Apple Watch Series 3 ausprobiert

11. November 2017 Kategorie: Apple, iOS, Wearables, geschrieben von: caschy

Die neue Apple Watch der dritten Generation ist auf dem Markt. Mittlerweile ist sogar auch watchOS 4.1 mit neuen Funktionen erschienen, sodass ich mich einmal dazu hinreißen lasse, ein paar Worte zur Apple Watch Series 3 mit LTE-Funktionalität zu verlieren. Allerdings ohne die Telefoniefunktion, dazu aber später mehr. Die Apple Watch der dritten Generation gibt es wie die Vorgänger in diversen Varianten, mit unterschiedlichen Bändern und Gehäusen.

Neu ist auch die verbaute eSim, die es dem Träger erlaubt, seine Apple-Smartwatch halbwegs autark zu nutzen. Hier muss man sich vorher gut überlegen, ob man dies braucht und nutzt. Bislang ist die Nutzbarkeit der eSim ausschließlich bei der Deutschen Telekom gegeben. Hier wird die eSIM der Apple Watch 3 als zusätzliche SIM registriert, was nicht nur Kosten verursachen kann, sondern auch Probleme. Sollte dies kein Ausschlusskriterium sein, dann kann es direkt losgehen.

Ich werde in diesem Apple-Watch-3-Test nicht auf jede Einzelheit des Systems eingehen, denn unseren Lesern ist sicher die grundsätzliche Funktion der Smartwatch bekannt, des Weiteren habe ich unten noch einmal eine schöne Linkliste zum Thema. Durch die Software-Upgrades ist es natürlich so, dass man schauen muss, ob man überhaupt ein neues Modell benötigt. watchOS 4 brachte einige Neuerungen mit – mein Schwiegervater nutzt beispielsweise noch zufrieden seine Apple Watch der ersten Generation, wobei er diese eher als Tracker für die Gesundheit nutzt. Kollege Ostermaier nutzt die Apple Watch der zweiten Generation und meine Frau sah sich auch nicht in der Verlegenheit, die aktuelle zu kaufen.

Apple selber verkauft derzeit nur noch die Series 1 und die Series 3, wobei die günstige Series 1 auch etwas weniger kann, ihr fehlt nicht nur der schnellere Dual-Core-Prozessor S3, sondern auch der W2 Wireless-Chip. Auch GPS, Glonass oder einen Höhenmesser sucht man vergebens, auch eignet sich Series 1 nicht zum Schwimmen, der Schutz vor Wasser kam erst bei Series 2.

Als große Neuerung der Apple Watch Series 3 wurde „Siri spricht“ verkauft. Apples Assistent gibt also nicht mehr nur einfach so die Informationen raus, sondern spricht diese. Das ist für einige Nutzer in gewissen Situationen sicherlich praktisch und funktionierte in meinem Test auch anständig. In lauten Umgebungen taugt die direkte Ansage aber eher nicht ganz so viel, dazu leistet der Lautsprecher der Apple Watch nicht genug. Schön: Man muss nicht wie Michael Knight sprechen, das geht auch aus einiger Entfernung, mit dem Kaffee in der Hand oder der Hand am Steuer.

Mittlerweile haben sich ein paar Dienste-Anbieter von der Apple Watch verabschiedet, was allerdings nicht zwingend heißt, dass das App-Ökosystem kleiner wurde, denn es kam viel nach. Dennoch muss ich für mich persönlich sagen: Nur weil eine App auch eine Apple-Watch-Ausgabe anbietet, muss ich diese nicht nutzen. Für mich muss da schon ein wirklicher Mehrwert entstehen. Bevor ich auf dem kleinen Ding fuckele, greife ich doch eher zum Smartphone, um dort entspannter zu arbeiten.

Ich selber trage die Apple Watch seit der ersten Generation und habe mich schon sehr an sie gewöhnt. Vieles ist natürlich kein Must-Have, sondern eher ein Nice-to-have. Ich kann Nachrichten lesen, Dinge im Smart Home schalten, Nachrichten verschicken, Musik hören und kann so schneller und einfacher Dinge erfahren, für die ich für gewöhnlich zum Smartphone greifen muss. Das ist irgendwann eine automatisch drin, man gewöhnt sich an eine Bequemlichkeit in gewissen Dingen und möchte diese nicht mehr missen – das ist bei mir wie das Anschalten von Lichtern via Sprache.

Doch nicht nur für diese Aufgaben nutze ich die Apple Watch, sie unterstützt mich auch bei einer gewissen Achtsamkeit. So reine Tracker für Sportler passen einfach nicht für mich. Als Gesamtpaket können diese mir zu wenig und ich bin auch nicht der knallharte Sportler. Eigentlich gar nicht. Ich mag an der Apple Watch allerdings das regelmäßige Aufzeichnen der Herzfrequenz. Nicht nur beim Fußball – also schauen – ist es so, dass ich manchmal eine erhöhte Frequenz habe, auch in Momenten, die ich selber so gar nicht mitbekomme.

