Ausprobiert: Amazon Fire 7 – gemächlicher Tablet-Einstieg in den Amazon-Mikrokosmos

23. Oktober 2015 Kategorie: Hardware, Mobile, geschrieben von: Oliver Pifferi

fire 7Vor nicht allzu langer Zeit hat Amazon die neuen Fire-Modelle vorgestellt und mittlerweile sind die Geräte ja in breiter Masse verfügbar. Das absolute Einstiegssement vor dem eigentlichen Kindle hat Amazon jetzt mit den Fire 7 (2015) vorgestellt, welcher ein auf FireOS basierendes Tablet zum absoluten Einstiegskampfpreis von 59,99 EUR inkl. 8 GB Speicher und der von Amazon bekannten Spezialangebote (soll heißen: Werbung) darstellt. Die Frage, die sich direkt stellt, liegt natürlich auf der Hand: Kann das überhaupt etwas sein – ein Amazon-Tablet, was auf dem Papier mehr kann als die hauseigenen Kindle-eReader und zudem günstiger ist?

Um mein Fazit vorwegzunehmen: Wie so oft kommt die Antwort auf die Frage auf Eure Erwartungshaltung an: Der Kindle ist zum Lesen da. Punkt. Keine Ablenkungen, keine grafischen Gimmicks : Hier soll das elektronische Buch abgebildet werden – nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Die Fire-Tablets zielen dagegen auf eine andere Zielgruppe – User, die nicht nur Lesen, sondern sich multimedial im ganzen Amazon-Kosmos bewegen wollen: Abrufen von Käufen und ausgeliehenen Medien über Instant Video, Kindle, Audible – dazu die Möglichkeit, mit einem Browser, einem Mail-Programm und dem Amazon-eigenen App Store auf die Reise zu gehen – also quasi der klassische Tablet-User, der aber sowieso schon Amazon-Kunde ist.

Wieso also nicht beides verbinden unter der Voraussetzung, dem Endanwender eine One-User-Experience zu vermitteln, die natürlich im Amazon-Universum fußt? An dieser Stelle setzen die Fire-Tablets ein und für 59,99 EUR bzw. 74,99 EUR (ohne Spezialangebote) soll das 7-Zoll-Fire den Einstieg in eben diese Welt bieten. Das man hier keine Highend-Hardware erwarten kann, sollte auf der Hand liegen, doch von den reinen Spezifikationen her gehört das Fire 7 (2015) auch noch nicht einmal in die Mittelklasse – schauen wir uns mal die Leistungsdaten des Gerätes an.

DAS STECKT IM Fire 7 (2015):

  • Display: 7 Zoll-LCD-Display bei 1024 x 600 Pixeln (171 ppi) mit IPS-Technologie (In-Plane-Switching) und Polarisationsfilter
  • Prozessor: MediaTek MT8127 D SoC, 1.3 GHz ARM Cortex A7 Quadcore-CPU, Mali 450 GPU
  • Arbeitsspeicher: 1 GB RAM
  • Speicher: 8 (bis zu 128 GB erweiterbar via MicroSD-Karte), davon ca. 5 GB nach Inbetriebnahme verfügbar
  • Kamera: Rückseite 2 Megapixel / Front 640 x 480 Pixel
  • Betriebssystem: Amazon Fire OS 5 (basiert auf Android 5.1)
  • Akkulaufzeit: Bis zu 7 Stunden lesen, über WLAN surfen, Videos schauen und Musik hören
  • Abmessungen: 191 x 115 x 10,6 mm, 313 Gramm
  • Verbindungstechnologien: WLAN 802.11 b/g/n, Bluetooth 4.0 LE
  • Farben: Schwarz
  • Sonstiges: Beschleunigungsmesser, Drehratensensor

Nachdem die Fakten auf dem Tisch sind, schauen wir uns einmal den Lieferumfang an: Eine bedruckte Hülle aus Karton, garniert mit der orangefarbenen Optik, die wir bereits von den FireTV- und Stickverpackungen kennen: Das scheint die aktuelle Corporate Identity der Amazon’schen Multimediaprodukte zu sein. Wer hier auf eine Auspackorgie spekuliert, wird enttäuscht sein – das Unboxing gestaltet sich recht unspektakulär : Im Karton, der mal eben fix aufgerissen wird, befinden sich das Tablet, ein 5W-Netzteil samt Micro-USB-Kabel und die gewohnte und ebenso spartanische Kurzanleitung im Scheckkartenformat.

