Ausprobiert: die Apple Watch

3. Juni 2015 Kategorie: Apple, Wearables, geschrieben von: caschy

Knapp über einen Monat habe ich die mir von Apple zur Verfügung gestellte Apple Watch nun im täglichen Einsatz. Zeit für eine Meinungsäußerung. Ein Bericht, der natürlich subjektiv geschrieben ist und nur auf mein Anwendungsprofil passt.

Enlight

Die derzeitige Auswahl an Smartwatches ist übersichtlich: in Sachen Android Wear gibt es einige Geräte, manche schick – manche weniger. Interessierten sei nur ans Herz gelegt: achtet auf eine Uhr, die das aktuelle Android-Update funktionstechnisch unterstützt, nicht dass ihr da zu einer alten Smartwatch greift.

In Sachen Auswahl gibt es momentan klar getrennte Lager – Android Wear unterstützt nicht wirklich ein iPhone und eine Apple Watch funktioniert nur mit dem iPhone. Nutzer eines Android-Smartphones mit Smartwatch-Interesse bleibt also nur der Griff zur Android Wear-Smartwatch, während iPhone-Besitzer zur Apple Watch greifen müssen, sofern sie denn eine Smartwatch wollen – die Pebble lasse ich hier einmal außen vor, da sie nicht alle nativen Funktionen des jeweiligen Systems unterstützt, dennoch eine hervorragende Smartwatch ist.

Ihr habt die Größenauswahl zwischen 38 mm und 42 mm, dazu gibt es dann eben die Apple Watch Sport, die Apple Watch und die Apple Watch Edition. Die Apple Watch Sport ist dabei die kleinste Edition, zu haben ab 399 Euro, sofern man zum 38 mm Aluminiumgehäuse mit Sportarmband greift. Die 42 mm-Ausgabe ist dann schon wieder 50 Euro teurer, liegt also bei 449 Euro. Die Apple Watch gibt es auch in den beiden Größen, sie hat aber ein Edelstahlgehäuse und kostet 649 Euro in der 38 mm-Variante, die 42 mm-Smartwatch liegt dann bei 699 Euro. Über die Smartwatches aus Rosé- und Gelbgold fange ich gar nicht an zu reden, die liegen bei 11.000 und 13.000 Euro.

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Die Apple Watch und die Watch Sport kommen mit Kunststoffarmbändern daher. Es gibt ein Programm für Dritt-Anbieter, sodass diese Armbänder für die Apple Watch produzieren können. Ein florierender Zukunftsmarkt, der noch nicht ganz in Fahrt gekommen ist, dies aber darf. Denn ich möchte einmal bei den Armbändern der Apple Watch anfangen. What the f….? Richtig – dachte ich auch. Was sind das bitte für Preise? Milanaise-Armband für 169 Euro, Armband aus Granada-Leder für 269 Euro und das Gliederarmband für satte 499 Euro?

Hier kommt wieder meine Subjektivität und mein Verhältnis zu Geld durch. Ich habe – bevor es Smartphones gab – auch Uhren getragen. Meistens Fossil in diversen Ausführungen, in den beginnenden 90ern noch Swatch, dann Mitte der 90er auch die Casio G-Shock. Das waren alles Kisten, die die Uhrzeit anzeigten und im jeweiligen Zeitfenster für mich auch schick aussahen. Kosteten aber nie mehr als umgerechnet 100 bis 150 Euro. Natürlich gibt es Menschen, die eine Uhr als Schmuckstück ansehen und entsprechend auch gerne mal für ein Omega-Armband 500 bis 1000 Euro auf den Tisch legen. Andere kaufen eben auch Uhren für zigtausend Euro.

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Dennoch: will nicht in meine Birne, ich könnte mir so ein Armband nicht einmal ruhigen Gewissens kaufen, wenn ich im Lotto gewinne. So alleine vom Herz und vom Kopf her.

