Apples geplante TV-Revolution lässt weiter auf sich warten

16. Februar 2017 Kategorie: Apple, Streaming, geschrieben von: André Westphal

Apple hatte vor im Bereich Fernsehen genau so eine Revolution zu erreichen, wie es dem Hersteller beispielsweise im mobilen Markt gelungen ist: Im Alleingang machte Apple quasi ab 2007 Smartphones populär. Ja, es gab auch zuvor ähnliche Geräte, aber erst Apple erreichte mit der richtigen Mischung aus Benutzerfreundlichkeit und Design eine breite Masse. Das Apple iPad war ebenfalls ein Gerät, das mit den Tablets eine eigene Kategorie aus dem Boden stampfte. Doch im Bereich TV hat Apple immer noch zu knabbern und kommt auf keinen grünen Zweig.

Aktuell soll Apple intern immerhin einen neuen Apple TV mit Unterstützung für 4K /  Ultra HD testen. Hier ist Apple aber nun wahrlich kein Pionier, sondern ein Nachzügler: Amazon, Google und andere Hersteller haben entsprechende TV-Boxen bereits seit einiger Zeit am Markt. Dass Apple hier aber nachlegen will, zeigte sich auch Anfang des Monats darin, dass der Hersteller aus Cupertino Timothy D. Twerdhal von Amazon abgeworben hat. Jener war dort für die Fire TV verantwortlich. Sein Wissen soll er nun bei Apple für den TV-Bereich einsetzen.

Eine neue Generation des Apple TV könnte noch dieses Jahr erscheinen. Intern rangiere das Gerät bereits unter dem Codenamen „J105“ und solle neben Ultra HD auch HDR mitbringen. Wie bereits erwähnt, zieht Apple damit aber lediglich nach und kann sich keineswegs plötzlich an vorderster Front positionieren. Auch die App-Fähigkeiten des Apple TV sind in den Zeiten, in denen die Nvidia Shield Android TV für Begeisterung sorgt, nicht mehr allzu beeindruckend.

Gene Munster, früher Analyst für Piper Jaffray, nun Leiter der Loup Ventures, bemängelt: „Bei dem Apple TV kommt für mich die Frage auf: Seit wann hat Apple Hobbies?“ Laut Munster stehe Apple aktuell einfach nicht voll hinter dem Produkt und das spüre man am Ende auch. Zuletzt hatte Apple, ohne konkrete Verkaufszahlen zu enthüllen, zugegeben, dass die Verkaufszahlen des Apple TV 2016 zu den Feiertagen im direkten Vergleich mit dem Vorjahr deutlich gesunken seien.

Die Marktanteile des Apple TV sinken auch, weil es günstigere Varianten wie den Amazon Fire TV gibt – der sogar 4K unterstützt. In den USA wollte Apple zudem mit dem Apple TV ursprünglich die Boxen der Kabelnetzanbieter ersetzen. Doch dazu kam es letzten Endes nie. Auch die Zusammenarbeiten mit den Sendern und Studios scheiterten am Ende, weil man sich nicht auf eine gerechte Verteilung der Einnahmen einigen konnte. Die Content-Anbieter warfen Apple am Ende Arroganz und überzogene Forderungen vor, Apple bezeichnete die Gegenseite als zu unflexibel – damit hatte es sich dann wiederum.

Apple hadert wohl auch damit, den Apple TV mit Verlust oder geringerer Marge zu verkaufen, um mit den Inhalten zu verdienen. So soll es Pläne gegeben haben, den aktuellen Apple TV direkt 4K-fähig zu machen. Dafür wäre aber ein potenteres Chipset notwendig gewesen, was dem Unternehmen damals zu teuer erschien. Aus dem gleichen Grund verzichtete man auch darauf einen Game-Controller, wie bei der Nvidia Shield Android TV, beizulegen. Beides sind sicherlich im Nachhinein verpasste Chancen, die schließlich andere Hersteller auszunutzen wussten.

Ob Apple aber jetzt noch im Kampf um die Hoheit im Wohnzimmer eine Chance hat, muss die Zeit zeigen. Die Konkurrenz hat nicht geschlafen und speziell Amazon hat sich mit seinen Fire TV und Fire TV Stick, wohl bald auch bei uns in einer neuen Generation, breitgemacht. Sollte dieses Jahr wirklich ein neuer Apple TV mit 4K-Unterstützung und eventuell weiteren Features erscheinen, werden die Karten aber ja vielleicht nochmal neu gemischt.

(via Bloomberg)

 

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Über den Autor: André Westphal

Hauptberuflich hilfsbereiter Technik-, Games- und Serien-Geek. Nebenbei Doc in Medienpädagogik und Möchtegern-Schriftsteller. Hofft heimlich eines Tages als Ghostbuster sein Geld zu verdienen oder zumindest das erste Proton Pack der Welt zu testen. Mit geheimniskrämerischem Konto auch bei Facebook zu finden. PayPal-Kaffeespende an den Autor.

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