Ausprobiert: Pixel C – Googles Edel-Tablet im Fokus

4. Juli 2016 Kategorie: Android, Google, Hardware, geschrieben von: Oliver Pifferi

Android N Pixel CDie Tablets: Nicht nur die besten Freunde der Couch-Surfer am Abend, sondern durchaus auch ein produktives Arbeitsgerät, welches – so sagen zumindest die Zahlen – seine beste Zeit bereits hinter sich zu haben scheint. Nichtsdestotrotz scheuen die Hersteller es nicht, Jahr für Jahr weitere Modelle auf den Markt- und alte Konzepte über Bord zu werfen. Ein Tablet, welches Grenzen verschwimmen lassen möchte und diesmal direkt von Google gefertigt wurde, ist bereits Ende September 2015 vorgestellt worden. Grund genug, sich das Pixel C endlich einmal in Ruhe anzuschauen.

Hat man bei Google in der Vergangenheit wie auch bei den Smartphones immer mit Hardwarepartnern zusammengearbeitet, so hat man mit dem Pixel C einmal einen neuen Weg beschritten und das Tablet komplett in Eigenregie entwickelt. Welche Gründe dafür ausschlaggebend waren, dafür gibt es viele Theorien. Persönlich hat mich aber auch seit dem Nexus 7, was für mich seinerzeit einfach ein tolles Rundum-Paket war, keins der Folgemodelle so wirklich vom Hocker gerissen – da wird aber jeder von Euch die ein oder andere persönliche Erfahrung gemacht haben.

Ob der Feldversuch von Google aufgeht und welche Abstriche der Käufer gegebenenfalls machen muss, wenn er sich für das Pixel C entscheidet, wollen wir nachfolgend einmal ergründen. Nur soviel vorab: Was nach Tablet aussieht und Android enthält, könnte aber auch ebenso als Tablet-Ableger des Chromebook Pixel durchkommen. Zusammen mit der optionalen Tastatur, die wir mangels Testmodell leider nicht näher in Augenschein nehmen konnten, verschwimmen auch bei diesem Tablet die Grenzen zwischen den Geräten und lassen es zu einer Art Android-Convertible werden.

DAS STECKT IM GOOGLE PIXEL C:

  • Display: 10,2 Zoll mit 2.560 x 1.800 (308 ppi), 500 Nits, Seitenverhältnis √2, Kontrastverhältnis 1500:1, LTPS-LCD, In-Cell-Touchscreen
  • Prozessor: NVIDIA Tegra X1 mit Maxwell-GPU
  • Arbeitsspeicher: 3 GB LPDDR4-RAM
  • Speicher: 32 GB / 64 GB (wie gewohnt nicht erweiterbar), davon im Auslieferungszustand etwa 24,22 GB in der 32 GB-Version frei
  • Kamera: Rückseite 8 Megapixel / Front 2 Megapixel
  • Betriebssystem: Android 6.0.1 Marshmallow
  • Akku: 34,2 Wh
  • Abmessungen: 242 x 179 x 7 mm, 517 Gramm Gewicht
  • Verbindungstechnologien: WLAN 802.11 a/b/g/n/ac², 2 x 2 MIMO, Dual-Band (2,4 GHz, 5,0 GHz), Bluetooth 4.1 + HS
  • Farben: Silber
  • Material: Eloxiertes Aluminium
  • Sonstiges: Stereolautsprecher, vier Mikrofone, 3,5-mm-Audioausgang, Gyroskop, Beschleunigungsmesser, Umgebungslichtsensor, Näherungssensor, Kompass, Halleffekt-Sensor

HAPTIK UND OPTIK

Nach dem Auspacken sorgt die Qualität des Pixel C erst einmal für positives Staunen. Kein Kunststoff-Flair mehr – das wusste man schon vorher – und dafür ein Unibody-Gehäuse aus eloxiertem Aluminium stehen hier auf der Haben-Seite. Das Design ist schlicht gehalten und verzichtet auf optische Experimente, das Glas des Displayrahmens stellt hier die natürliche Grenze für das Aluminium dar und ist in unserem Testmodell absolut sauber und lückenlos eingefasst. 517 Gramm bringt das gute Pixel C auf die Waage: Immerhin 80 Gramm mehr als das iPad Air 2 – dieses Mehrgewicht fällt aber in meinen Augen nicht wirklich auf. Trotz abgerundeter Ecken wird dem ein oder anderen das Design des Pixel C vielleicht als zu kantig erscheinen, im Großen und Ganzen ist der optische Eindruck von Googles aktueller Tablet-Flunder aber schlichtweg hervorragend.