Trotzdem ein kurzer Blick auf die Armbänder. Milanaise ist mit 169 Euro eines der günstigeren. Keine bahnbrechend neue Erfindung so ein gewebtes Edelstahlgeflecht mit verstellbarem Magnetverschluss – doch für mich eines der Highlight-Armbänder. Einfach mittels Magneten das Armband schließen. Finde ich extrem praktisch. Passt immer, wie man es gerade mag. Solltet ihr das in Betracht ziehen: kann ich empfehlen, probiert es mal aus.

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Ich habe derzeit das Gliederarmband im Einsatz. 316L Edelstahllegierung mit Doppelfaltverschluss. Den Schließmechanismus finde ich gelungen, hier hat man seitlich zwei Clips, die man eindrücken muss, damit sich das Armband öffnet. Viel bemerkenswerter ist aber die Tatsache, wie man Armbänder bei der Apple Watch anpassen kann. Gewechselt wird per Schieber. Man drückt am Gehäuse mit dem Fingernagel auf ein kleines Knöpfchen, woraufhin man das Armband entfernen kann.

Beim Gliederarmband hat man zudem eine Funktion verwendet, von der ich mich frage, warum nicht jeder Uhrmacher bei Gliederarmbändern auf diesen Mechanismus setzt. Statt der klassischen Stifte hat man ein ineinander verzahntes System. Man muss also kein spezielles Werkzeug nehmen, um Glieder zu entfernen, auch hier reicht ein Klick mit dem Fingernagel auf ein Glied, um dieses aus der Verzahnung zu nehmen. Das ist in Windeseile von jedem erledigt und ist für mich persönlich ein erwähnenswertes Highlight an diesem Armband.

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Kommen wir zur Smartwatch als solches. Optik ist bekanntlich Geschmacksache, sodass ich hier eigentlich wenig darüber schreiben muss, wie sie mir gefällt. Ihr lest hier diesen Beitrag sicherlich, weil ihr bei eurer Entscheidung ein Pro und Contra benötigt. Da ist ein Geschreibe von mir zur Optik wahrscheinlich wenig hilfreich. Ich mag das Design, an meinem Arm wirkt die Uhr nicht zu klein oder gar klobig. Was ich gut gelöst finde, das ist der Rahmen der Uhr. Das Display als solches ist schwarz und die komplette Oberseite ist es auch. Dabei füllt das Display den kompletten oberen Bereich nicht aus, macht aber optisch den Eindruck.

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An dieser Stelle schon einmal ein kleiner Hinweis an Linkshänder oder Menschen, die die Uhr etwas anders tragen wollen. Ich als Rechtshänder trage die Uhr links, was dafür sorgt, dass der Menüknopf und die Krone auf der rechten Seite sitzen. Somit dreht man mit Daumen oder Zeigefinger an der Krone und drückt den Button mit dem Daumen – bei mir ist es so, dass ich beide Elemente mit dem Daumen bediene.

Es ist allerdings auch nicht ganz unpraktisch, wenn man die Krone nach innen, also hin zum Arm trägt – zumindest, wenn ihr den Spaß mit der Zeigefinger bedienen wollt – oder von unten her mit dem Daumen (und der Zeigefinger wird zum Festhalten genommen). An welchem Arm oder wie herum ihr die Apple Watch tragt: eure Entscheidung, denn die Ausrichtung ist in den Einstellungen justierbar. Der Entwickler von Twitterriffic hat hierzu auch einen schönen Beitrag geschrieben.

Wunderlist und Swarm

Wunderlist und Swarm

Die Einrichtung der Uhr war ein No Brainer und somit schnell erledigt. Die Apple Watch bringt eine Kompagnon-App mit, über die jede Menge justierbar ist. Vorab sei gesagt: ich bin jemand, der nichts darauf gibt, wenn X Personen meinen Beitrag bei Instagram liken oder so. Narzissten können diese Option natürlich aktiviert lassen, ich selber habe ordentlich nachjustiert, damit ich nicht jeden Schwachsinn auf die Apple Watch geblasen bekomme.