Ich habe mir auf der Apple Watch eine Grenze eingestellt, wenn diese überschritten ist, versuche ich einen Gang runterzuschalten. Auf mich zu hören, mal in mich zu gehen. Finde ich persönlich schon interessant, dass man das gar nicht so mitbekommt, man vielleicht aber in einer solchen Situation ist. Auch das Atmen, welches ich früher deaktiviert hatte, habe ich mittlerweile aktiviert. Einfach mal kurz innehalten, runterkommen. Und wenn ich mich dann doch mal betätige in irgendeiner Form, dann tracke ich dies ebenfalls über die Trainingsfunktion. Wir haben eine Familiengruppe, man kann seine Aktivitäten freigeben und sich informieren und motivieren.

Den Vorgänger fand ich schon sehr performant, die Apple Watch Series 3 legt noch einmal eine Schippe drauf. Das ist spürbar, wenn auch nicht mehr so extrem spürbar, wie beim Sprung vom Erstling zur zweiten Generation. Im besten Fall merkt man eh keine großen Sprünge, Hardware sollte immer rund laufen und in der Folgeversion einfach mehr realisieren bei gleichbleibender Qualität.

Wie schaut es bei mir mit der Akkulaufzeit aus? Wenn ich die Smartwatch wie eine Uhr benutze, also nicht dauernd damit herumspiele, stattdessen nur Notifications aktiviert habe und auf diese schaue und ab und an beantworte, dann komme ich in der Regel zwei Tage damit hin – wobei ich die Smartwatch in der Nacht nicht abnehme, wohl aber in den Theatermodus schicke.

Ich setze allerdings das 42-mm-Modell ein, die kleinere Version hatte schon immer eine kürzere Laufzeit, zumindest im direkten Vergleich zur Series 2 – meine Frau kam nie so lange über die Runden wie ich. Liegt vielleicht aber auch daran, dass sie in der Tat eine ganze Ecke aktiver ist. Gesamt betrachtet ist es so, dass ich mit der Series 3 ebenso lange hinkomme, wie mit dem Vorgänger. Ist auch das Feedback des Kollegen Ostermaier, er kommt ebenfalls zwei Tage mit der Apple Watch der zweiten Generation hin.

Anders sieht das natürlich für Menschen aus, die die Smartwatch wirklich zum Training nutzen und dementsprechend aufzeichnen. Auch hier gibt es – so wie bei Smartphones – keine Schablone, die man ansetzen kann. Jede Minute Training mit GPS zählt anders, dazu eventuelles Streaming mit Musik oder Telefonie. LTE zerrt richtig, in Sachen Telefonie kommt ihr auf maximal 1,5 Stunden Laufzeit, dann dürft ihr aber auch nichts anderes machen und wenn ihr Musik via LTE streamen wollt, dann könnt ihr dies maximal sieben Stunden tun. Wer Sport treibt und das Training minutiös trackt, der fährt am besten, wenn er während des Duschens die Uhr auf die Ladestation packt, dann sollte man auch als Sportler gut über den Tag kommen.

Alternativ gibt es im Notfall natürlich immer Mittel und Wege, um die Akkulaufzeit zu verlängern. Ich selber bin allerdings in der ganzen Zeit der Nutzung ohne künstliche Begrenzung ausgekommen. Dennoch, so vielleicht als Tipp:

Schalte beim Laufen oder Gehen den Energiesparmodus an, um den Herzfrequenzsensor auszuschalten. Öffne dazu die Apple Watch App auf deinem iPhone, gehe zu „Meine Uhr“ > „Workout“ und schalte den Energiesparmodus ein. Wenn der Herzfrequenzsensor ausgeschaltet ist, wird der Kalorienverbrauch möglicherweise aber weniger genau berechnet.

Bei längeren Trainingseinheiten kannst du anstelle des eingebauten Herzfrequenzsensors einen Bluetooth-Brustgurt benutzen. Um den Bluetooth-Brustgurt mit deiner Apple Watch zu verbinden, stelle sicher, dass der Gurt im entsprechenden Modus ist, gehe auf deiner Apple Watch zu „Einstellungen“ > „Bluetooth“ und wähle ihn in der Liste von Health Geräten aus.

Bewegst du deine Hände sehr viel und hast den Eindruck, dass das Display deiner Apple Watch öfter an ist als nötig? Schalte einfach die Funktion „Beim Armheben“ aus. Gehe dazu auf deiner Apple Watch zu „Einstellungen“ > „Allgemein“ und deaktiviere „Beim Armheben“. Danach tippst du das Display einfach an, wenn du es einschalten willst.

