Beats Pill+ angehört: Bassgewitter vs. Klangmatsch

13. Dezember 2015 Kategorie: Hardware, geschrieben von: Pascal Wuttke

beats_04Es war ein turbulentes Jahr für Dr. Dre, Jimmy Iovine und alle, die in Beats by Dr. Dre involviert waren. Das Musikunternehmen der Stars wurde im Mai 2014 von niemand geringerem als Apple für schlappe drei Milliarden Dollar aufgekauft. Anfänglich wusste keiner so wirklich, wohin diese Reise gehen sollte und was sich Apple beim Kauf gedacht hatte. Doch mit Abstand betrachtet, passte die Liaison wie die Faust aufs Auge. Schließlich verbindet die beiden Firmen eine Sache: beide sind Meister des Marketings.

Subjektiv betrachtet nur mit dem Unterschied, dass Apple größtenteils das liefert, was die Firma verspricht. Beats hat schon seit jeher den Ruf weg, dass man bei den Produkten mehr wert auf die Vermarktung und das Aussehen legt, als auf den eigentlichen Klang der Geräte. Doch es gibt eben auch sehr viele Fürsprecher für Beats.

Nebst des Marketing-Hintergrundes spielt natürlich auch noch Apples, fest in die Firmen-DNA verankerte, Liebe zur Musik eine Rolle in dem Übernahme-Szenario. Nach kurzer Zeit wurde jedoch auch klar, dass Apple sich mit Dr. Dre und Jimmy Iovine zwei waschechte Koryphäen der Musiklandschaft mit einer geballten Ladung Vitamin C eingekauft hatte, die Apples eigenen Musik Streaming-Dienst „Apple Music“ auf den richtigen Weg bringen sollten. Mit dem Start von Apple Music ließ Apple bekanntlich auch den 24/7 Online-Radiosender „Beats 1“ von der Leine, der mich persönlich positiv überraschte.

Beats ist ja nicht nur für die Linie an diversen Kopfhörern bekannt, sondern auch für Bluetooth-Lautsprecher namens „Beats Pill“. Diese hatten kurz nach der Übernahme keine gute Zeit, da man im Juni, aufgrund von überhitzenden Akkus, Geräte der Beats Pill XL-Serie zurückrufen musste. Die Beats Pill-Serie hinterließ außerdem klanglich – ähnlich wie die Kopfhörer – keinen guten Eindruck bei vielen Menschen.

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Unter Apples Flagge sollte nun alles anders werden, als man im Oktober die Beats Pill+ vorstellte. Diese sollten klanglich ausgewogener sein, aber nicht die typischen, tiefen und satten Bässe verlieren. Schließlich sind Beats seit jeher sehr bassbetont. Ich hatte nun einige Tage Zeit, mir die Beats Pill+ anzuhören und muss vorweg nehmen, dass ich geteilter Meinung bin.

Die Verpackung der Beats Pill+ lässt auf jeden Fall Apples Einfluss sichtbar werden. Das Packaging ist sehr minimalistisch und fügt sich beinahe nahtlos in die Apple Produktlinie ein. Spätestens beim inspizieren des Zubehörs wird klar, dass man es hier mit einem Produkt aus dem Hause Apple zu tun hat. Statt via Micro USB-Kabel wird der Bluetooth-Lautsprecher nämlich via mitgeliefertem Lightning-Kabel aufgeladen. Welche Bluetooth-Version in der Beats Pill+ verbaut ist, lässt man leider nicht verlauten. Ich gehe an dieser Stelle von Bluetooth 4.0 aus, doch nagelt mich bitte nicht darauf fest.

Die Beats Pill+ ist relativ schmal bemessen mit Abmessungen von 6,36 cm Höhe, 6,92 cm Breite und 21 cm Länge. Dafür bringt der Lautsprecher ordentlich was auf die Waage. 745 Gramm machen die Box zum reinsten Briefbeschwerer, doch bringen andererseits auch eine gute Wertigkeit ins Spiel.

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Die Beats Pill+ kommt mit einem, nicht genau definierten, wiederaufladbaren Lithium-Ionen Akku daher, der für 12 Stunden Beschallung sorgen soll. Ein kleines, nettes Feature befindet sich hinter der gummierten Ladeklappe auf der Rückseite wieder: ein USB Charge-Out-Anschluss, über den Ihr im Notfall Euer Smartphone aufladen könnt – auch Android-Smartphones.

Die Beats Pill+ kommt mit wenigen Knöpfen auf der Oberseite aus. Neben dem Power-Button befindet sich eine Akkustandsanzeige in Form von kleinen LEDs, zwei Lautstärke-Buttons und ein großer, beleuchteter Funktions-Button im Beats Logo-Stil, über den das Bluetooth-Pairing abgewickelt wird oder Songs gestartet, pausiert und weitergeschaltet werden können. Randnotiz: im Gegensatz zu den Vorgängern der Pill-Serie wurde das integrierte Mikrofon für die Telefonie sowie NFC scheinbar entfernt.

