Ausgepackt und angefasst: Die Nextcloud Box in Aktion

27. November 2016 Kategorie: Backup & Security, Internet, Linux, geschrieben von: Oliver Pifferi

nextcloud-logo-white-squareVor etwas mehr als zwei Monaten berichteten wir über die Nextcloud Box, die einen weiteren Ansatz darstellt, Eure private Cloud in die heimischen vier Wände zu holen. Wer ein Freund des ownCloud-Ablegers ist, hat selbstverständlich auch viele andere Möglichkeiten. Ob gehosted beim Provider der Wahl oder aber unter anderem auf einem fähigen NAS: Die Wege zur eigenen Cloud-Lösung sind zahlreich. Nun ist die Nextcloud Box erhältlich und wir haben einfach einmal einen Blick auf die all-in-one-Lösung geworfen, die irgendwo zwischen allen bisherigen Ansätzen liegt. Was ist gut, was ist schlecht und vor allem: Für wen macht diese Lösung überhaupt Sinn?

70 EUR inklusive Versandkosten veranschlagt man für das in Zusammenarbeit mit den WDLabs und Ubuntu entstandene Cloud-Wohlfühl-Paket. Den zusätzlich benötigten Raspberry Pi 2 müßt Ihr Euch noch selbst beschaffen – die Erst-Investition für Interessierte liegt dann so um die 100 EUR. Mitgeliefert werden neben einer 2,5″-Festplatte des Typs WD10JMVW (im Übrigen eine WD My Passport Ultra) natürlich das komplette Gehäuse in dezentem Schwarz, eine 4 GB Micro SD-Karte mit dem Betriebssystem, Montagematerial für den Raspberry Pi 2, diverse USB-Kabel und die Stromversorgung. Verpackungs-Fetischisten werden möglicherweise enttäuscht werden, ist die Verpackung doch schlicht, aber immerhin funktional. Auf den Inhalt kommt es schließlich an!

nextcloud_box_00_verpackung

Einmal ausgepackt und arrangiert, sieht das Ganze dann so aus – die beiliegende Schnellstartanleitung wird Ihrem Namen durchaus gerecht und deckt definitiv eine Basis-Einrichtung der Box ab. Dazu dann aber mehr in einem Folgebeitrag, denn natürlich läuft das gesamte Konstrukt auch out-of-the-box schon prima, aber Linux wäre ja nicht Linux, wenn man nicht mindestens ein wenig Individualisierung ins Spiel bringen könnte. Hier kommt es nachfolgend ganz darauf an, wie weit Ihr Euch mit dieser privaten Cloud-Lösung beschäftigen wollt.

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Hatte ich im Artikel seinerzeit über einen „Mac mini mit Nextcloud-Logo“ gesprochen, so kann die schwarze Kunststoff-Box optisch durchaus damit verglichen werden.

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Gefühlt ist das hier aber recht dünner Kunststoff, der halt nur optisch ein wenig an das Produkt angelehnt ist – aber allein die Kunststoff-Gewinde, in die vier Schrauben zur Fixierung des Raspberry Pi 2 greifen, strahlen nicht das größte Vertrauen aus: Mehr als einmal möchte man den Pi dort nicht hereinschrauben und wo wir gerade dabei sind: Spart Euch den Ärger mit dem kleinen beiliegenden Werkzeug und greift stattdessen zu einem vernünftigen Torx-Schraubendreher (T7) – das erspart direkt anfänglichen Frust und fixiert den Raspberry Pi 2 definitiv besser, auch die Schraubenköpfe werden es Euch danken!

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Ist das Herzstück der Nextcloud Box somit fixiert, darf man sich nun an die Verlegung der einzelnen Kabel begeben. Am Ende kommt einfach ein Deckel drauf und alles ist gut, bei den Kabelwegen darunter läuft mein innerer Monk jedoch Amok: „Eng“ und „fummelig“ geben sich hier die Klinke in die Hand und wohl bedingt durch Konstruktion der Anschlüsse am Raspberry Pi 2 und den Aussparungen der Nextcloud-Box hatte ich zumindest unter der Haube ein recht abenteuerliches Kabel-Tête-à-Tête.

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Wie gesagt: Es ist alles sehr funktional und auch hier hat man (wohl auch aufgrund der Umstände) keine Design-Meisterleistung abgeliefert. Egal – Micro-SD-Karte in den Raspberry Pi 2 eingelegt (falls noch nicht geschehen), Netzwerk angeschlossen, Stromversorgung hergestellt und Deckel drauf.