Wenn du Bluetooth auf deinem iPhone ausschaltest, erhöht das den Batterieverbrauch deiner Apple Watch. Lass Bluetooth an deinem iPhone eingeschaltet, damit die Verbindung zwischen den Geräten möglichst effizient ist.

Lasst uns aber mal kurz zur großen Neuerung kommen – der integrierten eSIM. Telefonie ist damit möglich, also anrufen oder angerufen werden. Das sogar ohne iPhone. Das Telefonieren mit iPhone in der Nähe ist ja auch so möglich, neu ist, dass die Apple Watch Series 3 mit LTE autark arbeiten kann. Die eSim fungiert hierbei als zweite SIM auf einem Vertrag, ist also mit einer Nummer gekoppelt, die ihr eh habt. Auf dem deutschen Markt bislang nur für Kunden der deutschen Telekom möglich, die dementsprechend dafür zahlen müssen.

Die reine Telefonie und das autarke Arbeiten muss ich an dieser Stelle noch testtechnisch verschieben und in einem gesonderten Beitrag betrachten. Der Fehler liegt dabei bei mir: Ich teste im echten Leben und da bin ich ein o2-Kunde. Ich habe Test-SIM-Karten der Telekom zur Verfügung gestellt bekommen, die ich allerdings zu spät aktivierte, somit waren diese also nicht mehr für mich nutzbar. Ich habe mich diesbezüglich bereits mit der Telekom in Verbindung gesetzt und werde vom Unternehmen bald eine SIM bekommen, damit ich das noch einmal separat beleuchten kann.

Rein technisch hat Apple die Antennen im Display verbaut, was dafür sorgen soll, dass man auch auf diesem beengten Raum passende Antennen für guten Empfang hat. Befindet sich die Apple Watch dann außerhalb der Reichweite des iPhones oder ist dieses ausgeschaltet, so kann damit dennoch kommunizieren – via Messaging-Apps oder eben ganz klassisch per Sprache.

Ebenfalls dürfte für viele die mit watchOS 4.1 hinzugekommene Neuerung des Musik-Streamings interessant sein, gerade unterwegs oder beim Sport. Musik lässt sich nicht nur lokal synchronisiert abspielen, sondern auf Zuruf direkt streamen. Erfordert in diesem Zusammenhang natürlich Apple Music und eine bestehende WLAN- oder LTE-Verbindung.

Eine Art erstes Fazit, ohne die Telefonie-Funktion zu bewerten? Die Apple Watch Series 3 kann man mit vielen Augen sehen – und das sollte man auch. Wer ein reiner Anwender ist und vielleicht nicht das optionale LTE benötigt, der wird auch noch mit der Watch Series 2 sicher ein weiteres Jahr überbrücken können. Wer das Streaming in Anspruch nehmen will und gerade sportlich aktiv ist, der kann zuschlagen. Mit LTE wird die Apple Watch autarker nutzbar und bietet Zusatzfunktionen wie das Messen des VO2max-Wertes – ein nicht unwichtiger Punkt in Sachen Sauerstoffaufnahme. Dieser Wert sagt aus, wie viel ml Sauerstoff ihr pro Minute und pro Kilogramm Körpergewicht bei maximaler Leistung verwerten könnt. Es sind sanfte Neuerungen, die Apple eingeführt hat – und eben jene machen das Gesamtpaket eine ganze Ecke runder.

Auf der Pro-Seite stehen für mich die gute Verarbeitung, der gute Bildschirm, die Wasserdichtigkeit, die gute Performance im Alltag und die Möglichkeiten für Sportler und alle Menschen, die mehr auf sich acht geben wollen und dafür einen gewissen Antrieb benötigen. Ein klares Manko ist das Ablehnen der LTE-Funktion durch Betreiber wie o2 und Vodafone, allerdings kann ich hier nur begrenzt die Schuld der Apple Watch zuschieben. Und auch sollte man sich vor Augen halten: Ihr seid nun ohne iPhone mobiler und erreichbarer, ein Smartphone ersetzt aber die Apple Watch noch nicht. Aber in vielen Situationen reicht sie. Das macht sie zum perfekten Begleiter für viele Menschen. Nun fehlt nur noch Apple Pay, dann kann man nicht nur das iPhone daheim lassen, wenn man zum Bäcker geht, man könnte direkt die Brötchen via Smartwatch bezahlen.

Je nach Variante kostet die Apple Watch Series 3 mit LTE ab 449 Euro. Ohne LTE wird sie ab 369 Euro angeboten. Weitere Infos finden sich auf der Apple-Homepage.


Über den Autor: caschy

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