Ausprobiert: Huawei MediaPad M2 – 8-Zöller mit Licht, Reflexion und Schatten

8. November 2015 Kategorie: Android, Hardware, geschrieben von: Oliver Pifferi

Huawei_MediaPad_M2Huawei und Honor sind für mich im Android-Bereich aktuell die Hersteller der Stunde, merkt man doch, dass die Chinesen einiges tun, um nach den Stückzahlen und dem Marktanteil mit ihren Geräten auch in den Köpfen der Leute anzukommen. Gut, die bisherige Updatepolitik sollte natürlich überdacht werden, aber die Geräte gefallen mir von Mal zu Mal besser – ob nun das Huawei P8, das Honor 7 oder der letzte höchst interessante Wurf, das Mate S: Mir gefallen die Geräte aus dem Reich der Mitte, auch wenn man immer noch den Eindruck hat, die Marken aus China wären noch nicht zu 100% auf dem deutschen Markt bzw. in den Köpfen der Leute angekommen – zu sehr schwingt noch irgendwie immer der „Billig“-Vorwurf mit, wenn man sich einmal mit Endanwendern unterhält. Im September stellte man auf der IFA nun dann das MediaPad M2 vor, welches wir nun einmal für Euch durchleuchten wollen.

Huaweis neues 8 Zoll-Tablet soll mitten in dem Reigen der gewohnten Tabletgrößen seinen Platz finden und zeigen, dass der Konzern nicht nur gute Smartphones produzieren kann. Einige Wochen ist das schnieke Gerät jetzt nun schon auf dem Markt und die Erfahrungen der bisherigen Einsatzwochen im Alltag wollen wir Euch an dieser Stelle nun präsentieren.

Durch die jüngeren Smartphones von Huawei weiß man: Die Herren und Damen aus China können auch Verpackungen und auch, wenn es ja eher auf den Inhalt ankommt, ist der schwarze Karton des MediaPad mit dem M2-Emblem doch schon Indiz dafür, dass sich etwas Wertiges darin befindet. Das gewohnte Netzteil mit USB-Kabel und Kurzanleitung begleitet das Tablet auf seiner Reise zum Kunden – schlicht und (zumindest was die Peripherie angeht) im weißen Kontrast. Das war es dann auch schon mit dem Unboxing-Erlebnis – schlicht und einfach, aber mit einem kleinen „Geht-schon-hübsch-los“-Erlebnis. Wenden wir uns daher nun einmal dem Tablet an sich und seinen Eigenschaften zu.

DAS STECKT IM HUAWEI MEDIAPAD M2:

  • Display: 8 IPS-LCD Full HD bei 1920 x 1200 Pixeln (283 ppi), kapazitiver Zehn-Finger-Touchscreen
  • Prozessor: HiSilicon Kirin 930 64 bit Octa-Core CPU (4 x 2.0 GHz, 4 x 1,5 GHz), Mali-T628 MP4 GPU
  • Arbeitsspeicher: 2 GB RAM (16 GB-Variante) / 3 GB RAM (32 GB-Variante)
  • Speicher: 16 GB / 32 GB (erweiterbar via MicroSD-Karte von bis zu 128 GB), davon im Auslieferungszustand noch 9,99 GB frei
  • Kamera: Rückseite 8 Megapixel mit LED-Blitz / Front 2 Megapixel
  • Betriebssystem: Android 5.1.1 Lollipop mit EMUI 3.1
  • Akku: 4800 mAh Lithium-Polymer
  • Abmessungen: 214,8 x 124 x 7,8 mm, 330 Gramm
  • Verbindungstechnologien: WLAN 802.11ac/a/b/g/n (2,4 GHz & 5 GHz), WiFi Direct, Bluetooth 4.0 mit A2D, EDR, BLE
  • Farben: Gold, Silber
  • Sonstiges: 2 x 1 W-Lautsprecher mit Harman Kardons „Clarify“-Technologie