HAPTIK UND OPTIK:

Nun fühlen wir dem Fire 7 einmal direkt auf den Zahn – wie gibt sich das Gerät, wie fühlt es sich an? Die 313 Gramm fühlen sich für die Größe relativ wuchtig an, designtechnische Extravaganzen gibt es nicht: Ein breiter Kunststoffrahmen lässt zwar zu, dass wir das Tablet sowohl im Hoch- als auch Querformat bequem halten können, sieht aber nicht sonderlich schick aus – aber rufen wir uns an dieser Stelle noch einmal den Preis des Gerätes in den Sinn und reduzieren unsere übliche Erwartungshaltung bei neuen Tablets. Hier knarzt aber nichts, Spaltmaße konnte ich keine feststellen und auch die mit dem „Amazon“-Logo versehene Rückseite rundet das Bild in schlichter Kunststoffoptik ab – gegen den ein oder anderen Sturz sollte das Fire 7 also durchaus gefeit sein.

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Während die linke und untere Seite frei von Anschlüssen sind, finden wir auf der rechten Seite (hinter einer Klappe versteckt) den Micro-SD-Kartenslot und oben – auf den ersten Blick seltsam angeordnet – Ein/Ausschalter, die Lautstärkeregler, den Micro-USB-Anschluss, das Mikrofon und den 3,5“-Klinkenanschluss.

Das mutet erst einmal komisch an, ergibt aber spätestens bei der medialen Nutzung des Fire 7 (was ja die Hauptaufgabe ist) bei Filmen entsprechend Sinn. Hält man das Tablet im Hochformat, greift man intuitiv immer an die Seiten und anschliessend nach oben, um die Lautstärke zu verändern. Das mag jeder anders empfinden, für meinen Teil ist die Anordnung der Lautstärkeregelung am oberen Rand des Gerätes relativ suboptimal, ist man es doch eigentlich anders gewohnt. Sei’s drum.

DAS DISPLAY:

Das Fire 2015 liefert ein 1024 x 600 Pixel-IPS-Display mit 171 ppi und nun ja: Es zeigt die Inhalte brav an und natürlich sieht man einzelne Pixel. Instant Video-Inhalte im Vollbild sehen auf den 7 Zoll aber vernünftig aus, bei der Optik des Displays muss man aber natürlich leider Abstrich machen. Gleiches gilt für den Touchscreen, der im vorliegenden Modell mal gute und mal trägere Phasen hat – manchmal hakt es einfach.

Das kann aber möglicherweise auch ein Softwarethema sein, andererseits ist das Fire 7 natürlich keine Rennsemmel und das sollten wir uns bei dem Einstiegspreis auch immer vor Augen halten. Man kann mit dem Display leben, wenn man entsprechend des Gerätepreises seine Ansprüche anpasst und sich darauf besinnt, was das Gerät eigentlich machen soll: Nämlich stumpf Inhalte anzeigen und das sieht im Vollbildmodus eben vertretbar aus, wenngleich ich persönlich lieber auf einem reinen Kindle als auf dem Fire 7 ein eBook lesen würde.

DER AKKU:

Amazon redet hier von sieben Stunden Surfen, Filme schauen und Musik hören – eine Grösse des Akkus in mAh vermisst man. Um nun also einmal zu schauen, was der Energiespeichers des Fire 7 im Stresstest zu leisten vermag, haben wir auch dieses Gerät mal wieder durch unsere Lieblings-Benchmark-App „PCMark“ gejagt und geschaut, was – in Zahlen verdeutlicht – übrig bleibt. Bei aufgeladenem Gerät wurde die Helligkeit manuell auf 50% heruntergestellt (eine automatische Helligkeitsregelung fehlt dem Fire übrigens), WLAN und Bluetooth wurden eingeschaltet und alle Benachrichtigungen bei der Nutzung eines Google-Kontos aktiviert.