Interessante Feststellung: für die Apple Watch gab es direkt zum Start schon mehr Apps, als für Android Wear. Das große Problem dabei ist aber, dass die Apple Watch-Apps zum größten Teil dumm sind und nicht wirklich nativ. Gefesselt an ihre Kompagnon-App auf dem iPhone warten sie darauf, mehr oder minder nützliche Dinge zu tun.

Ganz ehrlich: Liebe Entwickler –  nicht jede App ergibt auf der Smartwatch Sinn. Was mich eben noch tierisch nervt: teils lange Wartezeiten beim Laden von Apps. Drei bis vier Sekunden scheinen wohl die Regel zu sein beim Erststart, manche Apps rödeln länger. Bleibt zu hoffen, dass dies mit dem Erscheinen eines SDK für native Apps im Rahmen der Apple WWDC 2015 besser wird. Ebenfalls hoffe ich auf ein verbessertes App-Angebot in Sachen unterstützter Apps.

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Folgendes ist das Problem: es ist sicher so, dass angepasste Apps den Entwickler Zeit und Geld kosten. Was er dafür bekommt, ist ungewiss. Sicherlich dürften die Verkaufszahlen der Apple Watch denen von Android Wear weit überlegen sein – doch inwiefern sich das Ganze für den Entwickler rechnet, weiss ich nicht. Konkrete Beispiele? Tweetbot hat keine native App, zeigt Tweets und erlaubt auch das Favorisieren und Retweeten. Mehr nicht. So echte Interaktion sieht anders aus.

Auch Google Inbox ist ein Thema, ganze Mails kann man nicht lesen, sondern nur einen Teil, auch hier fehlt eine native App oder eine bessere Einbindung. Was bleibt? Der Griff zur Mail-App von Apple oder man nutzt das neue Spark von Readdle, welches gegenüber Google echt die Nase vorn hat. Das sind keine Dinge, die Apple direkt beeinflussen kann – aber es ist eben doch ein Problem, welches Apple auch hat. Schön dass ich mir auf dem Display Instagram-Fotos anschauen kann – aber ehrlich gesagt interessiert mich das nicht so, ich bin da lieber produktiv unterwegs.

In der täglichen Nutzung.

Was ich persönlich häufig nutze, das ist das Antworten auf Nachrichten via iMessage. Hier kann ich schnell per Smilie oder vorgegebener Nachricht mit meinem Gegenüber kommunizieren, das Antworten ist aber auch recht schnell via transkribiertem Text oder als Audionachricht möglich. Siri ist an Bord und wird per Sprache oder per Klick auf die Krone gestartet. Siri benötigt Verbindung zum iPhone – entweder via WLAN oder Bluetooth. Hier kann ich Dinge fragen oder eben auch das Senden von Nachrichten veranlassen. (Tipp am Rande: die Apple Watch bietet vorgegebene Nachrichten, diese lassen sich in der Kompagnon-App auf dem iPhone unter dem Punkt Nachrichten > Standardantworten von euch anpassen). Ferner findet ihr hier die Option, per Siri eingesprochene Nachrichten standardmäßig als Transkript oder Audio verschicken zu lassen.

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Nachrichten und Kontaktauswahl (Apple Watch zu Apple Watch)

Auch die üblichen Abfragen sind via Siri möglich, beispielsweise kann ich die Frage nach dem Wetter beantworten lassen – oder ich kann die Frage stellen, was denn im Kino läuft. Hier sehe ich dann die Cover des Filmes, Schauspieler, Inhalte und natürlich das ausstrahlende Kino. Siri ist ein integraler Bestandteil der Apple Watch und ohne diesen Assistenten würde die Smartwatch wohl wenig Sinn ergeben. Was etwas schade ist: Nutzer der iOS-App Erinnerungen werden diese auf der Apple Watch vermissen. Zwar kann man Erinnerungen erstellen, diese aber lediglich per Handoff-Funktion an das iPhone übergeben, eine richtige App fehlt irgendwie.

