ARM zeigt neue SoCs auf der Computex und denkt auch an Windows 10

29. Mai 2017 Kategorie: Hardware, Mobile, Windows, geschrieben von: André Westphal

ARM hat passend zur aktuell laufenden Computex in Taiwan einige neue SoCs vorgestellt. Dazu zählt etwa der ARM Cortex A75 für Fahrzeuge, Smartphones, VR-Headsets und sogar allgemein Geräte mit Windows 10, die x86-Emulation verwenden wollen. Für Letzteres hat der Hersteller extra an der Architektur gebastelt. Der Cortex A75 ist nun der Nachfolger des Cortex A73 und wird als Kern sicherlich wieder in vielen SoCs seinen Dienst verrichten.

Bei im Grunde identischer Effizienz soll der Cortex A75 mehr Leistung bieten. Wie stark die Unterschiede ausfallen, hängt aber von der Art der Belastung ab. ARM selbst bescheinigt dem Kern etwa 22 % mehr Leistung bei Integer-Aufgaben und 16 % mehr Leistung bei Workloads, die vor allem den Speicher beanspruchen. Die Float-Leistung soll wiederum um 33 % gegenüber dem A73 gestiegen sein. Außerdem unterstützt der ARM Cortex A75 FP16- und INT8-Berechnungen, was für die Arbeit mit neuronalen Netzen ein Faktor ist.
Die Herstellung erfolgt im 10-Nanometer-Verfahren und als Takt sollen bis zu 3 GHz anliegen. ARM hat viel an der Architektur gearbeitet und unter anderem einen schnelleren L1-Cache sowie dedizierten L2-Cache für jeden Kern mit bis zu 512 KByte. Hersteller können die Kerne der neuen Reihe ARM Cortex A75 mit den Cortex A55 kombinieren für die big.LITTLE-Designs mit leistungsfähigen Cortex-A75-Kernen und Stromsparkernen – eben dann den Cortex A55. Beide Kerne gehören zur neuen Dynamiq-Reihe.


Spannend ist zudem, dass die ARM Cortex A75 bis zu einem Stromverbrauch von 2 Watt hochstufen können,wenn maximale Leistung gefordert ist. Das soll sie eben gerade auch für Tablets und Notebooks mit Windows 10 interessant machen. In ersten Smartphones und anderen Gerätschaften dürfte man SoCs auf Basis der ARM Cortex A75 aber erst ab 2018 finden.

Eben nebenbei erwähnt: Der ARM Cortex A55 ist auch neu. Wie der A75 soll er mit der GPU Mali-G72 Hand in Hand gehen. AMD nennt die beiden SoCs übrigens Dynamiq, weil sie flexiblere Kombinationen ermöglichen. Zuvor erlaubte ARM Partnern nur festgelegte Anzahlen unterschiedlicher Kerne zu kombinieren – etwa für einen Octa-Core vier Kerne der Reihe ARM Cortex A72 und vier Stromspar-Kerne der Reihe Cortex A53. Die Dynamic-Kerne sollen aber nun mehr Spielraum in den Clustern erlauben. Dadurch wäre etwa auch eine Kombi aus sieben A55-Kernen und nur einem A75-Kern möglich.

Der ARM Cortex A55 ist laut ARM übrigens je nach Szenario um 10 bis 30 % leistungsfähiger und soll die Effizienz um bis zu 15 % erhöhen. Außerdem ist allgemein von um 18 % verbesserter Single-Thread-Performance die Rede.

Zur neuen GPU Mali-G72 abschließend: Diese nutzt 32 Shader, soll die Energieeffizienz um 25 % verbessern und in Machine-Learning-Benchmarks um ca. 17 % schneller arbeiten als noch die G71. Diese GPU ist der angedachte Begleiter der ARM Cortex-A75 und -A55. Besonders für VR- und KI-Anwendungen sollen laut ARM Vorteile entstehen.

Vielleicht sehen wir erste SoCs und Smartphones mit den neuen Kernen auch noch Ende 2017. Allgemein ist aber wohl das erste Quartal 2018 am realistischsten.

(via The Verge)

Über den Autor: André Westphal

Hauptberuflich hilfsbereiter Technik-, Games- und Serien-Geek. Nebenbei Doc in Medienpädagogik und Möchtegern-Schriftsteller. Hofft heimlich eines Tages als Ghostbuster sein Geld zu verdienen oder zumindest das erste Proton Pack der Welt zu testen. Mit geheimniskrämerischem Konto auch bei Facebook zu finden. PayPal-Kaffeespende an den Autor.

André hat bereits 2450 Artikel geschrieben.