HAPTIK UND OPTIK

330 Gramm bei 7,8 mm Dicke – das MediaPad widersetzt sich dem Schlankheitswahn, den wir von Geräten wie dem iPad Air 2 oder dem Samsung Galaxy Tab S2 kennen. Das ist aber an dieser Stelle kein Nachteil, denn nach dem ersten Auspacken liegt das Tablet an sich wunderbar in der Hand – aktuell musste ich mich nur wieder an ein Tablet gewöhnen, das knapp größer als mein damals genutzten Nexus 7 und kleiner das iPad Air 2 ist. Eigentlich also der perfekte Mittelweg, wenn auch irgendwie erst einmal ungewohnt. Optisch kommt es eher schlicht daher – das Display wirkt ein wenig abgesetzt vom Kunststoffrahmen, der durch Rillen entsprechend griffig ist, Spaltmaße sind allerdings nicht festzustellen, nur ob die Rillen auf Dauer nicht Kandidaten für eine Behandlung mit einem Pinsel sind, muss sich auf Dauer noch herausstellen.

An der unteren Seite des Gerätes befinden sich Lautsprecher (übrigens von Harman Kardon) und Mikrofon. Die rechte Seite präsentiert hinter einer Klappe den Slot für die Micro SD-Karte (respektive zusätzlich noch den Platz für die SIM-Karte Eures Mobilfunkanbieters, sofern Ihr das LTE-Modell gewählt habt) sowie den Power-Button und die Wippe für die Regelung der Lautstärke. Die linke Seite bleibt frei, während am oberen Teil des MediaPad M2 dann der Kopfhöreranschluss, den Micro-USB Anschluss und ein zweiter Lautsprecher ist – wobei ich zugeben muss, dass ich aus persönlicher Sicht den USB-Anschluss lieber an der unteren Gerätekarte finde. Ärgerlich ist, dass im Landscape-Modus die Lautsprecher durch die Hände zugehalten werden – designtechnisch wirkt das Ganze also manchmal nicht ganz so zu Ende gedacht. Auf der Aluminium-Rückseite finden wir neben dem Harman Kardon-Schriftzug die Kamera samt LED-Blitz, die freundlicherweise nicht heraussteht. Die Vorderseite beherbergt natürlich die Frontkamera und die Benachrichtigungsleuchte – ein Feature, welches ich persönlich nicht mehr missen möchte.

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Hält man das MediaPad M2 dann aber eine Weile in der Hand (und hier muss ich auch meine Gedanken an die Griffigkeit meines geliebten Nexus 7 einfach mal ausser Acht lassen), gewöhnt man sich sehr schnell an die Haptik, zumal auch die Wertigkeit des Gerätes – auch durch die edel wirkende Aluminiumrückseite und die perfekte Balance – im Großen und Ganzen durchaus gehoben wirkt. Trotzdem bin ich irgendwie dazu angehalten, das Gerät schnellstmöglich in eine Hülle zu packen, um diesen Zustand zu konservieren, zumal auch die 7,8 mm Dicke schlanker als erwartet daherkommen und man quasi das Bedürfnis entwickelt, das Gerät irgendwie schützen zu müssen.

DAS DISPLAY

Das IPS-LCD Full HD-Display des MediaPad M2 bietet eine Auflösung von 1920 x 1200 Pixeln bei 283 ppi. Ist es aus, wirkt es nahezu randlos, wobei der schwarze Rahmen, der es einfasst, schon vermuten lässt, dass wir es hier doch nicht mit einem randlosen Display zu tun haben. Oben und unten haben wir einen Abstand von ca. einem Zentimeter zum weissen Rahmen, links und rechts ca. einen von einem halben Zentimeter zum Gehäuserand – hier behaupte ich, hätte man mehr machen können, wirkt diese Einfassung doch mehr nach digitalem Fotorahmen als nach Tablet-Bildschirm.

Nichtsdestotrotz ist die Auflösung top, die 283 ppi lassen die angezeigten Inhalte gestochen scharf wirken und das reicht auch aus. Was mich persönlich aber stört – und was den an sich positiven Eindruck vom Display ein wenig schmälert – sind die Reflexionen. Bereits beim Auspacken habe ich nach dem Entfernen der Schutzfolie gemerkt, dass das Gerät immer noch wie verrückt spiegelt: Zubehörhersteller von Displayschutzfolien dürften bereits Maß genommen haben, denn selbst im Inneren von Räumen fällt es teilweise schwer, sich auf die angezeigten Inhalte zu konzentrieren, sobald eine Lichtquelle ansatzweise auf das Display strahlt. Draußen ist das Tablet so gut wie gar nicht zu gebrauchen – auch mit maximaler Displayhelligkeit wirkt das MediaPad M2 eher wie ein mobiler Lifestyle-Schminkspiegel als wie ein Tablet, auf dem man in verschiedenen Lebenssituationen digitale Medien (zumindest visueller Natur) konsumieren kann.