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08_Fire_7_PCMark

Anschließend durfte der Benchmark seine Arbeit aufnehmen und die von PCMark simulierten Alltagsszenarien im Eiltempo durchlaufen, darunter halt die Simulation von Browsernutzung (Surfen), Herumspielen mit Bildern und Videos sowie dem ganzen Drumherum. Dies geschieht solange, bis wir die 20%-Marke erreicht haben.

Das Ergebnis: Vertretbar. War der Akku vorher vollgeladen, stand am Ende des Benchmarks noch 20% Restlaufzeit und laut PCMark ein Work Battery Life-Wert von 8:45 Stunden zu Buche. Rechnet man das Ganze dann hoch, kommen wir da auf 10:56 Stunden, die das Fire bei entsprechender Auslastung wohl zu leisten im Stande ist. Auch hier muss ich den obligatorischen Hinweis loswerden: Dies ist ein reines Testszenario und jeder wird dieses Gerät anders nutzen, zumal sind Benchmarks nun mal Benchmarks und nicht das richtige Leben, das ja auch technisch bekanntlich immer Überraschungen bereithält.

DIE KAMERA:

Die Kamera mit 2 Megapixeln und die Frontkamera, die gar mit VGA-Auflösung daherkommt, übergehe ich in diesem Bericht einfach mal: Wir halten ein Tablet für knappe 60 EUR in den Händen, da sollte man von der Kamerahardware keine Quantensprünge erwarten – die gibt es hier auch nicht. Das ein oder andere Bildchen ist damit natürlich möglich, Qualität ist aber etwas anderes. Sei’s drum, ich nutze Tablets auch eher selten zum Fotografieren – von daher kann ich die fehlende Qualität in Sachen Kamera beim Fire 7 durchaus verschmerzen.

DIE SOFTWARE:

Die Inbetriebnahme geht dann – sofern Ihr das Gerät direkt bei Amazon bestellt habt – recht einfach von statten: Einschalten und schauen, wann das Tablet einsatzbereit ist, Eure Amazon-Daten sollten bereit eingetragen und das Fire entsprechend auf Euch gebrandet sein. Ab ins WLAN damit und der Spass kann losgehen – es begrüßt Euch der Hauptbildschirm des Fire 7, auf dem Ihr neben den Amazon-typischen Apps für Bücher, Musik, Hörbücher natürlich auch direkt über die Amazon-App shoppen oder über den App-Shop Euer Tablet mit Spielen und Anwendungen versorgen könnt.

Wie vielen bereits bekannt sein sollte, basiert Amazons FireOS zwar auf Android, hat aber das eigentliche System darunter sehr gut versteckt: Ohne Umwege (wir berichteten) gibt es beispielsweise keine Möglichkeit, eigene Apps aus Googles Play Store zu installieren, da wir als Endkunde nach wie vor im Amazon-Universum zuhause sind – und das auch bleiben sollen. Ein Webbrowser namens Silk und ein E-Mail-Programm samt Kalender- und Kontakte-App runden das Angebot ab und liessen anstandslos ein Google-Konto einrichten: Hier ist das Fire schon wieder mehr Tablet als multimediale Medienzentrale von Amazon, können wir doch die oben genannten Ablenkungen schnell und einfach ins System integrieren – ich für meinen Teil liebe meinen Kindle dafür, dass eben das nicht möglich ist und ich ohne Ablenkung lesen kann.

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Einen reinen Multiuser-Modus, wie man ihn von Android kennt, versteckt Amazon auch: Dieser taucht etwas anders im Rahmen der Amazon-Familienfreigabe auf – das Konto meiner Frau und das Kinder-Konto unserer ältesten Tochter wurden bei der Einrichtung des Tablets direkt berücksichtigt. Der Wechsel zwischen den Profilen gestaltete sich dann wie erwartet: Eigene Einstellungen, eigene Bibliotheken, eigene Hörbücher bzw. eine rein auf das Lesen beschränkte, kindgerechte Oberfläche samt FreeTime für unsere Große – das paßt und geht ohne Zaubern so vonstatten, wie man es sich auch von vornherein vorstellt. Auch die Integration der Micro-SD-Karte geht einfach und offenbart direkt die Möglichkeit, heruntergeladene Medien wie auch unterstützte Apps direkt auf die Karte auszulagern, um den knappen internen Speicher ohne viel Aufwand zu erweitern.

