Ausprobiert: Amazon Fire TV 2015

7. Oktober 2015 Kategorie: Hardware, Streaming, geschrieben von: caschy

Bildschirmfoto 2015-10-07 um 16.30.55Nicht lange ist es her, da wurde der neue Amazon Fire TV vorgestellt. Die 2015er Ausgabe quasi, die es etwas besser machen soll. In Teilen neue Hardware und neue Funktionen. So beherrscht der neue Amazon Fire TV nun die Ausgabe von 4K und neben dem USB-Port hat man nun auch noch einen Slot für eine microSD-Karte verbaut. Doch einmal von Anfang an. 99,99 Euro, das ist der Preis, den Amazon für die Neuauflage seines überaus populären Streaming-Gerätes verlangt. 

In Sachen Optik macht man keine Experimente, setzt auf das Design des Erstlings, lediglich die Rückseite weist Änderungen auf – diese Tatsache erklärte ich ja bereits im ersten Absatz. Man findet rückseitig einen LAN-Port, einen Steckplatz für eine microSD-Karte, den USB-Slot, den Anschluss für das Netzteil und den HDMI-Port vor, über den der Amazon Fire TV 2015 mit dem TV-Gerät oder Monitor verbunden wird. Wie eingangs erwähnt musste der optische Audio-Ausgang weichen, Sound wird via HDMI übertragen.

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Der neue Fire TV von Amazon unterstützt High Efficiency Video Coding (HEVC). In den kommenden Monaten wird es durch HEVC über Amazon Video mehr hochauflösende 1080p Streams geben als jemals zuvor, dies teilte Unternehmen während der Vorstellung mit. HEVC codiert das Videomaterial effizienter als der gegenwärtige Standard H264. Dadurch soll für hochwertige Videostreams weniger Bandbreite benötigt werden – und die Mehrheit der Fire TV-Nutzer kann auf Filme und Serien von Amazon Video in 1080p zugreifen (Plot Twist: den meisten reicht der Erstling!).

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Unter der Haube gab es einige Änderungen, man wechselte vom Qualcomm Snapdragon auf einen Quad-Core-Mediatek-Prozessor (MediaTek Quad-Core bis 2 GHz nebst Power VR GX6250 GPU @ 600MHz). Der neue Verbund soll angeblich viel mehr Leistung bringen, in Sachen Arbeitsspeicher blieb aber alles beim alten – 2 Gigabyte findet man beim Amazon Fire TV 2015 vor. Das sorgte gefühlt für flotte App-Starts und eine rund laufende Oberfläche in meinem Test.

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Ansonsten setzt man nun auf WLAN nach 802.11a/b/g/n/ac, Bluetooth 4.1 und das auf Android 5.x basierende Fire OS 5.x. Der Netzwerkanschluss ist weiterhin auf 10 / 100 MBit festgenagelt, dafür hat man in Sachen Fernbedienung nachgearbeitet, sie funktioniert nicht mehr via Bluetooth, sondern ist im WLAN aktiv. Drei Batterien sind drin, diese sollen bis zu einem Jahr halten.

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Die Einrichtung läuft für den Besitzer der Vorgängerversion einfach ab, aber auch Neukunden werden null Schwierigkeiten haben. Mit dem LAN oder WLAN verbinden – fertig – sofern man via Prime bestellt hat, sind die Daten hinterlegt, ansonsten loggt man sich ein und hat direkten Zugang. Dann? Tja dann kann man eigentlich direkt mit dem Streamen beginnen, denn der Amazon Fire TV 2015 ist natürlich auch Interface für Amazons Videodienst Prime Instant Video. Selbst produzierte Serien werden in 4K angeboten, aber auch einige andere Inhalte lassen sich erwerben, typischerweise werden 7,99 Euro für die etwas älteren Schinken fällig, aber immerhin 4K.

Zu bedenken: euer TV muss HDCP 2.2 beherrschen, um den Spaß abzuspielen. Hierzu erzähle ich auch was im hier eingebundenen Video, denn man kann leicht überprüfen, ob auch wirklich 4K unterstützt und angezeigt wird.

Nett: Amazon setzt weiterhin auf ein System namens ASAP. Advanced Streaming and Prediction versucht die Sehgewohnheiten des Zuschauers zu analysieren. Frequente Serienschauer werden feststellen, dass die nächste Folge der geschauten Serie schneller startet, denn Amazon vermutet das Anschauen der nächsten Folge und lädt so schon einmal ein paar Daten vor um einen reibungslosen Übergang zu gewährleisten. Ist quasi wie das Vorladen von Links auf Webseiten, wie es Google einmal eingeführt hat.

Die Wiedergabe von 4K. Hier hat man dann ein wirklich glasklares Bild und die üblichen Gimmicks wie die Info über die Szene via X-ray, das Springen zu anderen Szenen und natürlich das Einholen von Infos zum Schauspieler. Amazon ruft mindestens 15 Mbit für das Anschauen von 4K-Inhalten aus, habt ihr da einen Engpass, dann wird es halt etwas „Artefaktiger“. Mein derzeitiger TV beherrscht 4K und ihr müsst halt schauen, wie ihr sonst so TV schaut. 4K ist natürlich besser, als der Standard SD und auch besser als HD. Wirkt natürlich nur auf dem richtigen TV und ihr solltet auch nicht 10 Meter entfernt vom TV sitzen. Ich selber sitze bedingt durch mein Wohnzimmer eh weiter vom TV weg und denke manchmal, dass das gar nicht so gut wirkt, leider.