01_Huawei_M2_Startbildschirm

DER AKKU

Huawei hat im MediaPad M2 einen 4800 mAh-Akku verbaut, der das Gerät entsprechend lange befeuern soll – kommt das Eingangs erwähnte Samsung Galaxy Tab S2 mit 5870 mAH, das iPad mini 4 mit 5124 mAh und das 2013er Nexus 7 mit 3950 mAh daher, wirken die 4800 mAh recht moderat. Hier haben wir aber auch gelernt, dass mehr nicht immer besser ist – es hängt halt viel von der softwareseitigen Optimierung ab.

Um zu sehen, was der Akku dann zumindest in Sachen Benchmark zu leisten vermag, haben wir das MediaPad M2 also durch unseren gewohnten Akku-Parcours in Form von „PCMark“ gejagt und einmal so geschaut, was am Ende denn dabei herauskommt. Wie auch in den Tests meiner werten Kollegen waren hier die Rahmenbedingungen die gleichen, die wir bei dieser Prozedur immer anwenden: Die Helligkeit wurde manuell auf 50% heruntergestellt, WLAN und Bluetooth wurden eingeschaltet und alle Benachrichtigungen – wie auch von der normalen Benutzung nicht anders gewohnt – aktiviert.

04_Huawei_M2_PCMark

Anschließend durfte der Benchmark bei 100% Akku seine Arbeit aufnehmen und unsere Alltagsszenarien im Eiltempo durchlaufen, darunter halt die Simulation von Browsernutzung (Surfen), Herumspielen mit vielen tollen und bunten Bildern und Videos sowie dem ganzen Drumherum, den Ihr im wirklichen Leben wohl so in Summe nicht für einige Stunden am Stück durchzieht. Dies geschieht wie gewohnt so lange, bis wir einen ungefähren Akkustand von 20% erreicht haben.

Das Ergebnis: Durchaus solide. War der Akku vorher vollgeladen, stand am Ende des Benchmarks noch 20% Restlaufzeit und laut PCMark ein Work Battery Life-Wert von 9:28 Stunden zu Buche. Rechnet man das Ganze dann hoch, kommen wir somit auf 11:50 Stunden. Bekanntlich ist das wahre Leben ja aber immer anders als jeder Benchmark – meistens zu Lasten der wirklichen Laufzeit, sodass das hier auch wieder nur als angewandte Theorie zu betrachten ist, aber zumindest mal einen ungefähren Richtwert darstellt.

Auch hier muss ich den obligatorischen Hinweis loswerden: Dies ist ein Testszenario und meine individuelle Nutzung eines jeden Endgerätes wird sich wohl definitiv von Eurer unterscheiden. Im Alltag habe ich die Helligkeit des Gerätes auf automatisch gestellt, WLAN und Bluetooth meistens immer an, rufe drei E-Mail-Konten per Push ab und bin täglich in den üblichen sozialen Netzwerken- und Newsapps unterwegs. Das Tablet wird hier und da abends auf der Couch gezückt, wenn man mal auf den Laptop keine Lust hat und die Augen schon zu klein sind, um auf das Smartphone zu starren. Auch der ein oder andere Film oder ein kleines Spielchen ist immer drin. Also: Den Wert hier bitte nicht in Stein meißeln und – bezogen auf Euer mögliches MediaPad M2 – für gesetzt erachten. Jeder ist verschieden und so sind es auch fünf Endgeräte gleicher Bauart bei fünf verschiedenen Anwendern, aber nun genug der Philosophie.

DIE PERFORMANCE

Generell läuft das MediaPad M2 innerhalb von Anwendungen recht rund, grobe Ruckler konnten auch aktuelle Spiele nicht produzieren und auch die Wärmeentwicklung war moderat – also alles eigentlich im grünen Bereich.

