Ausprobiert & Diskussion: das iPad mini

9. November 2012 Kategorie: Apple, Hardware, iOS, Mobile, geschrieben von: caschy

Es wird wieder einer der Beiträge, der spannend zu beobachten ist. Zumindest die Kommentare. Das iPad mini. Von vielen verlacht, als es vor kurzem auf den Markt kam. Was? 1024 x 768 Pixel in der Auflösung? Das kann ja nichts sein. Doch zäumen wir das Pferd einmal von hinten auf – vielleicht für Menschen, die hier nicht die Vorberichterstattung zum Apple iPad mini gelesen haben.

Das iPad Mini ist Apples neuer Formfaktor. Das Ding zwischen iPhone und dem großem iPad. 7.9 Zoll IPS LED Backlight mit einer Auflösung von 1024 x 768 Pixel und einer Pixeldichte von 163 PPI. Dazu 512 MB RAM und ein Dual-Core A5, der mit 1 GHz taktet. Weitere Schnittstellen? Apples neuer Anschluss Lightning, Bluetooth 4.0 EDR, WLAN nach 802.11 a/b/g/n und ein Klinkenstecker für euren Kopfhörer.

Was noch? Wiegt schlanke 308 Gramm, diese sind auf  200 mm Höhe, 134.7 mm Breite und 7.2 mm Tiefe verteilt.Der Akku ist fest verbaut und bietet Luft bis zu 10 Stunden. Weiterhin dabei: zwei Kameras, eine mit 5 und eine mit 1.2 Megapixel. Damit lassen sich 1080p-, beziehungsweise 720p-Videos aufnehmen.

Will man nackte Fakten sprechen lassen, dann ist das iPad mini erst einmal ein Rückschritt. Wir haben einen kleineren Prozessor. Weniger RAM. Weniger Pixeldichte. Auch lässt die LTE-Variante noch etwas auf sich warten, diese Gerätschaften sollen ab Mitte November zu haben sein, Vorbesteller bekamen schon Mails, dass das Gerät in den nächsten fünf Werktagen verschickt wird.

Die Haptik. Jeder Zentimeter ein echtes iPad. Absolut wertig verarbeitet und ein Gerät, welches man gerne in der Hand hält. Ich würde sogar fast behaupten, dass das iPad mini besser als das neue iPhone verarbeitet ist. Zumindest als mein Gerät. Es sieht einfach gut aus und ist mit seinen 308 Gramm auch für längere Sitzungen geeignet. Zu dem geringen Gewicht gesellt sich dann noch einmal die Bauform – das iPad mini ist 7.2 Millimeter dünn und damit sogar noch dünner als das iPhone 5, welches 7.6 Millimeter dick ist.

Was auffällt: das iPad mini hat eine andere Kante als der große Bruder. Das Gehäuse  aus Aluminium wird zu den Seiten hin etwas breiter, bevor es nach unten hin wieder abgerundet ist. Bei diesem Übergang zwischen breiter und schmaler Seite und vom Display zur Kante ist eine Erhebung, die man mit viel Augenzwinkern als “scharf” bezeichnen könnte.

Halten in einer Hand. Benchmarks finde ich eigentlich immer recht langweilig. Im wahren Leben helfen mir keine Aussagen wie “bringt im Test XYZ so und so viele Punkte”. Ich will wissen, ob das Gerät Bedürfnisse erfüllt, welche ich habe. Ein Kritikpunkt am iPad mini ist der dünne Displayrahmen. Man wird das iPad mini wahrscheinlich nie sehr lange halten, wie auf der Apple-Seite zu sehen. Das ist aber durchaus machbar, wenn man das Gerät leicht schräg hält und nicht die Finger umzu krampft.

Ich habe bei mir festgestellt, dass ich das Gerät oft anders halte: in meiner rechten Hand, ein wenig, wie eine zusammengefaltete Zeitschrift. Dabei liegt mein Daumen auf dem Display. Das macht allerdings nichts, denn das Gerät erkennt sehr gut, ob ich es halte oder bedienen will. Auch wenn der Daumen auf dem Display liegt, weil er über den Seitenrahmen lugt, lässt sich das iPad mini mit der anderen Hand bedienen, ohne dass der Daumen als Störfaktor oder Bedienung erkannt wird. Leider nicht beim Surfen, da hakelt es.