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Schaut man sich das Gerät dann einmal genauer an, so fallen auf der Rückseite des Pixel C zwei Aspekte ins Auge: Die bunte LED-Leiste, die man auch von Bildern des Chromebook Pixel kennt: Ist man aktiv mit dem Gerät zugange, leuchtet diese in den Farben Blau, Rot, Gelb und Grün und unterscheidet das Pixel C schon einmal von allen anderen Tablets. Neben der Optik stellt diese Leiste aber auch den Ladestand des Pixel C dar – tippt Ihr bei ausgeschaltetem Display zweimal auf den Bildschirm, zeigt euch die Leiste an, wieviel Energie das Tablet noch in petto hat. Fein! Ansonsten gibt es auf der eher schmucklosen Rückseite nichts zu sehen bis auf die Kamera, die auf der rechten oberen Seite platziert wurde und – in Verbindung mit dem Einschaltknopf – eher von einer Verwendung des Gerätes im Querformat ausgehen läßt.

Hält man das Pixel C nämlich quer, ist oben links der Einschaltknopf, die Wippe für die Lautstärkeregelung befindet sich knapp darunter auf der linken Geräteseite. Auch die Frontkamera ist mittig platziert – für den seinerzeit gewohnten Hochkant-Betrieb scheint das Pixel C also ursprünglich nicht gemacht zu sein. Die Oberseite beherbergt neben dem Einschaltknopf noch vier Mikrofone, rechts befindet sich der (noch) gewohnte 3,5 mm-Audioausgang und der rechte Lautsprecher. Via USB Typ-C (Anschluss links unten an der Gehäusekante) wird das Pixel C geladen und auch der linke Lautsprecher findet sich auf dieser Geräteseite, während die Unterseite bis auf den Schriftzug „Designed By Google, Made In China“) und Serien-/Modellnummer schlichtweg leer ist.

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DAS DISPLAY

Ein Display mit 2560 x 1800 Pixel und einer Pixeldichte von 308 ppi wirft Google hier ins Rennen, was in einer ausserordentlich positiv und gestochen scharfen Darstellung resultiert. Das von Google ungewöhnliche, als Quadratwurzel von zwei angegebene Seitenverhältnis ist übrigens genau dasselbe wie bei einem DIN-A-Blättern und wenn man mal genau schaut, entspricht die Größe des Pixel C in etwa ziemlich genau einer DIN A5-Seite. Wer da Gerät also hochkant zum Lesen benutzt, ist da natürlich deutlich größer mit unterwegs als mit einem Kindle (und auch schwerer), hat aber zumindest das altbekannte Heftformat vor Augen.

Das Display ist nicht rahmenlos: An allen Seiten finden wir einen recht ausladenden schwarzen Rahmen, der – im Querformat haltend – im oberen Rahmen Heimatort der Frontkamera ist. Hier könnte man sich nun darüber mokieren, ob der Rahmen nicht zu breit ist oder gar generell weg muss, aber das ist Ansichtssache. Obwohl vorhanden, schenke zumindest ich ihm nicht mehr Aufmerksamkeit als unbedingt nötig – der Rest drumherum sieht toll aus und wenn nur das Display nicht bis zum Rahmen geht: So what?

Mit einer Bildschirmhelligkeit von 500 cd/m² und einem Kontrastverhältnis von 1500:1 ist das Pixel C auch fit für den Außeneinsatz – nur viel Freude macht das nicht: Wie bei vielen anderen Tablet-Kollegen, die in Innenräumen schicke, aber spiegelnde Displays bieten, sollte man auch beim Pixel C draußen den direkten Lichteinfall meiden. Das Display unseres Testmodells gibt übrigens in Sachen Ausleuchtung keinen Anlass zur Klage, die Farbtreue steht dem – subjektiv gesehen – in nichts nach und auch die Blinkwinkelstabilität bietet keinen Grund zum Meckern.