Mit den Harman Kardon-Lautsprechern möchte man beim MediaPad M2 ebenfalls punkten und platziert diese als Alleinstellungsmerkmal – soundtechnisch ist das auch völlig in Ordnung, klingen die kleinen 2 x 1 W-Krachmacher doch schon deutlich besser  als diverse Mitbewerbertablets, allerdings sollte man Abstriche bei basslastiger Musik oder Actionszenen machen – und damit besser direkt zu einem externen Bluetooth-Lautsprecher mit ein wenig mehr Druck greifen. Wer sich ein Tablet kauft, wird das primär wohl nicht wegen der Qualität von zwei Lautsprechern mit jeweils 1 Watt tun – von daher ist der Versuch, hier den Mehrwert durch Harman Kardon-Technologie zu vermitteln, anzuerkennen, verpufft meiner Meinung nach in der Realität aber.

Zwar ist auch der Kirin 930 – ähnlich wie der Kirin 935, der beispielsweise das Herz des Honor 7 darstellt – kein „richtiger“ Octa-Core, teilt er sich doch einmal in einen 2 GHz Cortex-A53 Quad-Core- und einen 1,5 GHz Cortex-A53 Quad-Core-Prozessor auf, der von 2 GB RAM unterstützt wird. Sinnigerweise ist er im AnTuTu-Benchmark aber auch nur 23 Punkte langsamer als der 935er, der es in meinem Honor 7-Test auf 47528 Punkte brachte – entweder ist daher softwareseitig noch ein wenig Luft nach oben oder aber die 0,2 GHZ Differenz zum Kirin 935 je Kern machen den Braten nicht fett.

Damit liegt auch das Huawei MediaPad M2 solide im oberen Mittelfeld, ohne aber leistungstechnisch an Geräten wie dem LG G4 (nicht weit entfernt), dem Google Nexus 6, dem HTC One M9 oder aber dem OnePlus Two zu kratzen. Fakt ist: Im normalen Betrieb gab es keine Lags oder ähnliche Ruckler, die ich auf die Hardware schieben würde, doch dazu später mehr.

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DIE KAMERA

In Bezug auf Kameras bei Tablets habe ich eine spezielle Meinung: Ist für mich die Kamera eines Smartphones das Element, das ein gutes Smartphone noch besser macht (oder es eben in Richtung Durchschnitt abrutschen lässt) und für mich immer ein Kaufargument für das spezifische Modell ist, sind mir die Kameras bei Tablets – gelinde gesagt – völlig egal. Ich habe bisher noch nie das Bedürfnis verspürt, mit dem Tablet Fotos zu schiessen und auch, wenn mal das ein oder andere Videotelefonat anliegt, sind meine Ansprüche hier komplett überschaubar. Das ist natürlich individuell verschieden, habe ich doch in verschiedenen Situationen Touristen erlebt, die Sehenswürdigkeiten mit dem Tablet festhalten – jedem das Seine halt.

Im MediaPad M2 werkelt eine 8 MP-Kamera, die durch einen LED-Blitz unterstützt wird – und damit lassen sich recht ansehnliche Bilder machen. Bei abnehmender Helligkeit sinkt natürlich die Qualität der geschossenen Bilder und das gewohnte Rauschen tritt ein, bei Tageslicht ist die Kamera aber durchaus mehr als brauchbar (WENN man sie denn braucht).

Die Frontkamera bietet völlig unspektakuläre 2 MP und erfüllt dabei nicht zwingend die qualitätstechnischen Wünsche von Selfie-Freunden, für die Videotelefonie sollte das aber mehr als genug sein.

Wie von Huawei gewohnt, gibt es bei der Kamera diverse Softwareoptionen, an denen man sich bei Bedarf noch austoben kann und die das Paket abrunden: Panorama- und HDR-Funktion bei den Kameramodi sind ja quasi schon Standard, die Einstellungen der Kamera-App bieten dann auch noch diverse Optionen, mit denen man sich den mobilen Knipser schon entsprechend individualisieren kann.