Die Suche nach dem Kino

Die Suche nach dem Kino

In Sachen der Kommunikation finde ich es auch praktisch, schnell mit der Apple Watch telefonieren zu können. So kann ich beispielsweise im Wohnzimmer Telefonate mit meiner Apple Watch führen, wenn das iPhone gerade mal nicht zur Hand ist. Das finde ich überaus praktisch und wird von mir häufig genutzt. In der freien Wildbahn mache ich dies allerdings maximal nur, wenn ein Kopfhörer auf meinen Ohren sitzt. Übrigens: ein auf der Apple Watch bestehendes Telefonat kann auch direkt an das iPhone übergeben werden.

Telefonate und Nachrichten können direkt über Siri übertragen werden, aber auch über den Button eingeleitet werden. Ein Knopfdruck katapultiert euch in eine von euch zu definierende Favoritenliste mit Kontakten, die ihr schnell erreichen wollt. Hier habt ihr dann die Option des Anrufes – oder ihr verschickt eine Nachricht. Hat euer Gegenüber ebenfalls eine Apple Watch, so stehen weitere Interaktionsmöglichkeiten bereit.

Watchface-Auswahl, mein Watchface und der App-Launcher

Watchface-Auswahl, mein Watchface und der App-Launcher

Hier stehen animierte Smilies zur Verfügung (bekommen Nicht-Apple-Watch-Nutzer als GIF), ihr könnt aber auch euren Herzschlag senden, Taps senden oder selbst etwas auf das Display zeichnen. Diese Funktion habe ich mit Freunden, die ebenfalls eine Apple Watch nutzen, in der Anfangszeit viel genutzt, der echte Mehrwert ist hier aber fraglich. Frisch Verliebte werden diese Funktion namens Digital Touch aber sicherlich häufiger nutzen. Ist halt ein Gimmick, welches dabei ist. Was irgendwie schräg ist – oder ich bin blind: es ist nicht möglich, einen Verlauf über bereits verschickte Scribbles zu finden. Eine Integration in die Nachrichten-App fehlt. Warum nur?

Tweetbot und das Löschen aller Benachrichtigungen

Tweetbot und das Löschen aller Benachrichtigungen

Ein Praxisbeispiel, welches ich auch erwähnenswert finde, ist die Navigation. Ich kann – ohne das Smartphone zu betrachten – von A nach B navigieren. Letztens musste ich in Berlin vom Hotel zu einem Restaurant und habe mich von der Apple Watch leiten lassen. Das funktioniert wunderbar, man läuft und schaut nicht dauernd auf das Smartphone. Turn-by-Turn ging es in Sachen Navigation los, sanft tippte mich die Uhr an und gab mir haptisches Feedback, wenn ich abbiegen musste.

Das Ganze funktionierte einfach per Siri, ich gab meinen Zielort an und wurde dann zu meinem Ziel geleitet. Nicht nur dies kann Siri erledigen, auch das Öffnen von Apps ist so machbar. Das ist vielleicht ganz praktisch, wenn ihr nur die Hand mit der Smartwatch frei habt und die App nicht mit der anderen Hand über den Druck auf die digitale Krone und dem anschließendem Tap auf das Display starten wollt.

Standardplayer und Shazam

Standardplayer und Shazam

Was ich persönlich noch praktisch finde, das ist das Anzeigen von Informationen auf dem Zifferblatt. Bislang gibt es für die Apple Watch kein Watchface-API, was bedeutet, dass ihr auf die vorgegebenen Watchfaces angewiesen seid. Die Auswahl ist bislang leider nicht die größte, dafür lassen sich die einzelnen Watchfaces bezüglich ihrer Informationsaussage noch anpassen. Ihr wollt den Akkuzustand, den Fitness-Erfolg, Kalender, Temperatur nebst Uhrzeit und Datum auf dem Zifferblatt haben? Dies ist machbar, denn die einzelnen Punkte können – je nach Watchface – an vorgegebenen Orten auf dem Display angezeigt werden. Tippt man dann auf diese Infofelder, dann wird auch die jeweilige App geöffnet – beispielsweise der Kalender, die Uhr oder aber auch die Wetter-App.