DER AKKU

Um zu sehen, was der 34,2 Wh grosse Akku, den Google in das Pixel C gequetscht hat, dann zumindest in Sachen Benchmark zu leisten vermag, haben wir das Gerät also durch unseren gewohnten Akku-Parcours in Form von „PCMark“ gejagt und einmal so geschaut, was am Ende auf synthetischer Basis denn dabei herauskommt. Wie auch in den Tests meiner lieben Kollegen waren hier die Rahmenbedingungen die gleichen, die wir bei dieser Prozedur mittlerweile fast immer anwenden: Die Helligkeit wurde manuell auf 50% heruntergestellt, WLAN und Bluetooth wurden eingeschaltet und alle Benachrichtigungen – wie auch von der normalen Benutzung nicht anders gewohnt – aktiviert.

Anschließend durfte der Benchmark bei 100% Akku seine Arbeit aufnehmen und unsere (mehr oder weniger so vorhandenen) Alltagsszenarien im Eiltempo durchlaufen, darunter halt die Simulation von Browsernutzung (Surfen), Herumspielen mit vielen tollen und bunten Bildern und Videos sowie dem ganzen Drumherum an weiteren multimedialen Schnickschnack. Dies geschieht wie gewohnt so lange, bis wir einen ungefähren Akkustand von 20% erreicht haben.

Pixel_C_PCMark_Android_N

Das Ergebnis: Beeindruckend. War der Akku vorher vollgeladen, stand am Ende des Benchmarks noch 20% Restlaufzeit und laut PCMark ein Work Battery Life-Wert von 10:13 Stunden zu Buche. Rechnet man das Ganze dann mathematisch hoch, kommen wir somit auf 13:08 Stunden. Klar, draussen vor der Tür ist das wahre Leben und auch das sieht immer anders aus als jeder Benchmark (der kann unter gleichen Testbedingungen schon morgen ein anderes Ergebnis liefern), aber eine ungefähre Richtung, wohin wir uns mit dem Pixel C zu bewegen, ist das schon einmal. Die Schwachstelle älterer Nexus-Tablets, die auch gerne mal schwachbrünstiger daherkamen, hat Google hier definitiv beseitigt. Dank der USB-Typ-C-Anschlusses ist das Tablet auch wieder schnell geladen – 15 Minuten Laden nach vollständiger Entladung bringen Euch ungefähr eine Stunde Saft, nach etwa zweieinhalb Stunden Laden über das mitgelieferte Netzteil ist das Pixel C wieder komplett aufgeladen.

Auch hier muss ich den obligatorischen Hinweis loswerden: Dies ist ein Testszenario und meine individuelle Nutzung eines jeden Endgerätes wird sich wohl definitiv von Eurer unterscheiden. Im Alltag habe ich die Helligkeit des Gerätes auf automatisch gestellt, WLAN und Bluetooth meistens an, rufe drei E-Mail-Konten per Push ab und bin täglich in den üblichen sozialen Netzwerken- und News-Apps unterwegs. Das Tablet wird hier und da abends auf der Couch gezückt, wenn man mal auf den Laptop keine Lust hat und die Augen schon zu klein sind, um auf das Smartphone zu starren. Auch der ein oder andere Film oder ein kleines Spielchen ist immer drin. Also: Den Wert hier bitte nicht in Stein meißeln und – bezogen auf Euer Modell – für gesetzt erachten. Jeder ist verschieden und so sind es auch fünf Endgeräte gleicher Bauart bei fünf verschiedenen Anwendern und speziell schon einmal ein synthetischer Benchmark – eine ungefähre Richtung, wo die Reise mit dem Pixel C aber hingeht, solltet Ihr nun aber in etwa haben.