Die Lautsprecher. Nun ja, das sind so Dinge, die sehr schwer in Text zu fassen sind. Das iPad mini hat Stereolautsprecher, die gerade dudeln, während ich diesen Text schreibe. Man kann sie recht laut machen, ohne dass sie verzerren. Ich würde sie in der Tat direkt hinter dem großen iPad platzieren, da kam bislang kein anderes der von mir getesteten Tablets so mit. Das Schöne ist ja, dass ihr einfach mal in einen Laden eurer Wahl latschen könnt, um euch selbst ein Bild zu machen. Das ist wichtig. Gewöhnungsbedürftig: einzelne Kippschalter zum Regeln der Lautstärke, nicht wie beim großen Bruder eine Wippe. Komisch gelöst: Stereolautsprecher, die bei Aufstellung im Landscape-Modus nur in eine Richtung strahlen, da sie sich unten am Gerät befinden (dort, wo der Lighning-Anschluss residiert).

Das Display. RetiNO. Hach ja, das Display. Wer noch kein neues iPad hatte, welches mit Retina daherkommt, der wird das Display des iPad mini vielleicht normal oder gut finden. Und in Sachen Farbdarstellung, und Anti-Reflektion liegt man meiner Meinung auch noch vor dem iPad 2. Dennoch lässt mich das Gefühl nicht los, dass andere Tablets eine etwas schärfere Darstellung im Textbereich haben, wer länger mit anderen Geräten arbeitete, der wird dieses sehen.

Wer Webseiten in ihrer normalen Form besucht und liest, der wird feststellen: es muss ab und an gezoomt werden. Ich bin kein Brillenträger, behaupte auch, mit meinen 35 Jahren noch ganz gute Augen zu haben – aber angenehmer ist das Lesen, wenn ich eine Seite zoome. Sehe ich an diesem Blog. Wer Bücher mittels Kindle-App oder ähnlicher Software liest, der wird aber keine Schwierigkeiten mit der Darstellung haben.

Apple setzt weiterhin auf das 4.3-Format, was man sicherlich gemacht hat, damit die vielen Apps weiterhin ohne Anpassungen den vollen Bildschirm ausnutzen. Wer der Meinung ist, 16:9-Filme in Massen zu konsumieren, der wird weiterhin mit schwarzen Balken leben müssen.

Dennoch: schalten wir in den Februar-Modus, eine Zeit, in der das iPad 2 noch aktuell war, dann kann man sagen: eine Verbesserung. Weil? Das iPad 2 hatte 1024 × 768 Pixel bei 132 PPI. Dennoch kein Vergleich zum iPad 3.

Ich würde den Menschen empfehlen, sich die Displays einfach mal selber anzuschauen. Wir Freaks sind ja immer ein wenig Spezifikationen-orientiert, lassen einfach Zahlen sprechen – ansonsten wartet auf das iPad mini mit Retina-Display. Dass das auf den Markt kommt, ist doch wohl klar, oder? Wann? Wird wohl noch dauern, ich schätze, wir sehen da nichts vor dem dritten Quartal 2013.

Die Nutzung als solches. Scheinbar schlechte Spezifikationen machten das iPad mini bei den Gegnern zum Gespött. Nun ist es aber so, dass man wohl eher ein Gerät bevorzugt, welches mit 512 MB gut läuft, als eines, welches mit 1024 MB RAM schlecht läuft, oder? Und so ist es wirklich: Apps starten und arbeiten flott (allerdings nicht so flott, wie beim iPad 3 oder dem neuen Gerät) – sein es meine Anwendungen oder Spiele – läuft alles. Wobei ich zugeben muss, dass ich nicht so die Hardcore-Shooter spiele, sondern lediglich eher die ruhigere Ecke. Was momentan nicht so rund läuft bei Apple: der App Store, der ist oft laggy.

Was mich total abnervt: das LTE-Gerät ist noch nicht verfügbar. Der gleiche Spaß wie beim Nexus 7. Ich habe einen mobilen Hotspot, aber ich hasse dessen Nutzung. Persönliche Antipathie, ich mag es eher eingebaut. Ich will sehen, welches Netz ich habe und mag keinen MiFi, der vielleicht nur vier Stunden hält – den ich dann immer an- und ausschalten muss. Nervt mich unwahrscheinlich.

Der Akku? Hält was er verspricht. Auf 10 Stunden kommt ihr locker bei normaler Nutzung. Gefühlter Wert, kein Labor-Shizzle. Sofern ihr das iPad mini zum Lesen von Büchern nutzt: ihr werdet wesentlich mehr als 10 Stunden lesen können.