Über das Zifferblatt erreicht man auch die so genannten Checks. Hier sieht man Infos, die man häufig benötigt. Manche Apps bieten eine Unterstützung für Checks. Streicht man von unten auf dem Display nach oben, so erreicht man beispielsweise schnell die Media-Steuerung. Über diese kann man die Musik auf der Smartwatch steuern. Musik lässt sich auch ohne iPhone hören, die Apple Watch dafür direkt mit einem Bluetooth-Kopfhörer koppeln. Aber auch das Steuern von Musik auf dem Smartphone ist möglich, so lässt sich auch Spotify oder der aktuelle Mediaplayer nutzen. Checks zeigen aber auch Termine, die Herzfrequenz kann aktuell gemessen werden, den Akkuzustand, das Wetter, Karten oder andere hinterlegte Apps. Der flotte Schnellzugriff auf das jetzt von euch Benötigte eben. Sollte die Information über den Check nicht ausreichend sein, so bringt euch ein Tap in die dazugehörige App.

Kalenderansicht eines Termins und Nachrichten-App

Kalenderansicht eines Termins und Nachrichten-App

Umgekehrt kann man auch von oben nach unten auf der Apple Watch streichen. Hier sieht man dann die verpassten Nachrichten. Dies kann eine Vielzahl von Informationen sein, je nachdem, was ihr so nutzt. Das kann Twitter, Mail – aber eben auch die Nachricht eurer Freundin oder Frau sein. Diese kann man dann einsehen, Inhalte lassen sich via Display oder Krone steuern. Müsst ihr für euch entscheiden, was praktischer ist: das Scrollen per Finger kann Inhalte verdecken, während das Drehen der Krone dafür sorgt, dass man freie Sicht auf das Display der Apple Watch hat. (Gerade beim Einstellen eines Timers finde ich die Krone sehr praktisch, da das Ganze sehr gut justierbar ist.) Manche Nachrichten lassen sich über das Symbol „Schließen“ entfernen – oder man drückt einfach etwas stärker auf das Display, um alle Benachrichtigungen zu verbannen. Das darf gerne ins zukünftige iPhone kommen.

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Hier möchte ich dann kurz auf das Display zurückkommen. Was praktisch gelöst ist: durch stärkeren Druck kann man eben nicht nur alle Benachrichtigungen löschen, sondern eben auch manche Funktionen in Apps ausführen. Das Display der Apple Watch ist begrenzt, sodass viele Schaltflächen nicht Platz finden und störend wirken dürften. So sieht man erst einmal nur das notwendige, während ein stärkerer Tap auf das Display weitere Möglichkeiten anbietet. Konkretes Beispiel: ich kann mir den kompletten Inhalt einer Mail anzeigen lassen, drücke ich das Display länger an, so kommt ein Overlay, sodass ich die Mail archivieren, als ungelesen markieren oder auch archivieren kann – oder ich versende meinen Standort in der Nachrichten-App. Viele Apps funktionieren auf diese Weise, probiert also Force Touch ruhig einmal aus.

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Ein typischer Tag mit der Apple Watch ist bei mir meistens der Samstag. Der Tag, an dem ich mal rauskomme. Ich war beim BVB-Spiel gegen Bremen in Dortmund mit der Apple Watch und nahm sie auch zum Pokalfinale mit. Hier sollte sie mir zeigen, was sie kann, nur wenig wollte ich das iPhone nutzen, was zumindest auf der Südtribüne von Dortmund einfach ist, wenn man eng gedrängt steht, zudem noch das eine oder andere Bier halten muss.