DIE PERFORMANCE

Motor des Pixel C ist Nvidias Tegra X1-SoC, der das Tablet auf 64 Bit-Architektur und gemeinsam mit acht Kernen antreibt. Kongenialer Partner ist hier die Maxwell-GPU, die auf 256 Recheneinheiten zurückgreifen kann und in Summe mit 3 GB RAM ein Tablet befeuert, welches einfach Spaß macht. Ob ich mich nun durch die üblichen Spiele gewühlt habe, die heutzutage immer zu Buche stehen wenn es darum geht, die Hardware auszulasten oder andere Sachen mit dem Pixel C machte: Googles Tablet blieb relativ unbeeindruckt, nichts ruckelte oder stockte. Noch einmal ein paar Runden in Asphalt 8 drehen, während zehn Apps im Hintergrund laufen? Kein Problem. Auch die Navigation, das Browsen und Starten von Programmen erfolgt so wie man es von einem Gerät, welches durch den Tegra X1 angetrieben wird, erwartet – Lags konnte ich im ganzen, langen Testzeitraum nicht ansatzweise feststellen. Daumen hoch also auch beim Thema Performance!

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Das Ganze wollten wir natürlich durch die üblichen Benchmarks belegen, also folgt hier noch einmal eine Übersicht der einzelnen Tests, die wir mit verschiedenen Apps einfach einmal durchgeführt haben. Basis war hier noch Android Marshmallow 6.0.1 mit dem Mai-Update, was – aufgrund der zwischenzeitlichen Neustarts bei diesem Versionsstand – auch ein kleines Geduldsspiel war. Übrigens fiel auf, dass der AnTuTu Benchmark unter Marshmallow lockere 30.000 Punkte mehr brachte als unter dem dritten Preview von Android N – letzteres ist aber halt noch keine finale und komplett angepaßte Version, so dass sich das bis zur endgültigen Veröffentlichung sicherlich noch ändern wird.

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Ein Platz in den AnTuTu-Top Ten ist dem Pixel C somit sicher und man ist so knapp in Schlagdistanz zum LG G5, welches noch etwas mehr als 4000 Punkte mehr ergattern konnte, weiter oben sonnen sich im Vergleich hier zwei iPhones, Samsungs Galaxy S7 Edge und das Xiaomi 5. 14.000 Punkte fehlen zur Pole Position, die aktuell das LeEco Max2 innehat. Dies sei zumindest Sachen Benchmark-Theorie erwähnt, im Alltag wird man das ob des hohen Niveaus, auf dem man hier quasi jammern könnte, kaum merken.

DIE KAMERA

Wie immer habe ich in Bezug auf Kameras bei Tablets meine eigene spezielle Meinung: Ist für mich die Kamera eines Smartphones das Element, das ein gutes Smartphone noch besser macht (oder es eben in Richtung Durchschnitt abrutschen lässt) und für mich immer ein Kaufargument für das spezifische Modell ist, sind mir die Kameras bei Tablets – gelinde gesagt – völlig egal. Ich habe bisher noch nie das Bedürfnis verspürt, mit dem Tablet Fotos zu schiessen und auch, wenn mal das ein oder andere Videotelefonat anliegt, sind meine Ansprüche hier komplett überschaubar. Ich mache zwar viel technischen Schnickschnack mit, aber das Fotografieren mit Tablets ist etwas, was mich absolut nicht erreicht und auch nie erreichen wird. Das gilt übrigens ebenso für den Trend der Selfie-Sticks, die man schneller als einem lieb ist im Gesicht hat. Nun denn, das ist ein anderes Thema!

Acht Megapixel bietet die Hauptkamera des Pixel C und macht im Hellen erst einmal schöne Bilder, die schon mehr sind als bessere Schnappschüsse. Farbtreue und Weißabgleich wirken – subjektiv empfunden – nah am Original, nur bei Blautönen scheint das Pixel C nach Gutdünken diese entweder zu kräftig oder zu hell aufzunehmen. Ob Letzteres nun an unserem Modell liegt oder generell so ist, kann ich an dieser Stelle nicht sagen, es fiel aber zumindest auf. Die Bildschärfe ist im allgemeinen sehr gut, teilweise hatte ich aber den Eindruck, dass zwischen hellen und dunklen Bereiche die Übergänge ein wenig ausgefranst wirkten, was man aber nur bei deutlicherer Betrachtung am Rechner sieht. Die Position der Kameralinse in der oberen Ecke lädt übrigens dazu ein, beim Querhalten das ein oder andere Bild mit seinem Finger zu schmücken, aber das ist reine Gewöhnungssache. Bei nicht optimalen Lichtbedingungen lässt das Pixel C aber Federn und das Rauschen in den Bildern nimmt deutlich zu.