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DIE PERFORMANCE:

Hier könnte ich viel, aber auch recht wenig zu schreiben – auch hier darf man natürlich das Look-and-Feel natürlich nicht mit der Geschwindigkeit von etablierten, grösseren Tablets vergleichen. Das Fire 7 tut, was es soll und ist dabei weiss Gott kein Roadrunner, aber es kommt bei dem, was es tut an. Nur eben etwas behäbiger. Für den Hauptzweck reicht die Performance aber aus – Videos im Vollbild laufen beispielsweise ohne Probleme ab, für das eBook-Lesen wird keine Riesenperformance benötigt und auch das Surfen im Internet funktioniert. Die Menüführung in FireOS wirkt teilweise etwas träge, das WLAN könnte auch fixer sein – hier hat man den Eindruck, dass das WLAN-Modul nicht das Beste seiner Zunft ist. Beim AnTuTu-Benchmark, den wir ja auch immer als reinen Vergleich zu Rate ziehen, pendelt sich das Fire 7 bei 23.661 Punkten ein – das ist eine Messlatte, die recht weit unten liegt aber nun ja: Es ist wie es ist.

Das Fire 7 wird kein Gerät für diejenigen, die produktiv mit einem Tablet arbeiten wollen – dafür sind die sieben Zoll Displaygrösse auch zu klein und die Gesamtperformance des Gerätes zu einfach zu lasch aber auch hier weise ich einfach noch einmal auf den Preis des Tablets hin. Nicht, um neunmalklug zu wirken, sondern auch, um mich selbst auch immer wieder darauf zu besinnen, dass ich das Fire 7 nicht mit meinem letzten Android-Tablet, dem Xperia Z2 Tablet von Sony, vergleichen kann und soll – beide spielen einfach in unterschiedlichen Ligen.

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DAS FAZIT:

Das Fire 7 ist für seinen Preis eine kleine, runde Sache – ob mit oder ohne Spezialangeboten. Das Tablet reißt keine Bäume aus, tut aber genau was es soll: Der Fokus liegt natürlich im und auf dem Amazon-Mikrokosmos und Features wie E-Mail und Browser ergänzen das Tablet nur. Wer mehr Display, mehr Performance oder ein freies Android benötigt, wird mit diesem Tablet von Amazon nicht glücklich werden. Wenn man sich aber darauf beruft, welche Zielgruppe das Fire 7 anpeilt – und das sind schlichtweg Einsteiger oder User, die halt keine in den Himmel gewachsenen Erwartungen haben – ist das Tablet ein ordentliches Produkt zu einem mehr als akzeptablen Preis. Hätte ich die Wahl, für unsere Große, die ja mittlerweile auch schon Avancen für den Kindle & Co. zeigt, das Fire 7 oder die quietschebunte Fire Kids-Edition auszuwählen, würde die Wahl (nicht nur des Preises wegen) auf das Fire 7 fallen.

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Möchte ich technisch state-of-the-art sein, werde ich an diesem Tablet vorbeigehen und zu Geräten greifen, die auch preislich fernab von diesem Einsteigergerät liegen. Das muss ein Jeder für sich selbst entscheiden und seinen Tablet-Kauf (ob von Amazon oder nicht) in Einklang mit den eigenen Ansprüchen bringen. Amazon bietet mit dem Fire HD 8 oder HD 10 auch höherwertige Geräte an, die dem Ein oder Anderen eher zusagen werden, leistungstechnisch aber den bekannten Tablet-Platzhirschen auch nicht die Butter vom Brot nehmen können. Die Frage ist nur: Möchte ich die Integration in die Amazon-Welt oder nicht? Erst wenn die Antwort auf diese Frage mit „Ja“ beantwortet werden kann, sollte ich schauen, welches Amazon-Tablet das richtige für mich ist. Das Fire 7 ist ein ordentlicher Einstieg und kommt – wie bereits erwähnt – grundsolide daher. Punkt.

Wer von dem Gerät übrigens überzeugt ist und seine ganze Familie damit erschlagen eindecken möchte, kann sich bei Amazon übrigens fünf Stück in den Warenkorb legen und bekommt das sechste gratis – gebt an der Kasse einfach den Promo-Code „FIRE6PACK“ an.

> Fire 7 bei Amazon


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Über den Autor: Oliver Pifferi

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