Auf der Apple Watch und dem iPhone nutze ich Forza. Eine App, die mich über Ergebnisse auf dem Laufenden hält. Zwar blendet man gelegentlich Zwischenergebnisse auf der Leinwand des Westfalenstadions ein, doch ich wollte das Ganze etwas flotter haben. Also die interessanten Spiele im Vorfeld über die Apple Watch abonniert und wirklich immer wenige Sekunden nach einem Torfall auf die Smartwatch gebeamt bekommen. Sehr praktisch für mich. Ich ging irgendwie recht früh aus dem Haus, wir trafen uns mit Freunden zum Frühstück und zum Bier, die Apple Watch hatte ich davor aufgeladen. Ich benutzte den kompletten Samstag nur wenig das iPhone, sondern nur, wenn es denn sein musste.

Siri, Herzfrequenz und das Wetter

Siri, Herzfrequenz und das Wetter

Das Schöne: durch die Apple Watch sparst du oftmals Zeit und den Griff in die Hosentasche. Ich bekomme Benachrichtigungen und kann sofort sehen, ob diese für ich wichtig sind. Ich habe sogar das Gefühl, dass der Akku des iPhones durch die Apple Watch nicht in Mitleidenschaft gezogen wird, eben weil ich weniger das Display einschalte, um zu gucken, was gerade abgeht. Ich las also Nachrichten, antwortete auf diese, checkte mich hier und da ein – und verpasste irgendwie nichts.

Die Nacht war extrem lang und am nächsten Tag hatte die Apple Watch immer noch über 20 Prozent ihrer Kapazität. Durch den Tag und durch die Nacht solltet ihr auf jeden Fall mit der Akkuladung kommen, wenn ihr nicht zu exzessiv unterwegs seid – also mit der Nutzung der Apple Watch. Es soll übrigens Leute geben, die haben mit ihrer Apple Watch geduscht oder sind geschwommen. Das habe ich nicht ausprobiert, ich kann aber bestätigen, dass die Apple Watch auch eine komplette Bierdusche abkann.

Ich war also lange Tage unterwegs und konnte so auch den Fitness-Aspekt der Apple Watch in Augenschein nehmen, ein Themengebiet, in welchem ich eigentlich nicht zu Hause bin. Sport ist nicht so meins (offensichtlich). Dennoch habe ich die Gamification der Bewegung positiv aufgenommen. Ziele lassen sich in der Apple Watch App definieren, je nachdem, wie ihr sportlich unterwegs seid. Die Smartwatch zählt eure Schritte und will den Kalorienverbrauch messen.

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Fitness-App

Auf Wunsch könnt ihr euch erinnern lassen, wenn ihr im Büro zu lange auf den vier Buchstaben gesessen habt. Die Apple Watch gibt ein Stehziel vor, welches es zu erfüllen gilt. Bürohengste können das ja eigentlich recht flott erreichen, einfach mal zum Bello gespurtet, in die Raucherecke gestellt oder wacker mal einen frischen Kaffee aus dem Automaten ziehen. Stunden mit Stehphasen werden übrigens in der Fitness-App visualisiert, wie auch Trainingsminuten oder Aktivitätskalorien, die man verbraucht hat.

Das klingt alles nach Nonsens, ist es aber in keiner Weise. Ich kann schön übersichtlich sehen, wie aktiv ich war, wie viel Kilometer ich also abgerissen habe. Beim letzten Bundesliga-Spieltag habe ich so beispielsweise bis nachts im 00:00 Uhr die Strecke von 13,03 Kilometer abgerissen. Nicht schlecht, bedenkt man, dass ich eher im Stadion und in den Bierbuden unterwegs war – aber anscheinend zahlt sich mein Fußmarsch vom Stadion zurück durchaus aus – und die Fitness-App belohnte mich mit Auszeichnungen – von denen ich fauler Typ übrigens noch viel zu wenige habe, leider.