Die Frontkamera bietet völlig unspektakuläre zwei Megapixel und erfüllt dabei nicht zwingend die qualitätstechnischen Wünsche von Selfie-Freunden, für die Videotelefonie sollte das aber mehr als genug sein. Andererseits könnte man auch davon ausgehen, dass man bei einem Tablet, welches auf Produktivität ausgelegt ist, der Frontkamera vielleicht ein wenig mehr Aufmerksamkeit hätte schenken können, oder?

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Die Optionen, die Googles Standard-Kamera-App bietet, sind relativ überschaubar und erfüllen ihren Zweck. Wer mehr Optionen möchte, sollte sich indes eine der zahlreichen Drittanbieter-Apps zu Gemüte führen.

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Schlussendlich sehe ich das Thema Kamera auch bei diesem Tablet relativ nüchtern – die Qualität ist sehr gut (die Blaudarstellung lässt sich bestimmt via Software-Update beheben), die Optionen zur Kamerasteuerung Google-Standard. Brauchen würde ich die Kamera im Pixel C aber wohl so gut wie nie, aber diese sollte meiner Meinung nach bei einem Tablet nicht unbedingt zur Entscheidungsfindung beitragen. Das mag bei Euch entsprechend anders aussehen, von daher sollte – wenn Ihr es darauf anlegt – die Kamera keinen Faktor darstellen, der Euch vom Kauf dieses Gerätes abhalten sollte.

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DIE SOFTWARE

Mein Geek-Herz mit meiner Vorliebe für das klassische Vanilla Android darf beim Pixel C ein paar Takte höher schlagen. Da das Tablet von Google kommt, bringt es wie auch die aktuellen Nexus-Smartphones natürlich das pure und unverfälschte Android-Erlebnis mit: Kein Launcher oder unerwünschte, teils vorinstallierte Apps – lassen wir einmal die Google-Applikationen außen vor – trüben das offensichtlich saubere Erscheinungsbild. So ist es schön und so darf es ruhig überall sein – zumindest aus meiner persönlichen Sicht, aber hier sind die Geschmäcker natürlich verschieden.

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Glücklicherweise ist die Anzahl unsinnig und unnötig vorinstallierter Programme sehr gering. Wer sich an der ein oder anderen App stört, kann diese deinstallieren, Bloatwareorgien – wie von anderen Herstellern gewohnt – gibt es nicht, sofern man sich nicht an den üblichen Google-Tools aufhängen mag 🙂 !

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Zum Zeitpunkt des Tests landete das Pixel C mit vorinstalliertem Android 6.0.1 Marshallow mit dem April-Update auf meinem Schreibtisch. Ein paar Minuten später war dann – Ordnung muss ja schließlich sein – das Mai-Update auf dem Gerät (mittlerweile Juni), was dann für das ein oder andere Ärgernis sorgte: Viele von Euch dürften das Ganze auch schon am eigenen Leib erfahren haben, sorgte doch speziell dieses Update bei einigen Geräten für ungewollte und sporadische Neustarts.

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ANDROID N

Während ich mich über den Effekt noch ärgerte, offenbarte die Google I/O die Beta von Android N in Form der dritten Preview – mittlerweile ist auch die vierte Version erschienen – und nach einem Update waren die ungewollten Neustarts Geschichte. Hier muss man auch anmerken, dass bereits die dritte N-Preview mit dem Mai-Update bereits absolut flüssig lief, Nummer vier tat dem Eindruck keinen Abbruch und wirkte alles in allem schon ziemlich rund. Android N kann also kommen. Die folgenden synthetischen Benchmarks entstanden übrigens unter der dritten Android N-Preview:

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Optisch ist nun unter anderem der lang erwartete Splitscreen-Modus hinzugekommen, den eben auch andere Hersteller wie Samsung bei ihren Geräten mit an Bord hatten – nun ist er aber direkt in Android integriert und dürfte für viele, die sich in Sachen Produktivität an diesem Feature festhalten, ein Grund sein, endlich erleichtert aufstöhnen zu können: Schaut man sich diverse Meinungen im Netz so an, ist für viele der fehlende Splitscreen-Modus des Betriebssystems jedenfalls ein Grund, dem Pixel C einen Punkt auf der „Nicht-so-gut“-Seite zu verpassen.