11_Huawei_M2_Kameraoptionen

Schlussendlich sehe ich das Thema Kamera auch bei diesem Tablet relativ nüchtern – die Qualität ist (zumindest bei Tageslicht) durchaus akzeptabel, die Optionen zur Kamerasteuerung in Ordnung. Brauchen werde ich die Kamera im MediaPad M2 (wie auch in meinen bisherigen Tablets) aber wohl so gut wie nie, aber diese sollte meiner Meinung nach bei einem Tablet nicht unbedingt zur Entscheidungsfindung beitragen. Das mag bei Euch entsprechend anders aussehen, von daher sollte – wenn Ihr es darauf anlegt – die Kamera kein Faktor darstellen, der Euch vom Kauf dieses Gerätes abhalten sollte.

DIE SOFTWARE

Ja, nun kommen wir zu meinem Lieblingsthema bei Huawei-/Honor-Geräten: Alles findet dank Huaweis Herstelleraufsatz Emotion UI (EMUI) auf dem Homescreen statt, es gibt keinen App Drawer und die installierten Programme reihen sich Screen für Screen, Reihe für Reihe aneinander. Optisch soll sich das MediaPad M2 nach dem Start relativ edel präsentieren, wobei das goldene Theme nicht wirklich der Reißer ist – hier kann man moderatere Alternativen aus den installierten Themes auswählen oder bei Bedarf neue dazu erwerben.

01_Huawei_M2_Startscreen_EMUI

Auch hier hat Huawei dem Gerät schon viele feine Funktionen spendiert: Es gibt verschiedene Stromsparmodi und parallel dazu ist auch eine Verbrauchsanzeige omnipräsent, die dem Nutzer nach längerer Laufzeit einer App im Hintergrund die Wahl lässt, was er damit denn tun möchte. Ganz Tablet-like gibt es beim MediaPad M2 auch die Möglichkeit, dank Splitscreen-Modus zwei Applikationen nebeneinander laufen zu lassen, wobei Ihr die vertikale Trennlinie nach Belieben verschieben könnt, um einer der beiden Apps entsprechend höhere Aufmerksamkeit zu gönnen.

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Glücklicherweise ist die Anzahl unsinnig und unnötig vorinstallierter Programme sehr gering. Wer sich an der ein oder anderen App stört, kann diese deinstallieren, Bloatwareorgien – wie von anderen Herstellern gewohnt – gibt es nicht.

Das MediaPad M2 kommt mit Android 5.1.1, welches – obwohl die letzte aktuelle Lollipop-Version – leider trotzdem durch die Stagefright-Prüfung fällt: Zwei Lecks, die die Stagefright-Lücke noch nicht gänzlich schliessen, sind hier noch offen. Dass es auch anders geht, hat man beispielsweise im aktuellen 5.1.1-Update für das Honor 4X gezeigt, hier waren alle Stagefright-Lücken geschlossen. Hier ist also noch Luft nach oben, wobei man dann einmal wieder darauf achten muss, wann und wie die Updates das Gerät erreichen. Über ein Update auf Android 6.0 Marshmallow stand uns zum Zeitpunkt dieses Reviews leider noch keine weiterführende Information zur Verfügung.

10_Huawei_M2_EMUI_Stagefright

Sollte man nun aber meinen, bis auf den kleinen Stagefright-Fauxpas wäre alles in Ordnung, so habe ich den Eindruck, dass am bzw. im MediaPad M2 irgendetwas nicht rund läuft. Schaut man sich die AnTuTu-Werte ein, so klebt das Tablet mit 23 Punkten Abstand quasi im Windschatten des Honor 7 – und verhält sich trotzdem anders. Die Oberfläche an sich wirkt ruckelig, der Touchscreen reagiert manchmal erst nach einer kleinen Verzögerung – nicht immer, aber oft genug, als dass ich es als Zufall abtun würde. Plötzlich ist dieser Effekt dann weg, während diese Lags sinnigerweise nur im Bereich des Launchers auftraten: Video-Playback, Spiele wie Need for Speed No Limits oder auch installierte Apps funktionierten butterweich und ließen am Gesamteindruck der Performance beim MediaPad M2 keinen Zweifel.