Neben diesen Automatismen gibt es noch für echte Sportwillige die Workout-App. Hier lassen sich diverse sportliche Aktivitäten festlegen, so kann man beispielsweise einen Run oder einen Spaziergang outdoor eingeben und so die Erfolge messen lassen. Erstmalig müsst ihr bei einem Spaziergang das iPhone 20 Minuten mitnehmen, damit die Smartwatch und die App die Kalibrierung durchführen. Macht ihr einen Sport, der nicht definierbar ist, so fällt dieser unter „Sonstiges“ und wird mit einem verfügbaren Sensor gemessen. Aktivitäten lassen sich pausieren, währenddessen die Herzfrequenz messen und auch die verbrannten Kalorien oder etwaige Zwischenstände einsehen. Ihr könnt die Apple Watch zum Training ohne das iPhone benutzen, sie besitzt einen Beschleunigungssensor, genaue Messungen in Sachen Strecke erreicht man aber besser, wenn an das iPhone – und somit GPS am Start hat.

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Womit wir auch bei der Herzfrequenz währen. Apple setzt auf Photoplethysmographie. Apple misst dabei die Menge Blut, die zu einem bestimmten Augenblick durch dein Handgelenk fließt. Hierbei blinken die LEDs mehrere Hunderte Male während der Messung. Bei der von euch angestoßenen Messung setzt Apple auf die grünen, die Infrarot-LED und die lichtempfindlichen Fotodioden, während bei der automatischen Messung auf das Infrarotsystem geswitcht wird. Wenn das Infrarotsystem jedoch keine genaue Messung liefert, wechselt die Apple Watch zu den grünen LEDs.

Fitness-App am iPhone

Fitness-App am iPhone

Das ist einer der Punkte, die ich verwirrend fand: Apple spricht von einer automatischen Messung alle 10 Minuten. Das funktionierte auch meistens – doch irgendwann stellte ich Löcher in den Messungen fest, die ich mir nicht erklären konnte. Auf der US-Seite erklärt Apple, dass die Apple Watch weiterhin alle 10 Minuten versucht, die Herzfrequenz zu messen. Sollte sich der Arm zum Zeitpunkt der Messung allerdings bewegen, wird die Messung nicht aufgezeichnet. Ist ganz komisch bei mir – mal sind es 10 Minuten, mal 20 – und mal fehlen ganze Stunden – wahrscheinlich die, die ich im Stadion tobte.

Kompagnon-App mit zahlreichen Einstellungsmöglichkeiten

Kompagnon-App mit zahlreichen Einstellungsmöglichkeiten

Wer eine kontinuierliche Herzfrequenzmessung benötigt, muss offenbar auf die Workout-App ausweichen. Diese misst den Puls dann alle 10 Sekunden, verbraucht dann aber natürlich auch entsprechend mehr Energie. Ob man das nun als Nachteil sieht, dass die Einträge nicht mehr alle 10 Minuten vorhanden sind, muss man selbst wissen. Wer sich natürlich auf eine Messung verlässt und diese dann nicht erhält, ist vermutlich sehr unzufrieden.

Ich dachte, dass ich mal nebenher schön den Puls beim Pokalfinale tracke – doch damit ist es Essig, von 20:10 Uhr bis 21:50 Uhr habe ich keinen Eintrag in der Health-App stehen, obwohl es sicherlich mal ruhige Phasen gab. Hätte ich mal manuell gemessen… Was ich damit sagen will: die Funktion ist nett, aber teilweise zu undurchsichtig für den Nutzer. Konsequenz sieht anders aus und da sollte man vielleicht etwas genauer kommunizieren.