Die Kamera. In Kurzform? Hinter dem iPhone 4S und dem iPhone 5, was logisch erscheint, aber definitiv besser als das iPad 2. Stellt sich aber die Frage, wer mit dem Tablet richtig Foto- oder Videoaufnahmen macht. Zudem fehlt beim iPad mini der LED-Blitz. Nett zu haben, dennoch für mich relativ unwichtig. Aber: besser als viele Smartphone-Kameras der Mittelklasse. Fotos sollten bei guter Belichtung gemacht werden, ansonsten rauscht es, des Weiteren achtet darauf, dass ihr das Gerät ruhig haltet. Im Hellen hui und bei schlechter Beleuchtung pfui.

Ihr wollt ein Fazit? Eine persönliche Meinung? Gerne. Die Frage ist immer, wer sich so ein Gerät kauft, wer so ein Gerät braucht. Ich aus meiner Warte bin sicherlich kein Maßstab. Ich bin Blogger, Technik-Beschmierter und von daher sicher nicht der normale Kunde. Ich nutze alle Systeme selber, Windows, Mac OS X, Android, iOS und Windows Phone sind meine Begleiter – doch noch nutze ich iOS sehr gerne, weil ich visuell bin. Die Apps, die ich so nutze, sollen schon Spaß machen. Da bietet mir iOS momentan noch die beste App-Auswahl auf dem Tablet.

Lohnt sich der Umstieg? Gegenfrage: warum solltest du das wollen? Dein altes iPad wird sicherlich das meiste auch erledigen – wer das Geld über hat und auf einen neuen Formfaktor umsteigen will, der darf es gerne tun. Für Tablet-Einsteiger könnte das iPad mini eine Überlegung wert sein. Gönn dir was, wenn du es kannst. Das Leben ist nicht nur immer Dacia, das darf auch mal was Größeres sein.

Ich selber habe mich in den vergangenen Tagen mehr als intensiv mit dem iPad mini beschäftigt. Vermisse ich das große iPad? Nein, auf keinen Fall! Das iPad mini ist ein so mobiler Begleiter, das ist unglaublich gut. Kein Vergleich zum mehr als doppelt so schweren Bruder. Das Ding passt vorne in die Tasche meines Hoodies. Aber ich muss auch sagen: mir fehlt das Retina-Display sehr.

Preisdiskussion. Fakt ist: die neuen Nexus-Geräte sind so günstig, weil sie von Google massiv subventioniert werden. Die Gerätschaften kosten sonst wesentlich mehr, das dürfte jedem klar sein. Warum Google das macht? Ganz einfach: man nimmt jetzt ordentlich Geld in die Hand, um sein System noch mehr in den Markt zu drücken. Apple, Amazon und Google sind unterschiedlich. Bei Google läuft das Verdienen bisher größtenteils über die Werbung in den Diensten und eure Daten. Android? Geschenkt. Amazon macht es ähnlich, verkauft ein günstiges Tablet, damit ihr die Bücher und Co konsumiert.

Apple? Bietet eher wenig bis gar nicht werbefinanzierte Dienste, sondern macht Geld mit dem Verkauf von Hardware und dem Betriebssystem. Es gibt verschiedene Methoden, mehrere funktionieren, der Kunde hat bekanntlich die freie Wahl – und in Sachen Tablets ist das Jahr 2012 das definitiv interessanteste! Wir haben im Android-Bereich das Nexus 7 und das Nexus 10, dazu noch Dutzende andere Android-Tablets von unterschiedlicher Qualität und Preisklasse.

Die Android-Partner werden es richtig schwer haben, Geräte zu verkaufen, man wird sich an den Nexus-Geräten messen lassen müssen. Lenovo, Acer und Co? Scheinen nur wenige zu kaufen. Amazons Kindle Fire HD? Hat meine Frau. Übles Teil, holt euch lieber ein Nexus für das Geld.

Preisvergleich Nexus 7 mit iPad mini? Ich vergleiche ungerne verschiedene Systeme, mir liegt da eher Android vs. Android oder so. Das Nexus 7 kostet mit 16 GB 199 Euro, das iPad mini mal stolze 329 Euro. Das Nexus 7 ist ein fantastisches Gerät, es ist das Android-Gerät in der Preisklasse. Dennoch ist es in Sachen Verarbeitung kein iPad mini – logisch. Aber das braucht es auch nicht – die Geräte sind einfach zu verschieden um sie zu vergleichen.