Weiterhin gibt es natürlich die Streaming-Dienste, die man nachinstallieren kann. So findet man ARD und ZDF vor, die zum Ende des Jahres noch offiziell die Sprachsuche via der Amazon-Fernbedienung unterstützen sollen. Yeah, wirklich. Dies lässt hoffen, dass da Amazon weiterhin offen ist und auch die anderen Anbieter wie Netflix und Co nachziehen. Es ist eben doch schneller gefunden, wenn man mit der Sprachsuche interagiert.

Die Frage ist natürlich, für den sich der Spaß lohnt. Muss man den neuen Fire TV unbedingt haben, wenn man zufriedener Benutzer des alten Gerätes ist? Ich kann natürlich nur aus meiner Warte sprechen. Und ich sage: Nö! Natürlich sind 4K-Inhalte klasse! Aber ich bin halt einer, der nicht SO viel schaut und deswegen prima mit FullHD leben kann. Des Weiteren unterstützt zwar Amazon den eigenen Dienst mit 4K, nicht aber Netflix – zumindest habe ich diese Kategorie nicht gefunden, obwohl diese ja von Netflix angeboten wird und auch auf anderen Smart TVs zu finden ist. Kodi-Nerds haben es derzeit auch schwer, muss man doch etwas anders vorgehen, um Apps zu starten – auch hierzu findet ihr unten in der Linkliste Beiträge und im Video sage ich auch was dazu.

In Sachen Soundausgabe gibt es momentan auch noch Probleme für einige Menschen. Mir kann das egal sein, ich habe nicht einmal ein 5.1-System und gebe via Sonos wieder – Sound-Freaks vermissen aber derzeit 5.1 oder Passthrough via Plex oder Netflix.

Auf die Anfrage eines US-Nutzers äußerte sich der Amazon-Support wie folgt:

I’m sorry for the inconvenience caused to you in this regard. I understand that you would like to play 5.1 audio passthrough in Netflix or Plex. Currently, it is not compatible with the device. I’m sorry for the disappointment.

I’m afraid, I may not be able to promise you a time line by, as compatibility options of a device depend on our agreements with device manufacturers. Adding to this, I’ve forwarded your comments as a request person to the development team by adding a note to is so that they consider this feedback strongly as we make future improvements and they’re working on it to make this feature available at the earliest. Customer feedback like yours is very important in helping us continue to improve the experience of using our digital video service, We will make every effort to evaluate the information you have provided, and try our level best to lead it to program changes or enhancements.“

Ich habe dann noch einmal weiter gestöbert, in den USA hinterlässt die Sound-Sache ebenfalls gemischte Gefühle, da Netflix, Plex und Hulu nicht mit Dolby Digital 5.1 funktionieren. Aussage: es ist ein Fehler, der behoben wird:

Thanks for the feedback on Dolby surround sound and Netflix. We have identified the issue and will be releasing a software update to resolve it. We expect all devices to be updated by October 22nd. We regret any inconvenience this may have caused.

Fazit: 4K-Wiedergabe ist schon klasse und wird Freunde finden. Aber es müssen mehr Inhalte kommen. Kostenlose (bzw. im Abo enthaltene) Inhalte – denn ich kann mir kaum vorstellen, dass sich viele Menschen ältere Filme für 8 Euro ausleihen, nur um diese in 4K zu sehen.

Hartes, aber ehrliches Fazit: ich bin keiner der Enthusiasten, der nun heute 4K benötigt. Bei breiterer Verteilung gerne. So kann ich für mich selber festhalten: für mich tut es auch der Vorgänger, microSD-Kartenunterstützung und 4K habe ich in meinem letztjährigen Medienkonsum echt nicht vermisst.

Dennoch: Gaming, Oberfläche und Co machen Spaß und sind ruckelfrei. Trotzdem muss Amazon hart nacharbeiten, damit man die professionellen Nutzer nicht vergrault, die Wert auf perfekten Sound und ein perfektes Bild legen. Sieht man derzeit in den USA. Fire TV auf 80 Dollar reduziert, zwar Bestseller, aber mit echt durchwachsenen Bewertungen: oft wegen dem Sound, bei manchen bricht wohl die Verbindung zur Remote oft ab.

Für mich persönlich ist der Amazon Fire TV (auch Generation 1) derzeit die beste Lösung. Ganz einfach, weil ich eine Oberfläche für meine Inhalte habe, ohne dass ich – wie früher – den fetten Media-PC stehen haben musste, den die Frau nie anrührte. Fire TV macht die Bedienung easy, meine Frau liebt die Kiste und hat alles an einem Ort.

Kodi-Nutzer aufgepasst: die ganz dicken Inhalte qualitätstechnischer Art sollte man auch weiterhin vielleicht nur über LAN schauen, denn auch wenn 802.11 ac unterstützt wird, so kam es in meinem (gut frequentierten) WLAN häufig zu Nachpuffern und Rucklern bei großen 4K-Files in HEVC. Weitere Kritikpunkte: Weiterhin keine dedizierte Ausschaltfunktion, sondern lediglich der Ruhezustand und keine Suchfilter für reine Prime-Inhalte, das hätte ich toll gefunden.

Amazon Fire TV (zweite Generation) bei Amazon

Amazon Fire TV Stick mit Voice Search bei Amazon

Amazon Fire TV Stick ohne Voice Search bei Amazon

Amazon Fire TV Game Controller bei Amazon


Über den Autor: caschy

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