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Wer noch etwas sehen möchte, darf noch via HDMI einen Monitor anschliessen, das ist aber nicht zwingend notwendig – die Box ist nämlich sowieso erst einmal beschäftigt.

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Jetzt heisst es erst einmal geduldig abwarten – Geduld ist zwar eine Tugend, aber definitiv nicht die meine. Die acht bis zehn Minuten, die in der Schnellstartanleitung als Wartezeit angegeben sind, sind nicht zu weit hergeholt. Es dauert – das Snappy Ubuntu Core startet, partitioniert die WD-Festplatte und ist nach einer gefühlten Ewigkeit dann soweit, dass sich die Box via DHCP eine IP Eures Hausnetzes zieht und im Browser über „http://ubuntu-standard“ zu erreichen ist. Hier muss man sich halt daran erinnern, dass der Raspberry Pi 2 definitiv kein Rennpferd und auch die USB-Schnittstelle nicht der Garant für schnelle I/O-Verarbeitung ist.

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Nach der abschließenden Eingabe eines Administrator-Namens samt Kennwort Eurer Wahl ist die grundsätzliche Einrichtung abgeschlossen und Ihr könnt wie bei „anderen“ Installationen über das Backend Benutzer einrichten und Eure private Cloud konfigurieren. Nutzer, die gegebenenfalls owncloud oder Nextcloud bereits auf einem anderen Server beim Provider oder auf einem fixen NAS liegen hatten, werden von der reinen Reaktionsgeschwindigkeit höchstwahrscheinlich enttäuscht werden.

Zugegeben: Ich habe das nicht anders erwartet und genau diese Erwartungshaltung solltet Ihr auch haben: Nextcloud funktioniert auf einem NAS (bei mir ist es eine Synology) oder beim Webhoster des Vertrauens natürlich (!) deutlich (!!) performanter, hier reden wir aber auch von einer ganz anderen Hardwareumgebung und einen völlig anderen Ansatz, das Thema „private Cloud“ zu verwirklichen. Bin ich technisch wenig affin, möchte nicht basteln und sitze auch nicht mit einer Stopp-Uhr neben dem Bildschirm, ist die Box eine feine Lösung, um recht einfach und schnell seine Daten bei sich zu Hause zu parken.

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Die Performance steht hier auf einem anderen Blatt, im Fokus ist schlichtweg die Datenhaltung zuhause und die Idee dahinter. Der Raspberry Pi 2 reißt keine Bäume aus und wenn Nextcloud einmal die Unterstützung für das Modell 3 realisiert (welches aktuell in Planung ist), wird man hier wohl noch ein paar Sekündchen einsparen können.

Für Bastler und Techniker bleiben aber definitiv die Fragen der Geschwindigkeit in Sachen Festplattenzugriff, fehlendes RAID und Netzwerkanbindung im Raum stehen, aber auch die Frage der Geschwindigkeit des eigenen Anschlusses, der ins Haus geht, sollte parallel bedacht werden: Egal, wie fix die Nextcloud Box intern ist, mit einer kleinen Internet-Leitung werde ich weder damit noch mit performanterer Hardware etwas reißen können.

Persönlich sehe ich das Projekt als Fall-Studie, die auch für unbedarfte User out-of-the-box eine private Cloud bereitstellen kann und ein Fingerzeig in die richtige Richtung ist. Ob das jedem das Geld wert ist oder man dann doch in Richtung Marke Eigenbau- und Konfiguration davonzieht, wird individuell verschieden sein – eben so wie Eure Anforderungen. In einem Folgebeitrag werde ich zeitnah noch auf die weitere Konfiguration samt Servername, IP-Adressierung und SSL-Zertifikaten eingehen, die dann die oben erwähnten Stellschrauben darstellen und ich hoffe, dieser erste Einblick war zumindest ein wenig interessant für Euch!



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Über den Autor: Oliver Pifferi

Digital Native, der trotzdem gerne das Mittelalter erlebt hätte und chronischer Device-Switcher. Multimediafreak. England-Fan. Freier Autor & Tech Blogger. Hobbyphilosoph. Musik-Enthusiast. Querdenker. Zyniker. Hoffnungsvoller Idealist. Gladbacher Borusse und hauptberuflicher IT-Consultant. Auch zu finden bei Twitter, Google+, Facebook, Instagram und XING. PayPal-Kaffeespende an den Autor.

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