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Die Beats Pill+ besitzt zudem eine Companion-App, die kostenlos im App Store oder Google Play Store zur Verfügung steht. Hier hat man sich dem Prinzip von Ultimate Ears bedient, die Ihren Bluetooth-Lautsprechern ebenfalls eine Zusatz-App gönnen. Die Ultimate Ears-App bietet jedoch einige Vorteile gegenüber der Beats-App. In der Ultimate Ears App kann man Equalizer-Einstellungen vornehmen, ein zweites Gerät zur Stereo- oder verstärkten Mono-Wiedergabe koppeln oder sogar einen Wecker stellen. Die Beats Pill+ App bietet hingegen „nur“ die Kopplung zweier Geräte zur Stereo- oder verstärkten Mono-Wiedergabe, sowie eine DJ-Option an. Letztere erlaubt einer zweiten Person den Zugriff auf die Pill+, um im Party-Modus ebenfalls Songs auf den Lautsprecher zu feuern. Equalizer-Optionen oder ähnliches sucht man in der App vergebens. Dennoch ist es ein nice-to-have und gut zu sehen, dass mehr Anbieter auf den Zug aufspringen, um einem Produkt erweiterte Features zu spendieren.

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Doch man kauft sich einen Beats-Lautsprecher nicht für die App, sondern für das Aussehen und den Sound. Die Optik ist stimmig, gar keine Frage, doch der Sound lässt für mich zu wünschen übrig. Hier muss angemerkt werden: die Sound-Bewertung ist IMMER subjektives Empfinden. Jeder hat andere Prioritäten und sicherlich wird es Leser geben, welche die Beats Pill+ als klangliches Nonplusultra ansehen. Daher ist dies meine eigene Meinung, die nicht zwingend die Eure widerspiegelt.

Positiv für mich ist der Bass der Beats Pill+. Dies ist schließlich das Steckenpferd von Beats. Hier enttäuscht die Beats Pill+ nicht. Auch kommt aus der recht kleinen Brüllbox ordentlich Lautstärke heraus, die problemlos eine Wohnzimmer-Party beschallt. Doch, wie auch schon bei der Kopfhörer-Serie, achtet Beats meiner Meinung nach zu wenig auf einen ausgewogenen Sound. Und gerade damit wird die Beats Pill+ eigentlich beworben.

Höhen sucht man bei der Pill+ beinahe vergebens und der mitten- und tiefenlastige Sound verwischt den Klang zu stark. Hört man auf dem Bluetooth-Lautsprecher andere Musik als Hip Hop, also Musik mit echten Instrumenten, so wird man hier keine große Freude haben. Die Box klingt einfach sehr dumpf und lässt einzelne Instrumente in einem Brei von Basstönen verschwinden. Räumliche Breite ist hier ebenfalls ausbaufähig. Die Beats Pill+ ist sicherlich nicht die schlechteste Box und für die Größe des Geräts ist die Basswiedergabe schon recht ordentlich, doch ich vermisse einfach die Klarheit in den hohen Bereichen.

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Wie von Beats gewohnt, kommt die Beats Pill+ auch mit einem saftigen Preisschild daher. 259 Euro kostet der Lautsprecher und gehört somit im Bereich Bluetooth-Boxen definitiv zum obersten Preissegment. Meine Meinung? Viel zu teuer. Der Markt wird aktuell von zwei Geräten dominiert, der UE Boom (unser Testbericht der UE Boom 2) und dem Bose SoundLink Mini. Beide sind rund 60 Euro günstiger und klingen in meinen Ohren runder. Die UE Boom kann hier sicherlich nicht mit dem Bassvolumen der Beats Pill+ mithalten, doch ist in der Soundwiedergabe um einiges klarer.

Und wer so viel Geld für einen Bluetooth-Lautsprecher ausgibt, kann auch gleich 30 Euro drauflegen und sich die große Bose SoundLink III kaufen, die zwar nicht mehr so kompakt ist, wie die Beats Pill+ aber immer noch kompakt genug zum Transportieren. Der Sound ist hier auf jeden Fall um Welten besser. Selbst die UE Megaboom (unser Testbericht) – Ultimate Ears’ größte Ausführung an Bluetooth-Lautsprechern, ist günstiger und in meinen Ohren klarer Sieger.

Wer auf basslastigen Sound steht und auf ein gutes Gerätedesign steht, ist hier sicherlich nicht falsch beraten. Wer dann aber Wert auf Klang legt, sollte sich wohl anderweitig umsehen.


 

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Über den Autor: Pascal Wuttke

Nerdlicht in einer dieser hippen Startup-Städte vor Anker. Macht was mit Medien... Auch bei den üblichen Kandidaten des sozialen Interwebs auffindbar: Google+, Twitter, Xing, LinkedIn und Instagram. PayPal-Kaffeespende an den Autor.

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