Der Versuch mit einem anderen Launcher (ja, EMUI und ich werden einfach keine Freunde mehr!) bestätigte meinen aufkeimenden Verdacht: Die oben genannten Effekte waren weg und das Tablet verhielt sich so, wie man es für ein Gerät mit der Hardware erwarten würde – hier scheint also noch ein wenig Arbeit auf Huawei zu warten, denn nicht jeder Käufer wird als erstes einen anderen Launcher ausprobieren, sondern das Gerät out-of-the-box nutzen wollen.

DAS FAZIT

Für aktuell 279,99 EUR bekommt Ihr das 16 GB-MediaPad M2 mit einem Smart-Cover im Huawei-eigenen vMall-Store, für 339 EUR gibt es bei diversen Händlern auch die LTE-Version. Die Premium-Edition mit 32 GB Speicher und 3 GB RAM ist nach unserem Kenntnisstand in unseren Breitengraden noch nicht aufgetaucht bzw. über die üblichen Händler noch nicht verfügbar.

Wer nach dem Abgesang auf das Nexus 7 ein Tablet für den Multimediabereich sucht, sollte sich das MediaPad M2 einmal ansehen. Hier würde ich aber empfehlen: Schaut es Euch live an, fühlt es, benutzt es. In Zeiten, wo ein 5 Zoll-Smartphone als normal gilt, darf natürlich hinterfragt werden, ob ein Tablet denn mit 8 Zoll nicht zu wenig Display bietet und stattdessen ein 10 Zoll-Gerät die bessere Wahl wäre: Die Frage nach der Existenzberechtigung quasi. Das müsst Ihr für Euch entscheiden – für das MediaPad M2 spricht das Gesamtpaket und die in meinen Augen ansprechende Optik (auch wenn ich sie direkt in eine Hülle packen würde). Die Erweiterbarkeit durch eine Micro SD-Karte von maximal 128 GB bietet auch genug Platz, weitere Medien auf dem Gerät abzulegen.

Kritisch sehe ich die Mikroruckler, die ich mir bei einem Gerät mit dem hauseigenen Standardlauncher nicht erklären kann, da die Hardware durchaus potent genug für ein flüssiges Handling ist. Für den mobilen Einsatz außerhalb geschlossener Räume oder zum Lesen von Büchern würde ich indes andere Geräte vorziehen, weil das Display trotz Schärfe und Qualität leider eine moderne Adaption von „Spieglein, Spieglein an der Wand“ darstellt und das Gesamterlebnis leider schmälert – schließlich möchte niemand beim Filmegucken den optimalen Winkel suchen müssen, in dem man sich nicht in dem Gerät spiegelt. Auch die Updatepolitik bei Huawei ist immer noch eine große Unbekannte, die zumindest nicht den Standarduser vom Kauf abhalten, sicherheitsbewussten Endanwendern aber schon eher sauer aufstoßen dürfte.

Wie gesagt: Das MediaPad 2 ist ein Gerät mit Licht und Schatten – die Hardware hat genug Power, an die Software sollte noch einmal Hand angelegt werden. Das Display schreit nach einer matten Schutzfolie und die Lautsprecher sind nett, in meinen Augen aber vor allem ein Marketing-Zugpferd. Das MediaPad M2 ist kein Kandidat für einen Blindkauf beim Versandhändler Eures Vertrauens – schaut es Euch vorher einmal live an. Ansonsten ist das MediaPad M2 in Sachen Haptik & Handling ein Schritt in die richtige Richtung, wenngleich das Tablet – und das behaupte ich einmal aufgrund des Leserfeedbacks in der Vergangenheit – es schwer haben wird, eine Nische zwischen Smartphones jenseits der 4,7 Zoll-Grenze und Tablets mit 10 Zoll zu finden.


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Über den Autor: Oliver Pifferi

Digital Native, der trotzdem gerne das Mittelalter erlebt hätte und chronischer Device-Switcher. Multimediafreak. England-Fan. Freier Autor & Tech Blogger. Hobbyphilosoph. Musik-Enthusiast. Querdenker. Zyniker. Hoffnungsvoller Idealist. Gladbacher Borusse und hauptberuflicher IT-Consultant. Auch zu finden bei Twitter, Google+, Facebook, Instagram und XING. PayPal-Kaffeespende an den Autor.

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