Ich kann und möchte nur vergleichen, wenn ich identische Geräte oder Fertigungsweisen sehe. Schaue ich mir Tablets der gehobenen Preisklasse an, dann kann ich nicht mehr über die iPad-Preise von Apple diskutieren (nicht iPad mini!) – da liegen die Jungs aus Cupertino aus meiner Sicht in Sachen Verarbeitung / Qualität / Preis vorne. Und da habe ich persönlich das große Glück, etwas mehr ausgeben zu können / wollen. Sehe ich bei meinem MacBook, sehe ich bei meinem drei Jahre alten iMac.

Dennoch: das iPad ist schon eine preisliche Hausnummer in Deutschland. In den USA kostet das iPad mini inklusive Smart Cover mal eben 315 Euro, hier in Deutschland liegt das iPad mini mit 16 Gb bei 329 Euro.Sehr happig – und das ist das erste Mal, dass ich einen Preis so angehe. Ich hätte erwartet, dass das iPad unter 300 Euro liegt. Nicht im Bereich 249 – aber eben nicht über 300. Und wenn es in höhere Speicherbereiche geht, dann ist es in Relation noch teurer.

Das iPad mini ist ein Premium-Tablet zu einem Premium-Preis. Es macht mir einfach Spaß (unabhängig vom Preis!) und dürfte denjenigen gefallen, die in der iOS-Welt ansässig sind. Tablet-Einsteiger mit dem nötigen Geldbeutel und dem Hang zu perfekter Abstimmung in Sachen Hard- und Software sollten sich das iPad mini anschauen. Persönliche Einschätzung? Dieser Formfaktor wird über kurz oder lang das große iPad in Sachen Verkaufszahlen überflügeln. Leistungsstarke Technik wird kleiner und dünner und das Retina-Display wird kommen. Mobile Menschen werden dann das geringe Gewicht und die Abmaße schätzen lernen.

Apple iPad Mini WIFI , technische Daten:

  • Prozessor: Apple Dual-Core A5
  • Speicher: Flash, 16, 32 oder 64 GB (je nach Modell)
  • Schnittstellen: Bluetooth 4.0 EDR, WLAN a/b/g/n
  • Mobilfunk: /
  • Standortbestimmung: WIFI, digitaler Kompass
  • Display: IPS LED Backlight, 7.9 Zoll Diagonale, Multitouch
  • Auflösung: 1.024 mal 768 Pixel, 163 ppi, abweisende Beschichtung
  • Maße: Höhe 200 mm, Breite: 134.7 mm, Tiefe 7.2 mm
  • Gewicht: 308 Gramm
  • Akku: fest eingebaut, 16.3 Wh – bis 10 Stunden
  • 3,5 Millimeter Klinkenstecker, eingebaute Lautsprecher, Mikrofon
  • Lightning-Anschluss
  • Cam: Facetime HD Camera, 1.2 MP, 720p Video – iSight: 5 MP, Videoaufnahme 1080p

STOP! HAMMERVIDEOTIME!

Das Gute am iPad mini? Guter Akku. Tolle Verarbeitung. App-Verfügbarkeit für Tablets.

Das nicht so Gute am iPad mini? Geringere Display-Auflösung als die Mitbewerber. Passt nicht so einfach in die Hand, wie behauptet. Es ist teuer. Kein GPS.

Würde ich mein großes iPad gegen das iPad mini eintauschen? Ja, trotz des Displays, der Formfaktor macht was her. Ziehe ich das iPad mini dem Nexus 7-Tablet vor? Auch das. Stichwort gute Tablet-Apps. Das sage ich aus persönlicher Anwendersicht.

Das Jahr 2013 wird spannend. Konsumenten bekommen Gadgets wie noch nie um die Ohren gehauen und in Sachen Tablets kommt ein ordentlicher Schub rein. Wir werden das Android-System wachsen sehen und vielleicht einmal tolle Tablet-Apps haben, die nicht so aussehen, als hätte ein Fünfjähriger mit Knete gespielt. Wir werden einen Umbruch erleben. Convertibles oder Dinge wie das Microsoft Surface – dieses wird sicherlich in den späteren Pro-Varianten richtig interessant. Vollwertiges Windows, super flache Tastatur und das volle Produktivitätsprogramm. Aber: erste Pro-Geräte irgendwann im ersten Quartal 2013.

In diesem Sinne: haltet die Augen offen und sucht das Gerät für euch aus, dass am besten zu euch passt. Kauft nichts, was andere für euch wollen.

Disclaimer: dieser Beitrag kann Spuren von eigener Meinung enthalten ;) Bei Fragen einfach fragen. Bei gefundenen Fehlern Bescheid sagen, der Beitrag entstand zu 95 % in einer schlaflosen Nacht :)


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Über den Autor: caschy

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