühl, dass ich mal absetzen müsse, weil der Kopfhörer drückt. Alles in allem sehr bequem und dies ist für mich schon sehr wichtig.

Die Einrichtung ging leicht von der Hand, der Beats Studio3 Wireless lässt sich via Bluetooth koppeln, wie es bei anderen Kopfhörern auch der Fall ist. Unterschied ist hier die Nutzung mit iOS-Geräten, Apples W1-Chip macht es einfach und erlaubt die blitzschnelle Kopplung über ein Menü, wie auch bei den AirPods.

Hat man den Beats Studio3 Wireless einmal eingerichtet, so lassen sie sich schnell an allen iCloud-Geräten nutzen und müssen nicht erneut mit euren Maschinen bekannt gemacht werden. Praktisch, wenn man auch bedenken muss, dass sich klassische Bluetooth-Lösungen auch recht einfach verbinden lassen – da braucht man in der Regel kein Diplom.

In Sachen Hörerlebnis bietet der Beats Studio3 Wireless für meine Ohren in den meisten Fällen einen sehr guten Klang, die alten Vorwürfe, dass man nur guten Sound bei basslastiger Musik bieten würde, hat Beats meines Erachtens schon lange über Bord geworfen. Selbst weniger basslastiger Sound oder Akustik kommt präzise auf den Punkt ausbalanciert, wenn das Genre stimmt.

Ich habe zum Test unfassbar viel Musik unterwegs gehört, ich habe bei Spotify eine recht umfangreiche Liste, die so ziemlich alle Genres unter einer Haube vereint. Ich war nie der Meinung, dass sich etwas wirklich richtig schlecht anhört – oder so, wie es sich gar nicht anhören sollte. Ob basslastig oder nicht, war schon sehr präzise in den meisten Fällen.

In den meisten Fällen bedeutet aber auch: Nicht immer. Rockmusik fand ich teilweise nicht so knackig wie gewünscht, hier hat sich in bei einigen Sachen der Sound nicht wie erwartet angehört. The Darkness oder Rock generell konnte irgendwie nicht – je nach Titel – die epische Breite entfalten, hier war zu viel Wischi Waschi in den Mitten drin und der Bass das eine oder andere Mal eine Spur fehl am Platze.

Das ist vielleicht Jammern auf hohem Niveau, sollte aber nicht unerwähnt bleiben. So aus meiner Warte wird der Beats Studio3 Wireless sicherlich den meisten Menschen in Sachen Sound passen, Audiophile oder Rock-Fans schauen besser weiter oder schrauben ihre Ansprüche in diesem Genre runter. Wäre das Genre richtig gut mit drin – dann hätte der Kopfhörer wahrscheinlich von gut zu sehr gut geadelt werden können.

Dennoch: In der Gesamtnote ein Gut, auch in Verbindung mit dem Noise Cancelling, welches ich als sehr gut empfand. Kommt nah an den Bose QC 35 ran. Nah, aber eben doch nicht ganz. Ich bilde mir ein, dass der noch einmal eine kleine Schippe drauflegt beim Noise Cancelling. Als Gesamtpaket dennoch für mich der wohl bestklingendste Beats, den ich bisher in, auf oder um die Ohren hatte.

Der Akku: Beats verspricht über 40 Stunden im Normalbetrieb, immerhin 22 mit aktiviertem Noise Cancelling. Und das erscheint nicht übertrieben, zumindest, wenn man nicht dauerhaft auf Volldampf hört. Ich kam mit dauerhaft aktiviertem Noise Cancelling im gemischten Lautstärkebereich auf rund 20 Stunden, was schon eine phänomenale Laufzeit ist. Und wenn man mag, dann kann man den Kopfhörer via Fast Full ratzfatz aufladen, Beats verspricht 10 Minuten Aufladen für 3 Stunden Wiedergabe. Nachgetestet habe ich dieses nicht genau, da ich den Kopfhörer neulich erst wieder aufgeladen habe und noch nicht „leer gehört“ habe.

Was bleibt zu sagen? Die angesprochene Kopplung erwähnte ich bereits, klappt natürlich besonders gut bei Apple-Geräten. Telefonieren und Freisprechen ist auch kein Problem. Tracks skippen und das Regeln von Lautstärke erfolgt über das Smartphone, die Apple Watch, den Kopfhörer selbst oder das mitgelieferte Remote-Kabel. Der Ladezustand kann über das Smartphone abgelesen werden, alternativ bietet der Beats Studio3 Wireless LED-Indikatoren. Nutzer eines iPhones können direkt am Kopfhörer Siri aktivieren.

Im Lieferumfang ist nicht nur das Ladekabel und die Kabelfernbedienung, sondern auch ein Schutzcase. Einen dicken Minuspunkt bekommt Beats von mir, da man auf microUSB zum Aufladen setzt. Jaja, ich weiss: Man lädt den Beats Studio3 Wireless aufgrund seiner tollen Akkuaufzeit sicher selten auf, doch hätte man hier vorweg gehen müssen und auf USB-C setzen können. Rein verarbeitungstechnisch gibt man sich ansonsten keine Blöße, selbst Rucksack-Reisen ohne Case überstand der Kopfhörer ohne Schaden.

Unter dem Strich bleibt: Sehr gute Kopfhörer mit tollem Noice Cancelling, die sich mit W1-Chip bestens ins Apple-Universum eingliedern. Für die meisten Menschen auch klanglich gut, mit den oben erwähnten, subjektiv empfundenen Einschränkungen. Für mich in Sachen Komfort und generell vor den Sony MDR-1000X allerdings einen Ticken hinter den BOSE QC35. Der dürfte für viele Reisende weiterhin die Referenz bleiben. Allerdings dürften die Beats Studio3 Wireless eine bessere Street Credibility bei manchen Nutzern bringen – aber diese Hörer lesen hier sicherlich weniger mit.

In Sachen Preis muss man abwägen. 349 Euro sind eine Ansage. Durch den W1-Chip profitieren natürlich Apple-Nutzer. Wer diesen Komfort nicht wertschätzt, nicht benötigt oder generell nicht zwingend Noise Cancelling braucht, der bekommt auch schon eine Preisklasse darunter Kopfhörer, die den Vergleich in keiner Weise scheuen müssen. Wer daheim nur Musik hören und wenig ausgeben will, dem sei mein Bonustipp gegeben. Superlux HD681. 20 Euro. Kabelgebunden. Preis-Leistung fast unschlagbar.


Über den Autor: caschy

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