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DAS FAZIT

Kurz und knapp behaupte ich, Google hat eins der besten Android-Tablets der letzten Jahre auf den Markt gebracht: Die Optik ist mehr als nur ansprechend, die Verarbeitung ohne Fehl und Tadel. In Sachen Material macht man alles richtig und die Möglichkeit für ein „reines“ Google-Android ist in meinen Augen unbezahlbar. Abstriche machen muss man – sofern man es vorher nicht wußte beziehungsweise sich darauf eingelassen hat – auf den nicht erweiterbaren Speicher und die leider ebenfalls auch fehlende Mobilfunk-Option: Ich bin da noch eher klassisch angehaucht und möchte nicht immer mein Smartphone als Hotspot nutzen – das mag aber auch jeder anders sehen. Sicherlich stellt die 32 GB-Variante nicht die absolute Knappheit dar, der reine Couch-Tablet-Surfer dürfte auch mit den verpönten 16 GB Speicher auskommen, die es hier Gott sei Dank nicht gibt. Das fehlende NFC lässt sich meiner Meinung nach hier eher verschmerzen als bei einem Smartphone, dafür ist das WLAN-Modul wiederum sehr fix und dank ac-Standard auch stabil auf breiten Pfaden unterwegs.

Da Google – gerade in Verbindung mit der optional erhältlichen Tastatur – das Pixel C aber wohl eher im Produktivitäts-Bereich ansiedelt, sind die 32 GB meiner Meinung nach aber zu knapp bemessen, wobei hier ja nur noch 24 GB übrig sind. Kommen da noch die ein oder anderen Musikstücke-, Fotos und Videos hinzu (gerade wenn man unterwegs ist), wird das schon knapp – die reine Cloud-Ablage ist schließlich auch nicht jedermanns Sache. Die Alternative kostet aktuell 100 EUR mehr und bietet 64 GB Speicher – Google veranschlagt aktuell 499 EUR für die 32 GB- und 599 EUR für die 64 GB-Variante, die optional erhältliche Tastatur zieht noch einmal 169 EUR aus Eurer digitalen Geldbörse.

Von dem reinen Gesamteindruck samt der reinen Optik und Wertigkeit hätte Google also auch ehe anfangen können, die Tablets komplett in Eigenregie zu bauen. Eigentlich hat man also alles richtig gemacht, letztendlich merkt es aber anscheinend niemand – beworben wird das Pixel C fast gar nicht, der direkte Vertrieb geht nur über die Geräte-Sparte im Play Store und so allmählich keimt in mir auch die Frage auf, ob die Damen und Herren in Mountain View vielleicht ein wenig Angst vor der eigenen Courage hatten. Das Gerät zum aktuellen Preis inklusive der Tastatur und ich behaupte: Das Pixel C würde seine Käuferschaft finden und man könnte sogar seine Augen vor dem fehlenden Speicherkarten-Slot verschließen. So ist aber allgemein die Frage zu stellen, wo der Platz für das Pixel C neben den Chromebooks denn final sein soll.

Das Gesamtkonzept beeindruckt jedenfalls und zeigt, dass Google auch ohne Hardwarepartner tolle Geräte bauen kann – nur sollte man es endlich offen zeigen, ohne sich auf Entwickler und technik-affine User zu beschränken, die den Wert eines solchen Gerätes definitiv zu schätzen wissen, während die Masse diese leider schlichtweg zu ignorieren scheint. Nur Mut!


 

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Über den Autor: Oliver Pifferi

Digital Native, der trotzdem gerne das Mittelalter erlebt hätte und chronischer Device-Switcher. Multimediafreak. England-Fan. Freier Autor & Tech Blogger. Hobbyphilosoph. Musik-Enthusiast. Querdenker. Zyniker. Hoffnungsvoller Idealist. Gladbacher Borusse und hauptberuflicher IT-Consultant. Auch zu finden bei Twitter, Google+, Facebook, Instagram und XING. PayPal-Kaffeespende an den Autor.

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