Dennoch: den Faktor Fitness hat Apple gut erfüllt und auch andere Smartwatch-Hersteller werden diese Ecke noch einmal ganz hart angehen. Fitness für Unfitte, für Nicht-Profis. Warum den Markt den Tracker-Herstellern überlassen, wenn man doch so viel mit einer Smartwatch machen kann? Die Gamification macht Spaß, die runden Kringel zeigen mir, wie aktiv ich war – oder auch nicht. Abzeichen motivieren und im nächsten Schritt wäre es für Apple nur logisch, wenn man sich an Funktionen bedient, die manche Hersteller schon eingebaut haben: Vergleich oder Messen mit Freunden, Tabellen, wer denn am weitesten lief – und und und. Ein Feld, welches sicherlich bald von Apple bespielt wird.

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Eine Art Fazit? Ich habe nun den Vergleich zu mehreren Smartwatches und kann sagen, dass in Sachen Haptik die Apple Watch ganz weit vorne liegt. Ich habe mir eben noch einmal die Moto 360 geschnappt und die kommt mir nun vor, wie aus dem Kaugummiautomaten. Dennoch muss sich die Apple Watch dem Vergleich mit dem Wettbewerb stellen – trotz Nicht-Kompatibilität der einzelnen Klassen untereinander.

Mit dem Gebotenen bewegen sich Apple Watch-Nutzer meilenweit vor dem, was Android Wear-Kunden in der ersten Zeit kredenzt bekommen haben. Google spricht von 4000 Apps für Android Wear und ich frage mich, ob da auch Watchface-Apps mitgezählt wurden. Fakt ist halt: da darf einiges passieren. Aber: Android Wear ist schon eine Ecke älter und hat auch schon ein Update bekommen, welches in Sachen Benachrichtigungen meines Erachtens einen Pluspunkt gegenüber Apple bietet: so lassen sich Benachrichtigungen durch die Bewegung eines Handgelenks anschauen, ohne dass man die zweite Hand benötigt.

Es ist nicht schlimm, wenn man die Apple Watch jetzt noch nicht hat, es muss da noch besser werden in Sachen Apps. Da die Apps meistens Kompagnon-Apps der auf dem iPhone befindlichen Apps sind, ist die Startzeit manchmal zu lang, die Bedienung zu laggy. Das ist nicht Apples Schuld, färbt sich aber auf den sonst guten Gesamteindruck negativ ab. Hier sollte Apple Entwicklern die nötigen Schnittstellen in die Hand geben, um das Ganze runder werden zu lassen.

Smartwatches waren bislang ein Feld der Nerds, mit aktuellen Lösungen können Smartwatch-Hersteller das Feld der potentiellen Nutzer aber breiter bespielen. Google zog mit einem Update nach und auch Apple wird dies noch sicherlich tun. Bis dato ist die Smartwatch lediglich ein Ergänzungsgerät, mehr nicht. Ein Tablet löste nicht meinen PC ab und eine Smartwatch kann mein Smartphone nur in Teilen ersetzen. Da macht auch die Apple Watch keine Ausnahme.

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Der Ausbau des Fitness-Bereiches wird kommen – und auch die native App-Unterstützung wird angegangen. Dann werden mehr Nutzer etwas davon haben. Apple hat mit der Apple Watch ein Fundament geschaffen, auf dem sich bereits jetzt viele zufrieden tummeln – doch auch dieses Fundament muss noch bebaut werden, damit die Smartwach vom Nice to Have zu einem Begleiter wird, den man gerne nutzt, dem man vertraut – und der angesichts des Anschaffungspreises einen erklärbaren Mehrwert liefert. Ich für meinen Teil freue mich auf das Kommende  – das Thema Smart Home wird wachsen und in Zukunft werden wir viele Dinge über unsere Smartwatch regeln können – dies dürfte sicher sein.

Solltet ihr in diesem Beitrag Tipps und Tricks zur Apple Watch und ein paar Anwendungen vermissen, dann lest euch bitte auch noch meinen Artikel durch, den ich bereits vor einiger Zeit schrieb. In ihm habe ich ein paar Tipps und Tricks zur Apple Watch festgehalten, auch etwas länger das Ganze.


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Über den Autor: caschy

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